Das Sinfonieorchester Mulhouse in Basel

Die regionale Kooperation am Oberrhein geht voran. Regio Basilisiensis und Art’Rhena sind schon länger grenzüberschreitend aktiv.

Das Sinfonieorchester Mulhouse hat bisher selten Konzerte auf der anderen Seite der Grenze gegeben. Das Orchester positioniert sich sich aber neu und wird für zwei Konzerte nach Basel reisen. Die Konzerte finden im Rahmen der KG Sinfoniekonzerte und der Volkssinfoniekonzerte statt, bei denen Gastorchester im Stadtcasino Basel auftreten können.

Das Programm dieses Konzerts verbindet Komponisten aus der Schweiz, Frankreich und Deutschland und hebt drei Stilrichtungen hervor: die deutsche Romantik, den französischen Impressionismus und den Schweizer Neoklassizismus.

Das Programm: Johannes Brahms, Concerto pour piano n°2, Arthur Honegger, Pastorale d’été et Claude Debussy, La mer

Aufführungen: Mittwoch, den 31. Januar 19.30 Uhr und Donnerstag, den 1. Februar, 19.30 Uhr, Stadtcasino Basel

(Quelle une weitere Informationen: www.tickets.sinfoniekonzerte.ch)

Beinwil, der Passwang, Hohe Winde, Mühle, Kämme, eine Festung und eine Kapelle

Das ehemalige Kloster Beinwil und das Benediktinerkloster Mariastein (Kanton Solothurn) sind so untrennbar miteinander verbunden wie die Lüssel mit der Jurakette Passwang und dem Vogelberg (1204 m) im Kanton Basel-Landschaft als höchstem Punkt.

Blick vom Gipfel des Vogelbergs

Die Lüssel entspringt auf dem Vogelberg in der Gemeinde Lauwil auf 1080 m ü. M. und fliesst durch das Bogental (Kanton Basel-Landschaft), das Chessiloch und das Tal von Beinwil (Kanton Solothurn), vorbei an der Burgruine Neu-Thierstein (11. Jahrhundert, Kanton Basel-Landschaft) und mündet bei Zwingen (Kanton Basel-Landschaft) in die Birs.

Die Lüssel bei Joggehus und der Beginn des SAC-Jubiläumswegs Hohe Winde

Teil des Weges

Die Lüssel bei Erschwil

Das Benediktinerkloster Beinwil wurde im 11. Jahrhundert gegründet. Beinwil besass viel Land und die Gemeinde Beinwil ist noch heute eine der grössten im Kanton Solothurn. Es gibt sogar ein Unterbeinwil und ein Oberbeinwil! Die Lüssel fliesst am ehemaligen Kloster vorbei und eine alte Mühle, „die Säge“, eine Schmiede (Hammerschmiede) und eine Ziegelhütte standen früher entlang des Flusses.

Eine weitere Mühle aus 1693, die Schmitte oder Hammerschmiede, steht entlang der Lüssel im Weiler Joggehus (Kanton Solothurn) und ist immer noch in Betrieb. Das grosse Rad Mühle treibt einen Hammer und einen Schleifstein, das kleine Rad einen Blasebalg an.

Die Schmitte oder Hammerschmiede in Joggehus

Die Hammerschmiede beschlug unter anderem die Pferde der Pächter des Klosters. Schliesslich war Eisen in der Gegend reichlich vorhanden. Daran erinnern das Dorf Erschwil an der Lüssel und das Gasthaus Ertzwil. Die Schmiede wurde 1868 gekauft und wird seither von George Anki weitergeführt. Die Firma George Anki AG in Erschwil besteht noch immer.

Bergrestaurant Erzberg

Der Abt von Beinwil gründete 1708 in  Joggehus auch ein Gasthaus, um die vielen Pilger zu beherbergen.

Gasthaus Zum Reh in Joggehu im Jahr 2024, Anfang des 20. Jahrhunderts und im 19. Jahrhundert 

Auch die Natur ist von grosser Schönheit. Deshalb hat der SAC sogar einen Weg zur Hohen Winde (1206 m), dem höchsten Gipfel im Gebiet, zum Jubiläumsweg ernannt. Übrigens gibt es auch eine Abzweigung zur Kleinen Winde.

Die Berge, Wanderwege, Wälder, Wiesen, Bäche und (Alp-)Aussichten des Jubiläumsweges vermitteln einen Eindruck von der vielfältigen und eindrücklichen Juralandschaft.

Der Gipfel der Hohen Winde bietet eine Aussicht auf den Passwang, das Schwarzbubenland, den Jura, die Alpen, das Lüsseltal und die Kantone Jura, Solothurn, Bern und Basel-Landschaft.

Hohe Winde

Die 20 Kilometer lange Passwangstrasse verläuft meist entlang der Lüssel. Diese Strasse und der Passwangpass (943 m) verbinden Laufen (Kanton Basel-Landschaft) und Balsthal (Kanton Solothurn). Der Pass hat seit jeher auch eine strategische und militärische Bedeutung.

Der 200 Meter lange Passwang-Tunnel (ab 1933) vermittelt einen Eindruck von der mächtigen Naturfestung, in der ab 1939 und während des Kalten Krieges (motorisierte) Divisionen, Panzer und eine Grenzbrigade stationiert waren. Ihr Hauptquartier befand sich im nahen Mümliswil.

