Der Jura und seine vielen Geheimnisse

Das Juragebirge in den Kantonen Waadt, Bern, Jura und Neuenburg hält für Besucherinnen und Besucher verschiedene Überraschungen bereit: Es ist nicht nur eine Region, die durch die Vielfalt bekannter Naturschätze begeistert. Zu diesen Schätzen gehören beispielsweise der Creux du Van, die Gorges de l’Areuse, der Chasseral, die Seen von Neuenburg und Biel.

Sie verfügt auch über Geheimnisse, zum Beispiel die Dent de Vaulion, die Schluchten von Covatannaz, Douanne und Taubenloch, den Étang de la Gruère, den Préhisto-Parc und die Grottes de Réclère, die Freiberge, die Heimat des einzigen Schweizer Vollblutpferdes, oder die Wanderwege Chemins de Vignes, des Monts und des Crêtes du Jura.

Darüber hinaus ist die Landschaft zu jeder Jahreszeit von grosser Schönheit, wovon unter anderem St. Brais zeugt, ein kleines Dorf in den Freibergen, das zwischen den Ortschaften Porrentruy, Saignelégier, St. Imier, St. Ursanne, Delémont und Moutier liegt.

(Quelle und weitere Informationen: Office du Tourisme, Jura et Trois Lacs, Randonnées du Rêve, www.j3l.ch).

Korrektorin: Eva Maria Fahrni

 

Das Basel Tattoo 2023

Auf dem Kasernenareal in Basel steht heute eine Arena für fast 8 000 Zuschauer und Zuschauerinnen. Die Premiere des 16. Basel Tattoo findet hier am 14. Juli statt. Topformationen aus fünf Kontinenten mit rund 1 000 Artisten werden das Publikum und die Stadt verzaubern (Tickets gibt es auf www.baseltattoo.ch).

Die ersten Proben waren ein farbenfrohes, musikalisches und choreografisches Spektakel! Und Basel Tattoo ist auch das Resultat des Schweizer Milizsystems und der Zusammenarbeit mit der Armee, der Stadt, dem Kanton Basel-Stadt, der Bevölkerung und den Sponsoren.

Die Bürger und Bürgerinnen und die anderen Beteiligten haben ausserdem über die Farben der Krawatten und der Kleidung der Organisation entschieden, direkte Demokratie à la Suisse. Und die Organisation ist Stolz auf dieser Wahl.

Mitglieder der Organisation Basel Tattoo (Erik Julliard und René Häfliger) mit den Krawatten während der Pressekonferenz. Herr Julliard war Mitglied des Basler Top Secret Drum Corps. Das weltberuhmte Basler Top Secret Drum Corps arrangierte in Zusammenarbeit mit dem schottischen Filmkomponisten Lorne Balfe die Titelmelodie um neusten Film der Reihe Misssion Impossible- Dead Reckoning part one von Tom Cruise. Diese premiere ist am 12. Juli, zwei Basler Weltpremieren innerhalb zwei Tagen also!

Die Proben der Lucerne Marching Band, der Combined Bands of the Royal Cavalry und die Royal Guard of the Sultanate of Oman und der Banda Monumental de Mexiko.

Das Basel Tattoo findet vom 14. bis 22. Juli statt und zeigt was das Tattoo (wieder) ausmacht: eine Kombination aus Tanz, Paraden, Pfeifen, Trommeln, Blasmusik, dem Tattoo-Chor und der weltweit einzigen Tattoo-Garde.

Der Überflug der Patrouille Suisse am Freitag 14. Juli an der Premiere des Basel Tattoo findet jedenfalls statt. Der reine Überflug (ohne Kunstflugshow) wird nur an der Premiere durchgeführt. Die Teilnahme des Patois suisse (und le Ranz des vaches) ist jedoch noch nicht bestätigt.

Doe den tap toe

Das altniederländische “doe den tap toe” (Hahn zudrehen oder Zapfenstreich) steht übrigens am Ursprung des niederländischen Wort “Taptoe”, Tattoo auf Deutsch und Englisch. “Doe den tap toe” hat einen militärischen Kontext und bedeutet den Bierzapfhahn zudrehen. Das Kartspiel Jass hat auch eine altniederländische Geschichte (Klaverjassen). Heimweh (Heimwee auf Niederländisch) ist dagegen ein schweizerisches Wort.

Auf den Befehl „Hahn zudrehen“ (Zapfenstreich), unterstützt durch ein Trommel- oder Trompetensignal, wurden die Bierhahnen geschlossen. Im Lauf der Zeit ist «Tattoo» auch zum Überbegriff für Militärmusik-Festivals geworden.

Der Kasernenhof

Der Kasernenhof ist darum der richtige Schauplatz für ein Tattoo. Das Kloster Klingental (heute Museum Kleines Klingental) für Dominikanerinnen wurde nach der Reformation (1527) geschlossen. Die Gebäude dienten als Lager- und als Gewerberaum und als Standort für das Stadtgarnison. Die neue Kaserne war 1863 fertiggestellt und beherbergte bis 1965 Truppen. Es hat dort also viele Zapfenstreiche gegeben.

Das Basel Tattoo 2023

Die Musiker der Brass Band der 194th Pontoon Bridge Brigade der tapferen Armee der Ukraine sind, sozusagen, die Ehrengäste. Die Combined Bands of the Royal Cavalry und die Royal Guard of the Sultanate of Oman sowie die Banda Monumental de Mexiko (mit Tänzern, mit der Mariachi-Musik  und mit der Aztekenformation) sind auch besondere Darsteller. Die Formation der Omani besteht aus 50 Blasmusikern und Dudelsackspielern und 46 Pferden. Das Mariachi-Ensemble ist nur eine von vier Teilformationen der Banda Monumental de Mexiko, die diesem Tattoo mit über 120  Künstler und Künstlerinnen ihre Aufwartung macht!

Die New Zealand Army Band repräsentiert den vierten teilnehmenden Kontinent. Die Canadiana Celtic Highland Dancers sind die 50 besten Hochlandtänzerinnen Kanadas. Zusammen mit den Mounties der Royal Canadian Mounted Police und den kanadischen Mitgliedern der Massed Pipes and Drums repräsentieren sie den fünften Kontinent.

Der europäische Kontinent wird neben der ukrainischen Brass Band durch die Lucerne Marching Band, die Musik und den Tanz des Scottish Act, die Band of the Royal Regiment of Scotland, das Rekrutenspiel der Schweizer Militärmusik, die Basel Tattoo Garde, den Basel Tattoo Choir und die britischen Piper und Drummer von The Massed Pipes and Drums vertreten.

Die Basel Tattoo Parade findet am Samstag, 15. Juni, statt, der Basel Tattoo Kindertag am 22. Juli.

(Quelle und weitere Informationen: Basel Tattoo 2023)

Die Schweiz – ein europäischer Mikrokosmos?

Ein Blick zurück: Die heutige Schweiz ist das Ergebnis einer jahrhundertelangen Zusammenarbeit. Diese Zusammenarbeit war von verflochtenen politischen Bündnissen, direktem Austausch und engen Kontakten von und zwischen den Kantonen geprägt.

Die 26 Kantone. Quelle: Les 26 cantons suisses. Foto: www.jeretiens.net

Die Kantone

Aus diesen einzelnen Kantonen und ihren Partikularinteressen eine Nation zu formen? Eine Herausforderung. Nach dem Wiener Kongress (1814–1815) schien es unmöglich, diese souveränen Republiken mit ihren unterschiedlichen Sprachen, Religionen, Kulturen und (wirtschaftlichen und territorialen) Interessen in einer Föderation mit einer nationalen Währung, einer Regierung, einem Parlament, einer Armee oder gar einer Flagge oder einer Nationalhymne zu vereinen.

