Genf und die Mauer der Reformatoren

Diese Mauer (le mur des Réformateurs) in Genf wurde 1909 zum Gedenken an den 500. Geburtstag von Jean Cauvin (1509-1564), besser bekannt als Jean Calvin, errichtet. Calvin floh 1535 aus Frankreich in das relativ tolerante Basel, die Heimatstadt des damals todkranken Desiderius Erasmus (1467-1536).

Basel war in den Jahren 1527-1529 unter der Leitung des Reformators Johannes Oekolampad (1482-1531) zum evangelischen Glauben übergetreten. Erasmus floh 1529 wegen der Reformation aus Basel und ging ins katholische Freiburg (Baden). Kurz vor seinem Tod kehrte er in sein geliebtes Basel zurück, um 1536 im protestantischen Münster seine letzte Ruhestätte zu finden.

Es ist weder bekannt noch wahrscheinlich, dass Calvin Erasmus begegnet ist. Calvin veröffentlichte  1536 in Basel seine „Institution de la religion chrétienne“. Wenig später reiste Calvin nach Genf, das 1536 ebenfalls protestantisch geworden war.

In dieser Stadt arbeitete er mit dem Reformator Guillaume Farel (1489-1565) zusammen. Farel war die treibende Kraft des Protestantismus im damals katholischen französischen Fürstentum Neuenburg.

Calvin war jedoch zu dogmatisch für die Genfer Behörden, und er ging ins protestantische Strassburg (damals noch eine unabhängige Reichsstadt im Heiligen Römischen Reich Deutscher Nation). Calvin war dort Pfarrer für protestantische französische Flüchtlinge.

Im Jahr 1541 kehrte er nach Genf zurück, um von dort aus die calvinistische Lehre zu verbreiten. Innerhalb weniger Jahre machte er Genf zu einem protestantischen „Jerusalem“, zu einer heiligen Stadt der Reformation.

Er veröffentlichte zahlreiche Bücher und Schriften in lateinischer und französischer Sprache, gründete die Akademie für Prediger, die Vorläuferin der heutigen Universität, und das Auditorium Calvin. Die Stadt wuchs von 10’000 Einwohnern im Jahr 1535 auf über 23’000 im Jahr 1562.

Und er stand vor allem in ständigem Konflikt mit anderen frühen protestantischen Theologen und Reformatoren, darunter Martin Luther (1483-1546) und Sebastian Castellio (1515-1563). Calvin war ein dogmatischer Scharfmacher und nicht tolerant, wie eine aktuelle Ausstellung in der Universitätsbibliothek Basel zeigt.

Der Calvinismus wurde auch zur vorherrschenden Religion in der Utrechter Union der Sieben Vereinigten Provinzen und blieb dies über Jahrhunderte. Aus diesem Grund hat Willem de Zwijger einen namentlichen Ehrenplatz auf der „Mur des Réformateurs“. Er befindet sich in Gesellschaft der vier wichtigsten Calvinisten, die in der Mitte abgebildet sind: Jean Calvin, Guillaume Farel, Théodore de Bèze (1513-1605) und John Knox (1513-1572).

Weitere Figuren auf der mehr als 100 Meter langen Mauer am Fusse der alten Stadtmauer sind von links nach rechts: Gaspard de Coligny (1519-1572), Friedrich-Wilhelm von Brandenburg (1620-1688), Roger Williams (1603-1684), Oliver Cromwell (1599-1658) und Etienne (István) Bocskai (1557-1606).

Die Mauer beginnt in der linken Ecke mit dem Hinweis auf das offizielle Datum der Reformation am 21. Mai 1536, einem Beschluss des Stadtrats und der stimmberechtigten Bürger der Stadt. Die Mauer endet mit dem Datum 12. Dezember 1602.

