Sherlock Holmes in Meiringen

Meiringen (Kanton Bern) ist das Dorf des berühmten und tödlichen Kampfes zwischen Sherlock Holmes und seinem grössten Gegner, Professor James Moriarty, im Jahr 1891, wenn auch tödlicher für Moriarty.

Drei Jahre nach dem Kampf am Reichenbachfall, als die Leser glaubten, dass beide gestorben seien, kehrte Holmes in sein fiktives Leben zurück.

Die Öffentlichkeit war so enttäuscht, verärgert und wütend über seinen Tod im letzten Buch, dass Conan Doyle ihm 1894 wieder ins Leben zurückschrieb, vorausgesetzt, er hätte den Kampf überlebt, aber die Gelegenheit genutzt, zu studieren, zu reisen und über seine Zukunft nachzudenken.

Holmes und Dr. Watson setzen nachher ihre Abenteuer in der Bakerstraat 221 B in London fort.

Conan Doyle wählte Meiringen, weil das Dorf den britischen Lesern bekannt war (es war ein touristisches Ziel) und die Landschaft, Berge und Wasserfälle ideal waren.

Meiringen hatte auch Grand Hotels für Gentlemen wie Dr. Watson und Sherlock Holmes. Das Dorf war eben eines der ersten, das eine englische Kirche in der Schweiz hatte (seit 1867). Das Sherlock Holmes Museum in der Kirche wurde 1991 eröffnet.

(Quelle und weitere Informationen: www.sherlockholmes.ch).

Korrektorin: Melinda Fechner

Grenzbildung in Rodersdorf und Biederthal

Die Römer haben auf dem Gebiet des Dorfes Rodersdorf (Kanton Solothurn) ihre Spuren hinterlassen. Es wurden die Fundamente von Steinbauten (darunter ein Tempel), die Reste einer Fussbodenheizung sowie die Überreste einer Schmiede und einer Wassermühle entdeckt.

Im dritten Jahrhundert begann die römische Herrschaft zu bröckeln und das Mittelalter setzte ein. Erst 1197 wird das Dorf in einer Urkunde unter den Namen der Brüder Hugo und Conrad von Ratolsdorf wieder erwähnt.

Die Herren von Ratolsdorf standen in den Diensten der Grafen von Pfirt. Dieses Geschlecht starb im Jahre 1324 aus. Danach waren die Herren von Ratosldorf lange Zeit Landgrafen im Elsass unter den Habsburgern.

Neben den Ratolsdorfern spielte auch das Geschlecht der von Biederthan (heute das nahegelegene Dorf Biederthal im Elsass) eine bedeutende Rolle. Die Verwandtschaft der beiden Familien wird durch das gemeinsame Wappen im Dorf Biederthal deutlich.

Die Verhältnisse änderten sich jedoch im Laufe der Zeit. Der Aufstieg des wohlhabenden Bürgertums in den Städten, die zunehmende Geldwirtschaft und das Vordringen der Eidgenossenschaft trieben den Adel immer weiter in die Enge.

Rodersdorf

1499 wurde Rodersdorf im Schwabenkrieg zum Ziel kaiserlich-habsburgischer Truppen. Nach der Niederlage der Habsburger erwarb Solothurn die Herrschaft über Rodersdorf.

Nach dem Dreissigjährigen Krieg wurde Biederthal französisch und ist es geblieben, obwohl bis dahin im Elsass (und in Teilen des Schwarzwalds im heutigen Baden Württemberg) das „Wir wöllent Schwyzer werden“ erklang.

In den Wirren der Reformation verhielt sich Solothurn für die damalige Zeit erstaunlich demokratisch, wie dies beispielsweise auch Glarus, die Appenzeller und Zürich zeigten.

Die 15 Kreuze zur Ehre Maria von Mariastein nach Rodersdorf

Der Kanton setzte zunächst je nach Mehrheit einen Pfarrer oder einen Prediger ein. Um 1530 ging jedoch der katholische Kanton Solothurn aus den Wirren hervor.

Die Grenze zwischen Frankreich und der Schweiz ist seit 1648 festgelegt. Oberrheinalemannisch war die gesprochene Sprache in den beiden Dörfern Rodersdorf und Biederthal bis zur Zeit Napoleons, als er Französisch als Pflichtsprache verordnet hat.

Nach dem Ersten Weltkrieg und endgültig nach dem Zweiten Weltkrieg trennte nicht nur eine physische, sondern zunehmend auch eine sprachliche Grenze die beiden Dörfer, obwohl die Zollstellen (formell) abgeschafft wurden.

