Wibrandis Rosenblatt

Im Pfarrhaus zu St. Martin in Basel wirkt am Höhepunkt der Reformation die Frau Wibrandis Rosenblatt (1504-1564).

Sie war mit dem Reformator Johannes Oekolampad, Johannes Oecolampadius, (1482-1531) verheiratet und eine der ersten evangelischen Pfarrfrauen in Basel.

Übrigens hatten die Reformation und diese Ehe nichts zu tun mit Emanzipation. Wibrandis kümmerte sich um den Haushalt und war gehorsam und bibelkundig, in den Worten von Oekolampad.

Die Ehe mit einem (ehemaligen) Priester galt als reformatorischer Akt und als Bekenntnis zum neuen Glauben. Nach dessen Tod vermählte sie sich noch mit den Reformatoren Wolfgang Capito (1478-1541) und Martin Bucer (1491-1551).

Die elffache Mutter lebte und starb in Basel und wohnte auch in Strassburg (mit Capito und Bucer) und Cambridge (mit Bucer).

Schloss, Maison de Rivaz, die Kirche und das Museum in St. Gingolph

Charles-Joseph de Rivaz (1713-1759), ein Walliser Aristokrat, baute das Haus (Maison de Rivaz) 1754 neben dem Schloss von 1588. Er erwarb 1749 das (Mit-)Eigentum an der Burg.

Sein Sohn, Charles-Emmanuel (1753-1830), kaufte das Schloss 1826 von Augustin de Rietmatten. Zu dieser Zeit standen Haus und Schloss noch alleine da, ohne die heutigen umliegenden Gebäude.

Im Jahr 1837 übernahm die Gemeinde St. Gingolph den Komplex von Haus und Schloss. Heute beherbergt der Komplex das Rathaus, das Museum der Traditionen und Barken des Genfersees (Musée des Traditions et des Barques du Léman), Ecole Suisse des Parfumeurs Créateurs und die Perles du Léman.

(Quelle: Patrick Elsig, La construction de la maison de Rivaz,à Saint-Gingolph (1751-1754); Commune de Saint-Gingolph)

Isaac de Rivaz (1752-1828)

Die Kapelle de la Saint-Famille (1677)

St. Etienne in Montcherand

Die Kirche St. Etienne in Montcherand (Kanton Waadt) steht an der Kreuzung von drei Pilgerwegen. Der Jakobsweg nach Santiago de Compostela, die Via Francigena, von Canterbury nach Rom und das Netzwerk der Abtei von Cluny.

Die Wandmalereien dieser Kirche stammen aus dem 12. Jahrhundert. Sie sind dank dem Übertünchung der Malereien im Jahr 1536, der Zeit der Reformation, teilweise erhalten geblieben.

Die Wandmalereien sind die ältesten Beispiele für die Darstellung von menschlichen Figuren in der Kunst in der Westschweiz.

Die romanische Kirche in Donatyre, einem Dorf bei Avenches, zeigt eine Kopie aus dem Jahr 1907 dieses Wandbildes.

(Quelle: K. Queijo, L’église Saint-Etienne de Montcherand, Montcherand, 2018).

Le Landeron, eine schweizerische Geschichte

Der Graf von Neuenburg gründete 1325 die Stadt Le Landeron. 1449 schloss die Stadt jedoch ein Bündnis mit der Stadt Solothurn.

Die Grafen von Neuenburg, das Fürstbistum Basel und Bern kämpften um Einfluss in diesem Gebiet und die Stadt suchte einen Schirmherr, Solothurn also.

Im 16. Jahrhundert kam es zu einem heftigen religiösen Streit zwischen Bern und Solothurn. Bern versuchte die Reformation in Le Landeron durchzusetzen, aber die katholische Bevölkerung lehnte diese mit Unterstützung des katholischen Solothurns ab.

Der protestante preussische König  übernahm 1707 die Grafschaft Neuenburg. Le Landeron gehört seit 1815 zum Kanton Neuenburg, obwohl die Stadt noch immer katholisch ist.

