Museum der Reformation in Genf

Das Museum (Le Musée international de la Réforme (MIR) in Genf ist der Reformation und dem Protestantismus in seiner historischen und internationalen Dimension und seinem Kontext gewidmet. Nach einer zweijährigen Renovierung hat es seine Pforten wieder geöffnet.

Das Museum befindet sich in der Maison Mallet, die im 18. Jahrhundert auf dem Platz des Kreuzgangs von St. Peter errichtet wurde, wo 1536 die Reformation in Genf verabschiedet wurde.

Das Museum widmet sich ausführlich der internationalen Rolle Genfs bei der Reformation, einem ihrer wichtigsten Akteure, Johannes Calvin (1509-1564), und seine Zeitgenossen. 

(Quelle und weitere Informationen: Le Musée international de la Réforme)

Vincenzo Vela, Realismus und der Risorgimento

Der Kanton Tessin ist nur ein paar Jahrzehnte älter als das vereinte Königreich Italien. Dennoch spielte einer der berühmtesten Einwohner des Kantons eine wichtige Rolle bei der Einigung Italiens. Er hat diesen Prozess, das Risorgimento, durch seine Skulpturen und seinen berühmten künstlerischen Stil buchstäblich ins Blickfeld und in die internationale Öffentlichkeit gerückt.

1815 erkannte der Wiener Kongress die Neue Schweizerische Eidgenossenschaft mit 22 souveränen Kantonen an. Auf demselben Kongress überliessen die Grossmächte und Sieger (Preussen, Österreich, das Vereinigte Königreich und Russland) Österreich die Kontrolle über Norditalien und erkannten das Königreich Sardinien-Piemont an. Das französische Haus der Bourbonen erhielt Sizilien.

Im Jahr 1820 begann der Aufstand, das Risorgimento (die Bezeichnung für die italienischen Einheitsbestrebungen), das 1861 zur Einigung und zum Königreich Italien führte. 1820 wurde auch Vincenzo Vela in Ligornetto, einem kleinen Dorf im südlichen Tessin, in der Region Mendrisiotto, geboren.

Vincenzo war schon in jungen Jahren in das Risorgimento involviert. Er ging sehr jung nach Mailand und studierte dort an der Accademia di Brera und an der Scuola d’Ornato. Im Jahr 1842 schloss er sein Studium als Bildhauer ab. Er lebte und arbeitete abwechselnd in Turin und Mailand. Er lehnte den Klassizismus ab und führte den Verismo (Verismus oder Realismus auf Deutsch) ein.

Im österreichischen Mailand und im sardinisch-piemontesischen Turin stellte sich die Elite gegen Österreich. Das Ziel war ein vereinigtes Königreich Italien unter der Führung des Hauses Savoyen. Vela war politisch und gesellschaftlich engagiert und stellte seine Arbeit auch in den Dienst des Risorgimento.

Spartacus, 1849, Gipsoriginal; Lugano, Marmor,1850, Atrium des Rathauses

Er nahm nicht nur am Sonderbundskrieg 1847 auf der Seite von Guillaume-Henri Dufour teil, sondern meldete sich auch freiwillig für den Unabhängigkeitskrieg der Lombardei gegen Österreich im Jahr 1848. Sein Marmor-Koloss Spartacus aus dem Jahr 1850 war das Ergebnis. Das Original befindet sich heute in Lugano, das Gipsoriginal im Museo Vincenzo Vela in Ligornetto.

Der römische Sklave und Freiheitskämpfer wurde zur Identifikationsfigur des italienischen Aufstandes. Velas Realismus war somit Träger der Risorgimento-Bewegung geworden und er prägte die monumentale Bildhauerkunst nachhaltig.

Sein Verismo wurde in Europa bald als Inbegriff des italienischen Nationalstils angesehen. Aus diesem Grund musste er 1852 von Mailand nach Turin fliehen. Turin war zu dieser Zeit das liberale politische und künstlerische Zentrum des freien Italiens.

Die letzten Augenblicke Napoleons 1., Gipsoriginal, 1866; Versailles, 1867, Marmor.