Mümliswil  und das Museum Haarundkamm

Mümliswil (Kanton Solothurn) im Guldental ist kein Dorf wie jedes andere. Britische Königshäuser, deutsche Kaiser und halb Europa haben Kämme „made in Mümliswil“ benutzt.

Obwohl Mümliswil nie ans Eisenbahnnetz angeschlossen wurde, entwickelte sich die Gemeinde vom Bauerndorf zur Industriesiedlung. Dabei spielte die Kammmacherei eine wichtige Rolle. Zwei Jahrhunderte lang war Mümliswil das Zentrum der Schweizer Kammproduktion.

Mit einer Fläche von über 35 km2 ist Mümliswil-Ramiswil die grösste Gemeinde des Kantons Solothurn und annähernd flächengleich mit dem Kanton Basel-Stadt!

Ramiswil

Die Heilig-Blut-Kapelle

Die Mühle Ramiswil

Das Guldental und der Ramiswiler Bach 

Das noch kleinere Dorf Ramiswil beherbergt eine der besterhaltenen Mühlen des Landes (Mühle Ramiswil) aus dem Jahr 1596. Eine weitere Sehenswürdigkeit ist die Heilig-Blut-Kapelle und ihre bemerkenswerte Entstehungsgeschichte, die sich von Schellenberg (Liechtenstein) bis nach Dayton (Ohio) in Amerika erstreckt!

Der Schweizer Alpen-Club (SAC)

Der Schweizer Alpen-Club (SAC, Sektion Basel) organisiert regelmässig Wanderungen in diesem Gebiet (und anderswo im Land). Obwohl der Name anderes vermuten lässt, organisiert der SAC nicht nur (Ski) Touren in den Alpen, sondern auch Wanderungen und Aktivitäten in anderen Regionen. (Weitere Informationen: www.sac-cas.ch)

Korrektorin: Giuanna Egger-Maissen

Impressionen von der Landschaft

Kloster Mariastein, das Mirakelbild, die Mühle und die Gnadenkapelle

Die  Felsenkapelle, die Gnadenkapelle in der  Grotte, eine Wallfahrtsstätte bei Metzerlen (Kanton Solothurn), wurde 1442 in einem Dokument erwähnt.  Der Grund wurde angegeben, warum sich hier eine Wallfahrtsstätte befand.

Der unterirdische Gang zur Gnadenkapelle

Die Treppe mit 150 Stufen führt zur Gnadenkapelle

Der Eingang zur Gnadenkapelle

Die Gnadenkapelle und das Gnadenbild umgeben von sechs Puppen.

Die Legende 

Die Gnadenkapelle bestand schon im 14. Jahrhundert. Ein Knabe soll über den Felsen hinunter ins Tal gefallen und durch die Jungfrau Maria gerettet worden sein.

Das Wunder wurde später weiter aufgeschmückt. Eine Frau hütete auf dem Felsen zusammen mit ihrem Kind das Vieh. In der Mittagshitze suchte sie in der offenen Höhle kühlen Schatten.

Das Kind, ein Mädchen, fiel aus der Höhle. Die Mutter fand das Mädchen jedoch unversehrt beim Blumenpflücken. Es erzählte von der Errettung durch Maria, die den Wunsch geäussert hätte in der Höhle verehrt zu werden. Der Ort, die Gnadenkapelle, zog bald viele Pilger an. Und noch immer, heute jährlich rund 250 000!

Das Mirakelbild

Nach der Krise der Reformation (um 1530) brauchte der Wallfahrtsort im katholischen Kanton Solothurn wieder einen neuen Auftrieb. Und 1541 geschah ein neues Wunder.

Das Mirakelbild (1543) in der Reichensteinischen- oder Siebenschmerzenkapelle. Links der Fels und die Höhle der Gnadenkapelle. Die Flühmühle in der Mitte, rechtsoben die Burg Landskron.

Die Flühmühle heute. 

Der Junker Hans Thüring Reich von Reichenstein, wohnhaft auf der nahen Landskron, stürzte über den Felsen ab, aber kam mit seinem Leben davon. Das Mirakelbild in der Mariakapelle ‚Im Stein‘  zeigt diese Geschichte.

Linksoben der Fels mit der Mariakapelle, linksunter der Junker und seine Leute. Sie bringen ihn in die Flühmühle, die heute noch immer besteht und ein Monument ist. Nach zwei Tagen gehen sie weiter und erreichen die Burg Landskron, rechtsoben.

Die Reichensteinischen- oder Siebenschmerzenkapelle

Erstmals ist 1434 eine Marienkapelle “im Stein”, die spätere Reichensteinischen oder Siebenschmerzenkapelle, urkundlich bezeugt.

Das Kloster Mariastein

Mitte des 17. Jahrhunderts verlegten die Benediktinermönche von Beinwil (Kanton Solothurn) ihr Kloster nach Mariastein.

Die Kloster- und Wallfahrtskirche Mariastein in Metzerlen (Kanton Solothurn) wurde zwischen 1633 und 1655 erbaut. Die Kirche des neuen Benediktinerklosters wurde am 31. Oktober 1655 eingeweiht.

Bild: Informationszentrum Mariastein

Der Klosterplatz

 

Die ehemalige Pilgerherberge, heute Klosterhotel Kreuz und der Heilpflanzen- und Gewürzkräuter-Garten.