(Quelle: www.rodersdorf.ch)

Korrektorin: Petra Ehrismann

  

Die mehrsprachige Schweiz steht auf dem Spiel

Der Autor erörtert eine (aktuelle) Debatte über die vier Landessprachen: das Rätoromanisch, Französisch, Deutsch und Italienisch.

Der Sprachunterricht liegt in der Kompetenz der Kantone. Die Sprache des Kantons ist in der Primarschule obligatorisch. In der Sekundarschule stellen sich die Probleme oder die Wahlmöglichkeiten.

Ist eine zweite Landessprache oder Englisch obligatorisch?  Es ist eine Tatsache, dass sich immer weniger Schweizer*innen in einer anderen Landessprache ausdrücken können.

Es ist keine Ausnahme, dass (junge) Schweizer*innen beispielsweise aus der Deutsch- und Westschweiz auf Englisch kommunizieren.

Das vorliegende Buch befasst sich mit dieser Entwicklung und der Rolle des Englischen. Das Thema ist auch deshalb aktuell, weil die vier Sprachen ein  Bestandteil der föderalen Struktur der Schweiz sind.

Das Buch is verfrügbar auf Französisch.

José Ribeaud, La Suisse plurilingue se délingue, Neuchâtel, 2010.

Die romanische Schweiz

Zur Zeit der Romanik (1000-1300) war die Schweiz weit davon entfernt, eine nationale Einheit zu bilden. So weist auch die frühmittelalterliche Baukunst dieses Raumes ein vielgesichtiges Bild auf.

Die unterschiedlichen Einflüsse, insbesondere aus Oberitalien, Burgund oder vom Oberrhein führten zur Herausbildung ganz eigener Ausdrucksformen. In klarer und anschaulicher Weise stellt der Autor nach einer grundlegenden Einführung die romanischen Kirchenbauten und deren Kunstschätze vor, gruppiert in den Regionen Graubünden, Tessin, der Romandie und der Deutschschweiz.

Die Präsentationen werden durch kurzbeschreibungen weniger bekannter romanischer Bauten vervollständigt.

Hans-Rudolf Meier, Romanische Schweiz, Würzburg 1996.

Die Republik der Sieben (unabhängigen) Vereinigten Provinzen und die Eidgenossenschaft

Das Buch A. Holenstein, Th. Maissen, M. Prak (Hrsg.)‘The Republican Alternative. The Netherlands and Switzerland compared‘ (Amsterdam 2008)  ist das Ergebnis des Workshops vom 7. bis 9. Mai 2004, der von der Universität Bern organisiert wurde.

Diese Republiken des frühneuzeitlichen Europas (1500–1795) bestanden aus (dreizehn) unabhängigen Kantonen der Eidgenossenschaft und respektive der Sieben (unabhängigen) Vereinigten Provinzen.

Das Buch vergleicht die religiösen, militärischen und wirtschaftlichen Gemeinsamkeiten und Unterschiede sowie die persönlichen Bindungen und (wissenschaftlichen) Beziehungen zwischen den Republiken.

Die napoleonischen Kriege und der Wiener Kongress (1814-15) veränderten die Verfassungen in beiden Ländern: Die Monarchie und der Einheitsstaat in den Niederlanden und die Konföderation oder die Eidgenossenschaft und ihre unabhängigen Kantone in der Schweiz, zumindest bis 1848. Der Vergleich liefert jedoch interessante und unerwartete Ergebnisse und neue Fakten.

Dasselbe lässt sich auch über den Austausch zwischen niederländischen und schweizerischen Künstlern in der Zeit vom 15. bis zum 20. Jahrhundert sagen. Es ist eine Tatsache, dass es in den Niederlanden keine Berge gibt.

Allerdings haben niederländische Maler seit dem sechzehnten Jahrhundert viele Berge, Wasserfälle, Höhlen und andere alpine Landschaften in einer niederländischen Umgebung dargestellt, obwohl viele Maler nie das Alpenland besucht hatten.

Sie malten diese Landschaften noch vor den Schweizer Malern. Niederländische Maler wurden so zu einer Quelle der Inspiration für ihre Schweizer Kollegen.

Jan Haeckert (1628-1690), um 1670. Sammlung: Rijksmuseum Amsterdam. 

Im siebzehnten und achtzehnten Jahrhundert wurde die Schweiz ein beliebtes Reiseziel für niederländische Maler. Sie schufen ein neues (Fantasie-)Bild der alpinen Kunst, das in vielen Ländern nachgeahmt werden sollte.