Diese typisch schweizerische Geschichte wird im Museum l’Hôtel de Ville dargestellt.

La Sagne

La Sagne (Kanton Neuchâtel) im gleichnamigen Tal  ist der Geburtsort von Daniel Jeanrichard (1665-1741), einem der Begründer der Uhrenindustrie im Jura.

Die Kirche wurde 1526 in der katholischen Zeit errichtet. Im Jahr 1536 führte die Gemeinde die Reformation ein, ohne das Innere der Kirche wesentlich zu verändern.

Die spätgotische Kirche ist auf den Fundamenten einer mittelalterlichen Kapelle erbaut. Das prächtige Gewölbe des Chores ist ein Juwel der Spätgotik. Die Kirche ist Teil des Kulturerbes des Kantons Neuenburg.

Jambolina im Arosa Bärenland

In der Ukraine wurde Jambolina als Zirkusbärin gehalten,  bevor sie im Arosa Bärenland (Kanton Graubünden) ein neues Lebenskapitel anfangen durfte.

Jambolinas Besitzer konnten keine Auftritte mehr tätigen, weshalb  die Bärin nun die Chance bekommen hat, den Rest ihres Lebens im weitläufigen Gehege in Arosa zu geniessen. Nach Napa († 4.11.2020), Amelia und Meimo ist sie die vierte Bärenankunft im Arosa Bärenland.

Nach der Ankunft im Dorf musste Jambolina in der Transportbox mit der Luftseilbahn Arosa Weisshorn in das Arosa Bärenland transportiert werden.

Dort angekommen wartete ein Pistenbully, um Jambolina endgültig in ihr neues Zuhause auf über 2 000 Meter über Meer zu bringen.

Im Arosa Bärenland ist man gespannt, wann Jambolina ihre erste Winterruhe antritt. Zur Mitverfolgung gibt es auf der Webseite eine Webcam, die Jambolina in ihrer Höhle zeigt.

Ein weiteres Highlight wird dann Jambolinas erster Frühling im Arosa Bärenland und die Vergessellschaftung mit ihren Mitbewohnern Amelia und Meimo.

(Quelle und weitere Informationen: www.arosabaerenland.ch).

Augusta Raurica und die Domus Romana

Das 1955 eröffnete Römerhaus in Augst, der Römerstadt Augusta Raurica, war Vorbild für spätere Rekonstruktionen römischer Häuser in ganz Europa.

Das Römerhaus ist eine der ersten rekonstruierten alten römischen Villen in Europa, die teils auf archäologischen Funden in Augusta Raurica, teils auf Erfahrungen in Pompeji und Herculaneum in Italien beruhen. Augusta Raurica ist eine der am besten erhaltenen und gut dokumentierten römischen Städte nördlich der Alpen.

Augusta Raurica um 117 n. Chr. Bild: Museum Augusta Raurica 

Das Römerhaus steht über den Fundamenten ausgegrabener Gebäude, sein Grundriss entspricht jedoch nicht diesen Bauten, sondern gibt Grösse und Anordnung von Räumen eines vornehmen Wohnhauses wieder. Solche Stadtvillen lagen an den schachbrettartig angeordneten Strassen.

Alles was von Originalfunden aus Augusta Raurica bekannt war, wurde nach diesen Funden rekonstruiert. Das Übrige richtet sich nach Vorbildern anderer Orte, vor allem Herculaneum und Pompeji. Das Römerhaus wurde im Winter 2000/2001 renoviert.

Dabei malte man einzelne Räume nach neuen Erkenntnissen aus und richtete sie zum Teil mit neuen Möbeln ein. Das grosse städtische Wohnhaus oder Domus hatte so offen zu sein, dass das darin Stattfindende für alle sichtbar war. Deshalb stand die Eingangstüre in der Regel offen. Das Haus betrat man von der Strasse her durch einen Flur, der in den Innenhof führt.

