Verfügbar auf Englisch, Niederländisch und Französisch
Autor: Maarten Koning
Warum die Schweiz
Warum die Schweiz?
So lautet der Titel des Buches von Jonathan Steinberg (Cambridge, dritte Auflage, 2015). Das Buch ist eine detaillierte Studie über sieben Jahrhunderte Geschichte, Politik, Religion, Kultur, Wirtschaft und Werte. Sie haben das Land und seine Kantone geprägt und zu dem gemacht, was sie sind – keine Insel, sondern eine Oase mitten in Europa, wie Steinberg sagt:
„Why Switzerland? consists of two parts: why is there Switzerland? And why anybody else should care? The answer to the first is clear and has been the main effort in this book: a detailed study of creating a unique and successful small state over seven centuries and how and why it has worked. The answer to the second is the other face of the answer to the first. This small country represents the most intensive and continuous experiment in the strengths and limits of democracy. Switzerland matters to everybody who prefers democracy“.

Vevey, 29. Juli 2019. Foto: TES
Stereotype
Es gibt viele Klischees und Tatsachen über die Schweiz (und ihre Bürger*innen). Wenn das Land überhaupt in der ausländischen Presse auftaucht, geht es oft um (nicht nur jüdisches) Vermögen aus dem Zweiten Weltkrieg, das Bankgeheimnis, Schwarzgeld oder kriminelles Geld, die späte Einführung des Frauenwahlrechts (1971 auf Bundesebene), das Minarettverbot (2009) oder die Einführung von Quoten für Einwandererinnen und Einwanderer (2014). In jüngster Zeit kann die Anwendung der Neutralität bei (indirekten) Waffenlieferungen an die Ukraine hinzugefügt werden.
Dieser Artikel befasst sich nicht mit diesen Tatsachen, sondern stellt sie in die Perspektive der jahrhundertealten historischen, sozialen und politischen Entwicklungen, der direkten Demokratie, der fast sprichwörtlichen Höflichkeit im Alltag und der Achtung vor der Privatsphäre.

Ort der Zuflucht
Die Schweiz war für Schweizer*innen bis 1848 ein Auswanderungsland. Gleichzeitig war sie immer auch ein Zufluchtsort für Verfolgte: vom 16. bis zum 18. Jahrhundert für Hugenoten, Humanisten und Intellektuelle, Revolutionäre und Anarchisten, Frauen und Männer, auf der einen, im 19. Jahrhundert für Monarchen und Aristokraten auf der anderen Seite, ab 1914 für Pazifisten und Pazifistinnen, Kriegsgegner*innen (zum Beispiel die Künstlerbewegung DADA in Zürich) und Flüchtlinge.
Der österreichische Kanzler Klemens von Metternich (1773–1859) nannte das Land im 19. Jahrhundert einen Zufluchtsort für Republikaner und Anarchisten: Die Schweiz war das schwarze Schaf für die umliegenden europäischen Monarchien. Es war sogar von einer Invasion die Rede, um dieser liberalen Politik ein Ende zu setzen. Dazu ist es nie gekommen, weil das Land und seine Kantone (die letztlich über das Aufenthaltsrecht entschieden) manchmal strategisch nachgaben, um weitere Provokationen zu vermeiden.

Auch die späte Einführung des Frauenwahlrechts ist komplizierter, als es das Jahr 1971 vermuten lässt. Bereits 1867 konnten Frauen an Schweizer Universitäten studieren. Sie (und einige Männer) beanspruchten um diese Zeit schon das Wahlrecht. Marie Vögtlin (1845–1916) war 1869 die erste Frau in Europa, die Medizin studierte. Emilie Kempin-Spyri (1853–1901) promovierte 1887 und war damit die erste Frau Doktor mit eigener Dissertation in Europa.

