Johann Peter Hebel und seine Kalendergeschichten

Am 10. Mai 2010 jahrte sich der Geburtstag Johann Peter Hebels zum 250. Mal. Das war Anlass, sich seinem Werk aus heutiger Perspektive zuzuwenden. Bewusst haben sich die Beitrager des Bandes dabei nicht auf die Buchausgabe des Schatzkastleins (1811) beschrankt, sondern ihren Blick auf samtliche Kalendergeschichten ausgedehnt.

Aus dieser Fulle haben sie eine personliche Wahl getroffen und die entsprechende Geschichte als Comic oder Illustration ins Bild gesetzt. Zusammengehalten werden die verschiedenen gestalterischen Zugange und Bildwelten durch die Grobstruktur eines Kalenders, durch grafische Bearbeitung und durch Johann Peter Hebel, dessen Kalendergeschichten im Originaltext die Illustrationen und Comics begleiten und verbinden.

Ein spannungsvoller und lebendiger Dialog zwischen Vergangenheit und Gegenwart, Bild und Text, ein bunter Geburtstagsstrauss von Geschichten, Bildern und Bildsprachen, der von der ungebrochenen Ausstrahlungskraft und Aktualitat Johann Peter Hebels zeugt.

Der Kalendermann und alemannische Dichter Johann Peter Hebel (1760-1826) ist noch immer aktuell und Beruhrt uns immer noch!

(Gestaltung: Chantal Duocommun, Herausgeber: Schwabe AG, Johann Peter Hebel. Kalendergeschichten in Comics & Illustrationen, Basel 2010)

Haus der Kantone

Die Eröffnung des Hauses der Kantone im Jahr 2008 war ein Meilenstein in der interkantonalen Zusammenarbeit. Als gemeinsames Dach von 13 Regierungs- und Direktorenkonferenzen und 16 assoziierter Organisationen ist es das Kompetenzzentrum der Kantone.

Es vereint das Know-how an einem Ort und stellt eine zentral gelegene Sitzungs- und Kommunikationsinfrastruktur zur Verfügung. Das vereinfacht auch die Zusammenarbeit zwischen den Kantonen und dem Bund. Das Haus fördert die (konkrete) Zusammenarbeit, den Dialog, die Kommunikation und den Informationsaustausch zwischen den 26 Kantonen und dem Bund.

Konferenz der Kantonsregierungen

Die Regierungen der 26 Kantone koordinieren sich über die Konferenz der Kantonsregierungen (KdK), um die (verschiedenen) kantonalen Interessen auf Bundesebene vertreten zu können.

Die KdK befasst sich hauptsächlich mit der Erneuerung und Weiterentwicklung des Föderalismus, der Aufgabenteilung zwischen Bund und Kantonen, der Willensbildung im Bund, dem Vollzug von Bundesaufgaben durch die Kantone und mit der (frühzeitigen) Kommunikation über die Aussen- und Europapolitik.

Direktorenkonferenzen

Die Direktorenkonferenzen beschäftigen sich mit den verschiedenen Fachgebieten der kantonalen Behörden (Finanz, Bildung und Kultur, Dokumentation, Erziehung, Gesundheit, Justiz und Polizei, Sozialpolitik, Wald, Wildtiere, Landschaft und Klima, Bau, Planung und Umwelt, öffentlicher Verkehr, Volkswirtschaft, Energie und Landwirtschaft).

Subsidiarität

Dem Bund wurden 1848 nur minimale Kompetenzen zugewiesen. Das Prinzip drückt insbesondere Art. 3 der Bundesverfassung aus: Die Subsidiarität fordert, dass alle staatlichen Aufgaben, die nicht dem Bund zugeordnet sind, in die Kompetenz der Kantone fallen.

Die Kantone sind zusätzlich in den meisten Fällen auch für den Vollzug von Bundespolitik zuständig. Nur auf dem Gebiet der internationalen europäischen Beziehungen, der Verteidigung, Finanzen und Steuern hält der Bund auch heutzutage alle oder die meisten Aufgaben.

Aber eben dann kann der Ständerat (das heisst die parlamentarische Vertretung der Kantone auf Bundesebene) und das Kantonsreferendum föderale Entscheidungen beeinflussen.

Daseinsberechtigung

Auf vielen anderen Gebieten ist die Situation diffus, aber die Aufgabenverteilung zwischen Bund und Kantonen (und Gemeinden) hat sich seit 1848 geändert und beträchtliche Kompetenzen wurden dem Bund übertragen.