Grundsätzlich zugänglich war das Haus für Nahestehende wie Verwandte, Freunde, Sklaven und Klienten in Bezug auf das Patronat und Klientelwesen. Der Status des Besitzers und sein Anwesen hatten einander zu entsprechen.

Der Patron und wohlhabende Personen waren zur Repräsentation verpflichtet. Dazu gehörten luxuriöse Empfangssäle, weiträumige Innenhöfe, Gartenanlagen, Bildergalerien und Bibliotheken. Sparsamkeit wurde nicht geschätzt.

Das Haus in der Provinzstandt Augusta Raurica besitzt im Vergleich zu den vornehmen grossen Stadtvillen in den römischen Metropolen ein einfaches Raumenensemble, hätte jedoch einer Familie aus der gehobenen Bevölkerungsschicht entsprochen. Die Privaträume gruppieren sich um einen mit Säulen umstandenen begrünten Innenhof (peristylium), der oft mit Steinplatten belegt war.

Das Hausheiligtum findet sich neben dem Eingang in der Nähe der Küche. Es gab Villen mit gr0ssen und Villen mit kleinen Gärten. Wichtig war, dass es die Möglichkeit gab, sich draussen aufzuhalten.

Nur die allerwenigsten Häuser besassen Privattoiletten, die meisten Leute waren auf öffentliche Aborte angewiesen. In diesem Haus gab es aber eine separate Privattoilette und eine Toilette für die Bediensteten in der Küche, weil dort auch die Abwässer entsorgt werden konnten.

In seiner Rolle als Patron bewirtete der Hausherr seine Gäste im grossen Stil. Zu diesem Zweck wurde das Sommer-Wohn- und Speisezimmer als Bankett- und Repräsentationssaal konzipiert. Der Wohnraum ist bunt ausgemalt mit Wandmalereien und mit Webstuhl und Sofa eingerichtet. Den Boden schmückt ein Mosaik aus Hölstein. Das Zimmer ist eingerichtet mit Speisesofas, Sesseln und einem runden Steintisch. Das Essen wurde liegend genossen.

Nur vornehme Häuser besassen ein eigenes Bad (Balneum). Der Badetrakt bestand aus mehreren Räumen mit aufwändigen Installationen und Wasserbecken mit verschiedenen Temperaturen.

Im Umkleideraum (apodyterium) befinden sich Sitzbänke und die Garderobe. Zunächst begab man sich in den warmen Baderaum (tepidarium), danach ins Heissbad (caldarium) und anschliessend kühlte man sich im Kaltbad (frigidarium) ab.

(Quelle und weitere Informationen: B. Rütti, C. Aitken, Domus Romana, Augst 2001, Museum Augusta Raurica).

Korrektorin: Eva Maria Fahrni

   

Das Strassburger Denkmal in Basel

Das Strassburger Denkmal von 1895 (gegenüber dem Basler Hauptbahnhof (SBB) ist dem deutsch-französischen Krieg von 1870-1871 gewidmet.

Die Stadt gehörte bis 1681 zum Heiligen Römischen Reich der Deutschen Nation, was an den vielen deutschen Ortsnamen zu erkennen ist.

Ludwig XIV. (1638-1715) eroberte 1681 die Stadt. Das Franche-Comté und seine Hauptstadt Besançon wurden ebenfalls 1678 von Ludwig XIV. annektiert. Dieses Gebiet gehörte zur spanischen Dynastie der Habsburger.

Im Deutsch-Französischen Krieg von 1870-1871 wurde Strassburg nach einer Belagerung von zwei Monaten (September-Oktober 1870) vom preussischen König Wilhelm I. (1797-1888) erobert.

Der König wurde 1871 in Versailles zum deutschen Kaiser gekrönt. Der französische Kaiser Napoleon III. (1808-1873) verlor seinen Thron.

Die Gedenkstätte ist eine Initiative Strassburgs, um Basel für die grosse humanitäre Unterstützung während dieses Krieges zu danken. Das Bourbaki-Panorama in Luzern erinnert auch an diesen Krieg.

