Die Flagge. Die VR bedeutet ‚Ussere Rhode‘.
Autor: Maarten Koning
Kanton Appenzell Innerrhoden
Die Flagge
Der Simplonpass, Gondo und das Ecomuseum Simplon
Das Ecomuseum Simplon konzentriert sich auf den Transitverkehr über den Simplonpass, seine Geschichte und die natürliche Umgebung des Simplons und des Tals.
Das Museum verbindet Landschaft mit Kulturgeschichte, daher der Zusatz „Eco“. Das Museum verteilt sich auf mehrere Gebäude mit Dauer- und Wechselausstellungen.


Es handelt sich hauptsächlich um ein Freilichtmuseum mit der mittelalterlichen Saumstrasse und der etwa 35 Kilometer langen Stockalperstrasse aus dem 17. Jahrhundert als Hauptroute. Saum ist ein anderes Wort für Maultier. Bis zum Aufkommen der Postkutsche wurde der Transport hauptsächlich mit diesem Lasttier durchgeführt. Aus diesem Grund werden die Händler Säumer genannt.
Der Stockalperweg ist ein viel begangener Wanderweg und führt von Brig über Gabi und Furgu, durch das Zwischenbergtal und die Gondoschlucht nach Gondo.

Siders
Der Alte Gasthof
Der “Alte Gasthof” in Simplon Dorf ist das eigentliche Zentrum des Museums. Der internationale Transitverkehr und seine Auswirkungen auf die regionale Geschichte (Brig, Simplon-Dorf und andere Dörfer), die kulturgeschichtlichen Objekte aus dieser Region (Sammlung Perren) und die Geschichte der Goldmine Gondo-Zwischbergen stehen im Mittelpunkt.
Die Alte Kaserne
” ist ein napoleonisches Gebäude am Eingang zur Gondoschlucht. Darin werden die Verkehrswege des Simplons gezeigt: der alte Säumerpfad (12. und 13. Jahrhundert), die Stockalperstrasse (17. Jahrhundert), die napoleonische Strasse (1805), die Eisenbahnlinie mit dem Bau des Simplontunnels (1906) und die Nationalstrasse (1957).

Fort Gondo
Fort Gondo ist eine Festung aus den Jahren 1798-1813. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts und während des Ersten und Zweiten Weltkriegs baute die Armee die Verteidigungsanlagen aus dem 19. Jahrhundert zu einem Sperrfort aus.
Der Stockalperturm in Gondo
Die Goldbergwerk-Ausstellung im Stockalperturm in Gondo zeigt die Goldgräberstadt Gondo. Kaspar Jodok von Stockalper (1609-1691), „le roi du Simplon“, wie er am Hof Ludwigs XIV. genannt wurde, schürfte hier bereits im 17. Jahrhundert Gold.
Bis zum Beginn des 20. Jahrhunderts versuchten verschiedene Unternehmen, das Edelmetall in mehreren Minen abzubauen, jedoch ohne allzu grossen Erfolg.
(Quelle und weitere Informationen: Ecomuseum Simplon; www.simplon.ch; ViaStoria Kulturwege Schweiz
Korrektorin: Eva Maria Fahrni


Jau sun Biosfera im Münstertal
Die Bewohner des Bündner Münstertals haben sich 2020 mit grosser Mehrheit für die Charta 2021-30 ausgesprochen.
Dieses Dokument legt die Ziele des Naturparks Biosfera Val Müstair für die nächsten zehn Jahre fest. Der nächste Schritt erfolgt auf kantonaler und eidgenössischer Ebene. Dies zeigt auf, wie die Schweiz von unten nach oben funktioniert.
Nachhaltige Entwicklung, Tourismus, landwirtschaftliche Regionalentwicklung und Naturschutz sind keine gegensätzlichen Ziele, sondern ergänzen sich gegenseitig. Mehr als tausend Jahre bevor das Val Müstair im Jahr 2011 den Titel Naturpark von nationaler Bedeutung erhielt, war es bereits eine Region von internationaler Bedeutung.
Daran erinnert das Kloster St. Johann (Claustra Son Jon) in Müstair, das von Karl dem Grossen nach seinem Feldzug gegen die Langobarden im Jahr 774 gegründet wurde.

