Walkringen, Gasthof Bären, Erdburgen und die Kirche

Walkringen (Kanton Bern) wurde erstmals am 10. Februar 1220 wurde urkundlich erwähnt. Der Name geht auf allemannische Siedler zurück, die zwei Erdburgen auf den sogenannten Zwingherrenhügeln Adlisberg und Hubelwald stammen ebenfalls aus dieser Zeit.

Die Kirche aus dem 11. Jahrhundert auf dem Dorfhügel wurde 1989 renoviert. Zu den ältesten Gebäuden der Gemeinde zählt der Gasthof Bären, der das Dorfbild von Walkringen mitprägt.

Die Landeshoheit lag bis 1406 in den Händen der Kyburger, die sie in diesem Jahr an Bern abtraten. Nach der Aufhebung des Kartäuserklosters während der Reformationszeit um 1525-1530 trat an die Stelle des Abtes ein bernischer Landvogt, der nun die Gerichtsrechte versah.

Während der Helvetischen Republik (1798-1803) erhielt das Dorf eine neue Munizipalbehörde. Es kam 1803 zum Oberamt Konolfingen. Seit dem 1. Januar 2010 gehört die Gemeinde Walkringen dem Verwaltungskreis Bern-Mittelland an.

(Quelle und weitere Informationen: Gemeinde Walkringen)

Splügen, rätoromanen, Walser, Bündner und seit 1803 Schweizer

Die Bevölkerung von Splügen (Kanton Graubünden) ist über die Jahrhunderte hinweg bemerkenswert stabil geblieben. Im Jahr 1690 betrug die Einwohnerzahl 360 (zur Zeit des Grauen Bundes, als einer der drei Bünde des Freistaats der drei Bünde), im Jahr 1900 zählte das Dorf 373 Einwohner und heute rund 380.

Im Jahr 840 wird das Dorf als Speluca, Spleia in romanischer Sprache bezeichnet. Das Dorf liegt an der Via Mala im Rheinwald, dem Einzugsgebiet des Hinterrheins, und an der Strasse zum und vom Splügenpass und dem San Bernardino Pass.

Lange Zeit war das Kloster Pfäfers der grösste Grundbesitzer in dieser Region. Dann gab es lokale Herrschaften wie die Herren von Vaz und die Grafen von Werdenberg-Sargans. Bis zum Ende des 13. Jahrhunderts war Splügen ein romanisches Dorf. Gegen Ende dieses Jahrhunderts liessen sich auch die Walser in diesem Dorf nieder.

Im 15. Jahrhundert wurden die Säumerei und der übrige Güter- und Personenverkehr über die Pässe immer wichtiger. Aus diesem Grund errichteten die Herren von Vaz bei Splügen eine Burg.

Nach dem Übertritt zum protestantischen Glauben und der Gründung des Freistaats der Drei Bünde im Jahr 1524 erhielt das Dorf 1530 den Status einer selbständigen Gemeinde. Die heutige Kirche stammt aus dem Jahr 1689.

In den Jahren 1799 und 1780 besetzte eine französische Armee das Dorf im Rahmen des Feldzugs gegen den russischen General Suworow und die Österreicher. Über den Splügenpass führte  eine wichtige Route für Militärtransporte.

Nach der Eröffnung der Gotthardbahn im Jahr 1882 verlor das Dorf an Bedeutung. Die Eröffnung des San Bernardino Tunnels bot jedoch neue Perspektiven, ebenso wie der aufkommende Tourismus.

Das Rätoromanische war zu jener Zeit in dieser Gegend schon fast verschwunden. Nur wenige Einwohner sprechen heute noch das sutselvanische Idiom. Das tut der Schönheit des Hinterrheins, des Rheinwaldes, der Via Mala, der Natur und des Dorfes, nicht weit entfernt vom Safiental, aber keinen Abbruch.

(Quelle und weitere Informationen:  Gemeinde Rheinwald)

Hinterrhein

Albert Hofmann und LSD

Am Freitag, dem 16. April 1943 hatte der Chemiker Albert Hofmann (1906-2008) in der Firma Sandoz in Basel ein aussergewöhnliches Erlebnis. Er hatte jahrelang vergeblich nach einem durchblutungsfördernden Mittel geforscht.