34 Jahre und einen Bürgerkrieg später, aber gelang das Unwahrscheinliche: Nach dem Sonderbundskrieg (1847) gaben sich 25 Kantone im Folgejahr eine Konstitution. Mit der gemeinsam getragenen Verfassung wurde die Confoederatio Helvetica, die Schweizerische Eidgenossenschaft, gegründet.

Dieser Zusammenschluss der Kantone war die logische Konsequenz einer Einheit in Verschiedenheit. Heute präsentiert sich die Schweiz sogar als Forschungsfeld für ein integratives Erfolgsmodell der europäischen Staaten. Für manche ist sie sogar ein (demokratisches) Vorbild, sozusagen ein europäischer Mikrokosmos. Andere sind der Meinung, dass die Schweiz das Maximum der europäischen Integration darstellt.

M. Valéry Giscard d’Estaing (2008) und Präsident François Hollande (2016). Pregny Chambésy, Musée des Suisses dans le monde. Foto: TES 

Sollte anstelle des Beitritts der Schweiz in die EU, nicht eher die EU das System der Schweizerischen Föderation in Betracht ziehen?  „In der Schweiz ist der europäische Traum Wirklichkeit geworden.“

Vevey, Musée de la Confrérie des Vignerons, Les Cent Suisses. Foto: TES

Die Gründung

Die Geschichte der Schweiz ist vor allem eine jahrhundertelange Kontinuität und eine bewusste Entscheidung der Kantone und Bürger für ein politisches System. Das unterscheidet die Schweiz von anderen Regionen in Europa, die ebenfalls lange zusammengearbeitet haben.

Die Hanse (vom 12. bis 16. Jahrhundert), der Rheinische Städtebund (1254 -1257, 1381-1389), der Schmalkaldische Bund (1530-1546), der Schwäbische Städtebund (1331-1381), der Schwäbische Bund (1488-1534) und der Zehnstädtebund oder Dekapolis (1354-1679) sind nur einige Beispiele dieser regionalen Bündnisse.

Die ähnlichen Bündnisse des heutigen Kantons Graubünden: der Gotteshausbund (1367), der obere oder der Graue Bund (1424), daher der Name Graubünden, und der Zehngerichtebund (1436), gründeten 1524 die Freistaat der drei Bünde.

In der Konföderation von 1803 wird Graubünden ein Kanton. Das Wallis war von 1476 bis 1798 auch ein Bündnis, die Republik der Sieben Zehnden. Der Kanton Wallis wurde  1815 Mitglied der Konföderation. Kontinuität.

Grundsätzlich hätten die Dinge für die Schweiz auch anders laufen können, «wenn». Über die Jahrhunderte gab es viele überraschende Zufälle, Irrungen und Wirrungen, die hier im Einzelnen nicht berücksichtigt werden sollen.

Dass es die Schweiz gibt, ist jedoch kein Zufall – zu dicht war das Geflecht aus wechselseitigen Verträgen und Kontakten, das die einzelnen Kantone miteinander verband. Damals deutete jedoch noch nichts darauf hin, dass die Schweiz im Jahr 1848 als Nation gegründet werden würde.

Einheit in der Vielfalt, 1935. Nationales Museum Zürich. Foto: TES.

Die Eidgenossenschaft

Die ersten Kantone (zu Beginn auch «Orte» genannt) werden ab dem Spätmittelalter erwähnt, etwa in der Zeit vom dreizehnten bis zum fünfzehnten Jahrhundert. Diese Kantone waren vor dem Zusammenschluss im Jahr 1848 souveräne Republiken mit eigener Gerichtsbarkeit, Kultur, Armee, Währung, Flagge, Sprache/Dialekt, Gesetzgebung, Regierung, Aussenpolitik (einschliesslich Entscheidungen zum Krieg oder Frieden und zu den Verträgen mit anderen Staaten und Kantonen), einem eigenen Parlament und eigenen Botschaftern. Eine Einmischung einer föderalen Behörde oder eines (ausländischen) Herrschers gab es nicht.

Die Eidgenossenschaft von 1513 und ihre dreizehn Kantone (dieser Begriff stammt aus dem 16. Jahrhundert) überstanden jedoch die europäischen (Religions-)Kriege und Revolutionen bis zum Jahr 1798.

Nach dem offiziellen Ende des 30-jährigen Krieges im Jahr 1648 (Westfälischer Friede) wurde die Eidgenossenschaft von den anderen europäischen Staaten (de facto) als eigenständige Nation anerkannt.

In der Wahrnehmung der damaligen Grossmächte (vor allem der spanischen und österreichischen Habsburger, Schwedens, der Republik der Vereinigten Provinzien, Frankreichs und Englands) war diese Konföderation eine souveräne Einheit. Die Kantone hatten dies durch ihre Erfolge auf dem Schlachtfeld und durch ihre politische, wirtschaftliche und aussenpolitische Tätigkeit ab 1315 erreicht.

Die Kantone selbst? Sie sahen sich nicht als politische Einheit, und auch von einer nationalen Identität konnte keine Rede sein.

Die Tagsatzung. Nationales Museum Zürich. Foto: TES.

Tagsatzung – ein komplexes Mosaik

Die Tagsatzung war das einzige Gremium der Eidgenosenschaft. Die Tagsatzung der Kantonsvertreter entstand 1417 nach der Eroberung des Aargaus im Jahr 1415. Ihre Hauptaufgabe war die gemeinsame Verwaltung der eroberten Gebiete (Untertanengebiete) des Thurgaus (1460), der italienischen Gebiete um 1500 und der Waadt (1536).

In anderen Bereichen waren sich die dreizehn Kantone jedoch meist uneinig. Nachdem einige Kantone sich der Reformation angeschlossen hatten, wurden die Zusammenarbeit und die Aussenpolitik noch komplizierter. Die Eidgenossenschaft war also weder katholisch noch protestantisch, sondern ein Bündnis, das sich aus katholischen und protestantischen Kantonen zusammensetzte.

Abgesehen von kleinen militärischen Konflikten (die beiden Kappelerkriege von 1529 und 1531, die Bündner Wirren von 1618 bis 1639, der Bauernkrieg von 1653 und die beiden Villmergerkriege von 1656 und 1712), lösten die Kantone ihre religiösen und wirtschaftlichen Konflikte jedoch durch Konsultationen, wobei sie stets das Machbare und den Kompromiss suchten.

Napoleon und die Schweiz

Die französische Besatzung und ihre konstitutionelle Konzepte – gemeint sind die Helvetische Republik von 1798 bis 1803 und die Konföderation von 1803 bis 1813 – setzten wichtige Veränderungen in Gang. Nach der Niederlage Napoleons bestand die neue Eidgenossenschaft von 1815 wie zuvor aus souveränen Kantonen (fünfundzwanzig, darunter sechs Halbkantone) ohne effektive nationale Organe.

Bild:Franzoseneinfall in Nidwalden, www.franzoseneinfall.ch.