Schweizer Künstler besuchten auch die protestantischen Niederlande und liessen sich von deren Meistern und ihren Motiven inspirieren. Der Austausch war im neunzehnten Jahrhundert besonders stark.

Die Edition Kunst + Architektur in der Schweiz (3, 2020) der Gesellschaft für Schweizerische Kunstgeschichte hat ein interessantes Dossier zu diesem Thema unter dem Titel „Kunst im Austausch. Schweiz-Niederlande“ veröffentlicht.

Die Ergebnisse des oben erwähnten Buches über die engen religiösen, militärischen, wirtschaftlichen, wissenschaftlichen und persönlichen Beziehungen fügen sich nahtlos in die Erforschung des intensiven künstlerischen Austauschs zwischen den beiden Ländern seit dem fünfzehnten Jahrhundert ein.

Korrektorin: Melinda Fechner

Virtual Reality Glacier Experience

Der Morteratschgletscher bei Pontresina (Kanton Graubünden) zeigt die Auswirkungen der globalen Erwärmung. In Hohe Moränen prägen die Landschaft und zeigen, wo sich der Gletscher 1850 befand. Die Virtual-Reality-Stationen zeigen, wo er sich im Jahr 2100 befinden wird. In den letzten 170 Jahren ist dieser Gletscher um drei Kilometer geschrumpft, heute mit einer Geschwindigkeit von 44 Metern pro Jahr.

Aber es gibt Hoffnung und Innovation (siehe Projekte: „Mort Alive“, www. mortalive.ch). Ein interaktiver Ausstellungsraum in Diavolezza zeigt das Thema des Abschmelzens der Gletscher und die klimabedingten Veränderungen im Hochgebirge. Informationstafeln und Sieben virtuelle Stationen zeigen, welche Szenarien in der Zukunft möglich sind.

(Quelle und weitere Informationen: www.glacierexperience.com).

Frankreich, der Schweiz und der Ewige Friede von 1516

Die Beziehung zwischen Frankreich und der Schweiz hat viele Facetten.

Es wird geschätzt, dass heute 175 000Franzosen (les frontaliers) täglich in die Schweiz um in den Firmen zu arbeiten. Frankreich ist das viertgrösste Exportland der Schweiz, während die Schweiz bei Frankreich unter den wirtschaftlichen Top Ten ist.

Darüber hinaus gibt es viele kulturelle, wissenschaftliche, soziale und politische Kontakte. Mehr als 1 Million Schweizer Bürger*innen sprechen die französische Sprache. Die Geschichte liefert auch Anhaltspunkte für die Beziehung, mit ihren guten und schlechten Zeite.

15. Jahrhundert

Im fünfzehnten Jahrhundert existierte die heutige Schweiz nicht und das französische Königreich war damals viel kleiner und wurde militärisch, kulturell und politisch von den mächtigen Herzögen von Burgund und den aufstrebenden Habsburgern und ihrem Heiligen Römischen Reich der Deutschen Nation überschattet.

Elsass, Lothringen, Franche-Comté und Savoyen waren (noch) kein Teil des Königreichs und die Reformation (nach 1517) hatte die Schweiz und Frankreich noch nicht geteilt.

Während des französisch-englischen Hundertjährigen Krieges (1337-1453) führte ein interner Konflikt (Zürcherkrieg) innerhalb der damaligen Eidgnossenschaft (Zürich, unterstützt von Habsburg gegen Bern, Zug, Luzern, Schwyz, Glarus, Unterwalden und Uri) zu einer Intervention des französischen Königs Karl VII (1403-1461) gegen die Eidgenossen.

In der Schlacht bei St. Jakob an den Birs erlitten die Eidgenossen eine Niederlage, aber der französische König war von der Kampfkraft und der Mentalität der Schweizer Soldaten so beeindruckt, dass er der Eidgenossenschaft ein günstiges Friedensangebot machte (Ensisheim, 28. Oktober 1444).

Der Ewige Friede

Es war der Beginn einer freundschaftlichen Beziehung von fast 350 Jahren (bis 1798) und fast einer Million Schweizer Soldaten, die als Söldner im französischen Militärdienst dienen würden, einem wichtigen Schweizer Exportprodukt seit Jahrhunderten.

1453 schlossen der französische König Karl VII. (1403-1461) und die Suysses, die Eidgenossenschaft von insgesamt acht Kantonen, den ersten Vertrag der „paix perpétuelle“, den ewigen Frieden.