An diesem Tag hatte er jedoch eine kleine Menge Lysergsäure Diatylamin eingenommen. Er halluzinierte, balancierte am Rande des Wahnsinns und empfand am Ende höchste Glückseligkeit.

Am 19. April wiederholte er das Experiment mit den gleichen Effekten: Halluzinationen, Schwindel, Unruhe, gefolgt von Ruhe und Glücksgefühlen. Er hatte das LSD (Lysergsäure Diatylamin) erfunden.

LSD kam 1949 als Medikament in der Psychotherapie auf den Markt, um psychische Leiden zu erleichtern. In den 1960er Jahren bekam die Droge jedoch eine andere Bedeutung, zuerst in der Hippie-Szene in Amerika mit dem Durchbruch auf dem Woodstock-Festival 1969, später in Europa.

LSD wurde zum Symbol der Anti-Establishment-Bewegung. Die Droge war zu einem süchtig machenden Mittel geworden, mit all dem Elend, das damit verbunden ist. In Amerika und später in Europa wurde LSD bald verboten.

Hofmann war einerseits stolz auf seine Erfindung als Medikament in der Psychotherapie. Er war jedoch schockiert und unvorbereitet auf den Missbrauch ab den 1960er Jahren.

Er muss auf seinen Spaziergängen im französisch-schweizerischen Jura in seiner halluzinatorischen, schönen Heimat bei Burg im Leimental (Kanton Solothurn) oft daran gedacht haben.

Korrektorin: Petra Ehrismann

Die Villa von Albert Hofmann bei Burg

Monument auf der Rittimatte  für Albert Hofmann (1906-2008) und seine Frau Anita Hofmann-Guanella (1913-2007)

Albert Hofmann Bank an der Grenze mit Frankreich

Burg, 11. Jahrhundert

Der Remeltturm oder der Rämelturm, 832 m.ü. M. 

Biederthal (Das Elzass)

Bättwil (kanton Solothurn) 

Ettingen (Kanton Basel-Landschaft)

Die Flühmühle in Flüh

Flüh (Kanton Solothurn), Das kleine Dorf mit den vielen Restaurants wegen des Klosters  Mariastein.

Rodersdorf (Kanton Solothurn)

Der Ständerat

Das parlamentarische System besteht aus zwei Kammern. Dieser Artikel konzentriert sich auf den Ständerat (Kantonskammer, Zweite Kammer, Kleine Kammer, Senat, Chambre de Réflexion).

Auf die andere Kammer, den Nationalrat, wird im nächsten Artikel eingegangen. In diesem Beitrag wird ein kurzer Rückblick auf die Geschichte, die Rolle im Verfassungssystem und die Funktionsweise des Ständerats gegeben.

Geschichte

Als 1848 die neue Verfassung geschrieben wurde, war es nicht selbstverständlich, dass der Ständerat geschaffen werden würde. Er verdankt seine Existenz vor allem dem Sonderbundskrieg von 1847.

In diesem letzten (Bürger-)Krieg auf Schweizer Territorium wandten sich die katholisch-konservativen Kantonen (Uri, Schwyz, Unterwalden, Wallis, Zug, Luzern und Freiburg) gegen die liberalen protestantischen Kantone (unter der Führung von Bern, Basel und Zürich) der Eidgenossenschaft (Waadt und Neuenburg waren neutral).

Die Schweiz war 1848 noch nicht die Dienstleistungs- und Industrienation, die sie in den folgenden Jahrzehnten werden sollte. Der Schweizer Bürgerkrieg forderte eine geringe Zahl von Opfern und umfasste nur wenige Kriegstage, was unter anderem auf die versöhnliche Haltung der Sieger zurückzuführen ist.

Nach diesem Bürgerkrieg wuchs die Einsicht, dass die Verlierer, die Minderheit der (katholischen) ländlichen Kantone, ebenso wie die sprachlichen Minderheiten (Französisch und Italienisch, Rätoromanisch wurde erst 1938 als vierte Sprache anerkannt) eine wirkliche Stimme in der Eidgenossenschaft haben mussten: Das eidgenössische (kantonale) Gegengewicht zum repräsentativen Nationalrat, das von der männlichen Bevölkerung in allgemeinen Wahlen gewählt wurde.