Die Neugestaltung des Finanzausgleichs und der Aufgabenteilung (NFA) zwischen Bund und Kantonen ist deshalb 2008 in Kraft getreten. Die Kantone haben sich seit 1848 aber auch in vielerlei Hinsicht geändert: wirtschaftlich, religiös, sozial und in Bezug auf die Bevölkerungsdichte und urbane/ländliche Entwicklung.

Das Haus der Kantone findet seine Daseinsberechtigung in dieser aktuellen Situation.

(Quelle und weitere Informationen: Haus der Kantone; A. Vatter, Das politische System der Schweiz, Baden-Baden, 2016).

Der Munot von Schaffhausen

Bereits im 14. Jahrhundert stand auf dem Rücken des Emmersberges in Schaffhausen eine Festung. Alte Darstellungen zeigen einen mächtigen Turm, Annot (ohne Not) genannt, mit einer vorgelagerten Wehrplatform Zwingolf.

Beide wurden beim Bau des heutigen Munots nach 1564 abgebrochen. Erhalten blieben dagegen die beiden Flankenmauern, die bereits den Annot in den Stadtmauerring einbanden und mit dem Munot weiterverwendet wurden.

Ebenfalls zum älteren Annot gehörte der sogenannte Römerturm am Abhang zum Rhein hin. Seine hoch aufragende, schlanke Form ist typisch für mittelalterliche Wachtürme.

Im 19. Jahrhundert hatte der Munot seinen Nutzen für die Verteidigung der Stadt verloren.  Bis heute sorgt der Munotverein gemeinsam mit der Stadt für den Unterhalt, Betrieb und Schutz.

 Korrektorin: Melinda Fechner

Morcote, la perla del Ceresio

Der Luganer See (Lago di Lugano) im Kanton Tessin ist nach der Stadt Lugano benannt, die zwar die bevölkerungreichste Stadt, jedoch nicht die Hauptstadt des Kantons ist.

Der Lago di Lugano heisst auch Ceresio. Dieser Name taucht auf im Zusammenhang mit der Ortschaft Morcote, die als “perla del Ceresio” bezeichnet wird und zu den schönsten Dörfern der Schweiz gehört.

An diesem See liegen ebenfalls das Freiluftmuseum Swissminiatur und die italienische Enklave Campione d’Italia.

Die erste Erwähnung des Dorfes geht auf das Jahr 926 zurück. Der Name leitet sich von morae caput ab, was so viel bedeutet wie die Spitze oder das Ende des Felsens. Die Blütezeit des Ortes begann unter den Herzögen von Mailand.

Sie verliehen dem Ort das Marktrecht und weitere Rechte und befreiten ihn von Mautgebühren. Morcote wurde 1517 von den Eidgenossen erobert und bis 1798 und der Gründung der Helvetischen Republik (1798-1803) von Vögten der Eidgenossenschaft regiert. Seit 1803 ist Morcote Teil des neuen Kantons Tessin.

Santa Maria del Sasso. Die Eroberung von Lugano

Bis zum Bau des Seedamms von Melide im Jahr 1847 war Morcote ein wichtiger Hafen und Handelsplatz für Waren, die über den See in die Lombardei gingen. Die vielen Patrizierhäuser, die Promenade, das Schloss auf dem Monte Arbostora und viele Monumente erinnern an diese Blütezeit.

Die Kirche Santa Maria del Sasso wurde in mehreren Phasen erbaut, was man noch heute an den Stilen der Romanik, der Renaissance und des Barocks erkennen kann. Die Kirche war eine Erweiterung des romanischen Oratoriums Sant’Antonio Abate aus dem Jahr 1300.

Maria del Sasso

Sant’Antonio Abate

Die erste Erweiterung fand in den 1470er Jahren statt. Die Seitenkapelle San Carlo wurde 1581 gebaut. Es folgten das Santissimo Sacramento im Jahr 1591 und die Apsis, die beiden Sakristeien und der Hauptaltar in den Jahren 1750-1758. Die Fresken aus dem 15. und 16. Jahrhundert sind Höhepunkte des lombardischen Stils. Bevor man diese Kunstwerke bewundern kann, müssen jedoch 404 Stufen erklommen werden.

Der Kirchturm ist schon von weitem zu sehen und gehört zu den typischen Tessiner Türmen mit verschiedenen Stilen und Besonderheiten.

Wer genug hat von Stein, Kunst und religiösen Artefakten, kann einen kurzen Abstecher in den exotischen Scherrer-Park mit seinem atemberaubenden Blick auf den Luganer See und die Berglandschaft oder entlang der Promenade des Ceresio machen.