Aber die Uhr konnte nicht zurückgedreht werden: Die Verfassung von 1848 ebnete den Weg für die moderne Schweiz. Eine Kombination aus Föderalismus, allgemeinem Wahlrecht für die Bürger (Bürgerinnen waren ausgenommen), einem ausgewogenen System der Machtteilung zwischen Bundesrat und Parlament (Nationalrat und Ständerat) sowie einer wichtigen Rolle der Kantone und Bürger. Bereits 1848 hatten die Bürger und Kantone das letzte Wort bei der Ausarbeitung der Verfassung.

Nach 1848 waren die Kantone das Labor für die Einführung der nationalen direkten Demokratie mit dem Referendum (1874) und der Volksinitiative (1891) – mit Erfolg. Die Einführung war eine politische Entscheidung der Bürger und Kantone. Sie stützten sich dabei auf die «Landsgemeinde» in acht Kantonen, die US-amerikanische Verfassung von 1786, die Errungenschaften der französischen Ära (1798–1813) und die Erfahrungen in den Kantonen (und Gemeinden).

Das Referendum, 1874. Nationales Landesmuseum Zürich. Foto: TES.

Die direkte Demokratie war von Anfang an das Schmiermittel einer Föderation von so unterschiedlichen Republiken und Interessen. Die Kantone und die Bürger vertrauten der föderalen Regierung und dem föderalen Gesetzgeber, und diese vertrauten den Kantonen und den Bürgern.

Willensnation

Die Schweiz ist also eine Willensnation mit einem politischen System, das in einem jahrhundertelangen Prozess von und für die Bürger*innen und ihre Kantone von unten (bottom-up) entstanden ist. Bis 1798 gab es in der Schweiz keine dominierende nationale Persönlichkeit oder Dynastie und keinen dominierenden Kanton, sondern nur grosse und kleine Kantone.

Bis 1848 gab es keine nationale Identität, sondern nur Solidarität mit den anderen Kantonen. Dieser Zusammenschluss war jedoch hauptsächlich pragmatisch und diente den Interessen der Kantone. Da passt es ins Bild, dass die neugegründete Schweiz bis 1889 auf ihre Nationalfahne und bis 1961 auf ihre offizielle Nationalhymne warten musste.

Bern, Haus der Kantone. Foto: TES.

Demokratie

Das Schweizer Modell ist keine gottgegebene Prädestination, sondern ein politischer Prozess. Ein wichtiger Aspekt des Schweizer Modells ist seine Anpassungsfähigkeit an sich verändernde gesellschaftliche, internationale und wirtschaftliche Entwicklungen.

Das Kompromissmodell und das sogenannte «Konkordanzsystem» sind aus der ständigen Notwendigkeit entstanden, sich mit allen Beteiligten zu beraten. Daraus entstand 1959 auch die «Zauberformel» , die 1959 zustande gekommene parteipolitische Zusammensetzung des siebenköpfigen Schweizerischen Bundesrates.

Die föderalistische Struktur des politischen Systems und die grosse Macht der Kantone im Ständerat sowie die direkte Demokratie für die Bürger*innen und ihre Organisationen sind die Grundlage dafür.

Der Bundesrat, das Parlament, die Kantone, die Wirtschaftsverbände und andere gesellschaftliche Organisationen werden bereits in der vorparlamentarischen Phase in den Gesetzgebungsprozess einbezogen, denn das letzte Wort haben immer die Bürger*innen und die Kantone.

Bern, Bundeshaus. Foto: TES

Schlussfolgerung

Das politische System der Schweiz ist ein subtiles und ausgewogenes Produkt jahrhundertelanger Tradition und Zusammenarbeit zwischen und mit den Kantonen und den Bürgern und Bürgerinnen. Es ist kein Exportprodukt, aber es kann interessante Hinweise auf das (Un)Machbare und das (Un)Mögliche im viel grösseren und unendlich komplizierteren Projekt der Europäischen Union geben.

Die Integration der Schweiz ist nicht perfekt. Es gibt einen «Röstigraben» zwischen den frankophonen und den deutschsprachigen Kantonen, die italienisch- und rätoromanischsprachigen fühlen sich nicht immer gehört, einen Stadt-Land-Graben, es gab eine späte (nationale) Einführung des Frauenstimmrechts (was übrigens nicht unbedingt nur etwas über die Schweizer Männer aussagt) und die Erlangung der Staatsbürgerschaft für Ausländer*innen, einschliesslich des Stimmrechts – ist keine leichte Aufgabe. Dies ist eine Kompetenz der Gemeinden und Kantone, die seit Jahrhunderten mit dem Bürgerrecht sparsam umgehen.

Die Covid-19-Pandemie und das Verhältnis zur Europäischen Union sind ebenfalls Anlass, die Machtverteilung zwischen Bund und Kantonen genauer zu betrachten. Das System ist jedoch reformierbar. Anpassungen und Verbesserungen erfolgen natürlich erst nach (langwierigen) Diskussionen und Konsultationen mit Kantonen und Bürgern*innen.

Das Schweizer Modell ist einzigartig und eine politische Entscheidung von und für die Bürger und ihre Kantone. Die Schweiz ist nicht nur die unangefochtene Weltmeisterin der Volksabstimmungen – diese direkte Demokratie ist kein Selbstzweck –, sondern sie ist in einem jahrhundertealten System von Gremien auf kommunaler, kantonaler und seit dem 19. Jahrhundert auch auf nationaler Ebene eingebettet.

Das Schweizer Modell hat dem Land auch in schweren Krisenzeiten gute Dienste geleistet, so zum Beispiel im Bürgerkrieg von 1847, während der Polarisierung von 1914 bis 1918 und beim Referendum (1974) über die Gründung des neuen Kantons Jura im Jahr 1979. Die direkte Demokratie vereinfacht das politische Leben der eidgenössischen (und kantonalen wie kommunalen) Exekutive und Legislative nicht, und sie ist auch in der Schweiz Gegenstand von Reformdiskussionen.

Aber die Schweizer und Schweizerinnen wie auch die Kantone sind der Beweis für den Erfolg. Ein Gesetz oder eine Volksinitiative zur Abschaffung der direkten Demokratie ist noch nie zustande gekommen.

Literatur

Lindner, Wolf, Müller, Sean (2017): Schweizerische Demokratie. Institutionen, Prozesse, Perspektiven, Bern. Vatter, Adrian (2020): Das politische System der Schweiz, Baden-Baden

Korrektorin: Anne Katrin Lombeck (www.satzbausatz.ch).

Wilhelm Tell in Lausanne

Die Tellskapelle in Lausanne ist keine Kapelle. Sie beherbergt keine Reliquien des Nationalhelden Wilhelm Tell, der (sofern es ihn gab) wohl nie in Lausanne war. Interessanterweise verdankt die Kapelle ihre Existenz nicht einem Schweizer, sondern dem Franzosen Osiris.

Obwohl es sich nicht um eine Kapelle handelt und es im Kanton Uri drei echte Kapellen – im religiösen Sinn – gibt, die Wilhelm Tell gewidmet sind (in Sisikon, Bürglen und Küssnacht), ist diejenige in Lausanne in mehrfacher Hinsicht einzigartig.

Die Tellskapelle verdankt ihre Existenz Daniel Iffla (1825-1907), einem wohlhabenden Pariser Bankier, der 1861 per kaiserlichem Dekret das Recht erhielt, seinem Namen den Zusatz „Osiris“ hinzuzufügen.