Funktionieren

Für die fünfundzwanzig Kantone gab es 44 Sitze. Zwei Sitze für die neunzehn Kantone und je einen Sitz für die (Halb-)Kantone Basel-Stadt, Basel-Landschaft, Appenzell Innerrhoden, Appenzell Ausserrhoden, Obwalden und Nidwalden. Der neue Kanton Jura verfügt seit 1979 über zwei Sitze, womit sich die Gesamtzahl auf 46 erhöht.

Jeder Kanton, unabhängig von Bevölkerung, Glauben, Sprache oder Wohlstand, hat im Rat die gleiche Stimme. Das ist das föderale Gegenstück zum System der proportionalen Verteilung (Proporzwahlsystem) der (zweihundert) Sitze im Nationalrat.

Männer und Frauen wählen heute den Ständerat direkt nach dem Wahlgesetz jedes Kantons (nach dem Majorzsystem, ausser im Waadtland und in Neuenburg, wo es ein Proporzsystem gibt).

Die Wähler*innen stimmen über die Mitglieder der politischen Parteien ab, welche meistens denen der Nationalratswahlen gleichen. Der Ständerat basiert auch auf dem Milizsystem. Der Trend geht jedoch auch mehr zu Berufspolitikern. Jeder Kanton hat unabhängig von Religion, Einwohnerzahl oder Wirtschaft die gleiche Stimme.

Der Ständerat garantiert den Föderalismus und die Stimme der Kantone und ihrer Einwohner*innen. Dieses Institut ist in Europa keine Ausnahme. Viele Länder haben eine vom Nationalrat getrennte Kammer.

Ständerat und Nationalrat

Was die Schweizer Variante in Europa jedoch einzigartig macht, ist ihre absolute legislative und politische Äquivalenz zu dem Nationalrat. Die Gleichberechtigung bezieht sich auch auf alle Finanzfragen, die Oberaufsicht über den Bundesrat, die Bundesverwaltung und die föderalen Gerichte.

Der Ständerat hat das Initiativrecht, ist von Anfang an aktiv an jedem Gesetzgebungs- und Entscheidungsprozess beteiligt und muss jedem Wort zustimmen.

Der Ständerat ist in der Tat das föderale Pendant zum repräsentativen Nationalrat. Ob der Ständerat die Erwartungen der Stifter im politischen Leben erfüllt, ist eine Frage, die in folgenden Artikeln diskutiert werden soll.

Der Ständerat tagt getrennt vom Nationalrat (ausser bei der Wahl der Regierung, der Bundesrichter/-beamten und in Kriegszeiten des obersten Befehlshabers (General) der Streitkräfte).

Beide Gremien treffen sich vierteljährlich im Bundeshaus in Bern. Bundesgesetze können verfassungsrechtlich nicht durch den (höchsten) Richter überprüft werden. Beide Gremien treffen sich vierteljährlich im Bundeshaus in Bern.

Die parlamentarischen Instrumente des Ständerats werden im Artikel über den Nationalrat besprochen, weil sie exakt identisch sind.

Der Ständerat kann der Initiator einer Gesetzgebung sein oder sich als erster mit einem Vorschlag oder Beschluss der Regierung befassen. Er fungiert somit als Erstrat oder aber Zweitrat, wenn der Nationalrat in dieser Hinsicht der Erste ist.

Die Präsidenten des Ständerats und des Nationalrats stellen die Ordnung auf. Der Ständerat hat in den letzten Jahrzehnten einen kleinen Vorsprung gegenüber dem Nationalrat erhalten und ist in 55% der Fälle als Erstrat tätig.

Beide Kammern müssen sich über jeden Buchstaben und jedes Komma völlig einig sein. Im Falle einer Uneinigkeit gibt es zunächst ein Differenzbereinigungsverfahren, ein Verfahren zur Erzielung einer Einigung mit maximal drei aufeinanderfolgenden Bemühungen.

In der Regel gelingt es ihnen, die Differenzen zu überbrücken. Ist dies nicht der Fall, ist eine Einigungskonferenz das letzte Mittel zur Einigung. Dreizehn Mitglieder jedes Gremiums diskutieren, schliessen einen Kompromiss und kommen fast immer zu einer Einigung.

Es ist das Ende der Gesetzgebung, wenn sie scheitert, was selten geschieht. Diese langwierigen Konsultationen sind notwendig, weil die direkte Demokratie/das Volk immer immer da ist.