Dieser Vertrag würde mit grosser Regelmässigkeit bis 1798 ratifiziert werden. Das französische Interesse galt der Rekrutierung von damals hochgeschätzten Schweizer Soldaten und einem neutralen östlichen Nachbarn.

Die Eidgenossenschaft wollte den Zugang der Schweizer Händler zu den französischen Märkten und eine privilegierte Position gegenüber anderen ausländischen Händlern.

Gegenseitig würden sie sich nicht angreifen. Für Frankreich wurde das Bündnis zum Segen, als die Eidgenossenschaft unter der Führung von Bern und Freiburg 1476 (bei Grandson und Murten) und Nancy (1477) den mächtigen burgundischen Herzog besiegte, einschliesslich des Todes von Karl dem Kühnen (1433-1477) und des Verschwindens von Burgund als mächtige unabhängige politische Einheit.

Der habsburgische Kaiser Maximilian (1459-1519) profitierte jedoch auch, aufgrund seiner Heirat mit Maria von Burgund (1457-1482), der Tochter von Karl dem Kühnen und Erbin der reichen burgundischen Besitztümer.

Marignano

Erst zu Beginn des 16. Jahrhunderts wurde die „paix perpétuelle“ auf die Probe gestellt, als eine Reihe von Kantonen die Poebene in Norditalien und das Herzogtum Mailand kontrollieren wollten.

In einer komplizierten internationalen Situation zwischen Papst, Habsburgern und Frankreich würde dies zu Niederlagen im September und Oktober 1515, unter anderem in Marignano, gegen den französischen König François I (1494-1547) führen.

Dieser König erkannte jedoch die Bedeutung einer guten Beziehung zur Eidgenossenschaft und eine weitere „paix perpétuelle“ wurde am 29. November 1516 geschlossen, was am 5. Mai 1521 in Luzern bestätigt wurde.

Die Schlacht von Marignano wird hier nicht behandelt. Hier genügt es zu erwähnen, dass diese Schlacht die Uneinigkeit der  Kantone offenbarte und die Eidgenossenschaft nach dem siegreichen Schwabenkrieg gegen Habsburg von 1499 ihre militärisch beste Stunde hatte.

Die Herrschaft über Norditalien war einen Schritt zu weit, obwohl der heutige Kanton Tessin auf der anderen Seite der Bergpässe ein bleibendes Vermächtnis ist.

In seiner Rivalität mit Habsburg hatte Frankreich grosses Interesse an einer neutralen und stabilen Eidgenossenschaft und insbesondere an der Kampfkraft der Schweizer Söldner.

Für die Schweizer Kantone und ihre Eliten war dies eine wichtige Einnahmequelle, und Bern und Freiburg wurden von Frankreich nicht behindert, als sie 1536 auf Kosten des Herzogtums Savoyen den Waadtländer Raum besetzten.

1798

Die Reformation würde die Situation komplizierter machen, aber im Allgemeinen würde die „paix perpétuelle“ und die guten Beziehungen bis 1798 dauern.

Viele Bewohner der Kantone und vor allem der Untertanengebiete (u.a. Waadt, Thurgau, Aargau, Tessin) hatten Sympathie für die französischen „Befreiungsarmeen“, trotz des Schicksals der Schweizer Garde am 10. August 1792. Daran erinnert das Löwendenkmal in Luzern.

Unter französischer Führung (Napoleon) wurde die Souveränität der Kantone beendet (1798-1803 Helvetische Republik) und der Beginn der Konföderation der 19 Kantone (1803-1813 durch Mediationsakte) angefangen, die 1848 schliesslich zur Schweiz führte.

Die Rolle Frankreichs war auch wichtig bei der Anerkennung der Eidgenossenschaft als (souveräne) völkerrechtliche Einheit  im Westfälischen Frieden (1648), und 1801, als Österreich/Habsburg die Souveränität der Eidgenossenschaft durch den Vertrag von Luneville (9. Februar 1801) anerkennen und das Fricktal übergeben musste.

Nur Rhäzuns (Graubünden) blieb bis 1819 offiziell habsburgischer Besitz. Die französische Periode 1798-1813, gefolgt vom Wiener Kongress und den nachfolgenden Friedensverträgen, legte den Grundstein für ihre Neutralität danach und für die heutige Schweiz.

(Quelle: G. Miège, A.-J. Tornare, Suisse et France. Cinq cents ans de Paix Perpétuells 1516-2016, Freiburg 2016).

Korrektorin: Melinda Fechner