Daniel Iffla-Osiris. Foto: Wikipedia

Der französische Schriftsteller Pierre Assouline beschreibt ihn in seinem Buch “Le dernier des Camondo” (Paris, 1999) als

„le prototype du mécène moderne doublé d’un homme d’œuvres (…). Seine philanthropische Besessenheit beruhte zum einen auf der jüdischen Tradition der Tsedaka (Wohltätigkeit), dem öffentlichen Ansehen und dem unbändigen Wunsch, sein Vermögen zu vermehren.“

Bereits 1902 hatte Osiris der Stadt Lausanne die Statue von Wilhelm Tell vor der Treppe des Justizpalastes in Montbenon geschenkt, als Zeichen des Dankes für den gastfreundlichen Empfang von Bourbakis Armee im Jahr 1871.

Bei seinem Tod hinterliess er der Stadt eine grosse Summe für den Bau einer Synagoge und einer Kapelle zum Gedenken an den Nationalhelden.

Ausgewählt wurde das Projekt des Architekten Georges Epiteaux (1873-1957), der auch für den Bau der Galeries Saint-François in Lausanne verantwortlich war und des Malers Ernest Biéler (1863-1948).

Lausanne, Wilhelm Tell. Foto: Ville de Lausanne

Palais de Justice. Foto: Notrehistoire.ch

Die Kapelle wurde 1917 eingeweiht, während in Europa der Krieg tobte. Die Fresken wurden vorsorglich in den Saal des Justizpalastes gebracht.

Wir haben also die bemerkenswerte Tatsache, dass in Lausanne eine Statue zu Ehren Wilhelm Tells steht und dass es eine Kapelle gibt, die keine richtige Kapelle ist und deren Fresken im Justizpalast, dem Sitz des Bundesgerichts, zu sehen sind. Sowohl die Statue als auch die Kapelle wurden von einem französischen Bürger in Auftrag gegeben.

Die Tellskapelle bei Bürglen

Die Tellskapelle bei Sisikon (Kanton Uri)

Die Tellskapelle und die Hohle Gasse bei Küssnacht

Friedrich Schiller, Wilhelm Tell (1804), „zum Neujahrsgeschenk auf 1805“. Informationsstelle Küssnacht

Die Gesslerburg

Das Dorf Aesch und seine wechselhafte Geschichte

Aesch wurde von einem keltischen Stamm, den Raurachern, bewohnt. Im Jahr 58 v. Chr. zogen die Rauracher mit den benachbarten Helvetiern nach Gallien und wurden in diesem Jahr von Julius Cäsar bei Bibracte geschlagen. Rom eroberte 13-15 v. Chr. das Gebiet und die ganze heutige Schweiz. Die Gallo-Römische Kultur entstand im Laufe von vier Jahrhunderten. Die Alemannen besiedelten das Gebiet nach 500.

Die Kirche St. Josef wurde erstmals im 12. Jahrhundert erwähnt

Das Bistum und die Stadt Basel

 In der Karolingischen Zeit entstand ein Dinghof. Die Hunnen verwüsteten 917  die ganze Gegend. Rudolf III. (970-1032), der letzte König des Burgunds, begründete 999 die weltliche Macht der Bischöfe von Basel durch die Schenkung der Abtei Münster Grandval.

 

Kaiser Heinrich II., (973-1024) römisch-deutscher Kaiser, Erbauer des Münsters in Basel (1019) , schenkte dem Bischof von Basel die Vogteien Pfeffingen, Zwingen, Laufen und weitere Güter und Ländereien. Er vergrösserte dadurch die weltliche Macht der Fürstbischöfe.

 

Aesch gehörte mit Duggingen und Grellingen zum Amt Pfeffingen des Bistums Basel. Der Fürstbischof verfügte gleichzeitig über die geistliche und die weltliche Macht.

Die Kirche St. Josef wurde erstmals im 12. Jahrhundert erwähnt (onderschrift foto)

 

Um das Jahr 1100 wurde die Burg Pfeffingen errichtet. Die ältesten Besitzer waren die Freien von Pfeffingen. Aesch unterstand später den Vögten der Thiersteiner, die  auf Schloss Pfeffingen wohnten.

 

Die Vogtei Pfeffingen ging 1519 an den Bischof von Basel zurück. Die Gemeinden des Birseck wurden 1525 ins Basler Bürgerrecht aufgenommen, eine Ausnahme bildeten  die bischöflichen Rechte und Ansprüche.

 

Im Jahr 1528 verlegte der Bischof wegen der Reformation seinen Sitz nach Pruntrut. Die Reformation setzte sich im Birseck und im Laufental durch. Schloss Pfeffingen und die Gemeinden Aesch, Grellingen und Duggingen wurden 1530 durch den Bischof an die Stadt Basel verpfändet. Aesch blieb aber katholisch.

 

Die Abtretung aller alten Ansprüche und Rechte des Bischofs der bisher an Basel verpfändeten Gebiete (Oberbaselbiet) wurde 1585 in einem Vertrag festgelegt. Ebenso wurden die alten Rechte des Domkapitels an Basel abgetreten.

 

Das alte Schloss Aesch wurde 1606 abgebrochen. An dieser Stelle begann die Erbauung des Blarer-Schlosses.

Das Blarer Schloss

Die französische Zeit

 

Am 18.Dezember 1792 wurde die Raurachische Republik ausgerufen. Bis 1793 war Aesch Bestandteil der Raurachischen Republik und französisches Territorium. Am 7.März 1793 wurde die Raurachische Republik mit dem Département Mont Terrible vereinigt.

 

Am 17.Februar 1793 wurde das Département Mont-Terrible aufgelöst und dem Département Haut-Rhin zugefügt. Aesch kam dadurch zum Arrondissement Laufen. Colmar war die Hauptstadt.

 

Das Birseck war von Dezember 1813  bis zum 20.März 1815 unter der Herrschaft der verbündeten Mächte. Arlesheim war Verwaltungssitz.

 

Am 20.März 1815 wurde Aesch im Rahmen des Wiener Kongresses (1814-1815) dem Kanton Basel (Bezirk Birseck) zugeteilt. Zum Birseck gehörten Aesch, Allschweiler, Schönbuch, Oberweiler, Therwiler, Ettingen, Pfeffingen, Reinach und Arlesheim (9 katholische Gemeinden).

 

Der Stützpunkt der Revolution gegen Basel in den Jahren 1830-1833 im Birstal war die Gemeinde Aesch. Am 26. August 1833 sprach die Tagsatzung der Konföderation die vollständige Trennung zwischen der Stadt und der Landschaft aus.

 

 Eine freiwillige Wiedervereinigung ist jedoch bis heute nicht ausgeschlossen! 

Korrektorin: Petra Ehrismann

 

 (Quelle und weitere Informationen: Gemeinde Aesch)

Die Rigi Region

Einer der berühmtesten Berge der Schweiz ist die Rigi. Anders als etwa beim St. Gotthard, dem Matterhorn (Zermatt) oder der Jungfrau ist es nicht ihre Höhe (1 798 m ü. M.), sondern ihre Lage, der Vierwäldstattersee und ihre Geschichte, die ihr den Namen „Königin der Berge“ einbrachte.

Albrecht von Bonstetten (1443-1504), die erste Darstellung der Eidgenossenschaft, 1479. Die Eidgenossenschaft als Mittelpunkt der Erde und die Rigi, Königin der Berge, regina montium. Sammlung: Bibliothèque nationale de France. Latin 5656, S. 8r. Bild: Museum Vitznau-Rigi.