In beiden Gremien gibt es neun Kommissionen, die mit dem Bundesrat, Experten, Departemente und (Interessen-)Organisationen zusammenarbeiten, sowie zwei Kommissionen der (Finanz-)Aufsicht.

Beide Organe wählen einen Präsidenten und einen Vizepräsidenten für eine Amtszeit von maximal einem Jahr.

Verhältnis zu den Kantonen

Das politische Verhältnis zu den Kantonen, den Kantonsregierungen und den Kantonsparlamenten wird in weiteren Artikeln thematisiert. Die Mitglieder des Ständerates stimmen ohne Instruktion der Kantone (Instruktionsverbot), sondern als unabhängige Mitglieder eines Bundesorgans.

Ein Problem innerhalb des Ständerats war jedoch lange die Kommunikation und Zusammenarbeit zwischen den Kantonen, die so unterschiedlich und in vielerlei Hinsicht unabhängig sind. Es wurde beklagt, dass die Ständeratsmitglieder eher unabhängige Bundespolitiker als Vertreter der Kantone seien.

Als Folge davon hätten die Kantone oft zu wenig, zu spät und zu begrenzten Einfluss auf den nationalen Gesetzgebungsprozess. Um diese Lücke zu schliessen, wurde 1993 das Haus der Kantone (Maison des Cantons, Casa dei Cantoni oder Chasa dals Chantus)  gegründet – mit Erfolg. Der KdK erwies sich als ausgezeichnetes Mittel zur Behebung dieses Mangels.

Fazit

Der Ständerat nimmt im Gesetzgebungs- und Entscheidungsprozess sowie bei der Kontrolle der Regierung und ihrer (sieben) Departemente eine wichtige politische Stellung ein.

Der Ständerat spielt heute eine gleichwertige oder sogar stärkere politische Rolle als der Nationalrat. Seine politische Bedeutung und sein Ansehen zeigen sich auch an der Zahl der ehemaligen Nationalratsmitglieder, die einen Sitz im Ständerat haben. Das Gegenteil ist kaum mehr der Fall.

Wie jedes demokratische System weist  auch dieses System Mängel und Lücken auf. Unbestritten ist jedoch, dass dieses Bundesorgan eine unverzichtbare Rolle im parlamentarischen System und im Zusammenhalt der multikulturellen Gesellschaft spielt.

Es zeigt einmal mehr den Wert des Funktionierens der (direkten) Demokratie in der Schweiz.

Kloster Werthenstein

Der Bischof von Konstanz weihte 1520 eine erste Wallfahrtskapelle im Dorf Werthenstein (Kanton Luzern) an der Emme ein. Stilistisch ist der Kirchenbau vom Übergang der Spätgotik zur Renaissance geprägt.

Die Entstehung des Wallfahrtsortes beschrieb Niklaus Ratzenhofer (1600-1649) in seinem Buch „Kurtze Erzehlung dess Ursprungs und Wunderzeichen des Gotteshauses unserer lieben Frawen zu Werdenstein„(1618).

Ein holländischer Goldwäscher hatte um 1500 an der Emme sein Nachtlager aufgeschlagen. Dort hörte er „Ein gar herrliches, lieblichs und süesses Gesang und er sah einen schönen Glanz von vilen hellen Liechetern„. Er Hängte ein Bild der Muttergottes auf.

In den folgenden Jahren gelangten immer mehr Erzählungen über Heilungen im Umlauf und der Zustrom von Pilgern nahm schnell zu. Die Luzerner Regierung beschloss daraufhin den Bau einer Kapelle.

Die bekannte Marienstatue, eine holzgeschnitzte Pietà, kam 1528 an den Wallfahrtsort. Ursprünglich stand sie in der Kapelle Frybach in der Nähe von Huttwil (Kanton Bern). Nachdem sich 1528 der Kanton Bern zur Reformation bekennt, rettete man das Gnadenbild nach Werthenstein. Damit erlebte die Wahlfahrt einen grossen Aufschwung.

1616 erfolgte die Einweihung der heutigen barocken Kirche. Der Bischof von Konstanz weihte 1621 den neuen Kreuzaltar sowie die beiden Rundkapellen beim Haupteingang ein. Den Kreuzaltar ermöglichte ein Geschenk des französischen Königs Ludwig XIII (1601-1643). Die Gebrüder Christoph und Hans Ludwig Pfyffer stifteten die zwei Rundkapellen.

