Die EU sollte der Schweiz beitreten

Sollte anstelle dem Beitritt der Schweiz in die EU, nicht eher die EU das System der Schweizerischen Föderation in Betracht ziehen?

Das Rahmenabkommen

Das Land sollte ernsthaft und kritisch überprüfen, inwiefern das sogenannte Rahmenabkommen unterzeichnen werden sollte. Die Souveränität, welche die Schweiz an die EU abgibt, kann nicht zurückgewonnen werden.

Die Zukunft dieses Abkommens liegt noch in den Sternen. Vermutlich aber, wird es in zehn Jahren neue Voraussetzungen für eine Mitgliedschaft oder gar das Ende des Rahmenabkommens geben.

Diese Entwicklung scheint unumgänglich, da die EU auf die Gelder ihrer Mitgliedstaaten angewiesen ist. Sie basiert auf Ambitionen, Subventionen sowie Projekten und kennt dabei nur einen Weg: Immer vorwärts, für Frieden, Demokratie und Brüderschaft. Wo und wann hat man das sonst gehört ?

Reformfähig

Die EU ist nicht reformfähig oder selbstreflexiv, was unter anderem im Brexit-Referendum thematisiert wurde. Sie verpasst immer wieder eine längst überfällige Selbstkorrektur, ist weit entfernt von einer parlamentarischen Demokratie und mangelt einer entsprechenden Trias-Politica.

Ihre Justiz ist auch ein föderales politisches Instrument. Das System basiert zu viel auf Subventionen, Bürokratie und Protektionismus.

Die Pläne für Eurobonds und die Transfer-, Steuer- Wirtschafts-Unionen, sowie EU-subventionierte deutsch-französische Grossunternehmen sprechen für sich.

Eigenschaften

Diese EU vereint nicht unbedingt die guten Eigenschaften ihrer Mitglieder, sondern vor vielmehr die Schlechten.

Die EU basiert auf dem französisch-zentralistischen Modell, dem italienischen Währungssystem, der niederländischen Mentalität des kurzfristigen Gewinns und Opportunismus, der rumänischen Korruption, der gigantischen (Jugend-)Arbeitslosigkeit, den Staatsschulden und Bürokratien in (zu) vielen Ländern, dem mittelalterlichen Agrarsektor (mehr als 40% des EU-Haushalts), den Strukturfonds (10-15% rechtswidrig, mindestens 30%-50-% ineffizient) und der zentralistischen Regulierungsmaschine in Brüssel.

Kernaufgaben

Die EU muss zu ihren Kernaufgaben zurückkehren und von unten nach oben reformiert werden. Es geht dabei um das Überleben der Union.

Ein französischer Präsident ist erst ein grosser Europäer, wenn er ‚Strassburg‘, die agrarischen Subventionen und die französische Mitgliedschaft des VN-Sicherheitsrat zur Diskussion stellt, die Europäischen Institutionen reformiert und Verträgen nachkommt (z.B. in Bezug auf den Euro).

Die Basler Fasnacht

Die Basler Fasnacht hat im Laufe der Jahrhunderte viele Veränderungen erfahren und ist in ihrer heutigen Form das Ergebnis ständiger Kommunikation mit der Gesellschaft.  Teilnehmer der Fasnacht stellen sich an den Sonntagen danach ohne Masken der Öffentlichkeit.

Die Europäische Union 

Die EU zieht nie ihre Maske ab, sondern versteckt sich in zunehmender Masse hinter Opportunismus und Rhetorik.

Die EU vereint zu oft das Unvereinbare von oben. Jeder, der sich für die EU, Demokratie, Marktwirtschaft und Rechtsstaatlichkeit interessiert, sollte seiner kritischen Stimme Gehör verschaffen.

Diese EU toleriert keine andere Demokratie als die ihres eigenen Weltbildes, keine Satire und scheitert an Selbstreflexion. Genau bei diesem Punkt liegt das Problem.