(Quelle und weitere Informationen: Morcote, la perla del Ceresio)

Korrektorin: Eva Maria Fahrni

Johann P. Hebel und Credit Suisse

„Das Talent zu forcieren, lag Hebel nicht, er besass den Sinn für Proportionen, Augenmass, Instinkt für das, was nötig und möglich ist und was nicht“ (Robert Minder, Hebel, der erasmische Geist oder nützliche Anleitung zu seiner Lektüre‚ (Leipzig, 1959).

Johann Peter Hebel. Von der Wiege bis zum Grabe. Hebelhaus Hausen

Johann Peter Hebel

Der in Basel geborene Johann Peter Hebel (1760-1826) steht, kurz gesagt, für eine Reihe von Merkmalen der (heutigen) Schweizer Gesellschaft, der Politik und der Umgangsformen. Zu seinen Eigenschaften gehörten Menschlichkeit, Bescheidenheit, Kompromissbereitschaft, dagegen sicherlich kein Pathos und keine Rhetorik. Er plante keine grössenwahnsinnigen Projekte und litt bestimmt nicht an Megalomanie.

Diese Eigenschaften sind zwar gute Voraussetzungen für eine relativ angenehme, respektvolle und gut funktionierende Gesellschaft, aber ein eher schlechter Nährboden für Dichter und Prosaschriftsteller.

Emanuel Büchel (1705-1775), Totentanz 2, Hebels Geburtshaus in Basel, um 1770. Detail aus einer Pinselzeichnung. Privatbesitz

Hebels Geburtshaus heute

Johann Peter Hebel. Dreyland Dichterweg

Credit Suisse

Das Debakel der Credit Suisse aber hätte Hebel wohl in einer „Kalendergeschichte“ (siehe unten) treffend beschrieben, vielleicht mit einem moralisierenden Vergleich zu „Marignano 1515“. In Marignano fand die bis dahin unschlagbare Eidgenossenschaft ihr „Waterloo“.

Die Tapferkeit, die Hybris, die Selbstüberschätzung und die antike Kriegskunst der Eidgenossen mit ihren Hellebarden waren der modernen Artillerie und Kriegsführung nicht gewachsen: „Hochmut kommt vor dem Fall“.

Hebelhaus und- Museum, Hausen

Herkunft

Hebel war jedoch kein Schweizer und kein deutscher Bürger. 1760 gab es die Schweiz oder Deutschland noch nicht, wohl aber die Eidgenossenschaft mit dreizehn souveränen Kantonen und die Markgrafschaft Baden in Deutschland.

Das Bürgerrecht war in der Schweiz an einen Ort, eine Stadt und einen Kanton gebunden, nicht aber an die Eidgenossenschaft. Hebels Eltern waren ausserdem Einwanderer aus der Stadt Simmern in der Kurpfalz (sein Vater) und Hausen (seine Mutter) in der ehemaligen Markgrafschaft Baden, Teil des heutigen Bundeslandes Baden-Württemberg in Deutschland.

Ötlingen, St. Gallus Kirche

Trotz seiner Herkunft ist Hebel einer der am meisten bewunderten und bekanntesten Dichter und Prosaschriftsteller des deutschsprachigen Raums, schon bewundert von seinen Zeitgenossen, darunter Johann Georg Jacobi, Jean Paul, Jeremias Gotthelf, Johann Wolfgang von Goethe und – viel später – auch von Hugo von Hofmannsthal, Rainer Maria Rilke, Martin Heidegger, Heinrich Böll, Bertolt Brecht und Botho Strauß.

Gustav Gebhardt (1821-1896), Schopfheim, Innerer Marktgraben mit Lateinschule, 1885.  Stadtarchiv Schopfheim

Nach dem Tod seines Vaters Johann Jakob Hebel im Jahr 1761 lebten Hebel und seine Mutter im Winter in Hausen und im Sommer in Basel. Der junge Hebel besuchte im Winter die Lateinschule in Schopfheim, einem Dorf in der Nähe von Hausen, und im Sommer die Stadtschule bei der Peterskirche (wo er auch getauft wurde) und das Gymnasium am Münsterplatz in Basel.

Ein Stadtjunge im Sommer und ein Landjunge im Winter, im Wiesental oder Oberland, der Region zwischen dem Feldberg, der Quelle der Wiese, und Basel, wo die Wiese in den Rhein mündet. Dies war seine Heimat.

