Chaplin’s World am Genfersee

Der 6. Juni 1944 (D-Day) war nicht nur für die Bürger der besetzten Länder in Westeuropa ein Tag der Hoffnung. Auch für den Schauspieler und Filmregisseur Charlie Chaplin (1889-1977) war es ein Moment der Erfüllung seiner Einspannungen für eine ‚Zweite Front‘ in Europa. Obwohl er nur vier Tage älter als der deutsche Diktator war, überlebte er ihn um mehr als 32 Jahre.

Sie waren sich nie begegnet, wussten jedoch voneinander. Der Diktator mochte (amerikanische) Filme aus der Zwischenkriegszeit (1918-1939), und Chaplin war der berühmteste Künstler dieser Zeit.

De slottekst uit de ‚Great Dictator‘ 

Es ist nicht bekannt, ob der Diktator auch den Film The Great Dictator (1940) gesehen hat. Dieser Film wurde in den vom Deutschen Reich besetzten oder kontrollierten Gebieten nicht gezeigt, jedoch im Jahre 1940 im Vereinigten Königreich, in Kanada und in den Vereinigten Staaten.

Auch nach 1940 engagierte sich Chaplin für die Befreiung Europas von dieser Diktatur. Er lebte und arbeitete seit 1912 in Amerika und engagierte sich nach dem 22. Juni 1941 (dem deutschen Angriff auf die Sowjetunion, den ehemaligen Verbündeten der Nazis) für die Unterstützung der sowjetischen Kriegsanstrengungen und wie gesagt für die Befreiung Europas.

In seinen Filmen beschäftigte er sich vor allem mit armen und ausgestossenen Leuten. Er stand auch der Konsumgesellschaft und dem ungezügelten Kapitalismus kritisch gegenüber.

Seine Unterstützung für die Sowjetunion war jedoch keine Unterstützung für den Kommunismus, sondern richtete sich gegen Deutschland. Auch Winston Churchill traf diese Entscheidung („If Hitler invaded hell (Sowjet-Union) I would make at least a favourable reference to the devil in the House of Commons“).

Für Chaplin bedeutete der Kalte Krieg nach 1945 jedoch, dass er für seine politischen Ansichten „bezahlen“ musste. Der McCarthyismus, ausgelöst durch die weltweite kommunistische Aggression, liess in Amerika nach 1948 keinen Raum für Nuancen, und Chaplin verliess 1952 das Land.

Er liess sich mit seiner Frau Oona O’Neill (1925-1991) und seiner (wachsenden) Kinderschar im  Manoir de Ban in Corsier-sur-Vevey (Kanton Waadt) am Genfersee nieder.

Kaiserliche, königliche und aristokratische Familien, Künstler, Artisten, Wissenschaftler, politische Exilanten und andere Berühmtheiten haben sich seit Jahrhunderten in der Schweiz niedergelassen.

Die Attraktivität der Schweiz liegt nicht nur in der stabilen direkten Demokratie, der (intellektuellen) Toleranz, der Natur, der Landschaft, der verhältnismässig geringen steuerlichen Belastung und der relativ transparanten Bürokratie.

Chaplin und viele andere vor und nach ihm schätzten vor allem die Diskretion, den respektvollen Umgang miteinander, das Verhalten und das Funktionieren der Gesellschaft, was einen wichtigen Aspekt der Lebensqualität darstellt.

Chaplin genoss seinen Park,  den Genfersee und die Gastfreundschaft, die er dort erlebte. So hat er beispielsweise regelmässig in dem nahe gelegenen Saint-Saphorin und anderen Dörfern zu Mittag gegessen. Obwohl er kaum Französisch sprach, waren seine Begegnungen mit den Einheimischen stets herzlich.

Chaplin war sein Leben lang vom Zirkus fasziniert und widmete ihm mehrere Filme. Seit 1952 war er als Ehrengast bei den Vorstellungen des Circus Knie anwesend.

Heute ist das  Manoir für die Öffentlichkeit zugänglich. Es zeigt vor allem das Privatleben Chaplins von 1952 bis 1977.

Das nahegelegene Museum vermittelt ein facetten- und abwechslungsreiches Bild seines Lebens und seiner Entwicklung als Mensch, Schauspieler, Regisseur und Humanist, angefangen bei seinen frühen Jahren in England über seine Blütezeit in Amerika bis zu seinen letzten Projekten und Lebensjahren in der Schweiz.