Die Klosterkirche

Erst zwischen 1900 und 1934 wurde die Kirche im neobarocken Stil ausgestattet und ausgemalt. Der 1997 modern gestaltete Klosterplatz stammt vom Basler Künstler Ludwig Stocker (1932). Am 5. Juli 1926 wurde die Klosterkirche durch Papst Pius XI (1857-1939) in den Rang einer Basilica minor erhoben.

Die Klosterkapelle (1680), König Ludwig (Rex Ludovicus) den. XIV auf der linker Seite. Die Stadt Solothurn war bis 1792 Residenz der französischen Botschafter.

Eine wechselhafte Geschichte.

Das Kloster kennt eine wechselhafte Geschichte. Im März 1798 zog der französische General Balthasar von Schauenberg (1748-1831) in Mariastein ein, verwüstete das Kloster und verkaufte seine Besitztümer. Das verwüstete Kloster wurde 1802 von Abt Hieronymus Brunner (1739-1804) zurückgekauft.

Mariastein und die Landskron

Der Kanton Solothurn und der Bund wollten das wirtschaftliche Leben unter Kontrolle bringen und durch eine daraus resultierende Sondersteuer verarmte das Kloster. Das religiöse Leben und die Wallfahrt konnten im katholischen Kanton jedoch weitergehen.

Bild: Informationszentrum Mariastein

Das Kloster wurde 1874 im Gefolge des Kulturkampfes aufgehoben. Doch auch dann verpflichtete sich der Kanton Solothurn die Wallfahrt aufrechtzuhalten. Der Konvent war bis 1901 zuerst in Delle (Frankreich), musste dann aber Frankreich 1901 verlassen. Die Mönche verlegten das Kloster 1902 erst nach Dürrnberg bei Salzburg und im Jahr 1906 nach Altdorf (Kanton Uri) und nach Bregenz (Österreich). 1941 zwang die Gestapo die Benediktiner, ihr Kloster zu verlassen.

Der Kanton Solothurn erteilte asylrechtlich 1941 die Erlaubnis, ins Kloster Mariastein zurückzukehren. Am 21. Juni 1971 übergab der Kanton dem Konvent eine Urkunde, worin die Wiederherstellung der Abtei besiegelt war.

(Quelle:Pater Lukas Schenker, Mariastein, 2014, Einsiedeln; www.kloster-mariastein.ch).

 Korrektorin: Melinda Fechner

Die Sakristie

 

Einige Klostergänge

Die renovierte und moderne Bibliothek

Die Stola, Kloster Beinwil, 12. Jahrhundert

Die St. Anna-Kapelle und der Kreuzweg

Danksagungen in Dutzenden von Sprachen in den (unterirdischen) Gängen der Gnadenkapelle

Der Innenplatz und der Kreuzgang

Informationen in mehr als 30 Sprachen, einschliesslich Romanisch 

Balsthal, seine Schlösser Alt- und Neu-Falkenstein und seine Wirte

Die ersten Bewohner*innen von Balsthal (Kanton Solothurn), die Kelten, wohnten vor ungefähr 4000 Jahren auf der Holzfluh. Die schnellste Strassenverbindung von Aventicum (Avenches) nach Augusta Raurica (Kaiseraugst) in der Römerzeit führte  durch Balsthal.

Nach der Christianisierung der Alemannen im 5. und 6. Jahrhundert stand Balsthal lange Zeit unter der Herrschaft der Fürstbischöfe von Basel, welche die Burgen Alt- und Neu-Falkenstein errichteten.

Neu-Falkenstein

Balsthal gehört seit dem Jahr 1402 zu Solothurn. Landvögte und Beamte zogen auf die beiden Schlösser. Weil Balsthal Aug- und Zugangsort des Passes über den Oberen Hauenstein war, entstanden Gasthäuser und zahlreiche Handwerksbetriebe, die noch immer das Dorf prägen.

Schloss Alt-Falkenstein beherbergt heute das Heimatmuseum.

(Quelle: www. balsthal.ch).

Korrektorin: Melinda Fechner

Eindrücke

 

Mir rede au Elsassisch, Leymen und Hagenthal-le-Bas

In der Schweiz gibt es eine Karikatur, die den sogenannten Röstigraben symbolisiert. Auf der deutschen Seite der Saane steht ein Schild mit der Aufschrift: „Hier wird gearbeitet“; auf der französischen Seite der Sarine steht das Schild: „Ici on parle français“.

Auf beiden Seiten des Flusses gibt es jedoch identische Häuser, identisch gekleidete Menschen, die Rösti essen, kurz und gut, sie sind Schweizer.

Die elsässischen und alemannischen Sprachen  

Dieses Bild kommt einem beim Schild der Gemeinde Leymen im Elsass, im Departement Haut-Rhin (Frankreich) in den Sinn: „Mir rede au Elsassisch“  Dieser alte alemannische Dialekt war die Sprache der Region des Oberrheins. Durch die politische Entwicklung geriet sie in den Hintergrund, doch in den letzten Jahrzehnten wurde sie wieder gepflegt.

Während Jahrhunderten konnten sich die Bewohner des Dorfes Rodersdorf (Kanton Solothurn) mit den Bewohnern der französischen Dörfer Leymen, Biederthal und Hagental-Le-Bas und Hagental-Le-Haut in diesem Dialekt verständigen.