Das Denkmal wurde von Fréderic-Auguste Bartholdi (1834-1904) entworfen. Er hat auch die Freiheitsstatue in New York (1886) und den Löwen des Belfort (1880) geschaffen..

Die unabhängige Republik Grossbasel

Die neue Basler Stadtgeschichte erscheint 2024. Sie erzählt nicht nur die ökonomischen, sozialen und kulturellen Erfolge der Stadt am Rhein, sondern auch ihre verpassten Chancen.

Der Kanton und die Stadt gehören schon seit Jahrhunderten zu den wichtigsten wirtschaftlichen und kulturellen Zentren, an welchen verschiedene Verkehrswege uam Rhein zusammenkommen.

Bis ins 15. Jahrhundert orientierte sich Basel hauptsächlich in Richtung Elsass und Oberrhein (Strassburg, Freiburg, Colmar, Mulhouse, Besançon, Rottweil).

Basel hat sich immer am trinationalen Umland orientiert, auch nach 1501, als die Stadt der Eidgenossenschaft beitrat. Vielleicht war der Kanton seit 1848 auch deswegen erst dreimal im Bundesrat vertreten. Dahingehend hat Basel auch einige politische Möglichkeiten verpasst.

Residenzstadt

Basel war für den römisch-deutschen König Rudolf von Habsburg (1218-1291) dieunangefochtene Hauptstadt seiner Territorien im Aargau, Fricktal, Elsass und Süddeutschland.

Die Handels- und Bischofsstadt und seine Verkehrswege waren der natürliche Mittelpunkt dieses Gebietes. König Rudolf und seine Frau Anna Gertrude (1125-1281) besuchten die Stadt bis 1274sechsundzwanzig mal.

Die Stadt wehrte sich jedoch gegen den Status der Residenzstadt. So kam es 1272 und 1273 zubewaffneten Auseinandersetzungen. Im 14. Jahrhundert wurden stattdessen Wien und Prag zu den Hauptresidenzen der Habsburger.

Basel wurde also keine königliche oder kaiserliche Hauptstadt und Metropole, obwohl Königin Anna Gertrude 1281 im Basler Münster bestattet wurde. Erst 1770 wurde der Sarkophag ins Habsburgische Kloster St. Blasien überführt.

Der Bischof flüchtete zweihundertfünfzig Jahre später (1525-1529) nach Porrentruy und gab damit seine Basler Residenz auf. Heute ist Solothurn die Bischofsstadt der Region. So verbinden wir Basel heute nur geringfügig als Residenz von Kaisern, Königen und Bischöfen.

Die Republik Grossbasel

Gelegentlich kann auch noch die Fahne ´Unabhängige Republik Grossbasel´ in der Stadt gesehen  werden. Utopie, Witz und Traum: ein Fremdkörper in der Eidgenossenschaft ? Oder doch eine  selbstbewusste, souveräne und erfolgreiche Republik?

Baseldeutsch (Baaseldytsch, Baseldytsch, Baseldütsch) ist jedenfalls ein Dialekt mit vielen Besonderheiten, eben nach Schweizerdeutschen Massstäben.

Chasa Editura Rumantscha

Die Stiftung Pro Helvetia, der Kanton Graubünden und die Lia Rumantscha gründeten 2010 den Verlag Chasa Editura Rumantscha.

Der Verlag setzt sich zum Ziel, die lebendige romanische  Literaturszene sichtbarer zu machen. Das Editionsprogramm umfasst Romanische Belletristik und Kinder- und Jugendbücher.

Die Bilanz nach zehn Jahren: über siebzig Bücher und vierzig Autorinnen und Autoren. Je nach eingereichten Manuskripten werden die Publikationen in den (fünf) regionalen Idiomen, in Rumantsch Grischun oder in mehrsprachigen Versionen herausgegeben.

(Weitere Informationen: https://chasaeditura.ch).