(Quelle und weitere Informationen: Chaplin’s World)

Korrektorin: Eva Maria Fahrni

Impressionen vom Manoir de Ban und dem Park

 

Impressionen von Chaplin’s World

Auf die Introduktion im Filmsaal folgt der Rundgang durch das Museum mit einer nachgestellten Strasse und einem Haus aus Chaplins Kindheit in London

Eine Replik aus ‚City Lights‘ (1931)

Filmstudio mit ‚Modern Times‘ (1936) im Huntergrund

Eröffnung Centre Albert Anker in Ins

Das Künstlerhaus Centre Albert Anker in Ins (Kanton Bern) öffnete am 7. Juni nach 12-jähriger Projektierung sowie Bau- und Sanierungsarbeiten seine Tore für das Publikum.

Der Eingang und die Rezeption. Foto: ©Alexander Jaquemet

Das Künstlerhaus bietet eine Entdeckungsreise in das künstlerische und gesellschaftliche Leben von Albert Anker (1831-1910) im authentischen Rahmen seines Wohnhauses und der Erweiterung mit einem Kunstpavillon.

Das Centre Albert Anker ermöglicht die nahe Begegnung mit dem Künstler, seiner Zeit, seinem Lebensraum und unbekannten Werken, Dokumenten und Objekten.

Es umfasst die Dauerausstellung, das Künstleratelier und die historische Wohnung (nur mit Führung zu besuchen) sowie die Wechselausstellung im Kunstpavillon. Die ganze Anlage mit historischem Haus und neugebautem Kunstpavillon ist eine elegante Verbindung zwischen Denkmal, moderner Architektur und Szenografie.

Das Künstleratelier wurde seit 7 Generationen von der Familie original belassen  und ist in qualitativ hochwertigem Zustand erhalten, einzigartig in der Schweiz. Die historische Wohnung gibt Einblick in das Leben der Familie Anker.

Die Dauerausstellung vermittelt in 15 Themen die Lebens- und Arbeitswelt des Künstlers in seinem Umfeld. Der Mensch, Politiker und Künstler wird sowohl in seinem Heimatdorf Ins als auch im nationalen und internationalen Kontext des 19. und frühen 20. Jahrhunderts gezeigt.

Die erste Wechselausstellung ist den Reisen Ankers zwischen 1861 und 1891 in den Süden gewidmet. Unter dem Titel «Licht des Südens» werden über zwanzig einzigartige, kaum bekannte, kleinformatige Reisebilder in impressionistischer Malweise sowie kleine Ölgemälde gezeigt.

Ausserdem sind Ankers Kopien von Gemälden aus berühmten Museen sowie seine geografischen Karten und zehn seiner einzigartigen «Carnets», Notizbüchlein, zu sehen.

Das Kunstmuseum Bern hat mit der Ausstellung «Albert Anker. Lesende Mädchen» (bis 21.7.2024) den Auftakt zur Eröffnung des Centre Albert Anker gegeben.

(Quelle und weitere Informationen: Centre Albert Anker)

Echallens, das tägliche Brot und religiöse Toleranz

Getreide und Brot kennt jeder, die meisten Menschen essen es sogar täglich. Aber wer kennt schon das Weizen- und Brotmuseum (Musée du blé et du pain) in Echallens (Kanton Waadt)?

Echallens liegt in einer der getreidereichsten Regionen der Schweiz (le Grenier de la Suisse) und an den Handelswegen nach Yverdon-les-Bains, Lausanne, Romont, Moudon und Freiburg.

Das Museum öffnete im Mai 1988 seine Türen. Es befindet sich im alten Bauernhaus Panchaud (warmes Brot (pain chaud) oder panchaud (grosses Fenster auf Altfranzösisch)) in der Nähe des Rathauses.

Am 16. April 1989 lieferten Delegationen aus 26 Kantonen ihr Getreide im Museum ab, und das jährliche Getreidefest (Fête du blé) unterstreicht seine (jahrhundertealte) Bedeutung. Folglich ist ein grosser Teil der Arbeitskräfte direkt oder indirekt im Getreidesektor beschäftigt.