Bis ins 18. Jahrhundert war die Zentralschweiz vor allem ein Transitland auf dem Weg nach oder von Italien für die „Beau Monde“ und die „Grand Tour“ der englischen Adligen. Nur wenige zeigten oder hatten Interesse an dem teilweise unwirtlichen Land. Diplomaten, Prälaten, Pilger, Händler und andere Reisende mit geschäftlichen Absichten kamen nicht über die grösseren Städte oder Klöster des Landes hinaus. Tourismus, Alpinismus, Naturliebhaber oder Wanderer gab es noch nicht.

Die „Wäggemann-Karte, 1630 mit den Dörfern Weggis, Vitznau en Greppen. Bild: Museum Vitznau-Rigi

Die drei Hauptorte der Rigi-Region sind Weggis, Vitznau und Greppen. Weggis wird erstmals 1116 als „Guategisso“ urkundlich erwähnt. Greppen und Vitznau werden Crepon“ (1259)  und „Vitzenouwa“ (1346) genannt.

Weggis und Vitznau waren zunächst im Besitz des Klosters Pfäfers. Luzern erwarb Vitznau und Weggis im Jahr 1380. Greppen war im Besitz der Habsburger, bis Luzern das Dorf im Jahre 1406 erwarb.

Greppen heute

750 Jahre Greppenim Jahr 2009

Der Heilige Wendelin

Weggis heute

Weggis hingegen hatte für kurze Zeit, von 1359 bis 1380 (bis zum Erwerb durch Luzern), den Status einer souveränen „Dorfrepublik“ und war sogar als Bündnispartner der Eidgnossenschaft angeschlossen. Das nahe gelegene Gersau behielt diesen Status sogar bis 1798!

Vitznau heute

Bis 1798 und der Gründung der Helvetischen Republik (1798-1803) änderte sich in der Rigi-Region politisch, wirtschaftlich und gesellschaftlich nicht viel, abgesehen von mehreren Aufständen unzufriedener Bewohner wegen unerträglicher sozialer Umstände und der Haltung der Luzerner Verwaltung.

Der „Luzern“ bei Weggis

Das Aufkommen von Journalismus und Zeitungen Ende des 18. und Anfang des 19. Jh. sowie die Aufmerksamkeit von Schriftstellern und Intellektuellen für die Schweiz innerhalb einer Generation einen regelrechten Schweiz-Boom verursachten.

Jean-Jacques Rousseau, Lord Byron, Madame de Staël, Johann Wolfgang von Goethe und Edward Gibbon sind nur einige Beispiele von Persönlichkeiten, die sich für die Schweiz interessierten. Die “ersten Amerikaner“ Thomas Jefferson, James Madison und John Adams beriefen sich in ihrer Unabhängigkeitserklärung vom 4. Juli 1776 auf diese eigentümliche republikanische Konföderation in Mitteleuropa inmitten von Monarchien.

Die Industrialisierung des Landes, einschliesslich der Uhren- und Textilindustrie, begann sich ebenfalls bemerkbar zu machen.  Die Napoleonischen Kriege bedeuteten jedoch eine Stagnation bis 1815.

Nach 1815 vollzog sich der wirtschaftliche, soziale und politische Wandel jedoch rasch. Die Rigi-Region war eine der ersten, die davon profitierte. Eine neu gebaute Strasse ermöglichte ab 1820 eine direkte Postkutschenverbindung von den Schiffstellen und Schiffländen unter anderem nach Rigi-Scheidegg, Rigi-Kulm und Rigi-Kaltbad. Es ist kein Zufall, dass an diesen Orten die ersten Grand Hotels des Landes gebaut wurden. Der Transport fand damals hauptsächlich über den Vierwaldstättersee statt.

Die ersten Dampfschiffe auf dem Vierwaldstättersee wurden 1837 in Betrieb genommen. Die Firma Escher Wyss wurde sogar europaweit führend im Bau dieser Schiffe! Mit dem Bau von Eisenbahnen wurde der Transport zum Vierwaldstättersee und später zur Rigi ab 1870 immer komfortabler.

Grand Hotels schossen wie Pilze aus dem Boden.  Weggis, Vitznau und Greppen profitierten vom Tourismusboom. Atemberaubende Aussicht auf die Alpen, gute Wandermöglichkeiten, bequeme Erreichbarkeit, Grand Hotels und Bäder sowie Schifffahrten auf dem See trugen zur Attraktivität der Rigi-Region bei.

Die Rigi-Bahn. Bild: Museum Vitznau-Rigi

Der 21. Mai 1871 war ein denkwürdiger Tag. Die Vitznau-Rigi-Bahn, das erste Zahnradbahnsystem, wurde in Betrieb genommen. Einer der ersten Schweizer Kurvereine zur Förderung des Tourismus wurde 1888 in Vitznau gegründet, 1893 folgte der Kurverein Weggis.

Die Infrastruktur, Strassen, öffentliche Toiletten, öffentliche Unterhaltung (Theater, Konzerte), Sitz- und Ruhebänke, Alleen mit Bäumen, elektrische Strassenbeleuchtung, die Wasserversorgung, Häfen und der tägliche Reinigungsdienst waren damals und sind bis heute gut organisiert.

Die St. Markuskirche, Vitznau

Die ausländischen Touristen brachten auch die protestantische Religion in den katholischen Kanton. Die reformierte St. Markus-Kirche in Vitznau war 1904 die erste nicht-katholische Kirche in einem Dorf des Kantons.

Die Rigi war auch Schauplatz der ersten Skiversuche in der Zentralschweiz. Josef Dahinden-Pfyl, Besitzer des Hotels Bellevue in Kaltbad, und die Sektion Pilatus des 1863 gegründeten Schweizer Alpen Clubs (SAC) unternahmen die ersten Skitouren auf der Rigi. Ab 1907 transportierte die Rigi-Bahn auch im Winter Gäste nach Scheidegg, Kulm und Kaltbad. 1908 wurde der Skiclub Rigi gegründet. Die Rigi war nun zu einem Ganzjahresziel für Winter- und Sommersport und -Tourismus geworden.

Plakat um 1930 Bild: Museum Vitznau-Rigi

Weggis, Das Strandbad Lido heute

Das war aber noch nicht das Ende der Innovationen in der Rigi-Region. In Hertenstein entstand eines der ersten Freilichttheater des Landes, in Weggis wurde 1919 das erste gemischte Freibad (für Männer und Frauen) am Vierwaldstättersee eröffnet. Es war ein grosser Erfolg und besteht bis heute.

Neben den vielen touristischen Angeboten verdient in diesen ökologischen Zeiten eine weitere Sache Aufmerksamkeit. Greppen ist (wieder) ein Kastanienparadies geworden mit der jährlichen Chestene-Chilbi.

Greppen, der Kastanienweg (Rigi-Chestene-Weg)

Über Jahrhunderte war die Kastanie ein wichtiger Bestandteil der Ernährung. Mitte des 20. Jahrhunderts geriet sie in Vergessenheit. Es gab viele Alternativen und die Kastanienkultur ist fast verschwunden. Um das Jahr 2000 erlebte die Edelkastanie jedoch ein Revival.

(Quelle und weitere Informationen: Gemeinde Greppen; Ferienregion Weggis-Vitznau; Museum Vitznau-Rigi)

Korrektorin: Eva Maria Fahrni

Küssnacht, die Tellskapelle

Die Gesslerburg

Die Hohle Gasse

Informationsstelle Hohle Gasse

Immensee, Mission Bethlehem

Vierwaldstättersee, Kultur, Natur, Geschichte

Die Schweiz ist ein Land mit Hunderten von grösseren und kleineren Seen, Bergseen und Stauseen. Einer der bemerkenswertesten in Bezug auf Form, Geschichte, Natur und Lage ist der Vierwaldstättersee.