Die Wiese und das Wiesental

Das Wiesental und Basel

Hebel war nicht für die Schriftstellerei bestimmt, sondern für ein lutherisches Pfarramt. Nach dem Tod seiner Mutter im Jahr 1773 ging er nach Karlsruhe, um sich zum lutherischen Pfarrer ausbilden zu lassen. Karlsruhe war zu dieser Zeit die Residenz des badischen Markgrafen. Er wurde jedoch kein Pfarrer, sondern Lehrer am Gymnasium, ausserordentlicher Professor für Theologie und Hebräisch und Diakon an der Hofkirche in Karlsruhe.

In dieser Zeit vergass er jedoch nicht seine Kindheit in Wiesental und Basel. Seine Freizeit verbrachte er ab 1799 im Oberland. Er wanderte gerne und viel im Wiesental und begann, sich zunehmend für die alemannische Sprache zu interessieren und zu engagieren.

Alemannische Gedichte

Aus dieser Zeit stammen auch seine ersten alemannischen Gedichte (1800 und 1801), die nach ihrer Erstveröffentlichung 1803 bei den literarischen Koryphäen und Gelehrten seiner Zeit grosses Aufsehen erregten. Wie konnte ein „bäuerlicher Dialekt“ so schöne Gedichte hervorbringen?  Nach dieser Veröffentlichung und den Nachdrucken war sein Ruhm im hochdeutschen Sprachraum und weit darüber hinaus begründet.

Die alemannische Sprache und das Wiesental waren Hebels Inspiration. Die Natur und die ländliche Umgebung sowie die Stadt Basel bilden die Kulisse für seine Gedichte. Hebel hat den alemannischen Dialekt, eine Mundart, nach den strengen Regeln der Poesie umgesetzt.

Lörrach, Burg Rötteln

Jetzt goht’s wieder witers und alliwil aben und abe!

Siehsch dört vorne ’s Röttler Schloss – verfalleni Mure?

In vertäfelte Stube mit goldene Liiste verbendlet

hen sust Fürste gwohnt und schöni fürstligi Fraue,

Heren und Heregsind, und d’Freud isch z’Röttle deheim gsi.

(Johann Peter Hebel,  ‚Die Wiese‘, 1801)

Hebel war mit der (klassischen) Poesie vertraut und setzte sie in diesem Dialekt um. Das hatte es bis dahin noch nicht gegeben. Daher rührte das Erstaunen in seiner Zeit. Die meisten Schriftsteller, Politiker und Gelehrten hatten noch nie geschriebenes (oder gesprochenes) Alemannisch gesehen (oder gehört).

Hebel wusste auch, dass die alemannische Sprache nur wenigen bekannt war. Obwohl er seine Gedichte in alemannischer Sprache schrieb, waren seine Titel auf Hochdeutsch und er fügte seinen Gedichten nicht weniger als 30 Seiten Worterklärungen bei.

Seine alemannischen Gedichte waren bald weit über den deutschen Sprachraum hinaus bekannt. Bereits 1818 erschien eine russische Übersetzung, der bald niederländische, japanische und französische Übersetzungen folgten.

Im 20. Jahrhundert formulierte der deutsche Schriftsteller Rainer Maria Rilke (der übrigens auch in der Schweiz seine „Heimat“ fand und in Raron, Kanton Wallis, begraben ist) es wie folgt:

Nicht daß dieser Mann im Dialekt gedichtet hat, sondern daß der Dialekt in ihm poetisch geworden ist, das ist das Entscheidende„.

Hausen

Die Kalendergeschichten

Seine Kalendergeschichten in „Der Rheinländische Hausfreund oder neuer Kalender“ und der 1811 erschienene Sammelband „Schatzkästlein des rheinischen Hausfreundes“, der die besten Geschichten aus dem „Rheinländischen Hausfreund“ enthält, trugen wesentlich zu seinem Ruhm bei.

Der Kalender war in dieser Zeit ein auflagenstarkes Medium (bis zu 50.000 Exemplare pro Jahr in der Markgrafschaft Baden) mit praktischen Informationen (Monate, Tage, Märkte, Feiertage, Mondphasen, Sonnenaufgang, Saat- und Erntetage und andere Informationen), ergänzt durch kurze, meist unterhaltsam dramatisierte und spannende Geschichten aus dem Alltag. Hebel hat 1808 die Redaktion dieses Kalenders übernommen.

Er schrieb in hochdeutscher Sprache. Er liess sich von einer Vielzahl schriftlicher und mündlicher Quellen inspirieren. Er entwickelte einen Stil für die Kurzgeschichte, der damals und auch heute noch nachgeahmt wird.