Marie Vögtlin (1845–1916). Foto: Wikipedia
Ihre Tante war übrigens die Schriftstellerin Johanna Spyri (1827–1901), die Autorin von Heidi (1881). Frauen waren auch in allen Arten von Organisationen tätig. Bis 1918 unterschieden sich ihr Wahlrecht und ihre Rechtsstellung nicht von denen in anderen europäischen Ländern von einigen nordeuropäischen Ländern abgesehen (Finnland, 1906, Dänemark, 1915, Norwegen, 1913)
Dann kam der Erste Weltkrieg: Die wehrfähigen Männer der europäischen Nationen zogen als Soldaten an die Front, während die Frauen deren Platz in der Arbeitswelt einnahmen. Bei Kriegsende im Jahr 1918 konnte diese Situation nicht mehr rückgängig gemacht werden, und die Regierungen führten das Wahlrecht ein, allerdings ohne Volksabstimmung.
Die Schweiz war während des Ersten Weltkriegs neutral geblieben. Hier hatten die Frauen die Männer nicht in diesem Masse ersetzt. Nach dem Krieg wurden vergeblich Initiative auf nationaler Ebene und kantonalen Referenden über das Wahlrecht für Frauen ergriffen.
Zudem lehnte die Mehrheit der Kantone dieses Recht auf nationaler Ebene bis 1971 und in einigen Fällen sogar noch länger ab – Appenzell-Innerhoden wurde durch ein Bundesgerichtsurteil im Jahr 1991 als letzter Kanton gezwungen, seinen Bürgerinnen das Wahlrecht zu geben.
Nach der Einführung des neuen Rechts haben die Schweizer Frauen jedoch schnell ihre Positionen eingenommen. Die erste Präsidentin oder Prima inter Pares in der nationalen Regierung gab es bereits 1999. Auch die Zahl und Qualität der Politikerinnen ist hoch.
Eine hypothetische Frage: Wie wäre eigentlich das Ergebnis in anderen Ländern (z. B. in den Niederlanden) ausgefallen, wenn dort über das Frauenstimmrecht abgestimmt worden wäre? Immerhin unterschied sich bis in die 1950er- und 1960er-Jahre die Rechtsstellung der (verheirateten) Schweizer Frauen nicht wesentlich von derjenigen in anderen europäischen Ländern.

Jean-Baptiste Isabey (1767-1855), Kongress von Wien (1814-1815). Foto: Wikipedia
Neutralität
Die Schweiz war bei der Aufnahme jüdischer Flüchtlinge vor und nach 1940 zu restriktiv, bwohl es auch «ungehorsame» Beamte, Bürgerinnen und Retter in der Not gab und die öffentliche Meinung diese Politik missbilligte.
Der «Judenstempel», ein grosses rotes «J» im Pass jüdischer Menschen, die vor dem nationalsozialistischen Regime in die Schweiz flohen, wurde 1938 durch den damaligen Bundesrat gebilligt. Der Buchstabe diente dazu, rassistisch Verfolgte an der Grenze rascher zu identifizieren. Diese Praxis war und ist jedoch moralisch verwerflich und ein (freiwilliges) Zeichen von Feigheit, um dem Nachbarland zu gefallen.
Das Land und seine Fabriken lieferten (indirekt) Waffen an Deutschland, und Deutschland legte sein (geplündertes und gestohlenes) Gold und Geld auf Schweizer Bankkonten an. Aber hätte es eine Alternative gegeben? Das Land war von aggressiven Diktaturen umzingelt, die jederzeit einmarschieren konnten. Dafür gab konkrete Pläne (z. B. Operation Tannenbaum).
Obwohl das Land schwer bewaffnet war und sich in seiner Alpenfestung (Reduit) wahrscheinlich heftig gewehrt hätte, wäre es unmöglich gewesen, lange standzuhalten.
Überleben durch Kompromisse und Gefallen lautet also die Devise. In dieser Hinsicht unterschied sich die Schweiz nicht von anderen neutralen Ländern (z. B. Schweden) oder den Industrien und Bürokratien der besetzten Länder.
Die Neutralität wird im Zusammenhang mit der russischen Invasion in der Ukraine heute heftig diskutiert. Die öffentliche und parlamentarische Debatte ist in vollem Gange. Neutralität ist kein Ziel an sich. Neue Umstände erfordern unterschiedliche Anwendungen.
Die Neutralität von 1815 war und ist nicht die Neutralität von 1914 bis 1918, 1939 bis 1945, 1948 bis 1989 und 2022. Es bleibt zu hoffen, dass die Politik im Jahr 2022 nicht denselben «J»-Fehler in Bezug auf (indirekte) Waffenlieferungen begeht, in der vergeblichen Hoffnung, einem anderen Diktator zu gefallen.

