Zwei Mönche und ein Mandala am Rhein in Kaiseraugst
9 Februar 2026
Das Musée d’art aborigène australien „La grange“ in Môtiers (Kanton Neuchâtel), die Fondation Opale in Lens (Kanton Wallis), das Musée cantonal d’archéologie et d’histoire in Palais de Rumine in Lausanne (Kanton Waadt), das Museum Rietberg (Kanton Zürich), das Musée Barbier-Mueller in Genf (Kanton Genf), das Tibet Museum in Gruyères (Kanton Freiburg) und das erste ethnologische Museum Europas, das Museum der Kulturen in Basel (Kanton Basel-Stadt), sind nur einige Beispiele für die (historische) kosmopolitische Haltung, wissenschaftliche Neugier und zahlreiche Bottom-up-Organisationen im Land.
Ein weiteres Merkmal der Schweizer Gesellschaft ist Diskretion, Bescheidenheit und Bedachtsamkeit auch im Umgang mit der eigenen Kultur, der direkten Demokratie und der Verfassung. Doch unter anderem durch tendenziösen Journalismus wird die Schweiz von aussen oft nicht richtig und als isoliertes Bergvolk wahrgenommen, das von anderen Ländern oder der Europäischen Union profitiert. Das Gegenteil ist jedoch der Fall.

Das Bild von zwei buddhistischen Mönchen aus Nepal am Ufer des Rheins bestätigt dies. Bewohner von Magden (Kanton Aargau), inspiriert von einer Reise nach Nepal, gründeten ein typisch schweizerisches Bottom-up-Projekt, Lo-Manthang.
Das Ziel ist es, die Schulen in Namdo, Tsarang und Lo-Manthang (Regionen Upper Dolpo und Mustang) in Nepal, nahe der Grenze zu Tibet, zu unterstützen. Das buddhistische Kloster Choede in Lo-Manthang betreibt diese Schule. Seit der kommunistischen Invasion und Besetzung Tibets im Jahr 1959 (mit etwa einer Million Todesopfern, zahllosen Morden und systematischer Verfolgung buddhistischer Mönche und Terror) ist Nepal zum eigentlichen Zentrum des Buddhismus geworden.


Bilder vom Kloster und der Schule in Lo-Manthang und Mandalas von Schulkindern aus Magden und Rheinfelden in der reformierten Kirche von Kaiseraugst
In diesen Regionen bietet das Kloster der Bevölkerung Perspektiven, tibetische Kultur und Sprache, buddhistische Religion, Gesundheitsversorgung und Bildung. Abt Kungka Tenzing des Klosters und der Mönch Nawang Funchok waren Ende Januar/Anfang Februar in der Schweiz, um auf ihr Projekt aufmerksam zu machen.

Mandalas
Ein konkretes Projekt war die Erstellung eines Sandmandalas. Ein Mandala, nicht zu verwechseln mit der katholischen Mandorla, ist eine alte buddhistische Tradition. Sie werden von Ritualen begleitet. Mandalas dienen als Form der Meditation, Selbstreflexion, Loslösung von der materiellen Welt und als Demonstration der Vergänglichkeit.

Ein Mandala ist in seiner Grundform ein Kreis innerhalb eines Quadrats mit facettenreicher Symbolik des Kosmos und des menschlichen Geistes. Ein Mandala wird immer als Palast mit vier Türmen dargestellt, die nach Osten, Westen, Norden und Süden zeigen. Wie eine Landkarte dienen sie als Orientierung für Menschen, die den Kern des Seins, das innere Selbst und die Gottheit im Zentrum des Mandalas suchen. Mandalas finden sich in allen grossen buddhistischen Klöstern und zeigen eine bunt-symbolische Anordnung.

Ein Sandmandala ist eine bekannte Figur. Die Akzeptanz der Vergänglichkeit von Mensch und Materie ist auch ein wesentliches Motiv im Buddhismus. Aus diesem Grund wurde das schöne Mandala aus farbigen Sandkörnern mit seiner Symbolik am siebten Tag der Natur zurückgegeben.
„Zu Staub sollst du werden“ ist ein bekanntes Bibelzitat (Genesis 3:19). Der ebenso berühmte „Totentanz“ aus dem späten Mittelalter, eine Uhr oder die Totenschädel in Gemälden niederländischer und flämischer Meister des 17. Jahrhunderts weisen ebenfalls auf dieses Motiv hin.

Die reformierte Kirche
Der Rhein bei Kaiseraugst und das Mandala
Vom 31. Januar bis 6. Februar arbeiteten beide Mönche an dem Projekt in der reformierten Kirche von Kaiseraugst (Kanton Aargau), nicht weit vom Palast des ersten Bischofs der heutigen Diözese Basel (seit 1529 mit Sitz in Pruntrut (Porrentruy), ab 1828 in Solothurn (Kanton Solothurn) – selbst der Sitz einer Diözese ist vergänglich).

Abt Kungka Tenzing (links) und Mönch Nawang Funchok (rechts).
Nach einem buddhistischen Ritual (einschliesslich Gebeten [Mantras]) in der reformierten Kirche wurde der „Staub“ des Mandalas gemäss buddhistischer Tradition dem Rhein übergeben. Die Parallele zu den „Aschen“ nach einer Kremation ist offensichtlich.



Die Authentizität, Einfachheit, Offenheit und das Engagement dieser Mönche fanden natürlich viel Sympathie bei den Bewohnern kleiner Dörfer und Städte, der sogenannten „Landschaft“ in der multikulturellen Schweiz.
Die Kirche und die Prozession durch Kaiseraugst zogen viel Aufmerksamkeit auf sich; Schulkinder fertigten zahlreiche Mandalas an, und Bewohner, Kirche und Gemeinden unterstützten das Projekt grosszügig.
(Quelle und weitere Informationen: Schulverein Lo-Manthang in Magden)

Monnik Nawang Funchok en Abt Kungka Tenzing voor het bootshuis van de roeivereniging Basler Ruderclub (BRC).