Seine Geschichten zeichnen ein psychologisches Bild des Menschen und seines täglichen Lebens. Sie werfen philosophische Fragen auf und erzählen von den sozialen und politischen Verhältnissen seiner Zeit. Hebel verband seine Informationen aus verschiedenen Quellen mit seinem schriftstellerischen Talent und bezog oft andere Kulturen und Städte mit ein, ohne je dort gewesen zu sein.

Das Oberland war jedoch immer der Ausgangspunkt.  Als Lehrer, Pädagoge und Theologe fehlten ihm in seinen Geschichten auch selten pädagogische oder belehrende Elemente, ohne dass er die moralisierende Botschaft zu sehr betonte.

Der grundlegende Unterschied zwischen den alemannischen Gedichten und den hochdeutschen Kalendergeschichten war die eigene Vorstellungskraft in  den Gedichten und die vielen verschiedenen Quellen der Kalendergeschichten.

Biblische Geschichten

Es überrascht nicht, dass er seine Qualitäten auch dazu nutzte, die Bibel Kindern und Schülern zugänglich zu machen. Im Jahr 1814 veröffentlichte er seine „Biblischen Geschichten“, eine Kinderbibel, wie wir heute sagen würden. Auch dieses Werk schrieb er auf Hochdeutsch, und sie ist noch immer aktuell.

International

Die auf Hochdeutsch verfassten Kalendergeschichten und biblischen Geschichten erschienen im neunzehnten Jahrhundert auf Spanisch, Dänisch, Lettisch, Estnisch, Ungarisch, Englisch, Polnisch, Serbisch, Kroatisch, Slowenisch, Isländisch, Japanisch, Rätoromanisch und in zahlreichen anderen Sprachen.

Karriere

Hebel hat neben seiner schriftstellerischen Tätigkeit immer auch einen anderen Beruf gehabt. Während der napoleonischen Ära war Baden 1806 zum Grossherzogtum erhoben. Grossherzog Ludwig I. (1763-1830) ernannte Hebel 1819 zum Prälaten der Evangelischen Landeskirche von Baden, dem höchsten kirchlichen Amt im Grossherzogtum mit Mitgliedschaft in der Ersten Kammer des Landtags und in der Evangelischen Kirchensynode. Diese beeindruckende Karriere hemmte ihn zwar in der Zahl der Veröffentlichungen, nicht aber in der Qualität seiner Schriften.

Hebels Grab in Schwetzingen heute. Foto: Hebelhaus Hausen

Nachleben

Hebel starb am 22. September 1826 in Schwetzingen und wurde dort auch begraben. Er war zeit seines Lebens und auch nach seinem Tode eine Inspiration für viele Schriftsteller.  Das Wiesental und Basel würdigen den Schriftsteller des menschlichen Masses  in vielfältiger Weise.

Hebeldag, Hausen, 10 mei 2023 

Es gibt den Hebelpreis für Literatur, die Hebelplakette, den Hebelbrunnen, Hebel-Wanderwege, Hebel-Cafés, den jährlichen Hebeltag und das Hebelmähli am 10. Mai, sowie das Hebelhaus in Hausen, Hebel-Vereine, ein Hebel-Pavillon, die Basler Hebelstiftung, Hebel-Strassen, Hebel-Plätze, Statuen und Büsten, (wissenschaftliche) Publikationen und Würdigungen in zahlreichen anderen Erscheinungsformen.

Das grösste Geschenk an Basel ist die Stadthymne: „Z‘ Basel an mim Rhi“ mit dem Titel hochdeutschen Titel „Erinnerung an Basel“:

Z’Basel an mim Rhy,

Jo, dert möcht i sy!

Weiht nit d’Luft so mild und lau

Und der Himmel isch so blau

An mym liebe, an mym liebe Rhy.

Dies war auch sein letztes alemannisches Gedicht, was gut zu seinem ersten Gedicht passt, das an der Quelle der Wiese auf dem Feldberg unter dem Titel „Die Wiese“ beginnt:

Feldbergs liebligi Tochter, o Wiese, bis mer Gottwilche!….’s Gotthard’s grosse Bueb (der Rhein), doch wie ne Rotsher vo Basel stolz in sine Schritten und schön in sine Giberde.

Johann Peter Hebel Gesellschaft, Basel Tattoo Parade, 15. Juli 2023

Lörrach, Hebelpark

Hebelbrunnen, Hausen

Basel, St. Peterskirche und Hebelbuste

(Quelle: B. Trachsler, Johann Peter Hebel. Werkauswahl, Basel 2010, Hebelhaus Hausen)

Korrektorin: Petra Ehrismann

Hausen, St. Josefkirche

Fassadenmalerei in Schaffhausen

Während der Renaissance erlebte die Fassadenmalerei eine grosse Verbreitung. Auch in Schaffhausen wurden viele Hausfronten mit Malereien geschmückt.