Einsiedeln, Kanton Schwyz. Die Toblerones. Foto: TES.
Bankgeheimnis
Der Umgang mit dem (nicht eingeforderten) jüdischen Vermögen nach 1945 hängt mit dem (jahrhundertealten) Bankgeheimnis zusammen. Viele Kontoinhaber bzw. -inhaberinnen und ihre Familien hatten den Zweiten Weltkrieg nicht überlebt. Verwandte waren oft nicht informiert, und das Bankgeheimnis, die Bürokratie und rechtliche Fragen verhinderten den Zugang zu den Konten.
Hätte es auch anders laufen können? Ja, aber das Bankgeheimnis war sakrosankt und nicht für diese Situation bestimmt und gemacht. Dies gilt auch für das heutige Schwarzgeld oder Vermögen von Diktatoren und (anderen) Kriminellen.
Pecunia non olet … Das gilt auch für die Schweiz. Viele Anpassungen und Reformen sind bereits realisiert worden. Kann es schneller gehen? Ohne Zweifel, aber auch hier ist die Schweiz keine Ausnahme.
Referendum und Volksinitiative
Dies gilt auch für die Ergebnisse bestimmter Volksabstimmungen oder Volksinitiativen. Die Bürgerinnen und Bürger sind über gesellschaftliche Entwicklungen besorgt.
In der Schweiz haben sie die Möglichkeit, ihre Bedenken direkt zu äussern. Liegen sie dabei immer richtig? Nein, aber das sind Entscheidungen von Berufspolitikern und -politikerinnen oft auch nicht. Auch sie ignorieren Probleme oder vermeiden die öffentliche und politische Debatte, die wichtigste Funktion der direkten Demokratie.
Die direkte Demokratie, das föderale Modell, die dezentrale Organisation des Landes, die einzigartige Verfassung von 1848, die obligatorischen sieben Minister und Ministerinnen, das Konkordanzsystem (le système de concordance) , die sogenannte Zauberformel (la formule magique) bei der Regierungsbildung, die besondere Beziehung zwischen Parlament und Regierung, die Gleichstellung der ersten (Nationalrat) und der zweiten Kammer (Ständerat), die Kombination aus dem Majorzsystem bei den Wahlen zur zweiten Kammer, den Exekutivorganen der Kantone und Gemeinden sowie aus dem Proporzsystem bei den Wahlen zu den Gemeinde-, Kantons- und Nationalparlamenten (erste Kammer), die jährlich wechselnde Präsidentschaft des Landes, vertreten durch den Primus oder die Prima inter Pares des Bundesrates, bilden die Grundlage der politischen und gesellschaftlichen Stabilität.
Die Bürger und Bürgerinnen: der Schweizer Souverän
Das wichtigste Erbgut des Schweizer Modells sind jedoch die Bürger und die Bürgerinnen. Sie sind der absolute Souverän und zusammen mit den Kantonen die Gründer der Föderation. Sie hüten die Verfassung und sind die oberste gesetzgebende Gewalt.
Allein das Notrecht kann die Gewalt des Souveräns beschränken. Ferner können die Bürger, die Bürgerinnen und die Kantone dem Bund Kompetenzen übertragen. In diesem Fall besteht immer die Möglichkeit eines verbindlichen Referendums.
Die politische Rolle der Bürgerschaft spiegelt sich in einem hohen Mass im sozialen Engagement wider. Ohne die Bürgerinnen und Bürger könnten die nationalen, kantonalen und kommunalen politischen und demokratischen Institutionen wie auch das Milizsystem nicht funktionieren.
Gehandelt wird im Respekt vor der Natur, den Bauern, den Handwerker*innen und den (Verkehrs-)Regeln. Dies zeigt sich an der Höflichkeit im Alltag und der erstaunlichen und beeindruckenden wissenschaftlichen, industriellen und intellektuellen Kreativität und Innovation in allen Teilen des Landes.
Schlussfolgerung
Steinberg schreibt:
„Why Switzerland? consists of two parts: why is there Switzerland? And why anybody else should care? The answer to the first is clear and has been the main effort in this book: a detailed study of creating a unique and successful small state over seven centuries and how and why it has worked. The answer to the second is the other face of the answer to the first. This small country represents the most intensive and continuous experiment in the strengths and limits of democracy. Switzerland matters to everybody who prefers democracy“.