Die Schweiz muss sich langfristig entscheiden. Demokratie lässt sich nie relativieren, auch nicht auf europäischer Ebene.

Wilhelm Tell und das Wiener Kongress

1291

Als die habsburgischen Herrscher der Zentralschweiz es versäumten, den Frieden zu erhalten und die Handelswege zu schützen, ergriffen die drei Orte Uri, Schwyz und Unterwalden die Initiative und gründeten 1291 ein Bündnis.

Diese Bündnisse waren  im dreizehnten und vierzehnten ganz üblich. Ziel der Allianz war es, sich gegenseitig gegen Aggressoren zu helfen, den Frieden zu wahren und Streitigkeiten (kommerziell, geschäftlich, territorial) beizulegen.

Die (kurzlebigen) schwäbischen, rheinischen, lombardischen oder Hanse Ligen sind nur einige andere Beispiele. Am Ende verschwanden sie Alle. Das Bündnis von Uri, Schwyz und Unterwalden führte allmählich zur Schweizer Eidgenossenschaft und schliesslich zum souveränen Nationalstaat in 1848.

Der Eid war ein gemeinsames Symbol für die Ratifizierung von Verträgen und Allianzen. Niemand hätte damals diesen Verlauf der Geschichte vorhersagen können und niemand wollte sich von den habsburgischen Herrschern lösen. Es ist eine Tatsache, dass diese Gemeinschaften ein Bündnis eingegangen sind. Es wurde mit immer mehr (mächtigeren) Städten und Orten allmählich stärker.

Rudolf I. von Habsburg (1217-1291) wurde 1273 deutscher König, war aber bereits Herr über die Täler Uri, Schwytz und Unterwalden und andere Gebiete und Städte der heutigen Schweiz.

Das Aussterben der Herzöge von Zähringen führte zur habsburgischen Gerichtsbarkeit über diese Täler, die unter anderem den wichtigen Gotthardpass kontrollierte, der 1230 eröffnet wurde.

Rudolf entwickelte neue Strukturen, indem er die Landvogteien (Vogteien) gründete, um die Städte und ländlichen Gemeinden zu überwachen.

Diese wurden aus loyalen Aristokraten  rekrutiert. Die berühmte Geschichte von Wilhelm Tell, der sich weigerte, den Hut des Vogts zu begrüssen und dann zum Nationalhelden wurde, fand in dieser Zeit statt. Es ist irrelevant, ob es wirklich passiert ist, es ist eine schöne Geschichte und erzählt den historischen Kontext.

1350–1648

In den 1350er Jahren entstanden zwei Alternativen für die Organisation der regionalen politischen Beziehungen in Europa.

Bottom-Down war die Methode der Herrscher, die neue bürokratische Organisationen gründeten, um effektive Friedenserhaltungs-, Rechts- und Steuersysteme aufzubauen.

Der Schweizer Ansatz war ein Netzwerk von (teil) autonomen ländlichen, kirchlichen und städtischen Gemeinschaften, die durch Bündnisse miteinander verbunden waren, während jeder Verbündete seine eigenen internen Angelegenheiten leitete.

Nach dem Schwäbischen Krieg 1499 galt der Bund oder die Eidgenossenschaft als unabhängige Einheit, obwohl der innere Kampf, die Spaltung und der Mangel an zentralen Institutionen oft keine Einheit zeigten.

Die dreizehn Kantone gehörten formell jedoch zum Heiligen Römischen Reich, wenn auch mit vollständiger Ausnahme von der kaiserlichen Gerichtsbarkeit und Justiz.

1648

Dies wurde 1648 durch den Westfälischen Friedensvertrag nicht geändert, und dieser Vertrag bestätigte die Unabhängigkeit der Schweiz nicht offiziell, obwohl die Eidgenossenschaft als souveräner Staat agierte.