Muglin Mall

Hotel Crusch Alba

Ritterhof Chasa de Chapol
Die vielen Museen, die Dörfer, darunter Sta. Maria. Das Dorf und seine hotels Ritterhaus Chasa de Chapol und Crusch Alba und das Museum die Muglin Mall sind mit der schönen Landschaft und Natur verschmolzen.



Die Biosfera lebt jedoch nicht in der Vergangenheit, sondern blickt nach vorne. Das Ergebnis dieser Abstimmung bestätigt diese Politik.
Eine Win-Win-Situation für alle Beteiligten, auch für die Landwirtschaft, die bereits 80 % zertifizierte Bio-Landwirtschaftsprodukte produziert, und die Touristen, die dies schätzen und durch den Kauf dieser Produkte honorieren.
Jau sun Biosfera, zu Deutsch auch „Ich bin Biosfera“ ist hier die Devise. (Weitere Informationen: (www.biosfera.ch)





Die Geheimnisse des Wägitals
Eine Herbstwanderung entlang des Wägitalersees (Kanton Schwyz) bietet alles, was die Alpenlandschaft so schön macht: Berge, Wälder, Wiesen, einen See, Bäche, ein Dorf, Bauernhöfe, Kühe, Schafe und an diesem Tag (5. Oktober) herrliches Herbstwetter.


Doch im Oktober 1847, vor 175 Jahren, war es im Wägital und seinen beiden Dörfern Innerthal und Vorderthal nicht idyllisch. Der Kanton mobilisierte Männer für die Armee des Sonderbundes. Dieser Nachfolger des 1841 aufgelösten Sarnerbundes vereinigte 1845 die katholischen Kantone Zug, Luzern, Freiburg, Wallis, Schwyz, Obwalden, Nidwalden (Unterwalden) und Uri.
Diese konservativen Kantone wollten ihre Souveränität behalten und stellten sich gegen die protestantischen und liberalen Kantone. Diese sprachen sich für einen starken Bund aus. Auch die Kantone St. Gallen, Tessin und Solothurn unterstützten dieses Verfassungskonzept, obwohl sie mehrheitlich katholisch waren. Die protestantischen Kantone Basel-Stadt und Neuenburg sowie das katholische Appenzell Innenrhoden blieben neutral.
Die liberalen Kantone hatten die Mehrheit in der Tagsatzung und erkannten den Sonderbund nicht an. Dann nahm der Konflikt seinen Lauf mit den Schlachten bei Gisikon und Meierskappel im November 1847. Der Sonderbund verlor diesen kurzen (Bürger-)Krieg, der 25 Tage dauerte und 93 Todesopfer forderte. Die siegreichen Kantone der Eidgenossenschaft zeigten sich jedoch versöhnlich und grossmütig.
Die neue Verfassung von 1848 schuf einen schwachen Bundesstaat. Kantone und Bürger waren und blieben die Souveräne.
Die Kantone erhielten gleiches Stimmrecht im Ständerat, der sogenannten “Zweiten Kammer”. Dem Ständerat und dem Nationalrat standen die gleichen Rechtezu. Bundesgesetze oder Beschlüsse konnten von beiden Kammern initiiert werden, und beide Kammern mussten zustimmen.
Dieses Konzept gab den kleineren und weniger katholisch-konservativen Kantonen eine akzeptable (Gegen-)Stimme im föderalen System. Auch das katholische Schulwesen und die katholische Kirche erhielten Verfassungsrechte.