In dieser Nacht versuchte Karl-Emmanuel (1562-1630), der katholische Herzog von Savoyen, mit Unterstützung des vertriebenen Bischofs von Genf erfolglos, die Stadt zu erobern. Dieses Ereignis wird wegen der Leitern, die die Angreifer benutzten, „L’Escalade“ genannt. Der 12. Dezember ist darum immer noch ein Feiertag.

Unter all den protestantischen Personen und den Jahreszahlen 1536 und 1602 wird jedoch auch ein englischer König erwähnt, nämlich der Prinz von Oranien, Wilhelm III. (1650-1702), König von England von 1688-1702. Er ist mit seiner Frau Maria Stuart (1662-1694), Königin von England, abgebildet.

Le 13 février 1689 Guillaume Prince d‘Orange et Marie son épouse fille ainée de Jaqcues II appellés au trône d’Angleterre acceptèrent la couronne et la déclaration de droits fondementals de la monarchie constitutionelle. Les Lords et les communes présentent a Guillaume et à Marie la déclaration des droits d’Anglais.

The Lords spiritvall land temporall and commons being now assembled in a full and free representative of this nation doe for the vindicating and asserting their ancient rights and liberties declare: that the pretended power of suspending of laws by regall authority without consent of parlyament is illegall…That levying money without grant of parlyament is illegall…That election of members of parliament ought to be free. The Bill of Rights.

Korrektorin: Petra Ehrismann

Die Stadt Genf anno 2022

Der Wakkerpreis 2023

Der Schweizer Heimatschutz vergibt jährlich den Wakkerpreis. Der Wakkerpreis zeichnet Gemeinden aus, die bezüglich Ortsbild- und Siedlungsentwicklung besondere Leistungen vorzeigen können.

Die Stadt Lichtensteig (Kanton St. Gallen) erhält den Wakkerpreis 2023. Die Stadt war über Jahrhunderte das wohlhabende städtische Zentrum im ländlichen Toggenburg. Hier wurde der regionale Handel abgewickelt und für den nationalen und internationalen Markt produziert.

Toggenburger Museum

Die örtliche Wirtschaft geriet ab den 1970er-Jahren ins Straucheln: Hunderte Arbeitsplätze in Industrie, Handel und Dienstleistung verschwanden, die Bevölkerung schrumpfte bis vor kurzem beständig. Politik, Bevölkerung und Wirtschaft wollten den Leerstand nicht mehr hinnehmen und entwickelten neue innovative Perspektiven zur Belebung der ungenutzten Räume.

Lichtensteig positioniert sich seither mehrdeutig als «Mini.Stadt» – als selbstbewusste Kleinstadt auf dem Land, die preiswerten Raum bietet zur Verwirklichung von eigenen Visionen und Ideen. Die Stadt unterstützt dabei Initiativen, die Erdgeschosse und Brachen beleben und neue Wege entwickeln, um die richtigen Nutzungen von grösseren Flächen und Arealen zu finden.

Mit ihrer aktiven Politik nutzt Lichtensteig die Möglichkeiten, auf die bauliche Entwicklung Einfluss zu nehmen und die Nutzungen in eine zukunftsfähige Richtung zu lenken.

Die Strategie «Mini.Stadt» ist kein Projekt für Lichtensteig mit einem Enddatum, sondern ein angestossener Prozess mit Zukunftspotenzial. Die Stadt hat sich jüngst eine Vision und Strategie für die räumliche Entwicklung bis 2050 gegeben. Die formulierten Ziele, insbesondere für die Aufwertung entlang der Hauptverkehrsstrassen und der Landschaft, bieten wesentliche Chancen zur Aufwertung des Siedlungsbilds ausserhalb der Altstadt.