Musée du blé et du pain

Handel und Anbau haben in Echallens eine jahrhundertealte Tradition, die auf die Märkte und eine regionale Funktion im Mittelalter im heutigen Bezirk Gros-de-Vaud zurückgeht. Der am Fluss Talent gelegene Ort war lange Zeit auch das Gebiet des Bischofs von Lausanne und der Herzöge von Savoyen. Sein Schloss (1273) stammt aus dieser Zeit.

Die Niederlage des Herzogs von Burgund, seiner Verbündeten Savoyen und des Bischofs von Lausanne im Jahr 1476 bedeutete für Echallens das Ende einer Ära. Von 1484 bis 1798 wurde der Bezirk Orbe-Echallens von Bern und Freiburg durch Vögte verwaltet.

Dies ging bis 1536 und der Reformation in Bern gut. Freiburg hingegen blieb katholisch. Wie in anderen Kantonen (z.B. den Appenzellern, Glarus und Graubünden) verhinderten das Konsultationsmodell und die Kompromissbereitschaft eine Eskalation.

Ratshaus (1781)

Bern und Freiburg stellten gleich viele protestantische und katholische Ratsherren (insgesamt 24, 12 pro Kanton). Es gab einen katholischen und einen protestantischen Vogt und die Gleichheit der Religionen war gesetzlich verankert.

Beide Religionen nutzten dieselbe Kirche (l’église Saint-Jean l’Evangeliste/Johannes der Täufer), das Simultaneum. Die Stadt baute 1727 sogar eine neue Kirche für die zwei Religionen. Seit 1798 (Helvetische Republik) bzw. 1803 (Entstehung der neuen Konföderation durch die Mediationsakte) ist Echallens eine Gemeinde im Kanton Waadt.

Im 19. Jahrhundert bauten die Protestanten (1865) und nach ihnen die Katholiken (1883) jedoch ihre eigenen Kirchen.

(Quelle und weitere Informationen: Commune de Echallens)

Impressionen von Echallens

 

 

Die Kirche von Curtilles und die kulturelle Vielfalt der Schweiz

Die sprachliche Vielfalt der Schweiz ist ein Prozess von vielen Jahrhunderten. Die heutigen französisch- und deutschsprachigen Grenzen sind seit 800 weitgehend festgelegt.

Die italienischsprachigen Gebiete sind teils das Ergebnis von Eroberungen 1512/13 (das Tessin), teils von Bündnissen mit dem Gotteshausbund (Poschiavo (1486) und Bergell (1367)) oder dem Grauen/ Oberen Bund (Misox (1496) und Calanca (1496)) aus dem 16. Jahrhundert.

Der Gotteshausbund, der Graue / Obere Bund und der Zehngerichtenbund bildeten 1524 den Freistaat der Drei Bünde und 1803 den Kanton Graubünden.

Das romanische Sprachgebiet war bis ins 19. Jahrhundert viel grösser als heute. Dennoch ist die romanischsprachige Bevölkerung mit rund 50 000 Personen so gross wie die gesamte Bevölkerung Graubündens um 1800!

Ein weiterer Aspekt dieser (gut funktionierenden) Europäischen Union auf der Mikroebene ist ihre grosse kulturelle Vielfalt. Ein Indiz dafür ist zum Beispiel die Architektur der romanischen Kirchen (um 1000–1300).

Das Buch Romanische Schweiz/Suisse romane gibt einen ausführlichen Überblick über dieses meist gut erhaltene Kulturerbe, das sich über alle 26 Kantone und 4 Sprachregionen erstreckt.

Die Fresken in der Kirche von Curtilles

Eines der vielen Beispiele ist die Kirche des kleinen Dorfes Curtilles an der  Broye (Kanton Waadt). Das kleine Dorf mit seiner langen Geschichte (Curtilia im Jahr 860, Curtilis (1160) oder Curtiliis (1453) besass bereits 1055 eine romanische Kirche, die nach ihrer Zerstörung 1231 durch den Bischof von Lausanne im romanischen Stil wieder aufgebaut wurde.

Neben diesem Erbe beherbergt das kleine Dorf auch das Schloss aus dem 16. Jahrhundert  von 1542, nachdem sein Vorgängerbau durch Herzog Berthold V. von Zähringen (1160-1218) zerstört worden war.

