Johann Martin Veith (1650-1717), Allegorie des evangelischen Glaubens, 1698. Landesmuseum Zürich. Foto/Photo: TES.

Die Republik und die Eidgenossenschaft

Das (Englische) Buch A. Holenstein, Th. Maissen, M. Prak (Hrsg.)‘The Republican Alternative. The Netherlands and Switzerland compared’  (Amsterdam 2008)  ist das Ergebnis des Workshops vom 7. bis 9. Mai 2004, der von der Universität Bern organisiert wurde.

Diese Republiken des frühneuzeitlichen Europas (1500-1795) bestanden aus (dreizehn) unabhängigen Kantonen der Eidgenossenschaft und der Republik, respektive Union der Sieben (unabhängigen) Vereinigten Provinzen.

Das Buch vergleicht die religiösen, militärischen und wirtschaftlichen Gemeinsamkeiten und Unterschiede sowie die persönlichen Bindungen und (wissenschaftlichen) Beziehungen zwischen die Republiken.

Die napoleonischen Kriege und der Wiener Kongress (1814-15) veränderten die Verfassungen in beiden Ländern: Die Monarchie und der Einheitsstaat in den Niederlanden und die Konföderation oder die Eidgenossenschaft und ihre unabhängigen Kantone in der Schweiz, zumindest bis 1848.

Der Vergleich liefert jedoch interessante und unerwartete Ergebnisse und neue Fakten.

Dasselbe lässt sich auch über den Austausch zwischen niederländischen und schweizerischen Künstlern in der Zeit vom 15. bis zum 20. Jahrhundert sagen. Es ist eine Tatsache, dass es in den Niederlanden keine Berge gibt.

Allerdings haben niederländische Maler seit dem sechzehnten Jahrhundert viele Berge, Wasserfälle, Höhlen und andere alpine Landschaften in einer niederländischen Umgebung dargestellt, obwohl viele Maler nie das Alpenland besucht hatten.

Sie malten diese Landschaften noch vor den Schweizer Malern. Niederländische Maler wurden so zu einer Quelle der Inspiration für ihre Schweizer Kollegen.

Im siebzehnten und achtzehnten Jahrhundert wurde die Schweiz ein beliebtes Reiseziel für niederländische Maler. Sie schufen ein neues (Fantasie-)Bild der alpinen Kunst, das in vielen Ländern nachgeahmt werden sollte.

Schweizer Künstler besuchten auch die protestantische Niederlande und liessen sich von deren Meistern und ihren Motiven inspirieren. Der Austausch war im neunzehnten Jahrhundert besonders stark.

Die Edition Kunst + Architektur in der Schweiz (3, 2020) der Gesellschaft für Schweizerische Kunstgeschichte hat ein interessantes Dossier zu diesem Thema unter dem Titel „Kunst im Austausch. Schweiz-Niederlande“ veröffentlicht.

Die Ergebnisse des oben erwähnten Buches über die engen religiösen, militärischen, wirtschaftlichen, wissenschaftlichen und persönlichen Beziehungen fügen sich nahtlos in die Erforschung des intensiven künstlerischen Austauschs zwischen den beiden Ländern seit dem fünfzehnten Jahrhundert ein.

Korrektorin: Melinda Fechner