Sein Ruhm reichte weit über die Grenzen Italiens und der Schweiz hinaus, und seine Skulptur Italien dankt Frankreich aus dem Jahr 1863 brachte ihm den Titel Chevalier de la Légion d’honneur ein. Seine Skulptur „Die letzten Augenblicke Napoleons I“. auf der Pariser Weltausstellung 1867 war eine Sensation. Kaiser Napoleon III., Neffe des Dargestellten, erwarb das Original (heute in Versailles) und Vela wurde zum Offizier de la Légion d’honneur befördert.

Nach seiner Tätigkeit im Ausland kehrte er 1867 in sein Heimatdorf Ligornetto zurück, wo er eine Villa baute, die ihm als Wohnhaus, Atelier und Privatmuseum diente und das er 1880 auch der Öffentlichkeit zugänglich machte. 1889 beauftragte die Stadt Como Vela, die Statue zu Ehren von General Giuseppe Garibaldi (1807-1882) zu schaffen. Es war Velas letztes grosses Werk.

Das ‚Pantheon des Risorgimento‘ in der achteckigen Halle (oben) und Giuseppe Garibaldi (1807-1882), Original-Gipsmodell, 1888; Bronze in Como, 1889, Piazza della Vittoria.

Die Villa beherbergt seit 1898 das Museo Vincenzo Vela. Das Museum zeigt das Wohnzimmer der Villa, eine Galerie mit Gemälden und Gegenständen aus dem Familienbesitz, Werke von Vincenzo und von seinem Sohn, dem Maler, Zeichner und Aquarellisten Spartaco Vela (1854-1895) sowie vom Bildhauer Lorenzo Vela (1812-1897), dem acht Jahre älteren Bruder Vincenzos.

Ebenfalls ausgestellt sind Bilder aus den Privatsammlungen der drei Künstler Vincenzo, Spartaco und Lorenzo. Die Gemäldegalerie  umfasst 300 Werke aus der Zeit von 1850 bis 1890 und gilt als die bedeutendste Sammlung eines Schweizer Museums von Gemälden der lombardischen und piemontesischen Kunst des 19. Jahrhunderts.

Museo Vincenzo Vela und der Park

Heute hat diese Skulptur des 19. Jahrhunderts keinen guten Ruf. Die (pompösen und pathetischen) Denkmäler sollen jedoch in ihrer angestammten Funktion und im ursprünglichen städtebaulichen Kontext erfasst werden.

Das Museum gibt einen vielseitigen Einblick in jenes Zeitalter, das als historische Voraussetzung für die heutigen Demokratien Europas verstanden wird. Diese Skulpturen gehören auch inhaltlich und formal zu den frühen Moderne gehörenden Werken des Realismus.

(Quelle und weitere Informationen: Museo Vincenzo Vela; M.-J. Wasmer, Museo Vincenzo Vela in Ligornetto, Gesellschaft für Schweizerische Kunstgeschichte, Bern, 2020).

Korrektorin: Eva Maria Fahrni

Deutsche und französische Orte der Eidgenossenschaft

Die Schweizer Eidgenossenschaft hat ihre Wurzeln im Spätmittelalter, in der Zeit vom 13. bis 15. Jahrhundert. Im Jahr 1513 trat Appenzell als dreizehnter Kanton bei.

Die Eidgenossenschaft verwaltete die von ihr eroberten oder gekauften Gebiete. Manchmal fiel diese Verwaltung auch den Kantonen zu. Man verwaltete Städte, Grafschaften, Täler oder andere kleine und grosse Territorien auf dem Gebiet der heutigen Schweiz und ein paar wenige  ausserhalb davon (Bormio, Chiavenna und Veltlina).

Die Eidgenossenschaft bestand mit Ausnahme von Freiburg zu dem Zeitpunkt nur aus deutschsprachigen Kantonen. Die Verwaltung dieser Gebiete wurde Gemeine Herrschaft genannt, wenn mehrere Kantone das Gebiet erobert hatten und es durch Vögte verwalteten. Die meisten Kantone waren an dieser Art von Verwaltung beteiligt, manchmal waren es sieben, acht oder zwölf Kantone, manchmal nur einer, zwei oder drei, aber selten alle Dreizehn.

Untertanengebiete

Die Kantone Aargau (1415), Thurgau (1460), Tessin (1500-1517) und Waadt (1536) wurden bis 1798 als Untertanengebiete verwaltet. Die Helvetische Republik (1798-1803) und die neue Konföderation (Mediationsakte 1803-1813, im Grunde ein Diktat von Napoleon) setzten der Situation ein Ende. 1815 wurden diese Kantone auch von der neuen Eidgenossenschaft (1815-1848) anerkannt, die damals aus 22 Kantonen bestand (mit Neuenburg, Genf und Wallis).