(Quelle und weitere Informationen: Schweizer Heimatschutz)

San Gian und ihre zwei Türme

Die erste Erwähnung der Kirche San Gian (St. Johann) in Celerina (Schlarigna auf Retoromanisch, Kanton Graubünden) stammt aus dem Jahr 1320. Im Jahr 1478 erfolgte die Erweiterung des Kirchenschiffs nach Westen, die Einwölbung des Chors und der Bau des neuen Turms.  Am 10. Juni 1682 schlug ein Blitz in den grossen Turm ein. Das Dach und die Uhr des Turms sind seither nicht mehr vorhanden.

Die Kirche hat nicht nur eine herausragende Lage, sondern auch zwei Türme und eine bemerkenswerte Innenausstattung.

Der kleinste romanische Turm wurde um 1300 erbaut. Zu diesem Zeitpunkt war die Kirche noch nach Osten ausgerichtet. Im Jahr 1478 wurde die Kirche vergrössert und nach Westen verlegt.

Der romanische Turm wurde in diesen neuen Komplex  integriert. Erst 1520 wurde der Bau des neuen spätgotischen Turms abgeschlossen.

Dieser stand an der richtigen Stelle der verdrehten Kirche. Der romanische Turm konnte jedoch nicht mehr entfernt werden, ohne dass die neue Kirche beeinträchtigt worden wäre. Aus diesem praktischen Grund blieb er stehen.

Vielleicht war es Vorsehung, denn im Jahr 1682 zerstörte ein Blitz das Dach und die Glocke des neuen Turms. Er wurde nicht mehr repariert, weil die Gemeinde  1665 im Dorfzentrum einen Turm mit einer Uhr im Zentrum errichtet hatte.

Die Innenausstattung der Kirche ist einzigartig. Die Holzdecke aus dem Jahr 1478 gehört neben den Dorfkirchen in Pontresina und Bergün/Bravuogn zu den schönsten und besterhaltenen im Kanton.

Das Wappen des brennenden Holzes der Herren von Brandis

Der Churer Bischof Ortlieb von Brandis (1458-1491), Herr von Brandis in Maienfeld, liess sein Familienwappen, das Wappen des Gotteshausbundes (den Steinbock) und das gevierte Wappen des Bischofs Ortlieb von Brandis in die Decke schnitzen. Im Schloss Brandis befindet sich übrigens ein Fresko des Waltensburger Meisters.

Die Kirche beherbergt auch eine Reihe von Fresken aus dem 15. Jahrhundert. Während der Reformationszeit wurden sie übermalt, deshalb sind sie gut erhalten.

Quelle: R. Muggli, O. Emmenegger, Kirche San Gian bei Celerina/Schlarigna, Bern 1993

Korrektorin: Eva Maria Fahrni

Celerinas berühmtester Einwohner, Bundespräsident Anton Ganzoni

Pontresina

Die Gegend von Pontresina (Kanton Graubünden) war zur Bronzezeit schon besiedelt. Ausgrabungen in Val Languard weisen auf eine 8 000 Jahre alte Siedlungsgeschichte hin.

Nach der Eroberung durch die Römer vermischt sich das Volkslatein mit den rätischen Sprachen zu einem Vulgärlatein rätischer Prägung, das sich allmählich zu verschiedenen romanischen Sprachen entwickelt.

Die erste Erwähnung Pontresinas findet man in einer Urkunde vom 22. Januar 1139. Das Oberengadin nahm 1367 als eine Gemeinde an der Gründung des Gotteshausbundes in Zernez teil. Schon im Mittelalter setzte ein reger Verkehr über den Berninapass ein. Die Loslösung vom Bistum Chur erfolgte 1526. Als erste Oberengadiner Gemeinde entschied sich Pontresina für den reformierten Glauben.

Die St. Maria Kirche und der Spaniolaturm

Museum Alpin

Grand-Hotel Kronenhof

Die Rhätische Bahn

Pontresina entwickelte sich ab 1850 zum Ferien- und Kurort. Der Bau der Berninastrasse von 1842 bis 1864 trug dazu bei, Handel, Verkehr und Tourismus zu beleben. 1908 erhielt das Dorf Anschluss an die Rhätische Bahn.