Der Westfälische Friedensvertrag vom 24. Oktober 1648 schwieg zu diesem Thema und bestätigte nur den Status der Stadt Basel und der Kantone (Art. VI „die Stadt Basel und die übrigen Orte der Eidgenossen im Besitze voller Freiheit und Exemtion
vom Reiche und in keiner Weise den Gerichtshöfen und Gerichten desselben
Reiches unterstellt sind“). The text was written in Latin.

Viele Städte benutzten bis weit in das achtzehnte Jahrhundert hinein die kaiserliche Symbolik. Sechs Städte, Basel, Zürich, Bern, Schaffhausen, Solothurn und Luzern, gaben im siebzehnten Jahrhundert offiziell ihren souveränen Status als „freyer souveräner Staat“ bekannt.

Ein theoretischer zeitgenössischer Ansatz zur Souveränität und die Handlungen einer souveränen Einheit waren nur aus der Perspektive des Protokolls relevant.

Im Gegensatz zur formal souveränen Niederländischen Republik der (Sieben) Vereinigten Provinzen (1648) hatten die Schweizer keinen Prinzen-Stadholder, keine vereinte stehende Armee oder Generalstaaten mit echten Befugnissen.

Der Bund war nur souverän und formal von der kaiserlichen Gerichtsbarkeit befreit. Es würde weitere 150 Jahre (nach den Napoleonischen Kriegen und dem Wiener Kongress) dauern, bis er eine offiziell anerkannte Souveränität (und Neutralität) erlangte.

Eine lange und schwierige Entwicklung des aufbaus, die zu Wilhelm Tells Zeit als offene Geschichte begonnen hatte, endete 1848 in der Verfassung.

(Quelle: P.H. Wilson, Heart of Europe. A History of the Holy Roman Empire, Cambridge (MA), 2016; C.H. Church, R.C. Head, A Concise History of Switzerland, Cambridge 2017; B. Marquardt, Die alte Eidgenossenschaft und das Heilige Römische Reich (1350-1798), Zürich 2007).

Die Alpenkonvention

Die politische Raumbildung in Europa lässt sich als Konzentrationsprozess beschreiben. Zu Beginn der Neuzeit gab es auf dem Kontinent etwa zweihundert unabhängige Staatsgebilde, kurz vor 1900 zählte man noch dreissig.

Der zunehmende Umfang der staatlichen Gebiete kommt in ihrer rückläufigen Zahl klar zum Ausdruck. Im Alpenraum können wir den Prozess anhand der Lexika verfolgen: Johann Heinrich Zedler zählte 1732 mehr als zwanzig politische Einheiten in den Alpen auf.

Die Lexika des ausgehenden 19. Jahrhunderts nannten dann nicht mehr diese kleinen Einheiten, sondern die ihnen übergeordneten Staaten, wie die österreichische Monarchie, das Königreich Italien, die französische Republik und die schweizerische Eidgenossenschaft.

Die Nationalisierung der Alpen war ein Öffnungsvorgang. Die kleinen Territorien öffneten sich damit grösseren staatlichen Räumen. Andererseits wurden die Grenzen zwischen den Nationalstaaten zu Barrieren, unterbaut mit Gemeinschaftsideologien und mit einer zunehmenden Militarisierung.

Nach dem Zweiten Weltkrieg ging die Entwicklung in eine andere Richtung (ausser der EU). Der aufkommende Regionalismus trat im Alpenraum mit seiner hohen Grenzdichte deutlich hervor.

Er äusserte sich zuerst in der Gründung von länderübergreifenden Arbeitsgemeinschaften auf regionalstaatlicher Ebene und am 7. November 1991 in der Alpenkonvention.

So kam dieser Raum erstmals in der Geschichte zu Ansätzen einer gemeinsamen politischen Struktur. (J. Mathieu, Die Alpen. Raum, Kultur, Geschichte, Stuttgart 2015).

Die Internationale Rheinregulierung

Der Rhein vom Zusammenfluss von Vorder- und Hinterrhein bei Reichenau bis zur Mündung in den Bodensee wird als Alpenrhein oder längster Wildbach Europas bezeichnet.