Schirmherrschaft

Andere Gebiete standen unter (militärischem) Schutz (Schirmherrschaft oder Protektorat). Sie waren im Prinzip souverän, aber diese Souveränität wurde durch die militärische Abhängigkeit in gewissem Masse eingeschränkt.

Die Burg von Neuenburg

Die Zugewandten Orte

Einen anderen Status hatten die Zugewandten Orte. Sie waren Verbündete der Eidgenossenschaft. Die meisten dieser Territorien hatten einen sehr unterschiedlichen Status. Verbündet waren zum Beispiel die stadt Biel, der Freistaat der Drei Bünde, die Stadt St. Gallen, die Republik der Sieben Zenden, das Fürstentum Neuenburg, die Republik Genf, verschiedene Städte, Grafschaften sowie andere weltliche und geistliche Gebiete, zum Beispiel das Fürstbistum Basel und die Fürstabtei St. Gallen.

Sie traten später als Kantone oder als Teil eines Kantons der Eidgenossenschaft bei. Die wichtigsten Beispiele sind die Kantone  Graubünden und St. Gallen (1803) sowie Graubünden, Neuenburg, Genf und Wallis (1815).

Weitere Gebiete und Herrschaften waren im Spätmittelalter oder um 1500 gelegentlich als zugewandt oder verwandt bezeichnet worden, wie das Bistum, Konstanz, Strassburg, der Herzog von Württemberg, die Grafschaft Montbéliard (Mompelberg auf Deutsch), die Stadt Besançon oder die Grafschaft Arona. Diese hatten jedoch keine formellen Bündnisse mit den Kantonen oder der Eidgenossenschaft.

Strassburg

In den meisten Fällen wurden diese Bündnisse nicht mit der Eidgenossenschaft und allen 13 Kantonen geschlossen, sondern mit mehreren Kantonen einzeln. Auch die (militärischen, politischen und wirtschaftlichen) Rechte und Pflichten waren bei jedem Bündnis unterschiedlich. Nach der Reformation wurde diese Situation erheblich komplizierter.

Rottweil. Foto: Wikipedia/Christoph Probst

Die meisten Verbündeten hatten kein politisches Entscheidungs- oder Anwesenheitsrecht an der Tagsatzung. Ausgerechnet die einzigen beiden Verbündeten, die ein Bündnis mit (fast) allen 13 Kantonen, d.h. mit der Eidgenossenschaft, hatten und (gelegentlich) an der Tagsatzung teilnahmen, wurden nicht Mitglied der Eidgenossenschaft: Rottweil (zugewandter Ort seit 1519) und Mülhausen (zugewandter Ort seit 1515). Dieser Beitrag konzentriert sich auf Mülhausen.

Rathaus Mülhausen

Mülhausen

Basel hat bereits 1506 ein Bündnis mit Mülhausen geschlossen, wie die Fenster des Rathauses zeigen. Am 19. Januar 1515 schloss die Stadt mit allen 13 Kantonen ein „ewiges“ Bündnis. Alle souveränen Kantone mussten diesen Vertrag separat unterzeichnen. Am 1. Juli 1515 war es dann soweit.

Mülhausen war mit der Teilnahme an der Tagsatzung faktisch ein Mitglied der Eidgenossenschaft. Es war auch der Wunsch der Stadt, Teil der Konföderation zu werden. Das Elsass war zu diesem Zeitpunkt noch kein französisches Gebiet. Die Region unterstand den Habsburgern, und die Stadt hatte einen autonomen Status (Reichsunmittelbarkeit). Die Sprache war Deutsch (Alemannisch).

Der historische Kontext

Im Jahr 1515, bis zur Schlacht von Marignano (13. und 14. September 1515), war die Eidgenossenschaft die militärische Supermacht in Mitteleuropa, wie Habsburg (1315-1499) und der Herzog von Burgund (1474-1476) erfahren hatten. Mühlhausen suchte den militärischen Schutz der Eidgenossenschaft.