Im 14. und 15. Jahrhundert fanden weitere (gotische) Renovierungen statt, unter anderem im Chor 

Neben diesem Erbe beherbergt das kleine Dorf auch das Schloss aus dem 16. Jahrhundert , nachdem sein Vorgängerbau durch Herzog Berthold V. von Zähringen (1160-1218) zerstört worden war.

(Quelle und weitere Informationen: Hans-Rudolf Meier, Romanische Schweiz/Suisse romane, Würzburg 1996; Commune de Curcilles)

Korrektorin: Eva Maria Fahrni

Modell in der Kirche 

Lucens, Meiringen und Sherlock Holmes

Sir Arthur Conan Doyle (1859-1930), der geistige Vater von Sherlock Holmes, bewohnte im Jahr 1965 das Schloss Lucens (Kanton Waadt).

Einige Jahre später eröffnete der Sohn des Schriftstellers ein Museum an diesem besonderen Ort. Heute ist das Sherlock-Holmes-Museum (Musée Sherlock Holmes) im „Maison Rouge“ untergebracht.

Bild: Commune de Lucens. Foto: TES

Das Schloss, das eigentlich aus zwei Teilen besteht, beherbergte weitere illustre Bewohner. Der Bischof von Lausanne baute und bewohnte das erste Schloss im 13. Jahrhundert. Nach dem Umbau im 14. und 15. Jahrhundert erhielt es ein gotisches Aussehen.

Der Bischof, ein Verbündeter der Herzöge von Savoyen, residierte häufig auf Schloss Lucens. Die erste Besetzung durch eidgenössische Truppen erfolgte 1476, nach der Schlacht von Murten.

Die Eidgenossen besiegten darin (und bei Grandson im selben Jahr sowie bei Nancy im Jahre 1477) den Herzog von Burgund, Karl den Kühnen (1433-1477), seine Verbündeten, die Herzöge von Savoyen und den Bischof von Lausanne.

Schloss Lucens, links der Neubau nach 1536 

Der Friede von Freiburg stellte die alte Situation wieder her, aber 1536 war es für den Bischof endgültig vorbei. Bern eroberte in diesem Jahr das Waadtland und Lucens. Noch im Jahr 1532 hatte der  Lausanner Bischof Sébastien de Montfaucon (1489-1560) dem Herzog von Savoyen, Karl III. (1486-1553), in Lucens einen weiteren glanzvollen Empfang bereitet. Das Jahr 1536 bedeutete gleichzeitig das Ende des Katholizismus in Lucens, und die Reformation hielt Einzug.

Von 1536 bis 1798 residierte der Vogt von Bern im Schloss beziehungsweise im Nebengebäude des Schlosses, dem zweiten Schloss. Ab 1801 gehörte die Anlage mehreren neuen Besitzern und Bewohnern, darunter Sir Arthur.

Es gibt jedoch noch ein weiteres Sherlock-Holmes-Museum in der Schweiz, und zwar in Meiringen (Kanton Bern). An diesem Ort schrieb Sir Arthur gemäss seinem eigenen Vornehmen den letzten Sherlock Holmes-Roman, in welchem der Titelheld in einem Zweikampf mit seinem Erzfeind Professor Moriaty am Reichenbachfall ums Leben kommt.

Dennoch folgten später noch einige weitere Abenteuer des Detektivs und seines ständigen Begleiters Watson.

(Quelle und weitere Informationen: Commune de Lucens)

Korrektorin: Petra Ehrismann

Romont und Moudon im Laufe der Geschichte

Die Altstadt von Romont (Kanton Freiburg) mit ihren Stadtmauern, Türmen, dem Schloss und dem Stift  (Collégiale) Notre-Dame de l’Assomption (13. Jahrhundert) liegt auf dem berühmten runden Berg Mont Rond (rotundus mons).

 

Collégiale Notre-Dame de l’Assomption nach ihrer (gotischen) Renovierung im 15. Jahrhundert

Am Fusse des Berges befindet sich das Zisterzienserkloster de la Fille-Dieu (gegründet 1268), wie der Name schon sagt, ein (noch heute bestehendes) Frauenkloster.