(Quelle: www.gemeinde-pontresina.ch).

Die natürliche Grandeur von Pontresina

Pontresina (Kanton Graubünden) hat zwar nicht den (touristischen und olympischen) Status des nahen St. Moritz, aber das Dorf liegt am Fusse des grössten Gletschers und des höchsten Berges des Kantons.

Diese Grandeur ist übrigens nicht auf Naturphänomene beschränkt. Pontresina hat auch seine Grand Hotels und eine glänzende Belle Époque.

Palace Hotel, heute Hotel Walther

Grand-Hotel Walther

Start des Gletscherpfades vom illustren Hotel-Restaurant Morteratsch zum Gletscher

Die Alp-Schaukäserei Morteratsch

Ausserdem ist die märchenhafte Landschaft das Habitat der größten Steinbockpopulation des Kantons, rund 1.800 Tiere! Und wenn man bedenkt, dass der Steinbock vor einem Jahrhundert noch so gut wie  ausgestorben war. Mit ein wenig Hilfe der Menschen hat sich die Natur aber auch in dieser Region relativ schnell erholt.

Der Wasserfallweg Cascada da Bernina

 

Der Morteratschgletscher des Piz Bernina, des höchsten Bergs (4049 m.Ü.M. des Kantons

 

Die Region Pontresina hat die grösste Steinbockpopulation des Kantons

Korrektorin: Eva Maria Fahrni

Das Referendum

Neben dem politischen Establishment gibt es in der Schweiz noch einen weiteren Akteur: die Bürger*innen. Die direkte Demokratie durch Volksabstimmungen hängt immer von den Entscheidungsträgern ab, weil das Volk in letzter Instanz entscheiden kann.

Referenden

Die Verfassung sieht drei Arten von föderalen Referenden vor (Kantone und Gemeinden kennen auch Referenden).

Ein Referendum ist dann obligatorisch, wenn die Verfassung dies vorsieht, z.B. im Falle des Beitritts zu internationalen Organisationen (den Vereinten Nationen oder der Europäischen Union).

In fakultativen Referenden müssen die Bürger*innen mindestens 50.000 Unterschriften sammeln, um ein Gesetz oder eine andere Entscheidung abzustimmen.

Es gilt die absolute Mehrheit der Stimmen. Dieses Referendum wird häufig durchgeführt, und alle drei Monate können Bürger*innen ihre Ansichten zu einer Vielzahl von nationalen Themen äussern, von Kuhglocken bis zu Steuern.

Volksinitiative

Eine Volksinitiative ist ein drittes Referendum mit dem Ziel, Verfassungsänderungen zu fordern oder abzulehnen. Mindestens 100.000 Bürger*innen müssen eine solche Initiative schriftlich unterstützen. Der Zusammenschluss von acht Kantonen kann ebenfalls ein Referendum, das sogenannte Kantonsreferendum, beantragen.

Die Verfassung wird den Text dieser Initiative annehmen, wenn sich eine Mehrheit dafür ausspricht. Der Bundesrat kann auch eine Gegeninitiative starten, um den Bürgern eine Alternative zu bieten.

Die Schweizer Verfassung ist die einzige Verfassung in der Welt, die die alltäglichen Sorgen der Bürger enthält. Es lohnt sich, diese Verfassung im Detail zu lesen.

Funktionieren

Für diverse Bundesfragen können Schweizer Bürger*innen alle drei Monate an die Wahlurne treten. Dabei schaffen es nicht alle Abstimmungen, viele Wähler zu mobilisieren.