Das Geschenk des französischen Königs unterstrich die guten Beziehungen zwischen den (katholischen) Kantonen der Eidgenossenschaft auf der Grundlage des Ewigen Friedens von 1516 und den vielen Schweizer Söldnern in französischen Diensten.

Die Quelle des späteren «Gnadenbrünnelis» wurde 1634 entdeckt. Sie befindet sich am Aufstiegsweg von der hölzernen Brücke über die Emme zur Kirche. Bald kursierten viele Geschichten über die vielen Wunderheilungen durch die Quelle und immer Pilger besuchten den Ort.

Die Franziskaner zogen 1636 in das neu errichtete Klostergebäude ein. Im 17. bis zum Beginn des 18. Im Jahrhundert erlebte die Wallfahrt ihre Hochblüte mit jährlich bis zu 80.000 Pilgern. Zwischen Friedhof und den massiven Klostermauern liegt noch immer der Klostergarten.

Am Ende des 18. Jahhunderts nahm der Pilgerstrom jedoch rapide ab und die Luzerner Regierung hob 1838 das Kloster Werthenstein endgültig auf. Ein grosser Teil der Ausstattung wurde versteigert und die Räume dienten als Taubstummenanstalt.

Das Kloster ist heute eine Pfarrei. Die Räumlichkeiten werden auch vermietet für Veranstaltungen und es besteht eine Übernachtungsmöglichkeit für Pilgernde, die auf dem vorbeiführenden Jakobsweg unterwegs sind.

Der Komplex ist umgeben von Wasserfällen (dem Sulzigbachfall, dem Stäubligbachfall und den Bielbachfällen) und schönen Wanderwegen.

(Quelle und weitere Informationen: Kloster Werthenstein)

Fondation Beyeler in Riehen und die Gründer Ernst und Hildy Beyeler

Als einer der führenden Galeristen seiner Zeit legte Ernst Beyeler (1921-2010) gemeinsam mit seiner Frau Hildy (1922-2008) eine der weltweit bedeutendsten Sammlungen moderner Kunst an, die seit 1997 in der von Renzo Piano entworfenen Fondation Beyeler in Riehen (Kanton Basel-Stadt) beheimatet ist.

Bäumleingasse  9 in Basel, die Galerie (1945-2010) 

Die Sammlung umfasst heute rund 400 Werke von Künstlerinnen und Künstlern des 19., und 20. und 21. Jahrhunderts. Sie reicht von Malerei, Zeichnung und Skulptur über Installationen bis hin zu Fotografie und Film.

Spalenberg, Basel, das Sperber-Kollegium und ‚die Ehrespalebärglemer‘

Den Auftakt des Jubiläumjahres bildete eine grosse Retrospektive zu «Georgia O’Keeffe» (23. Januar–22.Mai), gefolgt von der Bild-Klang-Installation Lineage for a Phantom Zone  (13. Februar – 13. März 2022) der amerikanischen Künstlerin Sondra Perry und der Sommer-Ausstellung «Mondrian» (5. Juni – 9. Oktober 2022).

Die Ausstellung Passagen – Landschaft, Figur und Abstraktion (12. Februar – 14. August 2022) zeigte das Wechselverhältnis von Figuration und Abstraktion in der modernen Kunst und machte dies anhand von Gemälden und Skulpturen des Impressionismus, der klassischen Moderne und der Gegenwartskunst anschaulich.

Die Fondation beschliesst das Jahr mit ihrer bisher grössten Sammlungsausstellung (30. Oktober 2022 – 8. Januar 2023). Sie bringt viele der Hauptwerke der Sammlung zusammen. Rund 100 Werke von 31 Künstlerinnen und Künstlern werden präsentiert.  Dabei werden Hauptwerke etwa von Vincent van Gogh, Claude Monet, Pablo Picasso, Henri Matisse, Alberto Giacometti, Mark Rothko, Andy Warhol und Louise Bourgeois zu Positionen von Gegenwartskünstler:innen wie Marlene Dumas, Felix Gonzalez-Torres, Tacita Dean und Rachel Whiteread in Beziehung gesetzt.

Die Ausstellung bietet die Gelegenheit, die Sammlung der Fondation in ihrer Qualität und Tiefe zu erleben.