Zudem war der lukrative Nord-Süd-Handel mit Basel als wichtiger Handelsstadt von Interesse. Darüber hinaus verfügte Basel über ein weiteres Prestige: die Universität (1460). Sie war das Zentrum des europäischen Humanismus sowie Verlags- und Druckereizentrum. Zwischen Mülhausen und Basel gab es ausserdem seit Jahrhunderten gute persönliche und kulturelle Beziehungen auf höchstem Niveau.

Allerdings gab es in Mülhausen auch eine habsburgische Fraktion, die ein Bündnis mit der Eidgenossenschaft ablehnte. Immerhin war die Stadt noch Teil des Heiligen Römischen Reiches der Habsburger Kaiser und Mitglied der Dekapolis (des Verteidigungsbündnisses von zehn Städten im Elsass).

Nach der Niederlage der Habsburger gegen die Eidgenossenschaft im Schwabenkrieg und dem Frieden von Basel 1499 strebte jedoch eine Mehrheit der Elite den Anschluss und vorzugsweise die Mitgliedschaft in der Eidgenossenschaft an.

Rathaus Mülhausen, 1798. Sammlung: Historisches Museum Mülhausen

1587-1798 

Ab 1587 unterhielt das reformierte Mülhausen hauptsächlich noch Kontakte zu den reformierten Kantonen, vor allem zu Basel, und erhielt keine Einladungen zur Teilnahme an der Tagsatzung mehr. Die Stadt verlor die guten Beziehungen zu den katholischen Kantonen, blieb aber formell ein souveräner, allen 13 Kantonen und der Eidgenossenschaft zugewandter Ort.

Ludwig XIV. eroberte im 17. Jahrhundert das Elsass und neun der zehn Dekapolis, mit Ausnahme von Mülhausen. Die Stadt blieb unabhängig, formell Teil des Heiligen Römischen Reiches der Habsburger Kaiser und zugewandter Ort der Eidgenossenschaft.

Die Französische Revolution und der Einmarsch Frankreichs in die Eidgenossenschaft im Jahr 1798 setzten auch den Bestrebungen von Mülhausen ein endgültiges Ende. Ab 1798 wurde die Stadt Teil Frankreichs.

(Quelle und weitere Informationen: Historisches Lexikon der Schweiz, A. Würgler, Zugewandte Orte, 26.02.2014; Prof. Dr. O. Kammerer, Prof. Dr. O. Richard, Dr. C. Sieber-Lehmann, Alliance de Mulhouse avec la Confédération Suisse 1515-1798, Mulhouse, 2015; le musée historique de Mulhouse).

Rathaus Mülhausen

Die Schweizerischen Kantone

Das Staatsrecht der Kantone ist ein unabdingbarer Bestandteil des schweizerischen Staatsrechts. Die Kantone bilden die Grundpfeiler des schweizerischen Staatswesens.
Fast alle Kantonsverfassungen wurden in den letzten 50 Jahren einer Totalrevision unterzogen, sind entstaubt worden, haben sich einander angeglichen und trotzdem ihre Eigenheiten bewahrt.

Die kantonale Demokratie hat sich verfestigt und verfeinert und erfreut sich eines regen Gebrauchs. Die Formen der kantonalen Gesetzgebung entfalten eine überraschende Vielfalt.

Der Trend zu Gemeindefusionen unterzieht die herkömmliche Kantonsstruktur einer gründlichen Veränderung. Die Verfassungsgerichtsbarkeit wird in einigen Kantonen von einer erstaunlichen Dynamik getragen. Organisationsrecht, Staat und Kirche, Bürgerrecht, Staatshaftung und Grundrechte schliessen den weit um die zentralen Bereiche der kantonalen Eigenständigkeit gespannten Bogen.

A. Auer, Staatsrecht der schweizerischen Kantone, Bern, 2016

Plima d’aur/Pledpierla

Der Schreibwettbewerb Plima d’aur/Pledpierla (Goldene Feder/kreiselndes Wort), den die Lia Rumantscha in diesem Jahr mit den beiden Themen «superforzas» (Superkräfte) und «7 minutas» (7 Minuten) lanciert hat, verzeichnet einen neuen Teilnehmerrekord.

Über 440 Texte wurden eingereicht. Die drei Jurys haben insgesamt 207 Texte aus dem Engadin, 61 Texte aus Mittelbünden und 175 Texte aus der Surselva gelesen und beurteilt. Mit über 200 Texten hat es auch im Engadin einen neuen Teilnehmerrekord gegeben.