Die Fresken des Hauses Zum Ritter zählen zu den bedeutendsten Fassadenmalereien der Renaissance nördlich der Alpen. Der Maler Tobias Stimmer (1539-1584) schuf das monumentale Wandbild im Jahr 1568-1570 .

Er machte sich neben der Fassadenmalerei als Porträtist, Zeichner und Illustrator einen Namen und gehört mit Albrecht Dürer (1471-1528) und Hans Holbein dem Jüngeren (1497-1543) zu den wichtigsten Künstlern der Spätrenaissance im deutschsprachigen Raum.

Das Werk ist ein zusammenhängendes Bildprogramm. Dargestellt werden die bürgerlichen Tugenden Ehre, Vaterlandsliebe und Aufopferungsbereitschaft.

Quelle: Museum zu Allerheiligen, Schaffhausen)

August Brandes (1872-1948), Aufnahme und Rekonstruktion, 1907.
Sammlung: Museum zu Allerheiligen.

Haus zum grossen Kafig.

Zollvertrag Schweiz-Liechtenstein

Am 29. März 1923 unterzeichneten die Schweiz und Liechtenstein einen Zollvertrag, der am 1. Januar 1924 in Kraft trat. Der Vertrag schloss Liechtenstein an den schweizerischen Wirtschaftsraum an und löste das Land aus der wirtschaftlichen Isolation.

Es handelte sich damit um einen «Zollanschlussvertrag», wie er im Vertragswerk auch offiziell genannt wurde. Umgangssprachlich wurde schon relativ bald der einfachere Begriff «Zollvertrag» benutzt.

Die liechtensteinische Kommission für die Zollvertragsverhandlungen im Januar 1920. Von links stehend: Legationsrat Emil Beck, Landtagsabgeordneter Wilhelm Beck, Regierungsrat-Stellvertreter Emil Batliner. Von links sitzend: Landtagspräsident Fritz Walser und Prinz von Liechtenstein. Sammlung: Liechtensteinisches Landesmuseum. Foto: E. Aeschbacher, Bern.

Mit dem Abschluss des Zollvertrags verzichtete Liechtenstein auf einen Teil seiner Souveränität. Liechtenstein musste sämtliche schweizerischen Gesetze, die in einem Zusammenhang mit dem Zollvertrag standen, übernehmen. Schon wenige Jahre nach Inkrafttreten des Vertrags war Liechtenstein der Ansicht, dass die erhoffte wirtschaftliche Besserung eingetreten war.

Schweizerischer Zollbezugsposten Steg im Fürstentum Liechtenstein (Sommerposten). Holztafel mit den Wappen der Schweiz und Liechtensteins. Der Grenzwachtposten in Steg wurde 1972 aufgelöst.  Der Zollvertrag von 1923 ist der wichtigste Vertrag zwischen Liechtenstein und der Schweiz.  Sammlung: Z 2, Liechtensteinisches LandesMuseum, Foto: Sven Beham

Das Liechtensteinische LandesMuseum in Vaduz und das Schweizerische Zollmuseum in Gandria (Kanton Tessin) begehen das 100-Jahr-Jubiläum mit einer gemeinsamen Ausstellung.

Diese zeigt nicht nur die Hintergründe und die Geschichte des Zollvertrags auf, sondern veranschaulicht auch eine Vielzahl an unterschiedlichen Aspekten der schweizerisch-liechtensteinischen Beziehungen.

Die schweizerische Forschungsstelle «Diplomatische Dokumente der Schweiz» (Dodis) ermöglicht in der Ausstellung den Zugang zu vertiefenden Dokumenten aus dem Schweizerischen Bundesarchiv.

In der Ausstellung zu sehen sind rund 90 Exponate und Exponatgruppen aus der Sammlung des Liechtensteinischen LandesMuseums und von insgesamt elf Leihgebern.

(Quelle und weitere Informationen: Liechtensteinisches LandesmuseumSchweizerisches Zollmuseum Gandria).

Liechtenstein. Die letzte deutschsprachige Monarchie.

Liechtenstein ist die letzte deutschsprachige Monarchie. Bis zu Napoleon und der Auflösung des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation im Jahr 1806 gab es noch etwa 300 kleine bis sehr grosse deutschsprachige Fürstentümer.

Vor dem 19. Jahrhundert gab es in Liechtenstein keine Verfassung im eigentlichen Sinne des Wortes. Das Gewohnheitsrecht und einzelne Dokumente, wie die Dienstinstruktion von 1719, regelten jedoch die Funktionsweise der Regierung und die Rechte der Bürger*innen. Dies lag auch an der engen Anbindung an das Reichsrecht des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation.