Grenz-Kultur-Weg

Der Weg zwischen diesen französischen und schweizerischen Dörfern ist also ein Grenz-Kultur-Weg. Die ‘schweizerisch-französische’ Burg Landskron ist fast immer sichtbar und die Waggis aus dem Elsass sind in Basel gut integriert! (Woke gab es damals zum Glück noch nicht.) Ein Waggi ist eine alte elsässische Karikatur eines Bauern).

Hagenthal-Le-Haut, Waggis im Restaurant.

Die Juralandschaft

Ebenfalls in dieser schönen Juralandschaft befinden sich die Quellen des Birsig und des Strängenbachs. Der Strängenbach mündet in den Birsig und der Birsig fliesst durch das Elsass und die Kantone Solothurn und Basel-Landschaft und mündet bei Basel im Kanton Basel-Stadt in den Rhein.

Der Strängenbach

Die geteilte Geschichte und die Trennung

Die Geschichte dieser Dörfer ist eng mit den Dynastien der benachbarten Schweizer Kantone und der Habsburger verbunden. Die Grafen von Thierstein, Ferrette, das Geschlecht von Eptingen (siehe Schloss) und die bereits erwähnte Familie Reich von Reichenstein waren die wichtigsten Bewohner. 1648 erwarb Frankreich das Gebiet.

Hagenthal-Le-Haut

Eine grosse jüdische Gemeinde

Die Dörfer Hagenthal-le-Bas und Hagenthal-Le-Haut (Elsass) hatten im 18. Jahrhundert eine grosse jüdische Gemeinde. Der jüdische Friedhof in Hagenthal-le-Bas ist  gut erhalten, während derjenige in Hagenthal-Le-Haut fast verschwunden ist.

Der jüdische Friedhof in Hagenthal-le-Bas

Im Jahr 1784 zählte Hagenthal-le-Bas 356 jüdische Einwohner, Hagenthal-Le-Haut 271. Die jüdische Gemeinschaft stellte fast die Hälfte der Einwohner dieser Dörfer. Nach dem Ersten Weltkrieg (d. h. nicht wegen der deutschen Besatzung im Zweiten Weltkrieg) waren diese Gemeinden verschwunden.

Nur die Synagoge Hagenthal-le-Bas in der Rue de la Synagogue erinnert noch an ihre Anwesenheit. Die jüdischen Einwohner von Hagenthal-le-Haut hatten das Dorf bereits vor dem Ersten Weltkrieg verlassen. Die Synagoge wurde 1903 zerstört.

Der Grund für diese Flucht war die Verfolgung durch die lokale Bevölkerung. Im Jahr 1789, dem Jahr der Französischen Revolution, fand das erste Pogrom statt. Viele der jüdischen Einwohner von Hagenthal-le-Bas und Hagenthal-le-Haut flohen nach Basel. Im Jahr 1848, einem weiteren revolutionären Jahr in Frankreich, fand in dieser Region ein weiteres Pogrom statt.

Leymen

Das Dorf Leymen im Elsass liegt an der Grenze zum Kanton Solothurn. Eine deutsch-französische Sprachgrenze trennt heute diese Gebiete, in denen bis 1918 der alemannische Dialekt die gemeinsam gesprochene Sprache war.

Die Zollstation gibt es jedoch nicht mehr und die Tramverbindung Dornach-Arlesheim-Basel-Leymen-Rodersdorf ist die internationalste und interkantonalste Tramverbindung der Welt.

Lange Zeit gehörte Leymen nacheinander zum Fürstbistum Basel, zur Grafschaft Ferrette und um 1455 zur Herrschaft des Reichs von Reichenstein. Seit 1648 ist Leymen französisches Territorium.

Auf dem Gebiet der Gemeinde Leymen befindet sich nicht nur die berühmte Burg Landskron. Das Dorf beherbergt auch zwei Kapellen. La chapelle des Âmes de purgatoire (Kapelle der Seelen des Fegefeuers) wurde 1928 gebaut, um den Pilgern auf dem Weg von und nach Mariastein einen Zwischenhalt zu ermöglichen.

Kapelle Heiligenbrunnen

Die Kapelle der Heiligenbrunnen ist viel älter und wurde der Legende nach im achten Jahrhundert von englischen oder irischen Wandermönchen gebaut. Wie der Name schon sagt, fand ein Mönch an diesem Ort eine Wasserquelle, wo er einen Mann von seiner Blindheit heilte. Jährlich findet am 1. Mai eine Prozession zu Ehren der Heiligen Walburga statt. Die heutige Kapelle stammt aus dem Jahr 1682.

(Quelle und weitere Informationen: Office de Tourisme du Sundgau)

Leymen

Rodersdorf

Korrektorin: Petra Ehrismann

Die Kunstdependancen der Würth-Gruppe in der Schweiz

Die Geschichte der Würth-Gruppe beginnt 1945 in Künzelsau, einer Kleinstadt in Hohenlohe (Baden-Württemberg). In diesem Jahr gründete Adolf Würth (1909-1954) die Firma Adolf Würth GmbH & Co. KG, die sein Sohn Reinhold Würth (*1935) 1954 übernahm.

Die Internationalisierung der Würth-Gruppe wurde vorangetrieben. Bereits Anfang der 1960er Jahre wurden die ersten europäischen Gesellschaften gegründet, darunter auch in der Schweiz und Österreich.

Über viele Jahrzehnte entwickelte sich der Schraubengrosshandel zum weltweit grössten Unternehmen für Montage- und Befestigungstechnik und zur Würth-Gruppe. Heute ist das Unternehmen mit Niederlassungen auf fünf Kontinenten vertreten.