Infolge der immer stärker werdenden Besiedlung des Rheintals wurde im 19. Jahrhundert ein besserer Hochwasserschutz gefordert und der Ruf nach einer Korrektur der Rheinstrecke wurde laut.

Die folgenschwerste Hochwasserkatastrophe ereignete sich im Jahr 1817. Als weitere verheerende Hochwasserereignisse sind jene von 1888, 1927, 1954 und 1987 und vorher natürlich die Magadalenaflut von 1342 zu nennen.

Mit dem Staatsvertrag von 1892 zwischen Österreich und der Schweiz wurde die Internationale Rheinregulierung (IRR) gegründet. 2017 feierte die IRR das 125-Jahr-Jubiläum.

Im Rhy-Schopf des Werkhofs Widnau präsentiert sich eine Ausstellung über die Anfänge und die Zukunft des Hochwasserschutzes am Alpenrhein und das Hochwasserschutzprojekt Rhesi. Rhesi steht für Rhein – Erholung und Sicherheit im unteren Rheintal.

Die Behörden wollen damit den Rheinlauf und seine Dämme für ein sogenanntes 300-jährliches Hochwasser rüsten.

Mit dem Abschluss einer wesentlichen Planungsphase dieses Hochwasserschutzprojekts ist das generelle Projekt fertig gestellt. Die Ausstellung präsentiert den aktuellen Stand der Arbeiten in allen Fachbereichen sowie den Begleitplanungen und verschiedenen Themenbereichen.

Das Projekt soll das Rheintal wappnen gegen Naturgefahren durch Überschwemmungen wappnen.

(Quelle und weitere Informationen: www.rhesi.ch).

Eine topographische Geschichte von Graubünden

Eine Sammlung der historischen topographischen Landschaften von Ortschaften, Gebäuden und Landschaftsbildern ist aufgrund der Zahl der Objekte und des Interesses der Öffentlichkeit eine wertvolle Quelle, die Informationen zur Siedlungsentwicklung von Ortschaften, zur baulichen Veränderung von Gebäuden, zur Erneuerung und Verlagerung von Verkehrswegen, zu natürlichen oder von Menschenhand verursachten Veränderungen der Umwelt.

Diese Sammlung ist eine der wichtigsten des Rätischen Museums in Chur, beginnend mit einer um 1525 enstandenen Federzeichnung der Burg Tarasp, der ältesten aus Graubünden überlieferten topographischen Ansicht.

In das Buch ‘Graubünden in alten Ansichten’ sind hunderte Ansichten erarbeitet, wie die Landschaft zur Kunst geworden ist und ist ein chronologisches Verzeichnis der illustrierten Druckschriften, der druckgraphischen Werke und der selbständigen Einzelblätter von den Anfängen bis um 1880 erstellt.

Das Buch hat drei Abteilungen: Zeichnungen und Gemälde, Druckgraphiken und Postkarten. Das Buch ist eine Geschichte von Graubünden vom 16. bis zum frühen 19. Jahrhundert.

(Quelle: B. Weber, Graubünden in alten Ansichten, Chur 2002).

 

Das Panorama von Thun

Das Panorama von Thun (1809) von Marquard Wocher (1760-1830) ist mit 210 Jahren das älteste erhaltene Panorama der Welt.

Nicht mehr als 21 weitere Panoramen aus der Zeit vor 1900 sind erhalten, vier davon in der Schweiz, in Einsiedeln (Kreuzigung Christi), in Murten (Schlacht von Murten 1476), in Luzern (Flucht des französischen Generals Bourbaki in die Schweiz (1871) und Thun (Stadt Thun um 1809).

Das Panorama ist eine besondere Kunst- und Medienform, die in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts sehr beliebt war. Es war das erste optische Massenmedium. Die Menschen konnten ihre Städte, Landschaften, historischen Ereignisse und Schlachten sehen.