Das neue Dorf Innerthal
Nach 1848 war es wieder ruhig im Wägital; bis 1924. Das Dorf Innerthal verschwand, um dem Stausee Platz zu machen, der nach dem Bau der Staumauer entstand. Das Dorf und seine Kirche wurden weiter oben auf dem Hügel wieder aufgebaut, wodurch das heutige idyllische Bild entstand.
)Quelle und weitere Informationen: René Roca, Historisches Lexikon der Schweiz, HLS)
Der Schweizer Alpen-Club (SAC)
Der Schweizer Alpen-Club (SAC, Sektion Basel) organisiert regelmässig Wanderungen in diesem Gebiet (und anderswo im Land).
Obwohl der Name anderes vermuten lässt, organisiert der SAC nicht nur (Ski) Touren in den Alpen, sondern auch Wanderungen und Aktivitäten in anderen Regionen.
(Quelle und weitere Informationen: www.sac-cas.ch).
Korrektorin: Eva Maria Fahrni







Der Rhein in 38 Ausstellungen
Das Netzwerk Museen präsentiert die bislang grösste grenzüberschreitende Ausstellungsreihe zum Rhein. Zwischen Herbst 2022 und Frühjahr 2023 wird es 38 Ausstellungen zum Thema „Der Rhein“ geben.
Die Ausstellungen werden in Nord- und Südbaden, in den Departements Haut Rhin und Bas Rhin und in der Nordwestschweiz stattfinden und den Rhein unter sehr unterschiedlichen Aspekten beleuchten.

Die Natur, Ökologie und Schifffahrt am Rhein sollen ebenso zum Thema werden wie die Kunst-, Kultur- oder Technikgeschichte und die national unterschiedlichen Blicke auf den grossen Fluss.
Das Netzwerk Museen ist ein Verbund von Museen aus Frankreich, Deutschland und der Schweiz, die projektbezogen zusammenarbeiten. Etwa alle vier Jahre präsentiert das Netzwerk Ausstellungen in den jeweils teilnehmenden Museen zu einem gemeinsamen Oberthema.
Die grenzüberschreitenden Ausstellungsreihen des Netzwerks beleuchten eine Thematik aus unterschiedlichen nationalen, lokalen und thematischen Blickwinkeln. Große und kleine Museen sind beteiligt. Alle sechs Monate trifft sich das Netzwerk zu einer ganztätigen Arbeitssitzung.
Die erste Ausstellungsreihe des Netzwerks widmete sich 2014 dem Thema Erster Weltkrieg mit über 20 Ausstellungen. Koordiniert wird das Netzwerk Museen vom Dreiländermuseum Lörrach.
Eine Entdeckungsreise des Scherenschnitts
Die Scherenschnittkunst mit ihren sorgfältig mittels Schere oder Cutter hergestellten Bildern macht dieses kleine Wunder möglich. Traditionell werden die Bilder in einem Stück realisiert, in Schwarz und Weiss.
Ein Scherenschnitt kann aber auch unterschiedlichste Farbschattierungen oder Formate annehmen und manchmal wie eine Collage aus bunten Papieren aussehen. Modernere Scherenschnittkünstlerinnen und -künstler arbeiten oft mit asymmetrischen, graphischen und abstrakten Motiven.

Im Pays d’Enhaut (Siehe Musée du Vieux Pays-d’Enhaut in Château-d’Oex) sind die Scherenschnitte häufig von den Symbolen einer idyllischen Schweiz geprägt und stehen in der Tradition der zwei grossen lokalen Meister Johann-Jakob Hauswirth (1809–1871) und Louis Saugy (1871–1953).