Die Stadt liegt an den Handelswegen nach Lausanne und Vevey (Kanton Waadt) und in die Städte Bulle und Freiburg. Dass Romont sich im Kanton Freiburg und nicht im Kanton Waadt befindet, ist das Schicksal der Geschichte im Jahr 1536.

In jenem Jahr eroberte Bern die Waadt (Pays de Vaud) von Savoyen. Romont gehörte zu diesem Zeitpunkt schon seit Jahrhunderten zu Savoyen, und die Grafen von Savoyen nannten sich „Herren von Moudon und Romont“ (Seigneurs de Moudon et Romont).

Das Schloss  (Grand Donjon) von Romont (1240)

Die Stadtmauer ist mit einer Länge von einundeinhalb Kilometern und mehreren Türmen noch weitgehend intakt.

Die Grafen von Savoyen, ab 1416 die Herzöge von Savoyen, waren wichtige Lieferanten der Bischöfe von Lausanne und Verbündete der Herzöge von Burgund.

Diese Geschichte nahm 1476 kein gutes Ende. Savoyen und damit auch Romont stellten sich auf die Seite von Herzog Karl dem Kühnen (1433-1477) in seinem Krieg gegen die Eidgenossenschaft. Nach seinen Niederlagen bei Grandson und Morat (1476) eroberten und plünderten die Eidgenossen Romont.

Im Frieden von Freiburg (1476) erlangte Savoyen jedoch die Kontrolle über Romont zurück. Andere Städte (Orbe, Grandson, Morat und Echallens) im Waadtland wurden jedoch gemeinsam von Freiburg (seit 1481 Mitglied der Eidgenossenschaft) und Bern verwaltet und gingen ebenfalls an Savoyen verloren.

Die Freude war jedoch von (relativ) kurzer Dauer. Im Jahr 1536 eroberte das protestantische Bern das gesamte Waadtland von Savoyen. Romont suchte und erkämpfte sich jedoch den Schutz des katholischen Freiburgs und gehörte fortan zum Kanton Freiburg.

Moudon

Moudon (in römischer Zeit der kleine Vicus Minnodunum oder Minnidunum) liegt zwischen den Flüssen La Broye und La Mérine. Savoyen erwarb die Stadt und ihre Burg im Jahr 1219. Davor herrschten hier keltische (helvetische) Stämme, Römer, Franken, zwei burgundische Königreiche, die Grafen von Genf und die Herzöge von Zähringen.

La Broye

Wie Romont hatte die Stadt eine zentrale Lage an den Handels- und Verkehrswegen. Nach der Übernahme durch Savoyen blühte die Stadt auf und wurde im 14. Jahrhundert sogar zum Verwaltungssitz der Savoyer in der Waadt.

Die Niederlage des Herzogs von Burgund im Jahr 1476 und die Einnahme von Moudon durch die Eidgenossen bedeuteten noch nicht das Ende der Savoyischen Herrschaft. Der Friede von Freiburg stellte auch die Herrschaft Savoyens in Moudon wieder her.

Maison des États de Vaud (14. Jahrhundert)

Die Eroberung durch Bern im Jahr 1536 bedeutete jedoch das endgültige Aus für Savoyen und die Einführung der Reformation. Bern übte die Macht bis 1798 aus. Ab 1798 wurde Moudon Teil des Kantons Waadt.

Fazit

Die Herzöge von Savoyen nannten sich ab 1536 nicht mehr „Herren von Moudon und Romont“, Romont blieb katholisch im Kanton Freiburg und Moudon wurde protestantisch und ab 1798 zu einem Ort im Kanton Waadt.

(Quelle und weitere Informationen: F. Walter, Histoire de Fribourg, Une ville-État pour l’éternité (XVIe-XVIIIe siècle) Tome 2, Neuchâtel, 2002; Ville de Romont; Commune de Moudon; L. Hubler, Histoire du Pays de Vaud, Lausanne 1991).

Korrektorin: Petra Ehrismann

Impressionen von Romont

Maison St.-Charles

Das Schloss (Grand Donjon) und le Vitromusée Romont (Schweizerisches Museum fur Glasmalerei und Kunst)

Impressionen von Moudon

Maison neuve du Pont (1688)

 

Hôtel de Ville

Saint-Étienne de Moudon (12.-16. Jahrhundert)

Fontaine de la justice

La Grenette

Maison de Cerjat undTacheron oder Maison bernoise (14. Jahrhundert)

Château de Rochefort (Musée du Vieux-Moudon) und Maison de Denezy

Château de Carouge

Saint-Saphorin, seine Kirche und Geschichte

Die Geschichte von Saint-Saphorin (Kanton Waadt) beginnt in der Mitte des 1. Jahrhunderts n. Chr. mit dem Bau einer gallorömischen Villa in der Nähe von Vibiscum (dem heutigen Vevey).