Es war eine Zeit der Globalisierung, der Beginn der industriellen und wissenschaftlichen Revolution und des Aufstiegs des Tourismus in der Schweiz und in den Alpen. Allerdings konnten sich nur wenige diese Ausflüge leisten.  Das Panorama bot eine spektakuläre, zugängliche und nicht allzu teure Option.

Das erste Panorama wurde 1787 von Robert Barker (1739-1806) ausgestellt: Ein Rundblick auf London. Auf einem Podest stehend, konnte man die ganze Stadt sehen.

Viele würden folgen, aber gegen Ende des 19. Jahrhunderts, mit dem  Erscheinen von Fotos, Zügen und bald Autos, bekamen die Menschen andere Quellen. Die meisten Panoramen wurden verkauft oder zerstört.

Das Panorama von Thun wurde durch Glück, Finanzierung und Vision gerettet. Es zeigt die Stadt Thun um 1809, ursprünglich ausgestellt in Basel, ab 1899 in Thun und 1961 in der Rotunda im Schadaupark in Thun.

Thun war die ideale Schweizer Stadt mit See und Bergen im Hintergrund. Das Panorama ist immer noch ein einzigartiges Dokument über das Leben, die Gebäude und die Natur in und um Thun jener Zeit.

(Quelle: D. Imhof und andere (Hersg.), Marquand Wocher, Das Panorama von Thun, Thun, 2009; Thun Panorama).

Der Gletschergarten

Der 1872 entdeckte Gletschergarten von Luzern zeigt die geologische Geschichte Luzerns (und Europas) in den letzten 20 Millionen Jahren.

Luzern war vor 20 Millionen Jahren subtropisch, umgeben von Palmen und anderer subtropischer Flora und Fauna. Das gleiche Gebiet wurde jedoch erst vor 20.000 Jahren mit 800 Meter dicken Gletschern aus der letzten Eiszeit bedeckt.

Das Museum zeigt Reliefs der Zentralschweiz und der Alpen, das berühmte Luzerner Modell aus dem Jahr 1792, Berghütten und andere typische Schweizer Häuser und deren Interieur aus dem 18. Jahrhundert sowie viele andere Objekte aus Luzern.

(Quelle und weitere Informationen: www.gletschergarten.ch)

Lia Rumantscha 100 Jahre

2019 ist ein Festjahr für die Lia Rumantscha, die romanische Liga. Seit 100 Jahren engagiert sich das Unternehmen für die Erhaltung der romanischen Sprache und Kultur.

Vom 1. bis 18. August 2019 organisiert die Lia Rumantscha in Zuoz im Oberengadin ein Sprach- und Kulturfestival. Das Programm bietet Veranstaltungen zu verschiedenen Themen der romanischen Sprache und Kultur. Es gibt zum Beispiel die Di da famiglia (4.8.2019), einen Tag bei Grischun triling (11.8.2019) und die Festa da 100 onns (17.8.2019)

(Weitere Informationen: www.liarumantscha.ch).

Murten, Burgund, das Panorama, der Obelisk und die Eidgenossen

Murten (Morat) ist eine Stadt im Kanton Freiburg (Fribourg). Die Eingliederung in den Kanton Freiburg 1803 gegen den Willen der Bevölkerung durch die von Napoleon erarbeitete Mediationsakte war entscheidend. Es ist eine zweisprachige Stadt mit einer deutschsprachigen Mehrheit von rund 83%.

Die Stadt wurde in der zweiten Hälfte des 12. Jahrhunderts von den Herzögen von Zähringen gegründet, fast zeitgleich mit Bern und Freiburg. Dann folgte die Herrschaft der Savoyen bis 1475.

Die Burgunderkriege von 1476 waren für Murten von entscheidender Bedeutung. Die Stadt wählte Bern und Freiburg 1475 gegen den Burgund und seinen Verbündeten Savoyen.