Dieser See ist aus dem Schmelzwasser des Reussgletschers entstanden. In der letzten Eiszeit hatte dieser Gletscher eine Höhe von 1400 Metern und eine Breite von mehreren Kilometern. Die gigantische Eismasse begann 20.000–15.000 v. Chr. zu schmelzen. Mehrere andere Seen in der Zentralschweiz sind Kinder dieses Gletschers. Auch die Landschaft wurde durch ihn geprägt. Der Gletschergarten in Luzern bietet einen gut dokumentierten Überblick über diese Entwicklungen.

Luzern

Der Vierwaldstättersee hat eine erratische Form und erstreckt sich über vier Kantone: Nidwalden, Luzern, Schwyz und Uri. Daher stammt der naheliegende französische Name: Lac des Quatre Cantons. Mit etwas gutem Willen können auch der Kanton Obwalden und der Alpachersee einbezogen werden.

Der englische Name lautet Lake Lucerne, was auch nicht ganz unpassend ist, da es sich bei Luzern um den grössten der vier Kantone  und die grösste Stadt am See handelt.

Der See ist für die Schweiz von grosser historischer Bedeutung. Die drei Urkantone Uri, Schwyz und Unterwalden (später aufgeteilt in Obwalden und Nidwalden) gründeten am Ufer des Sees (auch Urnersee genannt) bei Brunnen die Eidgenossenschaft.

Im Morgartenbrief von 1315 verwenden diese drei Orte erstmals den Begriff Eidgenossen. Der weitere Verlauf ist bekannt. An den Ufern des Sees liegt das Dorf Gersau, jahrhundertelang eine souveräne Republik!

Richtung Stansstad (Kanton Nidwalden)

Der Pilatus (rechts)

Der Bürgenstock

Die Rigi

Richtung Vitznau

RichtungVitznau und die grösste schweizerische Fahne

Vitznau

Der Vierwaldstättersee ist auch ein Zentrum der europäischen (Kunst-)Geschichte. Die Ufer in der Nähe der Stadt Luzern, unterhalb der Rigi, des Pilatus oder des Bürgenstocks (eine Enklave von Luzern im Kanton Nidwalden) waren immer wieder Orte für Tagungen oder Veranstaltungen und dienten als Wohnsitze für politische, literarische und musikalische Persönlichkeiten und andere Künstler. Richard Wagner, Sergei Rachmaninoff, Wolfgang von Goethe, Audrey Hepburn, Jimmy Carter, Sophia Loren oder Konrad Adenauer sind nur einige Namen aus einer langen Liste.

Schloss Meggenhorn

Küssnacht

Die Villa Senar

Bild aus dem Jahr 1930. (Bild: Museum Vitznau-Rigi). Die Halbinsel Hertenstein, im Hintergrund Küssnacht. Links die Villa Senar von Sergej Rachmaninoff, rechts das Schloss-Hotel Hertenstein und  dazwischen Stella Matutina.

Hertenstein heute

Es gibt auch eine traurige Geschichte. Königin Astrid von Belgien (1905-1935) stürzte 1935 bei Küssnacht a/d Rigi am Seeufer ab und starb. Eine Kapelle bei Küssnacht erinnert an diese Tragödie.

Die Astrid-Kapelle

Knokke (Belgien)

Wer mit dem Ruderboot oder einem der vielen (historischen) Schiffe auf dem See unterwegs ist, sieht diese (Kunst-)Geschichte und die Natur mit den Alpen im Hintergrund vorbeiziehen:

Der Luzern bei Weggis

Der Urnersee bei Brunnen

Die Luzerner Hermitage, das Schloss Meggenhorn, die Astrid-Kapelle, Küssnacht mit seiner Wilhelm-Tell-Geschichte und seiner Kapelle, Greppen mit seiner Kastanienkultur, Hertenstein mit seiner wunderbaren Geschichte, Weggis mit seiner visionären Badestelle am See, Vitznau mit der ersten nicht-katholischen Kirche in diesem ursprünglich katholischen Gebiet, die ehemalige Republik Gersau, Brunnen und seine Grandeur, der Axenstein und der Morschach (Aussichtspunkte), die Tellskapelle, Flüelen und das nahe Reussdelta und der Naturpark, das Dorf Bauen, Schluchten und steile Felsen, das Rütli und der Seelisberg, die Dörfer Beckenried, Buochs, Ennetbürgen, Stansstad (Hauptort von Nidwalden), Hergiswil am Fuss des Pilatus, vorbei am Richard Wagner Museum zurück nach Luzern.

Brunnen, der Urnsersee und die kleinen und grossen Mythen. SBB Bahnhof Basel

Der Seelisberg, das Rütli und der Schiller-Fels (Dem Saenger Tells. F. Schiller. Die Urkantone 1859)

Das Dorf Bauen

Die Tellskapelle bei Sisikon

Ein markanter Kontrast: das urbane Umfeld der Stadt Luzern und das schöne Reussdelta auf der anderen Seite des Sees in einem anderen Kanton (Uri), dazwischen die Dörfer, die Monumente und die Natur der Kantone Schwyz und Nidwalden. Nicht nur auf dem Wasser ist diese Gegend lohnenswert: auch zu Fuss auf den vielen gut markierten und unterhaltenen Wanderwegen und in der Luft für Gleitschirmfliegens.

Das Reussdelta 

(Quelle und weitere Informationen: Museum Vitznau-Rigi; www.myswitzerland.com; B. Schumacher, Kleine Geschichte der Stadt Luzern, Baden, 2015).

Korrektorin: Petra Ehrismann

Küssnacht, die Tellskapelle

Friedrich Schiller, Wilhelm Tell (1804).

Immensee, Missionsgesellschaft Bethlehem

Bundesbrief, Bundeskapelle und Auslandschweizer

Das Bundesbriefmuseum in Schwyz bewahrt den Morgartenbrief von 1315 auf. Diese Urkunde ist  unbestritten authentisch und beweist indirekt die ersten Vereinbarungen der Eidgenossenschaft am Ende des 13. Jahrhunderts.

Ob der Eid auf dem Rütli, der Wiese auf dem Seelisberg am Urnersee, 1291 stattgefunden hat oder ob Wilhelm Tell tatsächlich gelebt hat, ist ebenso irrelevant, wie die Frage, ob Romulus und Remus Rom gegründet haben oder ob Athene, Namensvetterin von Athen, existiert hat.

Gewisse akademische Kreise haben aber offenbar nichts Besseres zu tun, als jahrelang mit öffentlichen Geldern die Grünsungslegende der Schweiz ins Lächerliche zu ziehen.

Der Seelisberg, das Rütli und der Weg der Schweiz

Die Geschichte des legendären Wilhelm Tell und des Rütlischwurs passt in den Kontext des Widerstandes der Orte in Unterwalden (die heutigen Kantone Nidwalden und Obwalden), Uri und Schwyz gegen den Landesherrn Habsburg. Der Sieg der Eidgenossen in der Schlacht von Morgarten ist ebenso eine Tatsache wie weitere, den Habsburgern zugefügte Niederlagen in den Jahren 1386-1388, 1415, 1460 und schliesslich 1499.