Seit mehr als 20 Jahren veranstaltet die Lia Rumantscha den Schreibwettbewerb Plima d’aur/Pledpierla, um Kinder und Jugendliche zum Schreiben auf Rätoromanisch zu animieren.

In den letzten Wochen haben die drei Regionaljurys aus über 440 eingereichten Beiträgen die besten Texte ausgewählt. Zur Preisverleihung treffen sich die Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus allen Regionen virtuell.

Während des Treffens werden die Gewinnerinnen und Gewinner (Platz 1 bis 3) bekanntgegeben und für jede Region ein Siegertext vorgelesen. Die Preisverleihung findet am Mittwoch, 31. Mai 2023 von 10.15 bis 11.00 Uhr statt.

Seit vielen Jahren arbeitet die Lia Rumantscha mit dem Organisationskomitee der «Dis da litteratura» in Domat/Ems zusammen.Die Lesungen der Siegertexte der Plima d’aur/Pledpierla sind für Sonntag, 5. November, vorgesehen.

Die virtuelle Preisverleihung ist öffentlich, der Link ist unter www.liarumantscha.ch abrufbar.

Die Schweiz als Ereignis

Der Sammelband vereint 50 Episoden, die meist nur Fussnoten der Schweizer Geschichte wurden, und leuchtet sie neu aus. Das Resultat ist nicht nur unterhaltsam; es beweist auch, dass die Summe von Einzelereignissen viel über die Mentalität eines Landes verrät.

Eine russische Attentäterin im Grand Hotel Jungfrau, bundesrätliche Geburtstagswünsche an Hitler, ein Atomunfall in Lucens, Picassos Liebe für Basel, von der Armee vergiftete Kuhherden oder die wundersame Reise eines SchweizerFlugpioniers ins Reich des äthiopischen «Königs der Könige»: Was einst viel Staub aufgewirbelt sowie Politik und Medien beschäftigt hat, ist heute weitgehend in Vergessenheit geraten.

(Marc Tribelhorn (Hrsg), Die Schweiz als Ereignis, Zürich 2017)

Historischer Atlas der Region Basel

Basel ist seit jeher von zahlreichen deutsch-französisch-schweizerischen Grenzziehungen und Grenzüberschreitungen geprägt. Eingefasst von Jura, Schwarzwald und Vogesen, leben die Menschen mit Ausblicken auf die Burgunderpforte und den Ober- und Hochrhein.

Der  ‚Historischer Atlas der Region Basel‘ zeichnet in 64 Karten mit Begleittexten die Geschichte der Gebiete und Staaten um Basel nach. Die Reise beginnt in der heutigen Zeit und geht bis zurück ins Altertum. Beleuchtet werden auch verwandte Themen wie Konfessions- oder Sprachgrenzen.

(Christoph Merian Stiftung (Hg.), A. Salvisberg (u.a.), Historischer Atlas der Region Basel, Basel, 2010)

Bellinzona und die umliegenden Regionen

Bellinzona ist die Hauptstadt des Kantons Tessin. Die Stadt und die umliegenden Täler und Regionen (Biasca und die Riviera, das Bleniotal und die Leventina) weisen eine abwechslungsreiche Landschaft auf, die von kulturellen Besonderheiten und zahlreichen historischen und architektonischen Denkmälern durchzogen ist.

Die Festung von Bellinzona ist das grösste und einzige Beispiel eines mittelalterlichen Bauwerks, das aus drei Burgen und einer grossen Verteidigungsmauer besteht, die einst das ganze Tal, die Stadt und die Stadtmauern umschloss.

Bild: UNESCO World Heritage Bill Board

Die Stadt hat sich im Laufe der Jahrhunderte um die Festung herum entwickelt.  Die Herzöge von Mailand bauten die Festung zur Verteidigung gegen die eindringenden Eidgenossen. Letztere erwarben 1500 jedoch die Stadt, die Leventina, das Bleniotal und die Riviera nach einem Jahrhundert wechselnder kriegerischer Auseinandersetzungen.

Doch die Stadt hat noch mehr zu bieten: Parks, Kirchen, Kapellen und Klöster, Stadtpaläste, Denkmäler und die längste Brücke des Landes (Il Ponte Tibetano) über den Fluss Ticino.