25 Scherenschnitte im Grossformat sind im Dorf ausgestellt.
Vom Pays d’Enhaut aus haben sich diese volkstümlich inspirierten Scherenschnitte in der ganzen Schweiz verbreitet, ganz besonders im Saanenland, im Simmental und im Kanton Freiburg.
Der Rundweg im historischen Dorf Rougemont zeigt das Leben, die Kunst und die Zeit des Künstlers Louis Saugy.
(Quelle und weitere Informationen: www.lebendige-traditionen.ch)
Die Souveränität der Schweiz
Die Geschichte der Souveränität der Schweiz kennt viele Jahreszahlen, Mythen und (historische und politische) Diskussionen.
Das Heilige Römische Reich
Es gilt nur als unumstritten, dass das Gebiet der heutigen Schweiz im 15. Jahrhundert noch ein Teil des Heiligen Römischen Reiches war und dass im 19. Jahrhundert dieses Gebiet (ausser Tarasp (1803), Rhäzuns (1819) und Neuchâtel (1857) 1815 resp. 1848 ein Souveräne Staat war.
Die Zeit zwischen dem 16. und 18. Jahrhundert ist weniger eindeutig. Das Heilige Römische Reich erstreckte sich um 1530 über Gebiete, die heute auf mehr als zehn Staaten verteilt sind (Holland, Belgien, Luxemburg, Liechtenstein, Österreich, Frankreich (Lothringen, Franche-Comté, (Hoch) Savoyen, Elsass), Deutschland, Tschechien, Slowenien und Territorien in Kroatien und Polen). Spanien, Ungarn, Sizilien und Sardinien waren verbunden in einer Personalunion.
Die Dynastie der Habsburger liefert 1438-1806 fast ohne Ausnahme die Kaiser. Dieses Reich und die Kaiser verkörperten zusammen mit dem Papst auch die lateinische Christianitas. Das Reich war formell eine politische und juristische Einheit, inklusive Reichskammergericht (in Worms, Speyer und bis 1806 in Wetzlar), Hofrat und Reichstag.
Das Reich kannte dennoch viele kirchliche und säkulare regionale und lokale Herrschaftsträger: Bistümer, Abteien, Herzogtümer, Grafschaften, Reichsstädte. Das sehr unterschiedliche lokale Recht war meist entscheidend. Eine politische und juristische Einheit gab es also nicht.
Drei Faktoren waren besonders wichtig: erstens das Gewaltmonopol des Kaisers zur Handhabung von Frieden und Recht (wichtig für die Eidgenossenschaft 1415 (Eroberung Aargau, 1460 Thurgau), 1474-1477 (Burgunderkrieg, mit kaiserlicher Genehmigung), zweitens die Steuereinnahmen und drittens das Prestige des Reiches und des Kaisers.
Lokale Bündnisse
Die Schweiz gab es in dieser Zeit noch nicht, nur lokale Bündnisse innerhalb des Heiligen Römischen Reiches.
Das bekannteste darunter ist der Bund der drei Orte (Urkantone) von 1291 (Uri, Schwyz und Unterwalden), aber der politisch wichtigste Bund war zwischen den Reichsstädten Zürich, Bern, Luzern, Freiburg und Solothurn. Ob nun der Bund von 1291 an den späteren Bund der Städte (ab 1351) angelehnt ist oder umgekehrt, ist an dieser Stelle nicht relevant.
Tatsache ist, dass es 1513 eine Eidgenossenschaft von dreizehn Orten (Kantone) und Städten (und Untertanengebieten und zugewändten Orten) gab. Solche Bünde waren damals ganz üblich, zum Beispiel der elsässische Zehnstädtebund (Dekapolis), die Hanse im Norden Europas oder der Schwäbische Bund in Süddeutschland.
Die schweizerische Eidgenossenschaft überlebte aber Alle. Was machte die Eidgenossenschaft zur Ausnahme, zum Sonderfall ?