Das ist die Antwort auf «Warum die Schweiz?»: die wahre demokratische Europäische Union der sechsundzwanzig (jahrhundertealten) souveränen Republiken.
Espace Rousseau Neuchâtel
Die Öffentliche Bibliothek und Universitätsbibliothek Neuenburg (La Bibliothèque publique et universitaire de Neuchâtel) im ehemaligen Kollegium Latinum präsentiert eine weltberühmte Ausstellung, die dem Schriftsteller und Philosophen Jean-Jacques Rousseau (1712-1778) gewidmet ist.
Jean-Jacques Rousseau war einer der grössten Denker der Aufklärung und ist mit seinem vielfältigen und kohärenten Werk bis heute ein „Influencer“ in der Literatur, der Politik und in sozialen Fragen. Drei Texte wurden zu Bestsellern, sie sind eine Kombination aus Literatur und Philosopie: La Nouvelle Héloïse (1761], Les Confessions(1765) und Les Rêveries du promeneur solitaire (1776).
Inmitten der Aufklärung setzte Rousseau sich ein für eine Reform der politischen und sozialen Strukturen, der Bildung, der Moral, des Rechts und der Religion. Der Discours sur les sciences et les arts (1750) und der Discours sur l´origine et les fondements de l’inégalité parmi les hommes (1755) machten ihn berühmt.
Folgende Werke wurden jedoch als zu polemisch angesehen: Emile ou de l’éducation (1762) und Du Contrat social (1762). Rousseau wurde ins Exil nach Neuchâtel geschickt, damals ein preussisches Fürstentum(1707-1857).
Die Musik hat in Rousseaus Leben und Werk stets eine wichtige Rolle gespielt. Er schlug ein neues System der Musiknotation vor (bereits im Jahr 1742), schrieb mehr als 400 Artikel über Musik für die Encyclopédie von Denis Diderot (1713-1784) und Jean le Rond d’Alembert (1717-1783), komponierte Opern und war ein aktiver Musikkopist.
Während seines Aufenthalts in Neuchâtel und auf der Insel St. Petersinsel in den Jahren 1762-1765 entwickelte er eine Leidenschaft für die Botanik. Er schrieb mehrere Bücher und schuf ein neues System zur Beschreibung von Pflanzen.
Der Espace Rousseau Neuchâtel kombiniert neue Technologien mit Archiven und präsentiert eine Reise durch das Leben des Philosophen. Das Museum ermöglicht dem Besucher ein besseres Verständnis der Beziehungen Rousseaus zu seinen Zeitgenossen und des Einflusses seines Werks.
(Siehe auch: Môtiers, Musée Jean-Jacques Rousseau; Genf (Geburtsort), Maison Rousseau et littérature und in Neuenburg Musée d’arts et d’histoire und L’Association Jean-Jacques Rousseau.
Erasmus klingt in Basel
Vom 12. bis 18. September 2022 veranstaltet das Hochrhein Musikfestival in historischen Räumen der Basler Altstadt das interdisziplinäre Festival «Erasmus klingt! – Festival Lab», welches in biennalem Rhythmus Erasmus‘ Wirken auf die Wissenschaften und Künste der folgenden Jahrhunderte beleuchtet.
In jeder Ausgabe wird eines seiner Werke in den Mittelpunkt gestellt. Das Thema der ersten Ausgabe lautet Follia, inspiriert durch eines der bekanntesten Werke von Erasmus, Lob der Torheit, das 1511 erstmals auf lateinisch (laus stultitiae) veröffentlicht und zu einem der erfolgreichsten Werke des Jahrhunderts wurde. Themen rund um „La Follia“, Wahnsinn, Verrücktheit und Torheit, spiegeln die Inhalte der Konzerte wider.
(Weitere Informationen: Erasmus klingt! – Festival Lab (erasmus-klingt.ch)
La douce Suisse
Ein Spaziergang zwischen Auvernier und Bevaix (Kanton Neuenburg) am Seeufer führt Sie vorbei an Weinbergen, schönen Herrenhäusern, kleinen Stränden und Hügeln.
Auf einem Hügel steht die mittelalterliche Abtei von Bevaix, die im 16. Jahrhundert nach der Reformation 1530 in einen Bauernhof umgewandelt wurde.