Brunnen am Urnersee (Arm des Vierwaldstättersees) mit dem Kleinen und dem Grossen Mythen. SBB Bahnhof Basel

Der Kleine Mythen und der Grosse Mythen. Bild: Hotel Weisses Rössli

Brunnen, der Kleine Mythen und der Grosse Mythen und der Auslandschweizerplatz

Der Kleine Mythen und der Grosse Mythen sind ebenso Realität wie der Morgartenbrief und die erste Eidgenossenschaft von 1315. In diesem in deutscher Sprache verfassten Dokument ist zum ersten Mal von “Eidgenossen” die Rede.

Der Morgartenbrief ist auch ein Dokument, das ein früheres Bündnis von Unterwalden, Uri und Schwyz bestätigt und den neuen Gegebenheiten anpasst. Die Unterzeichnung fand in Brunnen (gehört heute zur Gemeinde Ingenbohl, Kanton Schwyz) statt.Offenbar waren das (militärische) Prestige und die wirtschaftlichen Interessen der umliegenden Städte so gross, dass sich Luzern, Zürich, Bern, Freiburg und Zug diesen „Bauernlümmeln“ anschlossen.

Das ist einmalig in Europa: Städte schlossen sich mit Dörfern zusammen! Es gab zu dieser Zeit mehrere Städtebündnisse, zum Beispiel die Hanse in Nordeuropa, die Dekapolis im Elsass oder der Schwäbische Bund in Süddeutschland. Keines dieser Bündnisse war von langer Dauer.

Die Schweizer Eidgenossenschaft war im 15. Jahrhundert eine militärische Supermacht, wie auch das Herzogtum Burgund 1476 und 1477 und der französische König bis 1515 erfahren mussten. Sie war jedoch keine politische Einheit, sondern ein loser Zusammenschluss von souveränen Kantonen.

Aus der Eidgenossenschaft von 8 Kantonen wurde 1513 die Eidgenossenschaft von 13 Kantonen, 1803 die Eidgenossenschaft von 19 Kantonen, 1815 die Eidgenossenschaft von 22 Kantonen, 1848 die Confoederatio Helvetica von 25 Kantonen (darunter 6 Halbkantone, diese Bezeichnung gibt es seit dem 1. Januar 2000 nicht mehr) und schliesslich 1979 die heutige Eidgenossenschaft von 26 souveränen Kantonen und Republiken mit dem neuen Kanton Jura.

Der Urnersee 

Das Dorf Brunnen, das wie viele andere Dörfer in der Schweiz den Charme einer Kleinstadt hat, steht für diese Geschichte. Die Bundeskapelle symbolisiert den (langsamen) Prozess vom Staatenbund zum Bundesstaat. Weitere (religiöse) Sehenswürdigkeiten in Brunnen-Ingenbohl sind die Wendelinskapelle (1633), die 14-Nothelfer-Kapelle (1576), die Pfarrkirche St. Leonhard (1387), die Sust (1631), das Kloster Ingenbohl (1856), die St.-Laurentius- und Theodul-Kapelle (1595) in Wylen, die Holzbrücke (1555) über die Muota und die Alten Hafenanlagen (gut sichtbar unter Wasser).

Die Bundeskapelle (1635)

Brunnen bedeutet übrigens nicht nur Quelle auf Deutsch, sondern auch die Quelle mehrerer Bäche und der Eidgenossenschaft. Brunnen ist auch ein Ort der Auslandschweizer. Der Auslandschweizerplatz, am Ufer des Urnersees (einem Arm des Vierwaldstättersees), wurde 1991 eingeweiht. Dieser Platz steht für die Verbundenheit der rund 800 000 Auslandschweizer mit ihrer „Heimat“. Nicht umsonst stammt das Wort und der Begriff „Heimweh“ aus der Schweiz!

(Quelle und weitere Informationen: Gemeinde Ingenbohl)

 

Impressionen von Brunnen

Das Seehotel Waldstätterhof (1870) beherbergte bis 1971 unter anderem Königin Wilhelmina, Winston Churchill, König Alfons XII. von Spanien, deutsche Kaiser und Mitglieder der Familie Thurn und Taxis. Richard Wagner (1813-1883) nannte Brunnen sogar seinen „Lieblingsort“.

Hotel Weisses Rössli. Sein berühmtester Gast war König Ludwig II. (1845-1886) von Bayern im Jahr 1865. Der unmittelbare Anlass für seinen Besuch war Friedrich Schiller (1759-1805) und sein Werk Wilhelm Tell (1804). Der König wollte die Urschweiz und das Rütli besuchen, so gross war das Prestige der jungen Eidgenossenschaft (1848) mit ihren jahrhundertealten Wurzeln.

Seeklinik Brunnen (1857), erbaut auf den Fundamenten der Burg Löwenstein (12. Jahrhundert).

Der Boulevard, rechts der ehemalige Grand Palais, Wohnungen heute 

Der Föhnhafen von 1872, erbaut, um bei starkem Föhn aus dem Gotthardmassiv den Schiffen Sicherheit zu geben. Bereits im Mittelalter gab es an der Muotamündung (Ruosalperbach im Kanton Uri) einen Hafen (Alter Hafen). Zahlreiche der rund 575 Pfähle sind zu sehen, die meisten stammen aus dem 14. und 15. Jahrhundert.

Rudern auf dem Vierwaldstättersee (BRC aus Basel, 24, und 25. Juni)

Der Pilatus

Der Urnersee

Das Reussdelta und der Naturpark am Urnersee bei Flüelen

Die Tellkapelle

Brückenbauer Regio Basiliensis

Im 2. Jahrhundert n. Chr. bauten die Römer und die keltischen Bewohner von Augusta Raurica (heute Augst, Kanton Basel-Landschaft) die erste Brücke über den Rhein. Augusta Raurica war eine Stadt (Colonia), die 44 v. Chr. von den Römern gegründet worden war.

Augusta Raurica und die erste Rheinbrücke , um 240 n. Chr. Bild: Museum Augusta Raurica

Tausend Jahre später baute die Stadt Basel 1226 ihre erste (Holz-)Brücke über den Rhein. Diese Brücke, die Mittlere Brücke, wurde 1905 durch die heutige Brücke ersetzt.

Basel, die Mittlere Brücke

Rheinfelden (Kanton Aargau) war bis 1802 eine habsburgische Stadt. Seit 1803 gehört der schweizerische Teil der Stadt auf der linken Rheinseite zum Kanton Aargau. Die Rheinbrücke  verbindet seit Jahrhunderten den deutschen Teil von Rheinfelden auf der rechten Rheinseite (Baden-Württemberg) mit dem Schweizer Teil von Rheinfelden.

Rheinfelden

La Passerelle des Trois Pays relie depuis 2007 la France (Huninque) à l’Allemagne (Weil am Rhein), mais porte le nom symbolique de pont des Trois Pays (Dreiländerbrücke) pour réaffirmer son lien avec la Suisse.

Die Dreiländerbrücke/ la Passerelle des Trois Pays

Die Schweiz hat seit Jahrhunderten weitere internationale und europäische Brücken gebaut. Verschiedene Denkmäler und Veranstaltungen zeugen davon, zum Beispiel in Neuenburg, Trogen, Genf, Basel, Brunnen (Kanton Schwyz), Hertenstein (Kanton Luzern) oder an der Universität Zürich.

Der Schweizer Hector Hodler (1887-1920) gründete, zum Beispiel, 1908 den Esperanto-Weltbund, die Universala Esperanto-Asocio (UEA), und Édouard Desor (1811-1882) begründete 1866 in Neuchâtel die internationale Organisation für Prähistorische Antropologie und Archäologie, heute die UISPP in Bern. Eine Abschottung sieht anders aus.