Die Schlossmühle war das erste Firmengebäude der Firma Würth im Jahr 1945. Bildnachweis: Würth Archiv

Ein Konzern mit einem Faible für Gesellschaft, Kunst und Kultur

Das Besondere an diesem Unternehmen ist jedoch sein Engagement auf dem Gebiet des Sozialen und der Kultur im weitesten Sinne,  in den Bereichen Bildende Kunst, Literatur, Sport, Musik und Theater.

Prof. Dr. h.c. mult. Reinhold Würth. Bildnachweis: Würth Archiv

Prof. Dr. h.c. mult. Reinhold Würth, derzeit Vorsitzender des Stiftungsaufsichtsrats der Würth-Gruppe, und seine Frau Carmen Würth (*1937) gründeten 1987 die “Stiftung Würth”. Die Stiftung fördert Projekte in den Bereichen Kunst, Kultur, Soziales und Bildung, Lehre und Forschung, Integration und Sport.

Carmen Würth. Bildnachweis: Würth Archiv

Schon Jahrzehnte zuvor zeigten  Reinhold und Carmen Würth grosses  Interesse für soziale Fragen sowie  für Kunst und Kultur. Um 1970 begannen sie Kunst zu sammeln. Heute umfasst die Sammlung Würth rund 20 000 Kunstwerke aus über 500 Jahre Kunstgeschichte vom späten Mittelalter bis zur Moderne und Gegenwart – vor allem Malerei und Skulptur.

Bei freiem Eintritt werden die Werke regelmässig in den 15 Museen, Kunstdependancen oder Kunstkabinetten gezeigt, die das Unternehmen europaweit unterhält. Die Sammlung Würth präsentiert ihre Werke ausserdem als Leihgaben in Ausstellungen anderer Museen und Institutionen.

Museum Würth 2 in Künzelsau. Bildnachweis: Würth Archiv

Die Museen, Foren oder Kunstdependancen der Würth-Gruppe

Das Museum Würth in Künzelsau öffnete 1991 seine Pforten, gefolgt von der Kunsthalle Würth in 2001 und der Johanniterkirche mit den Alten Meistern in Schwäbisch Hall im Jahre 2008. Das Museum Würth 2 in Künzelsau entstand 2020 und ist integriert in das Kultur- und Kongresszentrum “Carmen Würth Forum”.

Die Museumsaktivitäten reichen weit über die Region des Gründungsunternehmens hinaus. Seit 1999 hat die Würth-Gruppe Kunstdependancen in Dänemark, Frankreich, Italien, den Niederlanden, Norwegen, Österreich, Spanien und der Schweiz gegründet.

Forum Würth Arlesheim. Bildnachweis: Würth Archiv

Die Drei Kunstdependancen in der Schweiz

Dieser Artikel konzentriert sich insbesondere auf die drei Niederlassungen in der Schweiz, in Rorschach (Kanton St. Gallen), Chur (Kanton Graubünden) und Arlesheim (Kanton Basel-Landschaft).

Er basiert auf einem schriftlichen Interview mit  Frau C. Sylvia Weber, Geschäftsbereichsleiterin Kunst und Kultur in der Würth-Gruppe, freundlicherweise zur Verfügung gestellt von Myriam Rüegsegger (Leiterin Forum Würth Arlesheim).

Damit erfährt die Beziehung zwischen der Schweiz, dem Land mit der weltweit höchsten Museumsdichte (im Verhältnis zur Einwohnerzahl) und dem multinationalen Konzern mit den meisten Museen in Europa die wohlverdiente Aufmerksamkeit.

Forum Würth Rorschach. Foto: TES

 Interview mit C. Sylvia Weber, Geschäftsbereichsleiterin Kunst und Kultur in der Würth-Gruppe

  • In einem kleinen Land wie der Schweiz gibt es drei Würth-Foren oder Kunstdependancen (in Arlesheim, Chur und Rorschach). Damit ist die Schweiz führend in Europa, abgesehen von den Museen und Institutionen in Deutschland. Gab es einen besonderen Grund, drei Foren in der Schweiz zu eröffnen? Ist ein Forum immer mit einem Firmengebäude verbunden oder gibt es auch alleinstehende Foren?

Hintergrund und Ausgangslage, ein Forum für die Kunst der firmeneigenen Sammlung an verschiedenen europäischen Standorten der Würth-Gruppe einzurichten, waren zum einen jeweils bauliche Erweiterungen oder Neubauten im administrativen oder logistischen Bereich, die die Gesellschaften realisierten.

Dem Beispiel des Museum Würth in Künzelsau am Hauptsitz des Unternehmens in Baden-Württemberg folgend, das 1991 integriert in das Verwaltungsgebäude entstand, wurden so von 1999 bis 2013 zehn Kunstkabinette bzw. Ausstellungsorte in Europa eröffnet, sei es baulich integriert oder alleinstehend, doch immer in unmittelbarer räumlicher Verbindung zum Unternehmen. Denn die Kunstausstellungen adressieren sich ebenso an die Mitarbeitenden bei Würth wie an ein breites, öffentliches Publikum. Überall wird der freie Eintritt gepflegt.

Die Entstehung der Würth-Foren in Chur, Arlesheim und Rorschach im Zeitraum 2002 bis 2013 folgt somit einer Dynamik und Lebendigkeit innerhalb des Unternehmens.