Kaiser Karl VI. (1685–1740) vereinigt 1719 die Grafschaft Vaduz und die Herrschaft Schellenberg und erhebt sie zu einem Reichsfürstentum mit dem Namen Liechtenstein. Sammlung: Liechtensteinisches LandesMuseum.  Inv. Nr. UR 1719.01.23.1, Foto: © The Princely Collections, Vaduz – Vienna.

Eine kurze Geschichte Liechtensteins

Im Laufe des 15. Jahrhunderts entstanden auf dem Gebiet des heutigen Liechtensteins zwei Landschaften: Vaduz und Schellenberg. Diese erlebten eine ähnliche Entwicklung wie die Landsgemeinde in der Schweiz (siehe Swiss Spectator unter Verfassung, Demokratie und Kantone).

Das höchste Gremium war die Landschaftsversammlung. Die Landschaft war auch für militärische Angelegenheiten zuständig. Im Mittelpunkt stand dabei die Reichsunmittelbarkeit. Dies bedeutete ein hohes Mass an Autonomie im Heiligen Römischen Reich, in dem nur die kaiserliche Obrigkeit als übergeordnete Macht fungierte.

Bis zum Ende des 17. Jahrhunderts bestand Liechtenstein aus der Grafschaft Vaduz und der Herrschaft Schellenberg, den beiden Territorien der Landschaften. Sie unterlagen der kaiserlichen (Steuer-)Gesetzgebung und den obersten Gerichten in Wien (Hofrat) und Speyer und später Wetzlar (Reichskammergericht). Ansonsten waren sie jedoch weitgehend unabhängig.

Dienstinstruktion 1719, Titelseite.  Sammlung: The Princely Collections, Vaduz–Vienna, Inv. Nr. UR 1719.01.23.1, Foto: © Liechtensteinisches LandesMuseum. 

Nach der Gründung des Fürstentums Liechtenstein in den Jahren 1699-1712 erliess der erste Herrscher, Fürst Anton Florian von Liechtenstein (1656-1721), am 10. April 1719 eine Dienstinstruktion, in der die ersten Schritte für das Funktionieren des Staates und die Rechte der Bürger*innen festgelegt wurden. Die Landschaften und ihre Rechte blieben unangetastet.

Nach dem Ende des Alten Reiches im Jahr 1806 wurde jedoch 1808 eine neue Dienstanweisung erlassen, die die Landschaften abschaffte und die Rolle und Beteiligung der Bürger*innen einschränkte.

Landständische Verfassung 1818 § 1 bis § 4. Sammlung: The Princely Collections, Vaduz. Foto: © Liechtensteinisches LandesMuseum. 

Die reaktionäre Verfassung von 1818

Als Liechtenstein 1815 nach der Niederlage Napoleons und als Folge des Wiener Kongresses (1814-1815) dem Deutschen Bund beitrat, war das Fürstentum verpflichtet, eine Verfassung einzuführen.

Fürst Johann I. von Liechtenstein (1760-1836) unterzeichnete die Verfassung am 9. November 1818. Es gab weder politische Rechte für die Bürger*innen noch eine parlamentarische Vertretung. Der Fürst war der einzige Inhaber der Staatsgewalt. Diese Verfassung entsprach nicht den alten Rechten der Landschaften. Sie war eine reaktionäre Verfassung und spiegelte die Allmacht des Monarchen wider.

Die gescheiterte Revolution von 1848-1849

Die deutsche Revolution von 1848/1849 wirkte sich auch auf das Fürstentum Liechtenstein aus. Auch im Fürstentum gab es Unruhe und die Untertanen forderten eine moderne Verfassung und mehr Rechte. Mit dem Scheitern der deutschen Revolution und der Reaktion scheiterte jedoch auch die Initiative für eine neue Verfassung.

Rheinbrücke zwischen Bendern (Liechtenstein) und Haag (schweiz). Kolorierter Stich. Festgabe zur Erinnerung an die Eröffnungsfeier am 24. May 1868. Gr 0182. Liechtensteinisches LandesMuseum. Foto: Sven Beham

Verfassung 1862

Der neue Fürst Johann II. von Liechtenstein (1840-1929) verzichtete jedoch 1862 auf seine absolutistische Macht. Diese Verfassung entsprach der damaligen Verfassungsnorm im Deutschen Bund. Kern der Verfassung war nach wie vor die Staatsgewalt des Fürsten, nun aber ergänzt durch einen parlamentarischen Landtag. Mit dieser Verfassung wurden auch zum ersten Mal Grundrechte für die Bürger*innen eingeführt.