Der Jura
Die Weinberge sind von Rosenstöcken gesäumt, dem besten Indikator für Schädlinge an den Reben.
Die Dörfer und Städte haben viel von ihrem Charme behalten (Corcelles, Cormondrèche, Cortaillod, Colombier, Bevaix, Auvernier).
Die Wander- und Radwege führen Sie zu den schönsten Plätzen auf dieser weniger als 15 Kilometer langen Strecke.
Quelle: Drei-Seen-Land



Boudry und Château de Boudry





Auvernier, der Neuenburgersee) und der Mont Blanc

Cormondrèche
Kunsttage Basel 2022
Vom 1. bis 4. September 2022 findet in der Region Basel die neue Ausgabe der Kunsttage Basel statt. Auch in diesem Jahr machen die Kunsttage Basel moderne und zeitgenössische Kunst für ein breites Publikum erlebbar.
Rund 55 Museen, Galerien, Ausstellungsräume und Off Spaces nehmen an der gemeinsamen Veranstaltung teil.
Die Kunsttage Basel zielen darauf ab, die künstlerische und kulturelle Vielfalt in der Region Basel weitum sichtbar und breit erlebbar zu machen.
Die Initiative möchte damit den kulturellen Austausch fördern und das regionale Kulturleben unterstützen.
(Weitere Informationen: Kunsttage Basel)
Schwingen in der Schweiz
Am vergangenen Wochenende (26.-28. August) fand in Pratteln (Kanton Basel-Landschaft) das Sportereignis des Jahres in der Schweiz statt. Dabei ging es nicht um Skifahren, Langlaufen oder Skispringen, auch nicht um Wandern, Bergsteigen, Radfahren oder Rudern (der jährliche Bilac) findet erst am 17. September statt).
Der Anlass, der seit 1895 vom Eidgenössischen Schwinger- und Älplerfest (ESAF) organisiert wird, konzentriert sich auf drei Sportarten: Schwingen, Steinstossen und Hornussen.

Die Veranstaltung begann am Freitag, 26. September, mit einem Festumzug. Über 4’000 Personen, 250 Tiere und 90 Gruppen, verschiedene Berufsgruppen und kulturelle Vertretungen der mehr als 100 Nationalitäten unter den Einwohnern Prattelns nahmen daran teil.

Bahnhof Pratteln heisst die 26 Kantone Willkommen.



Das Schwingen
Das Schwingen (französisch la lutte) gibt es schon seit Jahrhunderten. Die ersten Quellen stammen aus dem Spätmittelalter (1100 bis 1400). Vor allem in der Zentralschweiz, in den Kantonen Bern (vor allem im Emmental, Entlebuch und Berner Oberland), Schwyz, den beiden Appenzeller Kantonen, Obwalden und Nidwalden, war und ist es seit je her eine beliebte Freizeitbeschäftigung.
Schwingen ist auch in der Kathedrale von Lausanne auf einem Fresko aus dem 13. Jahrhundert abgebildet. Es ist in der Schweiz ein Nationalsport, wenn auch bei weitem am beliebtesten in der Deutschschweiz und weniger in der Romandie. In der italienisch- und romanischsprachigen Schweiz wird der Sport nur von wenigen Personen ausgeübt.
Der Sport ähnelt dem japanischen Sumo-Ringen, weist aber einige Besonderheiten auf. Die Kleidung ist vorgeschrieben: eine lange Hosen und darüber eine kurze Jutehose, die von der Form her am ehesten einer Windel ähnelt und mit einem Gürtel festgehalten wird.
Nach genau festgelegten Regeln versuchen zwei Kontrahenten, sich innerhalb eines Rings aus Sand gegenseitig zu Boden zu zwingen. Ein Kampfrichter entscheidet, ob die Voraussetzungen für einen Sieg nach den Regeln des Eidgenössischen Schwingerverbandes erfüllt sind.

Steinstossen
Das Steinstossen ist natürlich nicht ausschliesslich schweizerisch, sondern ist so alt wie die griechische Antike. Es ist eine Art Kugelstossen mit Steinen von 20, 40 oder sogar 83,5 kg. Es ist jedoch aussergewöhnlich, dass Steinstossen zu einem Nationalsport geworden ist, auch hier wieder mit einem starken Fokus in der Deutschschweiz.