Sodann ist die Sammlung Würth, die der Unternehmer Reinhold Würth seit rund 60 Jahren aufbaut und die heute über 20.000 Werke verfügt, was sie zu einer der bedeutendsten Privatsammlungen der Gegenwart macht, eine immer fruchtbarere Basis geworden, Ausstellungen über Deutschland hinaus zu ermöglichen.

Einblick in den Skulpturenpark des Forums Würth Chur beim Firmengebäude der Würth International AG. Bildnachweis: Würth Archiv 

  • Würth hat eine grosse Kunstsammlung. Haben die Kunstdependancen in der Schweiz auch eine Sammlung oder gibt es nur Wechselausstellungen ?

Die Schweizer Foren verfügen in Arlesheim und Chur über einen eigenen Bestand an Skulpturen, die im Außenbereich der Firmengebäude öffentlich zu sehen sind. Dazu zählen bedeutende Werke von Niki de Saint Phalle, Jean Tinguely, Bernhard Luginbühl oder Not Vital. Ansonsten finden wechselnde Ausstellungen auf Basis der in Künzelsau am Unternehmenssitz zentral verwalteten Sammlung Würth statt.

  • Wer bestimmt das Thema, den Inhalt und das Konzept der Ausstellungen? Ist jedes Forum autonom oder hat der „Kunstbeirat“ von Würth eine entscheidende oder beratende Stimme? Schwerpunkt: Skulptur, Malerei, Grafik, Natur etc.?

Es ist Reinhold Würth, der die Sammlung seit den 1970er-Jahren parallel zu seiner erfolgreichen Unternehmertätigkeit aufgebaut hat. Bei der strategischen Ausrichtung der Sammlung und ihrer Ausstellungsaktivitäten  ist der Kunstbeirat der Würth-Gruppe beratend tätig. Die Ausstellungen selbst entstehen in Verantwortung der Direktion der Sammlung Würth zusammen mit den jeweiligen Kurator:innen.

  • Es gibt einen Skulpturenpark, Kunstreisen (zu den Würth-Museen in Deutschland), gibt es auch Kunstseminare/Unterricht?

An allen Kunststandorten besteht ein reichhaltiges Vermittlungsprogramm. Dazu gehören Führungen, Workshops, Begleitveranstaltungen für Pädagog:innen, Lesungen, Konferenzen u. v. m. Darüber hinaus gibt es den Verein Freunde der Museen Würth e. V., der besondere Angebote macht, u. a. Kunstreisen.

Forum Würth Arlesheim, Ausstellung ‚Christopher Lehmpfuhl, zwischen Pathos und Pastos‘

  • Gibt es eine Abstimmung oder Koordination zwischen den verschiedenen Museen/Dependancen Würth? Gibt es thematische Schwerpunkte?

Ausgangspunkt aller Ausstellungen bei Würth ist die Sammlung selbst. Medial ist sie auf Malerei und Skulptur fokussiert, inhaltlich vielfältig, was sich dem breit gefächerten   Interesse des leidenschaftlichen Sammlers verdankt. Aus dieser Fülle lassen sich mühelos sowohl monografische wie thematische Akzente setzen.

In unserer Ausstellungshistorie finden sich konstant Namen wie Max Ernst, Christo und Jeanne-Claude, Horst Antes, Georg Baselitz, Anselm Kiefer, Fernando Botero, David Hockney, um nur einige zu nennen.

Was den Skulpturenschwerpunkt angeht, so wären Alfred Hrdlicka, Anthony Caro, Eduardo Chillida oder Tony Cragg hinzuzufügen. Bei den Themen greifen die Präsentationen immer wieder auf wichtige gesellschaftliche wie kulturelle Topoi zurück, wie das Menschenbild oder die Pflanzenwelt.

Die Sammlung Würth mit Konstanz im Wechsel zu zeigen und zugleich ein breites Publikum für relevante Themen und künstlerisch bedeutsame Positionen zu sensibilisieren, das ist unser Ziel.

  • Sind die Ausstellungen (auch) Wanderausstellungen?

Die Konzepte, die auf Sammlungsbasis entstehen, sind dazu gedacht, an mehreren Standorten in Folge präsentiert zu werden – nicht zuletzt aus Gründen der Nachhaltigkeit.

Carl Moll, Venedig, auf der Riva Schiavoni – Blick gegen den Giardino Pubblico, um 1922, Sammlung Würth, Inv. 1879. Ausstellung ‚Wasser, Wolken, Wind ‒ Elementar- und Wetterphänomene in Werken der Sammlung Würth‘, Forum Würth Rorschach, 2023-2025

  • Wie ist die Beziehung zwischen der Kunstsammlung Würth und einer Ausstellung? Werden immer oder meistens Objekte aus dieser Sammlung gezeigt?

Alle Ausstellungen basieren auf dem Bestand und Inhalt der Sammlung Würth.

  • Hat Arlesheim einen eigenen Schwerpunkt, Chur einen besonderen und Rorschach wiederum einen andern? Gibt es eine Koordination zwischen den drei Schweizer Kunstdependancen?

Grundsätzlich sind alle Programme miteinander und aufeinander abgestimmt. Das geschieht, indem sich eine Ausstellungskoordinatorin intensiv und zentral den Ausstellungsvorhaben widmet. Über die reinen Sammlungsausstellungen hinaus wurden in den Schweizer Foren auch immer wieder Ausstellungen in Kooperationen vor Ort realisiert.