Der Spazio pubblico (der öffentliche Platz) ist der älteste Platz der Stadt, der zwischen dem 11. und 12. Jh. entstanden ist. Hier trafen sich die Haupttransitrouten, die zum St. Gotthard-, Lukmanier- und San Bernardinopass führten.

Das Rathaus wurde 1921-1929 im Stil der Neorenaissance umgebaut und ersetzte das alte Rathaus aus dem 14. Jh. Die 26 Kunstwerke im Innenhof erinnern an die Geschichte von Bellinzona ab dem 15. Jahrhundert.

Die drei Burgen, Bild: Tourismus Bellinzona

Die Festung von Bellinzona

Die Festung von Bellinzona (UNESCO-Welterbe seit 2000) erreichte ihre grösste Ausdehnung im 15. Jahrhundert. Sie schützte das Herzogtum Mailand und seine Herzöge Visconti und Sforza vor Angriffen der Schweizer Orte (ab dem 16. Jahrhundert auch Kantone genannt) von der anderen Seite der Alpen.

Die grösste Burg, das Castel Grande, wurde im 13. und 14. Jahrhundert erbaut. Der Schwarze Turm (Torre Nera) wurde im Jahr 1310 fertiggestellt. Der Bau des Weissen Turms (Torre Bianca) dauerte ein Jahrhundert (1250-1350).

Die Mauer (Murata) wurde im 15. Jahrhundert gebaut und umschloss das Tal und die Stadt vollständig und versperrte den Weg zu und von den Bergpässen, einschliesslich des Gotthardpasses. Heute ist in der Burg das Museum für Geschichte und Kunst untergebracht.

Die Burg Montebello wurde im 14. und 15. Jahrhundert erbaut und beherbergt heute das archäologische Museum und Kunstausstellungen.

Die Burg Sasso Corbaro wurde 1479 erbaut und thront 230 Meter über der Stadt. Schon zwei Jahrzehnte später, im Jahr 1500, erwarben die Orte Uri, Schwyz und Unterwalden die Stadt und die Schlösser.

(Quelle und weitere Informationen: www.bellinzona.ch)

Korrektorin: Eva Maria Fahrni

Kantonsgebäude

Die Renaissance im Tessin

Im Jahre 1515 hatte die Eidgenossenschaft bei Marignano ihre grosse Niederlage gegen den französischen König François I. (1494-1547) erlitten. Davor waren die Eidgenossen aus vielen Kämpfen als Sieger hervorgegangen, so z.B.  gegen die Herzöge von Milan, die Habsburger, die Herzöge von Burgund und die Herzöge von Savoyen, damals die mächtigsten Monarchen Europas. Im Jahr 1513 eroberte die Eidgenossenschaft Lugano.

Ein gutes Beispiel ist die Kirche Santa Maria degli Angioli in Lugano. Sie wurde zwischen 1499 und 1515 als Klosterkirche des Franziskanerklosters erbaut. Das Kloster wurde 1525 fertiggestellt.

Bernardino Luini (1480-1532)

Die Santa Maria degli Angioli

Die Passion oder Crocifissione von Bernardino Luini (1480-1532) ist ein Meisterwerk der schweizerisch-italienischen Renaissance. Die Kontakte mit italienischen c.q. lombardischen Künstlern beeinflussten seit Jahrhunderten die Kultur nördlich  der Alpen.

Lugano

Er vollendete das Fresko im Jahr 1529. Luini malte auch das Letzte Abendmahl im Refektorium des Klosters. Dieses Fresko befindet sich heute ebenfalls in der Kirche. Um 1504 malte Luini auch die Passion in Santa Maria delle Grazie in Bellinzona. Diese Fresken sind die besterhaltenen Kunstschätze der Renaissance in der Schweiz.

Das Kloster wurde 1848 aufgelöst und die Gebäude wurden mehrheitlich einer säkularen Nutzung zugeführt.Einige Zeichnungen aus dem 18. und 19. Jahrhundert, die als Dokumentation in der Kirche zu sehen sind, vermitteln einen Eindruck von der beeindruckenden Grösse des Klosters.

Korrektorin: Eva Maria Fahrni

Das Kloster im 19. Jahrhundert

Santa Maria degli Angioli