Nach der Niederlage von Burgund 1476 vor den Toren der Stadt wurde sie von 1484 bis 1798 abwechselnd von Bern und Freiburg regiert.

Nach der Niederlage im März 1476 bei Grandson gegen die Eidgenossen belagerte der Herzog von Burgund Murten. Burgund erlitt im Juni erneut eine vernichtende Niederlage und verlor mit der dritten Niederlage bei der Belagerung von Nancy im Jahr 1477 nicht nur seinen Herzog Karl den Kühnen (1433-1477), sondern auch seine Existenz.

Das beabsichtigte Königreich Burgund wurde nie verwirklicht. Der Herzog glaubte, dass er das Königreich aus historischen Gründen beanspruchen konnte, wegen der beiden Vorgänger (die burgundischen Königreiche 443-534-536 und 888-1032), des (französischen) königlichen Blutes der herzoglichen Familie, des ausgedehnten Territoriums (von den Niederlanden bis Südfrankreich) und vor allem wegen der  kulturellen Leistungen. Das Museum Murten bietet einen Überblick über die Schlacht bei Murten.

Karl Giradet (1813-1871), Murtenschlacht, 1857. Museum Murten

Das beruhmte Panorama (1893) von Louis Braun (1836-1916) ist auch im Museum zu sehen. Das Museum Murten renoviert jetzt das Panorama

Bild: Panorama de la Bataille de Morat 1476

Das europäische Prestige der Eidgenossen stand auf seinem Höhepunkt und die Militärerfahrung und Soldaten wurden zu einem erfolgreichen Exportprodukt.

Lord Byron (1788-1824) schrieb 1816:

While Waterloo with Cannae’s carnage vies, Morat and Marathon twin names shall stand;
They were true Glory’s stainless victories,
Won by the unambitious heart and hand
Of a proud, brotherly, and civic band, ….

Der Obelisk von Meyriez

Das Fürstbistum Basel bis 1813

Die heutige Diözese Basel mit Sitz in Solothurn hat eine Geschichte, die bis ins Römische Reich zurückreicht.

Basilia

Basilia, wie die Stadt damals genannt wurde, wurde wahrscheinlich Ende des 5. Jahrhunderts wegen der Invasion der germanischen Stämme (die Alemannen), zum neuen Sitz des Bischofs, der sich zuvor in Augusta Raurica (Augst/Kaiseraugst) niedergelassen hat. Der Hügel, auf dem später die Kathedrale (das heutige Münster) gebaut werden sollte, bot eine gute Zuflucht.

Der alte Palast des Bischofs in Augusta Raurica (Augst)

Bis zum karolingischen Reich Karl des Grossen (747-814) führte die Diözese ein politisch und kulturell unauffälliges Dasein. In dieser Zeit ragten zwei Bischöfe heraus, Waldo (740-814) und Haito (762-836), Berater Karl des Grossen und Kulturinnovatoren.

999

Im Jahr 999 wurde die Diözese auch zu einer weltlichen und militärischen Macht. In diesem Jahr erwarb der Bischof die Rechte der Abtei Moutier-Grandval (ein Geschenk von Rudolf III. (971-1032), dem letzten König von Burgund). Dies ist der Beginn des sich ständig erweiternden Besitzes im Jura, Elsass, Birstal und Birseck.

Das Münster

Das Heilige Römische Reich

Um 1 000 wurde der Bischof zum Vasallen des Kaisers des Heiligen Römischen Reiches und damit zum Prinzen, dem Beginn des Fürstbischofs und des Fürstbistums, nicht zu verwechseln mit der kirchlichen Provinz oder Diözese.

Ein wichtiger Moment ist die (finanzielle) Beteiligung von Kaiser Heinrich II. (973-1024) am Bau des Münsters. Die Skulptur des Kaisers und seiner Frau Kunigunde (975-1040) ist noch an verschiedenen Stellen im Dom zu sehen.

Delémont, Musée d’art et d’histoire. 