Dazu gehören beispielsweise die Ausstellungen mit Kunst von Menschen mit Beeinträchtigung – ein wichtiger Sammelschwerpunkt bei Würth. In Arlesheim geschah dies im Zusammenspiel mit der Kreativwerkstatt des Bürgerspitals in Basel, in Rorschach mit dem Open Art Museum in St. Gallen, einer Institution für schweizerische Naive Kunst und Art Brut. Es gab die Fotoausstellung „HIDDEN – Verborgene Orte in der Schweiz“ und weitere Projekte mit lokal verorteten Themen und Künstlern und Künstler:innen.

  • Gibt es unterschiedliche Zielgruppen/Erfahrungen in Arlesheim/Chur/Rorschach?

Die jeweilige Lage spielt durchaus in die Besucherstruktur mit hinein. So strahlt Arlesheim auf Baden-Württemberg und das Elsass aus und Rorschach auf die gesamte Bodenseeregion mit Österreich und Deutschland.

  • Welche Erfahrungen machen Sie hinsichtlich der Reaktionen des Publikums, anderer Museen, der Gemeinden?

Wir vernetzen uns mit den anderen kulturellen Institutionen vor Ort. Für uns ist der schwellenlose und im Wortsinn barrierefreie Zugang zu Kunst und Kultur erklärtes Ziel. Dazu gehört der freie Eintritt ebenso wie die Ausrichtung unseres Angebots von der Ausstellung bis zur Veranstaltung.

Dieses Engagement wird von den örtlichen Gemeinden positiv aufgenommen und genutzt. Weltweit hat die Sammlung Würth seit 1989 bereits 10,4 Mio. Besuchende begrüßen können. Dank des freien Zutritts werden die Spielplätze der Sammlung Würth zu den demokratischsten Orten der Welt, um Reinhold Würth zu zitieren.

  • Die Pläne für die Zukunft ?

Wir arbeiten kontinuierlich  daran, unser Publikum immer wieder aufs Neue zu begeistern, in der Schweiz, in Deutschland ebenso wie in Norwegen, Frankreich oder Italien. Die Revitalisierung und Erweiterung der Kunsthalle Würth in Schwäbisch Hall durch das international renommierte Architekturbüro Henning Larsen München, die gerade bevorsteht, ist in diesem Sinn ein wichtiger Schritt in die Zukunft.

Herzlichen Dank für Ihren Beitrag

Korrektorin: Eva Maria Fahrni

Sammlung Würth, Alte Meister in der Johanniterkirche, Schwäbisch Hall. Foto: Bildarchiv Würth

Creaton rumantsch. Die romanische Sprache ausserhalb Graubündens

Die Organisationen Pro Svizra Rumantscha, PSR (für die romanische Schweiz) und das Bundesamt für Kultur, BAK, veranstalten am 20. Januar in der Bäckeranlage in Zürich (Hohlstrasse 67) die Veranstaltung „Creaton rumantsch“.

Ziel desTreffens ist es, Pläne und Ideen zur Förderung für Sprache und Kultur der Rätoromanen ausserhalb Graubündens zu sammeln, zu formulieren und wenn möglich zu konkretisieren.

Zielgruppen sind Rätoromanen in der „Diaspora“ (Personen, die für kürzere oder längere Zeit in anderen Kantonen oder im Ausland leben) und andere Interessierte.

Eine Reihe von Projekten kann mit einem Startkapital von 5000 Franken unterstützt werden.

Das Treffen beginnt um 10.00 Uhr und dauert bis 18.00 Uhr. Es beginnt mit einem Empfang und einer Präsentation und Analyse der aktuellen Situation, gefolgt von Diskussionen, Brainstorming und Reflexion in Arbeitsgruppen.

Mittagessen, Getränke und Apéro werden von der Organisation angeboten.

Die Arbeitssprachen sind Deutsch und Romanisch, mit Französisch, Italienisch und Englisch als Begleitsprachen.

(Anmeldung und weitere Informationen: Pro Svizra Rumantscha) 

Das Kloster Beinwil und das Tal

Das Kloster (Kanton Solothurn) entstand auf Anregung des lokalen Adels im 11. Jahrhundert. Die Benediktinerabtei Hirsau entstand 1085 durch einen Mönch, Esso, nach Beinwil.

Er gründete das Kloster. Auf dem Klosterhügel bestand schon vorher eine keltische Kult- und Begräbnisstätte. Im 12. Im Jahrhundert war das Kloster viel grösser als heute.

Nomen est Omen

Das Kloster erlebte im 14. Jahrhundert seine Blütezeit: romanische Basilika, Klosterschule, Passhospiz (für den Passwang), Schreibstube und eine Bibliothek mit über 200 Handschriften, darunter die Beinwiler Missale. Auch landwirtschaftliche Höfe, Schmiede, Sägerei, Käserei und Erzgewinnung gehörten dazu.

Im 15. Jahrhundert wurde das Kloster in die Rivalitäten der Städte Basel und Solothurn, des Fürstbistums Basel und des Adels hineingezogen. 1633 zog das Kloster nach Mariastein um. Heute ist es ein Orthodoxes Kloster

(Quelle: P. Lukas Schenker, ‚Die Beinwiler Stola. Ein Zeugnis aus dem 12. Jahrhundert‘. In Jahrbuch für Solothurnische Geschichte, Band 93, 2020).