Im 5. Jahrhundert wurde die Villa aufgegeben. Einer der Räume, der sich an der Stelle der heutigen Kirche aus dem 16. Jahrhundert befand, wurde dann als Mausoleum nach dem Vorbild römischer Katakomben errichtet.

Das Museum von Saint-Saphorin unter der Kirche

Im 6. Jahrhundert wurden ein neues Mausoleum und eine Grabkapelle genutzt. Im 7. Jahrhundert wurde es in eine Kirche umgewandelt, die Saint Saphorin (St. Symphorien) geweiht war.

Der Bischof und das Kapitel von Lausanne übten bis 1536 die geistliche Autorität und die politische Souveränität aus. Im 13. Jahrhundert bauten die Bischöfe die Festung von Glérolles.

Saint-Saphorin im Jahr 1694, unbekannter Künstler. Archives de la commune. Foto: Claude Bornand. Museum von Saint-Saphorin

Die heutige Kirche wurde zwischen 1517 und 1530 auf Initiative des letzten Bischofs von Lausanne, Sébastien de Montfaucon (1489-1560), im gotischen Stil errichtet. Das zentrale Glasfenster im Chor ist das bedeutendste im Kanton (nach der Rosette in der Kathedrale von Lausanne). Es stellt Sébastien von Montfaucon, die Jungfrau Maria mit dem Kind und den Heiligen Symphorien dar.

Von aussen fällt vor allem das flache Dach des Glockenturms auf, denn es war geplant, eine hohe steinerne Spitze auf den Turm zu setzen. Dies wurde jedoch nicht umgesetzt.

1536 organisierte der Bischof im Lavaux den Widerstand gegen den drohenden Bildersturm des protestantischen Bern. Der Widerstand war so stark, dass dieses Fenster verschont blieb, obwohl die Kirche in ein protestantisches Gotteshaus (temple) umgewandelt wurde. Der Bischof verliess Lausanne Ende März 1536 und zog sich nach Savoyen zurück

Saint-Saphorin hat seinen mittelalterlichen Charakter bewahrt und liegt inmitten der Weinberge des Lavaux mit Blick auf die Alpen und den Genfersee.

(Quelle und weitere informationen: La commune de Saint-Saphorin)

Korrektorin: Giuanna Egger-Maissen

 

Das Museum von Saint-Saphorin

Drei karolingischen Kapitelen (9. Jahrhundert) 

Kopf eines jungen Mannes, römische Epoche

Römische Inschriften, 1. Jahrhundert n. Chr.

Impressionen von Saint-Saphorin 

Pierre Keller (1945) Weinpresse

Bulle und das Greyerzerland

Das Greyerzerland (La Gruyère) ist weltberühmt für seinen Käse, sein Vieh und das Schloss, aber wer ausserhalb der Schweiz kennt schon die Stadt Bulle, seit 1848 Hauptstadt des Greyerzerlandes im Kanton Freiburg?

Die erste schriftliche Erwähnung von Butulum geht auf das Jahr 855 zurück. In späteren Jahrhunderten taucht der Ort als Bollo, Bullo und Boll auf.

Wappen der Grafschaft Greyerz. Sammlung: Musée gruérien

Die Grafen von d’Ogo (besser bekannt als die Grafen von Greyerz) und der Bischof von Lausanne waren die wichtigsten Grossgrundbesitzer an dieser Kreuzung der Strassen nach Freiburg, Vevey, Romont, dem Tal der Jogne und dem Pays-d’Enhaut.

Der Bischof von Lausanne regierte die Stadt bis 1536. In diesem Jahr eroberte Bern das Gebiet des heutigen Kantons Waadt und des Bistums Lausanne. Bulle gehörte zum Gebiet des Bistums, weigerte sich aber, sich dem protestantischen Bern zu unterwerfen. Die Stadt wandte sich an das katholische Freiburg.