Diese Ausstellung wird durch die Integration hyperrealistischer Skulpturen des bedeutenden US-amerikanischen Künstlers Duane Hanson (1925–1996) bereichert.

Joan Miró (1893-1983), Oiseau lunaire, 1966  (Sammlung Beyeler) und Duane Hanson, Künstler mit Leiter, 1972.

Parallel zur Sammlungsausstellung zeigt die Fondation Palimpsest bis  Januar 2023 ein Ausstellungsprojekt der kolumbianischen Künstlerin Doris Salcedo.

Erweiterung

Die Fondation hat kürzlich den benachbarten Islein-Weber-Park erworben. Diese Erweiterung wird zwei Parks und Gärten miteinander verbinden. Zudem werden drei neue, den (Dorf-)Häusern von Riehen angepasste Gebäude die Anlage vervollständigen: eine Galerie für Kunst, ein Pavillon für Veranstaltungen und ein Gebäude für die Verwaltung.

Die Grösse der Parks wird sich verdoppeln und die neuen Gebäude werden sich wieder harmonisch in die natürliche Umgebung einfügen.

(Quelle und weitere Informationen: www.fondationbeyeler.ch).

Mark Rothko (1903-1970). Ohne Titel, 1968, Sammlung Beyeler. Duane Hanson. Altes Paar auf einer Bank, 1994

Henri Rousseau (1844-1910). Der hungrige Löwe wirft sich auf die Antilope (1898-1905). Sammlung Beyeler. Duane Hanson. Spielende Kinder, 1979.

Anselm Kiefer (* 1945). Dein und mein Alter und das Alter der Welt, 1997. Sammlung Beyeler. Duane Hanson, Mittagspause, 1989. 

Paul Cézanne (1839-1906), Madame Cézanne à la chaise jaune, 1888-1890. Sammlung Beyeler. Duane Hanson. Alte Dame auf dem Klappstuhl, 1976.

Plakat der Ausstellung. Vincent van Gogh (1853-1890), Champ aux meules de blé, 1890 (Sammlung Beyeler) und Duane Hanson. Künstler mit Leiter, 1972.

Eindrücke vom Museumskomplex

 

Der Garten

Die Umgebung

Guillaume Henri Dufour und die Schweiz

Guillaume Henri Dufour (1787–1875) hat die Schweiz versöhnt. Er ist der legendäre Befehlshaber im Bürgerkrieg von 1847. Sein Respekt gegenüber den Truppen des Sonderbunds und der Zivilbevölkerung ist beispielhaft.

Auch in späteren Konfliktsituationen mit ausländischen Mächten steht er an der Spitze der Schweizer Armee und sorgt als Integrationsfigur für die Einigkeit des Landes.

Er propagierte auch die bewaffnete Neutralität als Voraussetzung für die Unabhängigkeit. Als Ingenieur realisierte er wegweisende Infrastruktur- und Befestigungsbauten. 1832 begann er sein grosses Werk: die Topographische Karte der Schweiz.

Diese Pionierarbeit ging als Dufourkarte in die Geschichte ein. Seine Humanität spiegelt sich im Internationalen Roten Kreuz (IKRK). Er war einer der fünf Mitbegründer des Internationalen Komitees der Hilfsgesellschaften für die Verwundetenpflege und dessen erster Präsident.

Das vom Autor Joseph Jung herausgegebene Werk bietet neue Erkenntnisse zu Dufours Leben und Wirken, zum Sonderbundskrieg, zur Neutralitätspolitik und zur Kartografie. Aus verschiedenen Blickwinkeln beleuchten Fachleute erstmals in dieser Prägnanz und Vielseitigkeit die Leistungen dieses Wegbereiters der modernen Schweiz im historischen Kontext und mit Blick auf die Gegenwart.

J. Jung (Hrsg), Einigkeit, Freiheit, Menschlichkeit. Guillaume Dufour als General, Ingenieur, Kartograf und Politiker, Zürich 2022

Das Wahlsystem

Einleitung

Direkte Demokratie, Föderalismus und ein einzigartiges politisches System mit direkt gewählten Mitgliedern der Exekutive (Regierung) in Kanton und Gemeinde sind die Grundlage für die politische Stabilität des Landes.