Korrektorin Melinda Fechner

Impressionen von der Umgebung

Der Fischer und sein Habitat in Auvernier am Neuenburgersee

Künstler, Jäger, Vater, Ehemann, Philosoph, Ökologe und Fischer, all diese Eigenschaften treffen auf Denis Junod d’Auvernier (Kanton Neuenburg) zu.

Junod ist einer der dreissig Berufsfischer am Neuenburgersee. Seine Lebensgeschichte wurde in einer kürzlich erschienenen Biographie niedergeschrieben: „De fils en père. Denis Junod“. Vom Vater zum Sohn. Denis Junod.

Hauterive, Laténium, am 12. Oktober 2020. Denis Junod (l), Françoise Jeanneret-Gris (r).

Das Buch ist mehr als nur eine Biographie. Es ist auch die Geschichte des Neuenburgersees, seiner Flora, Fauna und Natur. Er weiss, wovon er redet, wenn es um die Veränderungen des Sees, des Fischbestandes, der Flora und Fauna geht. Auch die Liebe zu Tieren und zur Natur kennt er als Jäger.

„C’est comme si nous n’avions pas compris que l’humanité et tous les écosystèmes font partie du même arbre. L’humanité appartient à ce système mondial, mais elle agit comme si elle était extérieure„

Denis Junod (rechts) an der Arbeit in seiner pêcherie in Auvernier

Geboren wurde er 1953 in La Côte-aux-Fées (faie oder faye auf Frankoprovenzalisch)im Kanton Neuchâtel. Der See war weit weg. Eine Zukunft als Fischer zeichnete sich nicht ab, stattdessen verbrachte er seine Kindheit im Wald und auf den Wiesen. In dieser Zeit entwickelte er jedoch sein Gefühl und seine Erfahrung für die Natur.

Seine erste Begegnung mit dem Neuenburgersee und der Fischerei fand im Dorf Saint-Aubin statt, wo sein Vater in der Uhrenindustrie arbeitete. Sein Vater war ein begeisterter Fischer, und sein Engagement inspirierte auch Denis.

Damals, um 1960, gab es noch sehr viele Forellen im See. Es war sogar der meist gefangene Fisch. Ein paar Jahrzehnte später sind die Forellen im See fast verschwunden. Um 1963 zog er in das Dorf Serrières und  lebte zum ersten Mal am Ufer des Sees.

Im Gymnasium lernte er die Poesie, Literatur, Philosophie und Geschichte kennen und schätzen. Sie dienen ihm als Leitfaden durch das  tägliche Leben. Mit diesem Hintergrund interessiert er sich auch für die (lokale) Politik und Gesellschaft und deren jeweiligen historischen Kontexten.

Er malt Gemälde, die er als Art Brut bezeichnet. Die Kultur der Maya und der Inkas inspirieren ihn. Die Abbildungen seiner Gemälde im Buch zeugen von seinem künstlerischen Talent.

Nach dem Gymnasium wollte er nur eines: Fischer werden. Nach einer Lehre im nahe gelegenen Saint-Aubin mietete er 1973 seine Fischerhütte in Auvernier und erhielt vom Kanton eine Fischereierlaubnis. Er lebt noch immer dort.

Das Wappen des Dorfes enthält nicht umsonst einen Fisch. Damals war Auvernier noch ein Dorf der Fischer und Weinbauern.

Das Fischen ist seine Leidenschaft, seine Arbeit, seine Erfahrung und seine Lebensweise.

Die Natur ist sein Universum:

„J’ai une spiritualité sans Dieu. Ou bien : j’appellerais Dieu la grande matrice universelle qui régit le monde du vivant. Je ne crois pas en Salut que nous propose la religion. Quand je suis sur le lac, je sens cette force universelle qui nous enveloppe tous. Ma foi est là, au sein de cette nature féconde. Le lac est ma cathédrale„

Das Berufsleben kennt er seit 1973: Strafen, Prozesse und Konflikte mit der Polizei und den Behörden („Un anarchiste respectueux“), die Höhen und Tiefen, die Tragödien ertrunkener Fischer und der Genuss des schönen Sonnenaufgangs und des Panoramas von Les Trois Bernoises, den Dents du Midi und dem Mont Blanc im Süden und dem Jura im Nordwesten.

Der Zustand der Natur und des Neuenburgersees beschäftigt ihn natürlich auch. Doch er ist optimistisch. Er hat Vertrauen in die Menschheit, solange die Prinzipien der Natur respektiert werden.

Zurück zu den Wurzeln des Daseins ist ein integraler Bestandteil seiner Philosophie:

“Dans nos sociétés occidentales hypertechnologiques, l’intelligence est liée à la réussite scolaire. Dans d’autres sociétés, l’intelligence est une question d’adaptation à un milieu donné. Le savoir-faire, le respect des aînés, l’utilisation d’outils spécialisés et l’agilité, c’est dans les sociétés indigènes premières qu’on les trouve. Leur intelligence est liée à la survie du groupe. Les livres ne sont pas les seules fournitures de l’intelligence. La nature m’en a appris bien bien plus. Toute est relatif„.

(Françoise Jeanneret-Gris, De fils en père. Denis Junod, Bière 2020. Die Zitate sind von Denis Junod und stehen im Buch).