Es ist ein ‚doppeltes Ja‘ für eine Volksinitiative und das obligatorische Referendum: eine absolute Mehrheit im Land und eine Mehrheit der Stimmen pro Kanton. Mit anderen Worten: Auf nationaler Ebene kann es eine Mehrheit geben, aber durch Auszählung der Stimmen pro Kanton kann eine Mehrheit der Kantone dagegen sein. Dies geschieht regelmässig. Die ländlichen Kantone mit wenigen Einwohnern haben genau das gleiche Stimmgewicht wie die städtischen, dicht besiedelten Kantone.  Heutzutage spricht man auch von einem ‚Graben‘ zwischen Stadt und Land.

Eine absolute Mehrheit im Land beim fakultativen Referendum.

Schlussfolgerung

Das System hat also, genau wie jedes andere, seine Nachteile. Es verlangsamt Verfahren und Entscheidungen und kann unter Umständen auch als wirksames Mittel benutzt werden, um Veränderungen zu verhindern.

Andererseits ist das Referendum die Grundlage für breit abgestützte, wohlüberlegte Entscheidungen mit Konsens und schützt das Land vor der opportunistischen Täuschung des Tages.

Vor allem stellt es auch ein Hindernis für die Entstehung politischer, bürokratischer und journalistischer Oligarchien und Klientelnetzwerke dar. In diesem System ist die Politik gezwungen, Organisationen und Bürger zu berücksichtigen.

Die ständige Präsenz der Bürger*innen auf allen Ebenen (Gemeinde, Kanton und Bund) in allen politischen Entscheidungen ist nicht nur eine der Säulen der Schweizer Demokratie, Rechtsstaatlichkeit, des (sozialen) Zusammenhalts und des Wohlstands, sondern zeugt auch von einer modernen, reifen, offenen und selbstbewussten Gesellschaft, in der die Regierung für die Bürger*innen da ist und nicht umgekehrt.

Das Schweizer Referendum ist nicht altmodisch. Im Gegenteil, sie ist modern und hat Zukunft. Es ist offensichtlich, dass die direkte Demokratie gut funktionierende und unabhängige Qualitätsmedien und engagierte Bürger voraussetzt. Dies ist in der Schweiz (noch) der Fall.

(Quelle: A. Vatter, Das Parlament in der Schweiz, Basel, 2018)

Rätoromanische oder deutschsprachige Gemeinden ?

Die beiden Gemeinden Surses (Oberhalbstein auf Deutsch) und Muntogna da Schons (Schamserberg auf Deutsch) im Kanton Graubünden werden künftig nicht mehr als rätoromanische, sondern als deutschsprachige Gemeinden betrachtet. Das gab das Bundesamt für Statistik (BfS) im Dezember bekannt.

Surses ist eine Gemeinde im Park Ela in der Region Albula. Savognin, Bivio, Salouf, Riom-Parsonz, Cunter, Tinizong-Rona, Mulegns, Sur und Marmorera haben sich 2016 zur Gemeinde Surses zusammengeschlossen. Die romanische Sprache ist Surmiran.

Bivio

Muntogna da Schons, nahe beim Park Beverin, ist eine Gemeinde in der Region Viamala. Sie umfasst die Dörfer Casti, Donat, Farden, Lohn, Pazen und Wergenstein. Die romanische Sprache ist Sutselvisch, nicht zu verwechseln mit dem am Vorderrhein gesprochenen Surselvisch.

Die zwei Gemeinden stören sich jedoch an der Neubeurteilung des BfS. Auch wenn die Zuordnung keine politischen Folgen hat, wollen Surses und Muntogna nicht als Deutschschweizer Gemeinden gelten.

Die sprachliche Zuordnung der Gemeinden sei durch das Sprachengesetz des Kantons Graubünden geregelt. Und da in Surses 50,6 Prozent der Personen Rätoromanisch (Surmiran) als Hauptsprache angeben, gelte die Gemeinde gemäss dem Gesetz klar als romanisch. Gleichzeitig gaben aber eben auch 61,2 Prozent der Bevölkerung an, Deutsch als Hauptsprache zu sprechen, eine zweisprachige Gemeinde also.