Die zentrale Herrschaftsebene des Heiligen Römischen Reiches und die vielen Königreiche (Frankreich, Spanien, England, Polen-Litauen und so weiter) waren zwischen 1495 und 1648 die dominanten Faktoren in der Staatsbildung. Das Reich kannte viele regionale und lokale weltliche und kirchliche Herrscher, auch in der Schweiz.
Die vielen Reichsstädte und Privilegien des Kaisers für das Gebiet der heutigen Schweiz sind in dieser Hinsicht wichtig. Reichsstädte waren kaiserliche Städte und autonome privilegierte Gemeinwesen, zum Beispiel Basel, Bern, Zürich, Freiburg, Luzern, Zug, Schaffhausen, Rapperswil, Genf, St. Gallen, Stein am Rhein und Solothurn.
In dieser Region gab es überhaupt viele Reichsstädte (Besançon, Colmar, Strassburg, Rottweil, Mulhouse, Augsburg, Konstanz) und auch Städtebunde (Dekapolis, Schwäbischer Bund, Eidgenossenschaft). Mehr als 90% aller Reichsstädte lagen im südwestlichen Viertel des Reiches.
1501-1798
Bei der Eidgenossenschaft schlossen die Orte und Städte und ihre Territorien aber lückenlos aneinander an, im Gegensatz zum elsässischen Zehnstädtebund und Schwäbischen Bund und es gab wichtige Bergpässe, Flüsse und Nord-Süd Verbindungen, weshalb auch Graubünden ab 1524 (Freistaat der Drei Bünde: Gotteshausbund, Zehngerichtenbund, Oberer/Grauer Bund) und die Orte Uri, Schwyz, Glarus und Unterwalden Interesse an einer militärischen Kooperation zeigten.
Diese gemeinsame Interesse waren schliesslich wichtiger als die vielen religiösen (ab 1525), politischen und territorialen Unterschiede. Die Urkantone und Graubünden waren hauptsächlich an italienischen Gebieten interessiert, Bern (und Freiburg und Solothurn) an der Eroberung der Nord- und Westschweiz. Sie waren aber nicht entscheidend für die Entstehung der heutigen Föderation. Auch der Frieden von Westfalen war 1648 nicht entscheidend, obwohl die damalige Konföderation der 13 Kantone (de facto) als Staat anerkannt wurde.
1798-1848
Die 13 Kantone der Eidgenossenschaft blieben bis 1798 souverän und bildeten noch keine neue Nation, obwohl diese als Einheit wahrgenommen wurde. Für die völkerrechtliche Souveränität waren die Jahre 1798-1815-1848 entscheidend. Die Wurzeln gehen aber Jahrhunderte zurück. das Jahr 1291, Tatsache oder nicht, steht in jedem Fall symbolisch für diese Entwicklung.
(Quelle: B. Marquardt, Die alte Eidgenossenschaft und das Heilige Römische Reich (1350-1798). Staatsbildung, Souveränität und Sonderstatus am alteuropäischen Alpenrand, Zürich 2007).
Barock. Zeitalter der Kontraste
Das Wort „Barock“ hat heute eine andere Bedeutung als noch vor zwei Jahrhunderten. Heute steht er für exzessives, theatralisches oder übertriebenes Verhalten oder Aussehen. Das Wort leitet sich vom italienischen „barocco“ ab und bezieht sich auf eine unebene und nicht runde Perle.
Ihr Ursprung geht auf ein Ereignis in Italien zurück: das Konzil von Trient (1545-1563). Dieses Konzil war die Antwort, die Gegenreformation der katholischen Kirche auf die Reformation in Europa, die 1517 begann. Eines der Ergebnisse war eine neue Präsentation und Liturgie der katholischen Kirche. Daraus entwickelte sich der Barock, die Zeit von 1580 bis 1780.