Mit dem Erwerb der Abtei St. Ursanne im Jahr 1146 und Militärexpeditionen im dreizehnten Jahrhundert wurde das Fürstentum zur stärksten weltlichen Macht am Oberrhein. Das Gebiet umfasste den heutigen Jura, den Sundgau, das Südelsass, Birseck, Birstal und noch Besitztümer in Süddeutschland (Schliengen, Altingen, Mauchen, Steinenstadt, Istein und Huttingen).

Als Folge der Burgunderkriege geriet der südliche Teil des Juras mit den Städten Biel (Bienne) und Moutier unter den Einfluss von Bern und Solothurn, de nördliche Teil mit Delsberg (Delémont), Pruntrut (Porrentruy) und St. Ursanne blieb unter die Kontrolle des Bischofs.

Rathaus Basel

Mit dem Beitritt der Stadt Basel zur Eidgenossenschaft im Jahr 1501 wurde das Verhältnis zwischen dem Bischof und dem Stadtrat immer schwieriger.

Als Basel während der Reformation die Religion wechselte, verlegte der Bischof seinen Sitz nach Pruntrut (Porrentruy). Die Architektur in dieser Stadt zeugt noch heute von der Pracht des Fürstbischofs und seines Hofes. Die Domherren zogen nach Freiburg im Breisgau und 1678 nach Arlesheim.

Delsberg (Delémont) schloss der Domherren und Sommerresidenz des Bischofs

Der Westfälische Friedensvertrag (1648) führte zu einer weiteren (politischen) Trennung zwischen dem nördlichen und südlichen Jura.

Das Gebiet des Fürstbischofs war und blieb nach 1648 ein katholisches Fürstentum des Heiligen Römischen Reiches, während die Eidgenossen und damit ihr Einflussbereich im protestantischen Südjura formal vom Heiligen Römischen Reich unabhängig wurden.

Sammlung: Musée jurassien d’art et d’histoire, Delémont

1792-1815

Die Welt nach 1792 würde für den Fürstbischof und sein Fürstbistum nicht mehr die gleiche sein. In 13 Jahren sollten 5 politische Konstruktionen aufeinander folgen, bis das Gebiet 1815 zwischen dem Kanton Bern (Gebiet minus Birseck) und dem Kanton Basel (das Birseck) aufgeteilt wurde.

Auch zu dieser Zeit hatten der Nord- und Südjura eine andere politische Geschichte. Der Norden des Juras wurde am 17. Dezember 1792 infolge des österreichisch-französischen Krieges zur französischen République rauracienne, am 23. März 1793 wurde dieses Gebiet mit dem französischen Departement Mont-Terrible zusammengeführt.

1798 schloss Frankreich auch den südlichen Teil des Juras des Fürstentums in dieses Departement ein. Bei der nächsten Revision am 17. Februar 1800 wurde das gesamte Gebiet des ehemaligen Fürstentums dem Departement Haut-Rhin hinzugefügt.

Dies war die Situation bis zur Niederlage Napoleons, als im Dezember 1813 alliierte Truppen dieses Gebiet besetzten. In den Jahren 1814 und 1815 wurde das Gebiet von zwei von den Alliierten ernannten Gouverneuren mit Sitz in Arlesheim regiert.

Musée jurassien d’art et d’histoire, Delémont

Am 20. März 1815 beschlossen die vier Grossmächte auf dem Wiener Kongress, das Fürstbistum zwischen Bern und Basel zu teilen. Die Einwohner wurden nicht gefragt. Es wurde nur im Interesse einer starken Schweizer Position an den Grenzen gehandelt.

Diese Vergangenheit hat den Jura, Basel (1833) und Bern 1979 (Kanton Jura), 1994 (das Laufental), 2017 und 2021 (Moutier) überholt.

(Quelle: A. Berchtold, Bâle et Europe. Une histoire culturelle, Lausanne 1990)

Siehe auch: Das Bistum Basel nach 1815

Musée jurassien d’art et d’histoire, Delémont