Regio Basiliensis

Ein weiterer Brückenbauer ist der Schweizer Verein Regio Basiliensis. Dieser Verein ist ein Pionier und Visionär auf dem Gebiet der europäischen regionalen Zusammenarbeit.

Die Regio Basiliensis hat fast 400 Mitglieder (245 Einzelmitglieder, darunter ein Jugendforum, und 141 Organisationen aus Wissenschaft, Wirtschaft, Politik und Verwaltung). Sie wurde 1963 von Vertretern aus Wirtschaft, Wissenschaft, Politik und gesellschaftlichen Organisationen der Kantone Basel-Stadt und Basel-Landschaft gegründet.

Basel, SBB Bahnhof,  Strassburger Denkmal

Bern, Denkmal Weltpostverein (1874)

Neuchâtel, (Hôtel des Postes), altes Hauptgebäude der Weltpostverein

Brunnen, Seehotel Waldstätterhof

Genève, Vereinten Nationen. Plakat auf dem Auslandschweizerplatz Brunnen

Vierwaldstätten see. Die „Europa“ (Hertensteiner Programm 1946)

Die erste Arbeitsgruppe tagte am 25. Februar 1963. Das erste Projekt war die Schaffung einer Struktur für die regionale Zusammenarbeit in der Oberrheinregion (heute die Kantone Aargau, Solothurn, Jura, Basel-Stadt und Basel-Landschaft, die Südpfalz (Rheinlandpfalz) und Baden (Baden-Württemberg) in Deutschland sowie das Elsass in Frankreich).

Die Internationale Koordinationsstelle der Regio (IKS) wurde 1970 gegründet, die Vorläuferin der heutigen Interkantonalen Koordinationsstelle bei der Regio Basiliensis (IKRB).

Aufgrund der Kompetenz, des Engagements und der Vision der Regio Basiliensis entstand 1970 auch die trinationale politische Struktur, die heutige Oberrheinkonferenz. Die politische Anerkennung auf höchster nationaler Ebene erfolgte am 15. Dezember 1989, als Bundeskanzler Helmuth Kohl, Staatspräsident François Mitterand und der Schweizer Bundespräsident Jean-Pascal Delamuraz diese interregionale Zusammenarbeit bestätigten. Im Jahr 1990 kam es zur Anerkennung im Rahmen des Programms Interreg Oberrhein der Europäischen Union.

Eric Jakob / Regio Basiliensis (Hg.), Martin Weber, Die Regio-Idee.
Grenzüberschreitende Zusammenarbeit in der Region Basel, (Basel, Merian Verlag 2013). 15, Dezember 1989, Bondskanzler Helmuth Kohl, Bundespräsident Jean-Pascal Delamuraz und Präsident François Mitterand.

Seither kamen Hunderte von kleinen und grossen regionalen Projekten auf, die in den Bereichen Mobilität, Industrie, Handel, Raumplanung, Tourismus, Energie, Verkehr, Gesundheit, Klima, Umwelt und Natur, Arbeit, Wissenschaft, Forschung und Bildung, Kultur und Sprache, Information und Kommunikation, kurzum, zu viele, um sie einzeln aufzuzählen.

Das grösste Museum der Welt

Am 20. Oktober 2023 organisiert Regio Basiliensis die Konferenz der Schweizer Grenzregionen.

Ziele und Projekte

Einig sind sich die Grenzregionen über das Ziel der Schaffung eines gemeinsamen Lebens-, Arbeits- und Wohnumfeldes für die rund sechs Millionen Einwohner der Oberrheinregion. Diese trinationale Zusammenarbeit wird auch zunehmend institutionalisiert. Die Trinationale Metropolregion Oberrhein, TMO, (la Région Métropolitaine Trinationale, RMT) und die Informationszentren INFOBEST sind Beispiele dafür.

Die Projekte können bei den zuständigen Behörden der Region eingereicht werden. Die Finanzierung erfolgt zum Teil auf nationaler, kantonaler, regionaler, lokaler oder EU-Ebene. Besonders erwähnenswert ist Interreg. Weitere Einzelheiten sind auf der Webseite von Regio Basilienis (IKRB) oder im Informationszentrum von Interreg Oberrhein in Strassburg zu finden.

Trinationale Zusammenarbeit in Bildung und Wissenschaft

Die trinationale Zusammenarbeit in Bildung und Wissenschaft ist von besonderer Bedeutung und in der aktuellen Situation sogar von grosser Brisanz. Zu nennen sind u.a. die Zusammenarbeit von Dutzenden von Instituten und Fachhochschulen, der europäische Campus Eucor (drei Länder und fünf Universitäten in Basel, Freiburg, Mühlhouse, Strasbourg und das Technische Institut in Karsruhe (KIT)) und konkrete Projekte, z.B. QUSTEC (Quantum Science and Technologies).

Dr. Kathrin Amacker, Präsidentin der Vereniging Regio Basiliensis, Eröffnungsrede 60 Jahre Vereniging Regio Basiliensis, Muttenz, 19. Juni 2023.

Die Abtei von St. Maurice

Die Abtei von Saint-Maurice wurde im Jahr 515 von Sigismund (?-526), dem König der Burgunder, gegründet.  Sie ist die älteste Abtei Europas, die seit 515 ununterbrochen funktioniert hat (laus perennis inklusive).

Die aktuelle Basilika stammt aus dem 15. Jahrhundert, sie enthält jedoch Elemente vom 12. bis zum 21. Jahrhundert. Es handelt sich um die neunte Kirche, die an diesem Ort erbaut wurde. Die Fundamente der Vorgänger sind an der Grabungsstätte Le Martolet sichtbar.

Im Laufe ihrer tausendjährigen Geschichte ist die Abtei von Saint-Maurice reichlich von Fürsten und Königen bedacht worden. Diese wollten, genau wie zahlreiche Pilger, ihre Verbundenheit mit den thebäischen Märtyrern zum Ausdruck bringen, indem sie die Kunstsammlung mit Geschenken wie Statuen, Reliquien, Heiligenschreinen und liturgischen Objekten aus sämtlichen Zeitaltern vom 5. Jahrhundert  bis zum heutigen Tag erweiterten.

Drei aussergewöhnlich wertvolle Schätze erinnern an die glanzvolle Zeit der thebäischen Märtyrer und an das merowingische und karolingische Zeitalter: das Sardonyxgefäss, auch „Vase des Hl. Martin“ genannt, der Theoderich-Schrein und die Wasserkanne von Karl dem Grossen.

Aus dem 12. und 13. Jahrhundert stammt eine Sammlung beeindruckender Reliquien: ein Kopfreliquiar des Heiligen Candidus, der Schrein des Heiligen Mauritius, der Schrein der Kinder des Heiligen Sigismund und letztlich der Schrein des Abtes Nantelmus.

Der Klosterschatz ist immer reicher geworden. Besonders hervorzuheben ist eine Reliquiensammlung aus der Spende des Königshauses von Savoyen, Prozessionskreuze und Bischofsstäbe aus dem 15. und 16. Jahrhundert, zahlreiche Kelche, Monstranzen, Brustkreuze und Bischofsmützen sowie eine schöne Sammlung aus modernen Goldarbeiten von Marcel Feuillat.

(Quelle und weitere Informationen: www: abbaye-stmaurice.ch).

Korrektorin: Melinda Fechner