Auf allen drei Ebenen, Gemeinde, Kanton und Bund, gilt zudem das Prinzip der Kollegialität: Die Regierung spricht mit einer Stimme.

Die Regierung kann nie vom Parlament abgesetzt werden; andererseits kann die Regierung keine vorgezogenen Wahlen ausrufen oder das Parlament auflösen.

Das Konkordanzsystem und die Zauberformel der nationalen Regierung bedeuten, kurz gesagt, dass die sieben Mitglieder nach einer festen Sitzverteilung pro Partei ernannt werden.

Sie spiegelt das politische Kräfteverhältnis über einen längeren Zeitraum wider. Ein grosser Wahlsieg einer neuen Partei führt nie sofort zu ihrer Aufnahme in die Regierung. Zunächst muss diese Partei ihre Stabilität und Nachhaltigkeit unter Beweis stellen.

Die sieben Sitze werden auf die vier grössten Parteien verteilt: 2-2-2-1, wobei manchmal eine Partei auf Kosten der anderen verliert. Letztlich stimmt aber die vereinigte Bundesversammlung über die Personen.

Das Wahlsystem

Ebenso entscheidend für die politische Stabilität ist aber auch das Wahlsystem. In der Schweiz gibt es zwei parallele Systeme: das Majorzsystem oder die absolute Mehrheit der Stimmen pro Kandidat und das Proporzsystem, das auf der Anzahl der Stimmen basiert, die eine Partei erhält.

Die Volksvertretung in der Gemeinde, im Kanton oder auf nationaler Ebene wird in den meisten Fällen (nicht in allen, siehe unten) nach dem Proporzsystem gewählt.

Der Ständerat wird jedoch pro Kanton auf der Grundlage des Majorzsystems gewählt. Pro Kanton gibt es zwei Sitze, nur Basel-Stadt, Basel-Landschaft, Obwalden, Nidwalden, Appenzell Innerrhoden und Appenzell Ausserrhoden haben jeweils nur einen Sitz (insgesamt 46 Sitze).

Die Regierungen der Gemeinden und Kantone (in der Regel 5-7 Mitglieder) werden nach dem Majorzsystem mit Ausnahme von den Kantonen Neuenburg und Jura (Proporzverfahren) direkt gewählt.

Die Vorteile

Das Proporzsystem stellt die Parteien in den Mittelpunkt. Das politische Profil ist stärker ausgeprägt und kleinere Parteien haben ebenfalls eine Chance.

Diese politische Profilierung ist bei einer absoluten Mehrheitswahl zwischen Kandidaten (nicht Parteien) weniger ausgeprägt. Es handelt sich um Einzelpersonen (die Mitglied einer Partei sind), die sich aber direkt den Wählern präsentieren müssen.

Sie können sich nicht hinter der Partei verstecken. Die Bindung zwischen Wähler und Kandidat ist viel stärker als bei anonymen Parteien.

Im Majorzsystem sind Mehrheiten mit reiner Ideologie nicht leicht zu erreichen. Man muss moderat sein, um Wähler aus der Mitte zu gewinnen. Letztlich geht es um die absolute Mehrheit. Das setzt die Bereitschaft zu Kompromissen voraus.

Es verhindert auch die Zersplitterung in zahlreiche kleine Parteien und es gibt den Regierungen Stabilität.

Das Wahlsystem bedeutet, dass das Parlament nach dem Proporzsystem gewählt wird; die Regierung durch die Wahl der absoluten Mehrheit für jeden Kandidaten.

Die Regierungen der Gemeinden und Kantone sind immer direkt mit den Wählern verbunden. Die Parlamente verbinden sich mit den Parteien.

Die Wahlkreise

Die Kantone organisieren die Wahlen für den (nationalen) Ständerat und das Parlament und die Regierung des Kantons.

Die Wahl der Regierung (5 oder 7 Mitglieder) und der 2 (oder 1) Mitglieder des Ständerats pro Kanton findet in Wahlkreisen statt.

Der Kanton wird in Wahlkreise eingeteilt, wobei in mehrsprachigen Kantonen auch auf die Repräsentativität geachtet wird.

Bei der Wahl der Parlamente gilt das Proporzsystem. Eine Reihe von Kantonen, darunter Schwyz, Graubünden, Appenzell Ausserrhoden und Appenzell Innerrhoden, hat jedoch Wahlkreise mit dem Majorzsystem.