Konzil von Trent (1545-1563), Kopie aus 1770 eines Gemäldes aus dem Jahr 1563. Sammlung: Schweizerisches Nationalmuseum.
Der Barock beschränkte sich nicht auf das katholische Umfeld; auch protestantische und weltliche Kultur, Wissenschaft, Mode, Kunst und Musik wurden „barock“. Der französische Königshof unter Ludwig XIV. und XV. ist ein Musterbeispiel für diese Kultur. Davon zeugen nicht nur Versailles, sondern auch mehrere Stadtpaläste in Paris. Ein Beispiel ist das Hôtel Lambert. Aufgrund einer Versteigerung der Inneneinrichtung kann die komplette barocke Innenausstattung online besichtigt werden. Sie vermittelt einen Eindruck von barocker Pracht.

Ausschnitt aus einem Wandteppich von Charles le Brun (1619-1690), 1668, Treffen zwischen dem französischen König Ludwig XIV., dem spanischen König Philipp IV. und der spanischen Kronprinzessin (Ludwigs zukünftiger Frau). Sammlung: Mobilier national, Paris

Der Garten des Schlosses von Versailles (angelegt von André le Nôtre (1613-1700), Die Ankunft von Louis XIV, 1668, Reproduktion, Versailles und Trianon, akg-images/Jean-Claude Varga.
Im Landesmuseum Zürich stellt die Ausstellung „Barock. Zeitalter der Kontraste“ den Barock in eine europäische und schweizerische Perspektive. Die Ausstellung ist chronologisch und thematisch gegliedert. Nach dem „barocken“ Eingang mit einem schönen Modell der Laterne der Kapelle Sant’Ivo alla Sapienze in Rom (Francesco Borromini, 1664) gibt es einen Überblick über die religiöse und staatliche Aufteilung Europas anhand von Karten aus dem 17. Jahrhundert und digitalen Übersichten.
Sie gibt einen klaren Überblick über die wichtigsten religiösen und politischen Mächte und Konflikte in Europa sowie über die Handelsströme und die europäischen Machtkämpfe in der Neuen Welt, in Afrika und Asien. Schliesslich ist es auch die Zeit der Kolonisierung anderer Kontinente.
Es ist eine gute Wahl, die religiösen Spaltungen insbesondere auf den Katholizismus und die Hauptströmungen des Protestantismus zu beschränken. Sie bestimmten die vielen (Religions-)Kriege, den (kolonialen) Handel ,die Flüchtlingsbewegungen sowie das Aufkommen des Barock in dieser Zeit.

Französische Hofmode, 17. Jahrhundert. Sammlung Germanisches Nationalmuseum, Nürnberg
Auch der Titel ist gut gewählt. Das Gold und der Glanz der Kirchen, die Pracht des höfischen Lebens und des Bürgertums, die Blüte der Wissenschaft, der Künste, der Musik, der Architektur und der technischen Entwicklungen standen in krassem Gegensatz zu den fast permanenten Kriegen und (Handels-)Konflikten, den Krankheiten, dem Hunger, der Kälte („kleine Eiszeit“) und der Armut des grössten Teils der Bevölkerung.

Das Cembalo, teilweise bemalt. 17. Jahrhundert. Sammlung: Museum für Gestaltung Zürich/Kunstgewerbesammlung/Zürcher Hochschule der Künste
Auch die Schweiz hat eine reiche Barockkultur. Ihre Bürger, die „Zuckerbäcker“, Politiker, Wissenschaftler, Kaufleute und Unternehmer waren in Europa und in den Kolonien der europäischen Länder aktiv und übernahmen oder bereicherten die barocke Kultur. Schweizer Künstler verbreiteten die barocke Kultur nicht nur im eigenen Land, sondern zum Beispiel auch in Rom und am französischen Hof.
Carlo Maderno (1556-1629), Francesco Borromini (1599-1667), Domenico Fontana (1543-1607), Giovanni Viscardi (1645-1713), Enrico Zuccalli (1642-1724) und andere Architekten oder Künstler waren vor allem in Frankreich, Süddeutschland, Österreich (Vorarlberg) oder Italien (Rom) und an anderen Orten tätig.

Johann Baptist Cysat (1587-1657), 1619, Weltkarte mit den Standorten der aktiven und getöteten Jesuiten. Sammlung: Historisches Museum, Luzern
Die Hauptthemen der Ausstellung sind die Rolle der Kirche, insbesondere der Jesuiten und Kapuziner, die Kirchenarchitektur und Volksfrömmigkeit, Versailles und Frankreich als Massstab der Mode, Gärten, Paläste, Hof- und Wohnkultur, Theater, Musik, Literatur und Vorindustrialisierung (in der Schweiz u.a. Seiden-, Woll- und (Druck-)Textilindustrie, Uhrmacherei und Verarbeitung von Tee- und Kaffee), Migration, das Söldnerwesen und die Rolle der Schweizer Bürger in den europäischen Kolonien, die Wissenschaft, die Sammler und ihre Wunderkammer und die europäischen Netzwerke auf jedem Gebiet.
Blumenpyramide, Delft ca. 1700, Fayence. Rijksmuseum, Amsterdam/Koninklijk Oudheidkundig Genootschap
Zwei weiteren Ausstellungen, in Basel und Winterthur, widmen sich gerade heute einem spezifischen Thema der Barockkultur.
Kurz zusammengefasst, es war eine dynamische, aber kontrastreiche Zeit. Vielleicht wird man in zwei Jahrhunderten ähnlich auf unsere Zeit zurückblicken.
Die Ausstellung macht auch deutlich, dass diese Zeit die heutige Gesellschaft und Kultur noch immer beeinflusst. Der Barock gehört nicht der Vergangenheit an, sondern ist eine wichtige Phase in der Entwicklung der heutigen Gesellschaft.
(Quelle und weitere Informationen: Landesmuseum Zürich)
Korrektorin: Petra Ehrismann