Der Vogt residierte von 1537 bis 1798 im Schloss der Stadt.

Ein Freiburger Vogt regierte die Stadt bis zur französischen Invasion 1798. Die Freiburger Herrschaft hatte den Charakter einer Verwaltung eines Untertanengebiets, und viele Bürger von Bulle leisteten Widerstand. Der wichtigste (erfolglose) Aufstand fand 1781 unter der Führung von Pierre-Nicolas Chenaux (1740-1781) statt.

Pierre-Nicolas Chenaux (1740-1781)

Auch in der neuen Eidgenossenschaft von 1815 leistete die Stadt Widerstand gegen das (wiederhergestellte) Ancien Régime im Kanton. Bulle spielte sogar eine führende Rolle in der Régénération und in der liberalen Kantonsverfassung von 1831. Nach 1840 gewannen die konservativen Kräfte  jedoch wieder die Oberhand und der Kanton schloss sich dem Sonderbund an.

Nach der Niederlage des Sonderbundes im Jahr 1847 und seit der neuen Verfassung von 1848 ist Bulle die Hauptstadt des Distrikts Greyerzerland, womit die wirtschaftliche (vor allem Viehhandel, Holz und Käse), historische und politische Rolle der Stadt gewürdigt wird.

La Chapelle de Notre-Dame de Compassion oder Notre-Dame-de-Pitié wurde um 1350 gegründet. Die Kapuziner liessen sich 1665 in der Anlage nieder, 120 Jahre nach der Gründung des ersten Kapuzinerklosters auf Schweizer Gebiet in Bigorio (Kanton Tessin). Der Klostergarten, der Klosterkomplex und die Kapuziner sind immer noch die Nachbarn des Schlosses Bulle (heute ein Verwaltungsgebäude und Museum).

Das Museum von Greyerz (Musée gruérien) bietet einen reich illustrierten Überblick über die Geschichte, Gegenwart und Vergangenheit der Stadt und der ehemaligen Grafschaft Greyerz.

Darüber hinaus zeigt das Museum einzigartige Fotografien von Joseph-Philibert de Prangey (1804-1892). Diese wurden als Daguerreotypien (benannt nach dem französischen Künstler Louis Daguerre, 1787-1851) in den Jahren 1840-1850 gemacht.

(Quelle und weitere Informationen: Ville de Bulle)

Korrektorin: Giuanna Egger-Maissen

Das Kloster und der Klostergarten

Impressionen der Stadt

   

Lavaux Vinorama

Das Weinerlebniszentrum Lavaux Vinorama präsentiert sowohl das Weinbaugebiet als auch die dort erzeugten Weine. Die Weinterrassen des Lavaux gehören zum UNESCO-Weltkulturerbe. Seit Jahrhunderten prägen Winzerfamilien die Landschaft des Lavaux und sie betreiben noch echtes Handwerk.

Das Zentrum ist in der Naturschönheit integriert, neben einem Wasserfall, und zeigt die Arbeit der Winzer in den verschiedenen Jahreszeiten und stellt über 250 Weine aus dem gesamten Anbaugebiet vor.

(Quelle und weitere informationen: www.lavaux-vinorama.ch).

Die Kapelle La Motta

In der Nähe der Stadt La Tour-de-Trême (Kanton Freiburg) steht eine kleine Kapelle. Sie wurde 1635 erbaut und dem Heiligen  Rochus und Sebastian gewidmet.

Beide waren Schutzpatrone gegen Infektionskrankheiten und insbesondere gegen die Pest. Im Jahr 1635 herrschte in Gruyères die Pest und diesem Umstand verdankt die Kapelle ihre Existenz.

Das Interessante an dieser Kapelle ist ihr Name. Sie ist nicht nach den Heiligen benannt, sondern nach ihrem Standort.

Ihr Name leitet sich von dem keltischen Wort “mutta“ ab, das Höhe bedeutet und aus dem das französische Wort “motte“, befestigter Ort auf einer Anhöhe, wurde.

Besonders schön ist der Blick auf die einfache Kapelle, umgeben von Bäumen und weidendem Vieh und mit den Bergen im Hintergrund.

Quelle: La Chapelle de la Motta

Korrektorin: Eva Maria Fahrni