Das Bundesgericht hat entschieden, dass dies in einigen Fällen nicht mit der Demokratie vereinbar ist. Die Bedingung der demokratischen Wahlen ist in diesem Fall nicht erfüllt (Art. 51-1 Bundesverfassung).

Jede Stimme hat den gleichen Wert und muss daher zählen. Aus diesem Grund hat das Bundesgericht am 26. September 2014 (Appenzell Ausserrhoden) und am 26. September 2019 (Graubünden) entschieden, dass das Majorzsystem in einigen Wahlkreisen die Wählerinnen und Wähler nicht ausreichend repräsentiert.

Ein Majorzsystem in einem Wahlkreis ist möglich, aber nur unter bestimmten Bedingungen (z.B. wenig Einwohner, geringe Bedeutung der politischen Parteien).

Aus diesem Grund führt Graubünden für die Parlamentswahlen 2022 ein neues System ein. Dieses System wurde am 13. Juni wurde in einer Volksabstimmung angenommen.

Schlussfolgerung

Das Wahlsystem auf Bundes-, Kantons- und Gemeindeebene ist in allgemeiner Form diskutiert worden.

Parlamente, die auf dem Proporzsystem basieren, geben jedem Bürger und jeder Bürgerin eine Stimme, die zählt. Das ist der Sinn einer Volksvertretung.

Anders ist es bei der Regierung und dem Ständerat. Der Wähler schaut zuerst auf die Person. Das Majorzsystem basiert darauf, dass „der Beste gewinnen möge“. Es gibt auch eine starke Verbindung zwischen den Wähler*innen und den Politiker*innen.

Das Bundesgericht beaufsichtigt die Kantone, damit sie nicht mit den Wahlkreisen feilschen.

Das Wahlsystem ist ein relativ gut funktionierendes Konstrukt  aus Direktwahlen für Einzelpersonen für die Regierung und durch Parteien für das Parlament.

Quelle: U. Häfelin, W. Haller, H. Keller, D. Thurnherr, Schweizerisches Bundesstaatsrecht, Basel 2020); A. Auer, Staatsrecht der schweizerischen Kantone, Bern, 2016).

Korrektorin: Melinda Fechner

Der Wolf, der Biber und der Mensch

In einigen Kantonen, darunter im Tessin, im Wallis und in Graubünden, ist der Wolf in aller Munde. Auf nationaler Ebene ist er sogar Gegenstand einer Volksabstimmung. Der Mensch hat den Wolf jahrhundertelang gejagt und bis vor kurzem war er aus dem Land verschwunden.

Seit ein paar Jahren ist er jedoch zurückgekehrt. Bekanntlich ist der Wolf ein Fleischfresser, was seine Beliebtheit nicht gerade steigert und zu hitzigen Debatten in der Gesellschaft führt.

Aber auch Vegetarier sorgen für Kontroversen und Diskussionen in der Gesellschaft. Ein Beispiel ist der Biber in Auvernier (Gemeinde Milvignes, Kanton Neuenburg). Übrigens macht der französische Name “Castor“ dem Tier mehr Ehre als “Biber“. Castor (sein wissenschaftlicher Name ist Castor fiber) leitet sich vom lateinischen Wort castrare ab, was so viel wie schneiden bedeutet.

Mit seinen rasiermesserscharfen Zähnen vermag er  Bäume zu fällen. Seine Zähne sind orange-gelb, was auf den Eisengehalt im Zahnschmelz zurückzuführen ist. Weide, Pappel, Erle, Kirsche und andere Weichhölzer sind seine bevorzugten Holzarten.

In Auvernier am Ufer des Neuenburgersees halten sich seit einigen Jahren Biberkolonien auf, zunächst zur Freude der Anwohner. Allmählich beginnt sich ein Teil der Bevölkerung jedoch über das Verschwinden der vielen Bäume Sorgen zu machen.

Der Biber ist ein geschütztes Tier und hat keine natürlichen Feinde. Ausserdem gibt es jedes Jahr zwei Wellen von Geburten. Kurzum, die Gemüter sind auch an den Ufern des Neuenburgersees erhitzt, und zwar so sehr, dass die Gemeinde einen Aufruf veröffentlicht hat, um eine Form der Koexistenz (cohabitation) zu finden.

Korrektorin: Eva Maria Fahrni