Andrea Sacchi, Jan Miel, Filippo Gagliardi, die Jesuitenkirche Il Gesù in Rom, 1640, Hundertjahrfeier der Bestätigung des Jesuitenordens. Sammlung: Nazionali d’Arte Antica di Roma.
Katholizismus, Orthodoxie und Landwirtschaft im Schwarzbubenland
Die Bedeutung “Schwarzbuben” kommt wahrscheinlich von dem Wort ’schwärzen‘, was soviel wie schmuggeln bedeutet. Das Schwarzbubenland ist die Region nördlich des Passwangs (1204 Meter) im Kanton Solothurn. Sie besteht aus den Distrikten Dorneck und Thierstein. Die wichtigsten Orte sind Dornach und Breitenbach.
Die Mönche des Benediktinerklosters Beinwil wurden 1648 in das etwas weiter entfernt gelegene Kloster Mariastein verlegt. Seit 2019 beherbergt der Klosterkomplex das byzantinisch-orthodoxe Kloster Johannes Kapodistria, das vom griechischen Abt Archimandrit Dionysios geleitet wird. Das Kloster untersteht dem Patriarchat von Antiochien.
In den Jahrhunderten nach dem Jahr 1054, dem Jahr des Grossen Schismas, wäre es undenkbar gewesen, ein katholisches Kloster durch ein orthodoxes zu ersetzen. Es symbolisiert die Vitalität der orthodoxen Religion in Europa. Sie füllt die Lücke der katholischen und der protestantischen Religion Europas.
Das Kloster Beinwil übte die geistliche Macht aus und verfügte über viel Land im Dorf. Die Grafen von Thierstein waren die weltlichen Herrscher. Solothurn erwarb das Dorf im Jahr 1522. Nach einem anfänglichen Übertritt zum protestantischen Glauben hatte das Dorf im 17. Jahrhundert wieder eine katholische Kirche.
Nicht nur Klöster (u.a. auch in Mariastein und Dornach), Kirchen, zahlreiche Kapellen und eine grosse Kirche in Seewen (Kirche St. German) haben in diesem katholischen Kanton seit Jahrhunderten einen guten Nährboden gefunden.

Die (feuchten) Böden sind ebenfalls von guter Qualität für den Ackerbau und eine Vielzahl von Obst- und Gemüsearten. Das Lüssel-Tal ist ein gutes Beispiel dafür.
Selbst nach Monaten ohne Regen ist das Tal noch eine grüne Oase. Die Erschwilerinnen und Erschwiler haben in der Kirche St. Peter und Paul ihre Dankbarkeit für die Ernte zum Ausdruck gebracht. Damit zeigen sie, dass das “tägliche Brot” keine Selbstverständlichkeit ist. Dies muss nicht Ausdruck von Religiosität sein, sondern kann als Respekt vor der Natur und der Landwirtschaft verstanden werden.


Das Dorf liegt in einem Tal am Flüsschen Lüssel im mittelhohen Juragebirge mit seinen vielen Felsformationen, Schluchten, Tälern, Wiesen, Wäldern, Bächen und Flüssen. Das Dorf wurde erstmals 1147 unter dem Namen “Hergiswilre” urkundlich erwähnt.
Erschwil ist nicht nur ein guter Ausgangs- oder Endpunkt für Wanderungen. Es liegt auch in der Nähe der Gemeinden Zwingen, Dornach, Gempen, Laufen, Rodersdorf und anderer Ortschaften am Rande von Basel-Landschaft und Frankreich.
(Bron en verdere informatie: www.schwarzbubenland.info)
Korrektorin: Eva Maria Fahrni