Die Medaillenzeremonie für Steinstossen und das Spielfeld.
Hornussen
Ein Sonderfall ist das Hornussen. Es ist ebenfalls jahrhundertealt und kombiniert Golf, Cricket und Friesisch-Kaatsen. Es gibt zwei Mannschaften, die Angreifer und die Verteidiger. Die Angreifer müssen eine Scheibe, den sogenannten «Hornuss», aus Kunststoff (früher aus anderem Material) mit einem Gewicht von 78 Gramm und einem Durchmesser von 62 x 32 mm mit einem langen Stock von zwei bis drei Metern, dem «Strecken», vom «Bock» aus, dem Abschlagpunkt einer Plattform, so weit wie möglich schlagen.
Die verteidigende Mannschaft muss versuchen, den Hornuss mit einem 60 x 60 cm grossen Blatt an einem Stock , der «Schindel» zu stoppen. Das Spielfeld kann bis zu dreihundert Meter lang sein.
Die Bezeichnung «Eidgenössischer Hornusserverband» ist etwas irreführend, da es sich fast ausschliesslich um eine deutschsprachige Angelegenheit handelt. Hornussen ist kein obligatorischer Bestandteil des ESAF, Schwingen und Steinstossen hingegen schon. Der nationale Turnverband war früher Teil der ESAF, aber diese Sportart hat längst ihre eigenen nationalen Wettkämpfe organisiert.



Die Medaillenzeremonie für Hornussen mit Bannern von Vereinen mit „Schindel“. Foto: TES.
Organisation
Es handelt sich um das grösste Sportereignis mit ca. 400 000 Besuchern, dem Bau eines riesigen provisorischen Stadions für mehr als 50 000 Zuschauer (!) und einem Festgelände von nicht weniger als 70 Hektar mit Chalets, Partyzelten, Ständen für Merchandise, Sponsoren und zahlreichen Unternehmen und Organisationen, Ställen für Tiere, Zelten für medizinische Versorgung, Restaurants, Bars, VIPS und andere Gästen, Büros für den Kartenverkauf und das Personal, sanitäre Einrichtungen, sowie schön gestalteten hölzernen Wasserbrunnen.
Die lokale Organisation eines Dorfes von der Grösse Prattelns übernimmt die eigentliche Arbeit und ist unter der Schirmherrschaft der nationalen EASF-Organisation für die Durchführung verantwortlich.
Die nationale Meisterschaft in Schwingen






Die ESAF dreht sich hauptsächlich ums Schwingen. Das Schwingen findet im ausverkauften Stadion statt. 280 Schwinger nehmen teil. Die Schwingerinnen hatten in der Woche zuvor ein separates, viel kleineres Turnier. Es besteht noch nicht sehr lange, entwickelt sich jedoch langsam, aber sicher.
Nach mehreren Vorentscheidungen fand am Sonntagnachmittag das Final vor 50 000 Zuschauern im Stadion statt. Eine Million Zuschauer verfolgten das Spektakel zu Hause und via Public Viewing auf dem Festgelände und an anderen Standorten.
Zweisprachigkeit
Deutsch und Französisch sind die offiziellen Sprachen der Website und der Dokumentation der Organisation der Veranstaltung. Die Kommunikation im Stadion erfolgt auch auf Französisch und Deutsch. Die Zahl der französischsprachigen Teilnehmer am Wettbewerb beträgt 20 (es gibt 29 Schwinger aus der Romandie, aber von ihnen sind 9 deutschsprachig) und schätzungsweise 10 000 französischsprachige Schweizer besuchen die Veranstaltung. Es handelt sich also weitgehend um eine deutschsprachige Angelegenheit.
Dennoch findet das ESAF alle 15 Jahre in einem (mehrheitlich) französischsprachigen Kanton statt, zuletzt 2016 im französischsprachigen Estavayer-le-Lac (Kanton Freiburg).
Schlussfolgerung
Kühe und Stiere mögen in den Niederlanden nicht mehr so „woke“ sein, aber am ESAF ist ein Stier der prestigeträchtigste Hauptpreis. Die besten Schwinger des Landes können ausserdem von Sponsoring und Werbeaktivitäten leben. Einige von ihnen werden beinahe schon so vergoldet wie Formel-I-Fahrer.


Pauline Wayne II
Was den unvoreingenommenen Beobachter am meisten beeindruckt, ist (wieder) die lockere Organisation und Atmosphäre, die Fröhlichkeit und die vielen musikalischen Darbietungen, von Disco, Auftritten von Alphörnern, Blaskapellen, Jazz bis hin zu leichterer Tanzmusik bis in den frühen Morgen. Auch die zahlreichen sanitären Anlagen werden regelmässig gereinigt, und es sind ständig Reinigungskräfte anwesend.
Nicht nur Schwingen oder Hornussen sind typisch schweizerisch, nein, die ganze Veranstaltung, die Art des Festens und die Organisation sind Swissness par excellence!
Schloss Spiez
Die erste urkundliche Erwähnung von Spiez (Kanton Bern) fällt ins Jahr 762, als Bischof Heddo von Strassburg (um 697–776) testamentarisch dem Elsässer Kloster Ettenheim Kirche von Spiez nebst weiteren Gütern und Rechten vergibt.
Drei historisch bedeutende Besitzerfamilien – die Freiherren von Strättligen, die Herren von Bubenberg und die Stadtberner Patrizierfamilie von Erlach – prägen die Schlossgeschichte während rund 700 Jahre.