Verfassung 1921

Mit der Bildung politischer Parteien in Liechtenstein wurde der Ruf nach einer Reform des monarchischen Staatswesens laut. Nach dem Zusammenbruch der Monarchie in Deutschland und Österreich im Jahr 1918 war die absolutistische monarchische Idee nicht mehr haltbar.

Am 5. Oktober 1921 wurde die moderne Verfassung von Fürst Karl von Liechtenstein (1878-1955) unterzeichnet. Die Verfassung definiert das Fürstentum Liechtenstein als eine konstitutionelle Erbmonarchie auf demokratischer und parlamentarischer Grundlage. Unter anderem wurden nach dem Vorbild der Schweiz das Referendum und die Volksinitiative eingeführt.

Liechtenstein strebte auch enge wirtschaftliche und monetäre Beziehungen zur Schweiz an. Liechtenstein war damit nicht allein. Der österreichische Vorarlberg wollte 1919 sogar der Schweizerischen Eidgenossenschaft beitreten. Die protestantischen Kantone hielten jedoch einen weiteren (konservativen) katholischen Kanton für keine gute Idee.

Der Fürst blieb zwar Staatsoberhaupt und zuständig für die Repräsentation des Landes und die Aussenpolitik mit einigen weiteren (Veto-)Rechten, die Ernennung von Regierungsmitgliedern und die Gesetzgebung waren jedoch nur mit Zustimmung des Parlaments möglich.

Silvia Abderhalden und Albert Mennel, Staatsfeiertag, 15.  August 2021, «Architektur für eine Nacht», SchlossVaduz.  Gestaltung Peter Rezac, Konzept Fabian Reuteler. Foto: Liechtensteinisches LandesMuseum. The Princely Collections, Vaduz

Diese Verfassung ist die Grundlage des liechtensteinischen Rechtsstaates und der parlamentarischen Demokratie und feiert in diesem Jahr ihr hundertjähriges Bestehen.

Damit ist die Diskussion aber noch nicht beendet. Diskutiert werden insbesondere das Vetorecht des Fürsten, seine Befugnis, den Landtag aufzulösen und in dringenden Fällen per Dekret zu regieren (Notrecht) sowie seine Kompetenz und aktive Rolle in der Aussenpolitik.

Das derzeitige Staatsoberhaupt, Hans Adam II. von Liechtenstein (1945), und die Bürgerinnen und Bürger befinden sich seit seinem Amtsantritt 1989 in einem ständigen Dialog bzw. Konflikt über diese Befugnisse.

(Quelle und weitere Informationen: LandesMuseum Liechtenstein).

Korrektorin: Petra Ehrismann

Vaduz, Liechtensteinisches LandesMuseum

Jugendchor Festival Basel

Das Europäische Jugendchor Festival Basel (EJCF) hat für seine dreizehnte Ausgabe Chöre aus elf europäischen Ländern, einen Gastchor aus den Philippinen, sowie sieben Jugendchöre aus verschiedenen Schweizer Sprachregionen und die Chöre der Musik-Akademie Basel und die Knaben- und Mädchenkantorei Basel eingeladen.

Vom 17. – 21. Mai 2023 versammeln sich rund 2‘400 singbegeisterte Kinder und Jugendliche. Zu den rund 50 Veranstaltungen werden über 30‘000 Besuchende erwartet.

Das EJCF eröffnet sein fünftägiges Programm am Mittwochabend mit einem Chorspektakel in der St. Jakobshalle. Über 1‘000 Jugendliche aus 13 Ländern präsentieren Musik aus ihren Herkunftsregionen und vertonen gemeinsam den Animationsfilm „Circuit“ mit einer Neukomposition von Balz Aliesch, Filmmusikkomponist aus Basel.

Bundesrätin Elisabeth Baume-Schneider und Vereinspräsidentin Ständerätin Maya Graf begrüssen das Publikum und die Sänger und Sängerinnen. Die folgenden Tage sind mit Konzerten in Basel und der Region vollgepackt.

220 Jugendliche erarbeiten zudem, unter Anwesenheit des bekannten lettischen Komponisten Ēriks Ešenvalds, die Multimedia-Symphonie „Nordic Light“ für Chor, Orchester und vorab aufgezeichnete Ton- und Videoprojektion und bringen das Werk im Stadtcasino zur Schweizer Erstaufführung.

(Quelle und weitere Informationen: www.ejcf.ch)