Mulegns, Post Hotel Löwe

Die Zahlen zeigen, dass mehrere Einwohnerinnen und Einwohner angaben,  Deutsch und Romanisch seien ihre Hauptsprache. Gemäss dem Sprachengesetz gelten im Kanton Graubünden Gemeinden mit einem Anteil von mindestens 40 Prozent  Angehöriger einer authentisch angestammten Sprachgemeinschaft als «einsprachige Gemeinden». In diesen ist die angestammte Sprache kommunale Amtssprache. Die Gemeinde Surses sieht sich daher auch weiterhin als Gemeinde mit Rätoromanisch als Amts- und Schulsprache.

Die sprachliche Aufteilung der Gemeinden ist im Sprachengesetz des Kantons Graubünden geregelt und fällt nicht in die Kompetenz des Bundes. Die Gemeinden sind klar der Auffassung, dass nicht der Bund oder ein Bundesamt für Statistik die Sprache bestimmen, sondern die Kantonsverfassung und das Gemeindegesetz.

Die italienischen, deutschen und französischen Sprachgrenzen haben sich in der Schweiz seit Jahrhunderten kaum verändert. Nur das Rätoromanische hat seit dem 19. Jahhundert geografisch an Grösse eingebüsst.

Die Verschiebung zulasten des rätoromanischen Gebietes seit der letzten Erhebung vor fünf Jahren könne jedoch nicht mit einer Abnahme der rätoromanisch sprechenden Menschen erklärt werden.

Die Zahl der Rätoromaninnen und Rätoromanen sei seit Jahrzehnten bei etwas über 40’000-50 000 Menschen nahezu stabil. Die Zahl der deutschsprachigen Menschen in den rätoromanischen Gemeinden nimmt seit Beginn der Zählungen im Jahr 1860 jedoch stark zu.

So hätten die Oberengadiner Tourismusorte bereits um 1888 und die Gemeinden im Domleschg um die Jahrhundertwende vom 19. zum 20. Jahrhundert von der rätoromanischen zur deutschen Schweiz gewechselt.

Dieser Wandel habe sich im Verlauf der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts stark akzentuiert. Heute ist die Zahl  der Rätoromaninnen und Rätoromanen relativ stabil, nur nehmen die anderen Sprachen (u.a. Deutsch, Englisch, Portugiesisch) immer stärker zu.

(Quellen: Lia Rumantscha, La Quotidiana)

Korrektorin: Eva Maria Fahrni

Der Julierturm (bis Sommer 2023)

Der Nationalrat

Definition

Der Nationalrat ist die Vertretung des Volkes im parlamentarischen System. Er hat die gleichen Kompetenzen wie der Ständerat. Die zweihundert Sitze werden nach dem Proporzsystem  verteilt. Die sechsundzwanzig Kantone der Schweiz stellen die Wahlkreise dar.

Sitze

Für die Anzahl der Sitze dieser ist wiederum die Einwohnerzahl massgebend. Die kleinsten Kantone haben einen Sitz (Appenzell Innerrhoden, Appenzell Ausserrhoden, Uri, Glarus, Obwalden, Nidwalden), die grössten Kantone fünfunddreissig (Zürich), vierundzwanzig (Bern) und neunzehn (Waadt). Alle übrigen Kantone haben zwischen zwei (Jura) und sechzehn (Aargau) Sitze.

Die Bürgerinnen und Bürger wählen politische Parteien, die dann im Parlament Allianzen bilden. Auf das Verhältnis zum Bundesrat wurde bereits in einem früheren Artikel kurz eingegangen.

Der vorliegende Beitrag befasst sich insbesondere mit den Instrumenten, die dem Nationalrat (und damit dem Ständerat) zur Verfügung stehen.