Die ersten Besitzer sind die Freiherren von Strättligen, ein Geschlecht aus dem Berner Oberland. Eine grosse Schuldenlast zwingt 1338 Johann von Strättligen zum Verkauf der Herrschaft Spiez an die Herren von Bubenberg.
Die Bubenberg, eine ritterliche Berner Ministerialenfamilie, sind eng mit der Frühgeschichte der Stadt Bern verbunden und im 14. und 15. Jahrhundert eine der führenden Familien Bern.

Der Kräutergarten, Rekonstruktion einer Anlage des 17. Jahrhunderts. Foto: TES
Das Schloss und die Herrschaft Spiez gelangten 1516 an die Familie von Erlach. Während neun Generationen besitzt diese Familie das Schloss. Mit Ferdinand Rudolf Albrecht von Erlach (1821–1884) endet die Zeit der Erlach auf dem Schloss am Thunersee.

Hermann Karl von Wilke (1827–1896) erwirbt die Besitzung am Thunersee. Er baut die Anlage um, errichtet zudem eine Orangerie. Aus dem ehemaligen Pintenschenkhaus, das unmittelbar bei der Schlosskirche steht, wird ein Wohnhaus im Chaletstil, genannt Le Roselier.
Bereits 1900 geht das Schloss Spiez in den Besitz von Rosina Magdalena Gemuseus-Riggenbach (1831–1919) aus Basel über. Nur sieben Jahre später verkauft sie das Schloss weiter an Dr. Wilhelm Schiess (1869–1929). Die Stiftung Schloss Spiez pflegt und unterhält die Anlage seit 1927.
(Quelle und weitere Informationen: Home (schloss-spiez.ch)


Pratteln
Pratteln ist Fundort des bisher ältesten Nachweises menschlicher Tätigkeit auf Schweizerboden. Der 1974 entdeckte Faustkeil ist mindestens 100000 Jahre alt.
Die Lautform des Ortsnamens gilt als Zeichen dafür, dass in dieser Gegend die keltoromanische Bevölkerung neben den Alemannen noch lange sesshaft blieb.
Das Dorf selbst geht auf einen Dinghof des Klosters St. Alban und auf den Besitz der Herren von Eptingen zurück. 1103 wird der Name Bratello erstmals erwähnt. Er wird auf das lateinische Wort pratellum (kleine Wiese) zurückgeführt.



Die Herren von Eptingen errichteten im 11. oder 12. Jahrhundert die Burg auf dem Adlerberg. Sie wurde 1356 durch das Erdbeben zerstört. Nach dem Erdbeben bauten die Eptinger die Burg im Dorf als Weiherschloss wieder auf.
1384 wurde das Dorf von den Baslern niedergebrannt und 1468 im Sundgauerkrieg von den Eidgenossen verwüstet. 1525 erwarb Basel die Herrschaft in Pratteln. Das Dorf mit heutezutage 15 000 Einwohnern gehört seit 1833 zum Kanton Basel-Landschaft.

(Quelle und weitere Informationen: www.pratteln.ch).
Das Kloster in Mollens
Das kleine Kloster in Mollens (Kanton Waadt) wurde 1137 dem Kloster Romainmôtier, einem Priorat von Cluny, angegliedert. Die Domäne dieses Klosters wurde dann fast zwei Jahrhunderte lang von den Mönchen von Romainmôtier verwaltet.

Bis zum 16. Jahrhundert gehörte das Dorf den Herren von Aubonne. Ab 1536 und der Eroberung des Waadtlandes herrschte Bern über das Dorf. 1791 baute Nicolas-Alexandre de Watteville, Vogt von Aigle (Kanton Waadt), das Schloss von Mollens.
Das Schloss befindet sich auch heute noch in Privatbesitz, wenn auch von einer anderen Familie. Im April 1798 zerstörte ein Brand 48 Häuser und das Kloster. Einige Jahrzehnte später wurde die Kirche wieder aufgebaut.
Bron: www.mollensvd.ch

