Chur. Bischöfliches Schloss. Foto/Photo: TES

Der bischöfliche Hof und der Totentanz von Chur

Der erste durch Quellen bestätigte Bischof in der Schweiz ist der heilige Theodor von Martigny (Kanton Wallis). Er nahm am Konzil von Aquileia im Jahr 381 und an einer Synode in Mailand im Jahr 393 teil. Genf war bereits Ende des vierten Jahrhunderts ein Bistum mit Isaak als erstem bekannten Bischof im Jahr 400.

Der erste bekannte Bischof von Chur (lateinisch Curia, Hauptstadt der römischen Provinz Raetia Prima) war Asinio, der im Jahre 451 erwähnt wurde. Die Diözese Chur gehörte bis 843 zum Erzbistum Mailand. Durch den Vertrag von Verdun (die Aufteilung des Karolingerreiches in drei unabhängige Königreiche) gehörte das Bistum ab 843 zum Erzbistum Mainz.

Die Grösse des Bistums entsprach etwa der römischen Provinz Raetia prima und erstreckte sich auf den heutigen Kanton Graubünden, Liechtenstein, Österreich (Vorarlberg und Tirol) und Italien (Südtirol oder Vinschgau). Das Gebiet der Diözese wurde im Mittelalter Churrätien oder Rätien genannt.

Der Obere Spaniöl. 

Die bischöfliche Anlage besteht aus dem Schloss, der Kathedrale St. Mariä Himmelfahrt und den Residenzen des Domkapitels, der Domherren. Ein Teil des Bischofssitzes wird für das Domschatz-Museum genutzt. Der andere Teil wird renoviert und einzelne Räume davon sollen für die Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden. Der von mittelalterlichen Mauern umgebene Komplex liegt auf einem Felsen etwa 20 Meter über der Altstadt.

Der bischöfliche Palast. Foto: Alice das Neves Photography

1.600 Jahre Kirchengeschichte

Chur ist eine der ältesten Bischofsstädte nördlich der Alpen. Der liturgische Kunstschatz blieb trotz der Reformation in Chur 1527 und der ständigen Spannungen zwischen dem protestantischen Stadtrat und der Bürgerschaft und der katholischen Enklave des bischöflichen Hofes fast unversehrt erhalten.

Diese Situation ist vergleichbar mit St. Gallen. Auch diese Stadt wechselte in den Jahren 1524 und 1525 den Glauben. Der jahrhundertealten Abtei erging es jedoch nicht so gut wie der Kathedrale in Chur. Viele liturgische Gegenstände wurden verkauft, zerstört oder geraubt.

St. Gallen besass sogar eine der ersten politischen Mauern Europas: Eine Mauer trennte das Territorium der Abtei in der Mitte der Stadt vom Rest der protestantischen Stadt.

Zurück nach Chur. Der erste Vorgängerbau der Churer Kathedrale wurde im fünften Jahrhundert errichtet, vielleicht unter Bischof Asinio. Archäologische Forschungen haben die Existenz eines weiteren Vorgängerbaus aus dem achten Jahrhundert ans Licht gebracht, die sogenannte Tellokirche aus der Zeit von 750-760. Bischof Tello war der letzte Nachkomme der rätischen Herrscherfamilie der Zacconen oder Viktoriden.

Die heutige spätromanische Kirche wurde nach 120-jähriger Bauzeit am 19. Juni 1272 geweiht. Die intakten romanischen Schnitzereien, Verzierungen und Kapitelle, die in späteren Jahrhunderten durch gotische und barocke Elemente ergänzt wurden, gehören zu den am besten erhaltenen in Europa. Die gotischen Fresken sind wahrscheinlich das Werk des Waltensburger Meisters.

Die intakten romanischen Schnitzereien an Teilen des Chorgestühls, Verzierungen und Kapitelle, die in späteren Jahrhunderten durch gotische und barocke Elemente ergänzt wurden, gehören zu den am besten erhaltenen in Europa.

Hier könnte man allenfalls noch den 1492 vollendeten Hochaltar von Jakob Russ von Ravensburg (1455-1525) erwähnen mit seinem überaus reichen, ikonographischen Programm. Interessant ist ja eigentlich, dass dieser gotische Altar hier in der „Provinz“ zu einer Zeit vollendet wurde, als Menschen in anderen Teilen von Europa bereits Amerika entdeckt hatten…

Das Prämonstratenserkloster St. Luzius wurde im Jahr 1149 gegründet. St. Luzius und St. Florinus sind die Schutzheiligen der Diözese. Der erste Bau des Komplexes stammt jedoch aus dem achten Jahrhundert und war eine karolingische Kirche.

Grabtafeln von Mitgliedern der Zacconen (oder Viktoriden) Dynastie erhalten geblieben. Diese rätische Dynastie starb 765 aus, woraufhin Karl der Grosse (748-814) die fränkischen Äbte und ab 806 die Grafen zu weltlichen Herrschern ernannte.

Die nahe gelegene Pfarrkirche St. Martin ist evangelisch-reformiert seit 1527 und wird bereits um 800 erwähnt. Sie weist auf die isolierte Lage des nur wenige hundert Meter entfernten Bischofskomplexes nach der Reformation hin.

Die St. Martinskirche und der heilige Martinus

Das Domschatzmuseum im ehemaligen barocken Bischofspalast ist nicht nur ein Museum, sondern auch ein Ort für liturgische Gegenstände, die noch in Gebrauch sind. Das ausgestellte Triumphkreuz aus dem 13. Jahrhundert ist beispielsweise ein fester Bestandteil der Liturgie zu Ostern.

Foto: Ralph Feiner

Ausserdem sind seit 2020 die weltberühmten 25 unversehrten Bilder des Totentanzes von 1543 im Weinkeller des Schlosses zu sehen. Sie stehen in der Tradition der mittelalterlichen Totentänze. Diese Todesbilder sind der älteste erhaltene Zyklus. Diese Bilder sind Kopien von Holzschnitten nach Hans Holbein dem Jüngeren (1498-1543). Diese einzigartige Serie hing bis 1882 im Palast. Nach einem Aufenthalt im Rätischen Museum sind sie nun wieder hier ausgestellt.

Foto: Ralph Feiner

Diese Serie besteht aus Grisaillen (der unbekannte Maler verwendete nur graue, schwarze und weisse Farben) in einem dreireihigen Gitterwerk mit einer Länge von 15 Metern und einer Höhe von 3,40 Metern.

(Quelle und weitere Informationen: Domschatzmuseum Chur)

Die St. Luzius und St. Florinus Fenster