Instrumenten

Dem Nationalrat stehen im Gesetzgebungs- und Aufsichtsverfahren mehrere Möglichkeiten zur Verfügung: die parlamentarische Initiative (das Parlament erlässt selber ein Gesetz),

die Motion (der Bundesrat soll ein Gesetz erlassen),

das Postulat (der Bundesrat wird beauftragt zu prüfen, ob ein Gesetz vorzulegen oder eine Massnahme zu treffen sei),

die Interpellation und

die einfache Anfrage (Auskunft über Dokumente oder wichtige innere- oder aussenpolitische europäische Entwicklungen und Themen).

Die verschiedenen Instrumente werden mal häufiger (parlamentarische Initiative, Motion) oder seltener (einfache Anfrage, Postulat) angewendet. Sie alle spielen jedoch eine Rolle in der Kommunikation, Information und Prioritätensetzung zwischen National- und Bundesrat.

Die eine politische Partei nutzt z. B. mehr die einfache Anfrage, die andere mehr die Motion oder die parlamentarische Initiative. Dabei spielen auch bevorstehende Wahlen und aktuelle Themen oft eine Rolle.

Der Nationalrat (und der Ständerat) übt zudem die Finanzkontrolle in zwei Kommissionen und in besonders schwerwiegenden Fällen durch die PUK (Parlamentarische Untersuchungskommission) aus.

Funktionieren

Der Nationalrat (und der Ständerat) muss stets in engem und direktem Kontakt mit den Kantonen, den (sozialen und wirtschaftlichen) Verbänden und den Bürgerinnen und Bürgern bleiben. Die direkte Demokratie steht immer im Vordergrund.

Der Nationalrat nimmt gegenüber der Regierung eine sehr unabhängige und starke Stellung ein, denn die Regierung kann den Nationalrat nicht auflösen. Auch die jährliche Wahl eines Staatsoberhauptes/primus (a) inter pares durch den Nationalrat und Ständerat in einer vereinigten Bundesversammlung verhindert politischen Opportunismus und Machtkonzentrationen.

In der Schweiz gibt es eine qualitativ hochstehende parlamentarische Debatte und dank der direkten Demokratie eine intensive öffentliche Debatte. Volksvertretung und Demokratie machen ihrem Namen alle Ehre.

Das kann man nicht von jedem Parlament in der EU sagen. Es bleibt zu hoffen, dass die Schweiz und ihre Bürgerinnen und Bürger dieses einzigartige und gut funktionierende demokratische System in Ehren halten.

Auch dieses Haus hat seine Mängel. Aber das System funktioniert, manchmal (zu) langsam, aber demokratisch und auf hohem Niveau.

Lessoc am Stausee

Am schönen Dorfplatz von Lessoc (Kanton Freiburg) im Park Gruyère Pays-d’Enhaut befindet sich ein überdachter Brunnen und rundherum reihen sich gut erhaltene Gebäude. Neben dem Dorfplatz prägen Bauernhöfe mit prächtigen Gärten den Ort.

Das Dorf hat ein dichtes Netz von Häusern und Bauernhöfen aus dem goldenen Zeitalter des Greyerzerlandes mit einem Dekor aus der Spätgotik. Der Dorfplatz besitzt auch einen gedeckten Brunnen.

Der Fluss Saane schlängelt sich durch das grüne Tal des Intyamon und begegnet auf seinem Weg mehreren Staudämmen und Stauseen. Die Wasserkraft der Oberen Saane wird auf zwei Stufen genutzt.

Die 1973 erbaute Staumauer Lessoc ist eine Pfeilerstaumauer. Dieser komplexe Konstruktionstype ist in der Schweiz selten und benötigt nur wenig Material. Die erste Stufe ist die Staumauer und den Stausee von Rossinière und das Wasserkraftwerk Montbovon. Die zweite Stufe ist in Lessoc und wurde in der gleichen Zeit erbaut.

(Quelle und weitere Informationen: www.fribourgregion.ch; www.electrobroc.ch)

Der Stausee Lac de Vernex bei Rossinière