Die Mehrsprachigkeit der Schweiz

„Die Sprachen sind nicht neutral. Sie verkörpern Kulturen, sie prägen Mentalitäten, sie schaffen Affinitäten, sie vermitteln Empfänglichkeiten, sie drücken Empfindsamkeiten aus, sie vermitteln Argumentations-, Denk- und Lebensweisen, und sie beeinflussen und bestimmen auch die Auffassung, die die Bürger von der Rolle des Staates im Verhältnis zum Einzelnen und zur Gesellschaft haben“ (José Ribeaud, La Suisse plurilingue se délingue. Plaidoyer pour les quatre langues nationales suisses, Neuchâtel, 2002).

Die vier Landessprachen

Die Schweiz ist das einzige Land in Europa, in dem es vier Landessprachen gibt: Italienisch, Deutsch, Französisch und Romanisch. Im europäischen Sprachen- und Kulturlabyrinth nimmt die Schweiz mit ihrer relativ kleinen Fläche (41 000 Quadratkilometer) damit eine einzigartige Stellung ein.

Es gibt mehr als 5 Millionen Deutschsprachige (die vielen Dialekte des Schwyzerd(t)ütsch sind meist Alltagssprache), mehr als 1,5 Millionen Französischsprachige in der Romandie und den zweisprachigen Kantonen Wallis, Bern und Freiburg, 350 000 Italienischsprachige im Tessin und in Graubünden und etwa 50 000 Romanischsprachige in Graubünden. Hinzu kommt ein grosses Kontingent von Ausländern.

Föderale Ebene

Drei Sprachen wurden 1848 in der Bundesverfassung als Amtssprachen anerkannt, 1938 kam die romanische Sprache dazu. Bis zur höchsten föderalen Ebene und der Zusammensetzung der Regierung spielen die Sprachen bei Ernennungen, Debatten und öffentlichen Auftritten eine Rolle.

Im Allgemeinen beherrschen Beamte und Parlamentarier auf Bundesebene mindestens zwei Sprachen, nämlich Deutsch und Französisch und/oder Italienisch.

In der Volksversammlung (Nationalrat) verwenden die 200 Mitglieder eine der drei Sprachen. Oft wird im Parlament direkt in der eigenen Sprache debattiert, ohne die Hilfe der anwesenden Simultandolmetscher in Anspruch zu nehmen.

Auch im Ständerat sprechen die Mitglieder in ihrer eigenen Sprache und ohne Simultanübersetzer.

Alle Gesetze oder Vorschläge der Regierung (Bundesrat) liegen in den drei Sprachen vor (und manchmal auf Romanisch, wenn es sich um romanischsprachige Gebiete handelt).

Die offiziellen Parlamentsdokumente erscheinen hauptsächlich auf Deutsch und Französisch. Natürlich gibt es Verbesserungsmöglichkeiten, aber im Allgemeinen funktioniert die Mehrsprachigkeit auf Bundesebene gut.

Die Kantone

Auch in den Kantonen gibt es Diskussionen über den Sprachunterricht. Ist Englisch in deutschsprachigen oder französischsprachigen Kantonen wichtiger als Französisch oder Deutsch? Italienisch wird ohnehin kaum diskutiert. Das gilt zum Beispiel auch für Regionen in Graubünden, wo Romanisch und Deutsch die Hauptsprachen sind. In vier Gebieten ist Italienisch, aber die Muttersprache. Deutsch ist als Zweitsprache immer obligatorisch, nicht aber Französisch oder Romanisch.

Besorgniserregend sind die (abnehmenden oder fehlenden) Kenntnisse anderer Sprachen bei den Bürgerinnen und Bürgern und vor allem bei den Jugendlichen. Englisch wird manchmal zur Kommunikationssprache zwischen ihnen.

Immer weniger junge Menschen beherrschen andere Landessprachen. Der (begrenzte) Schüleraustausch findet vor allem zwischen der französischen und der deutschen Schweiz statt und kaum mit dem italienischen oder romanischen Sprachraum.

Fazit

Auch in der traditionell mehrsprachigen Schweiz sind harmonische Koexistenz und Integration keine Selbstverständlichkeit. Die verfassungsrechtlichen, pädagogischen, lokalen Strukturen und die Mentalität bedürfen weiterhin der Aufmerksamkeit.

Korrektorin: Petra Ehrismann

Suchard und Neuenburg

164 Jahre lang wurde das Tal von Serrières (Gemeinde Neuchâtel) mit Kakaodüften erfüllt. Das Buch (auf Französisch) ist eine Einladung, die Geschichte der berühmten Neuenburger Schokoladenfabrik (wieder) zu entdecken und das Tal von Serrières in Neuchâtel zu erkunden.

Boudry. Geburtshaus Suchard

Es sind die Farbe Lila und die Milka-Kuh, die das Auge mit einer Tafel Milchschokolade verbindet, da es zu Beginn des 20. Jahrhunderts gelungen ist, die Marke zu etablieren.

Die Geschichte der Schokoladenfabrik, die vom kleinen Familienunternehmen zum multinationalen Konzern aufstieg, war geprägt von Höhen und Tiefen, visionären Strategien und verpassten Chancen, aber sie ist ein Stück Industriegeschichte ersten Ranges, das Neuchâtel neben der Uhrenindustrie weltweit bekannt gemacht hat.

(Claire Piquet, Un parfum de chocolat, sur les traces de Suchard à Neuchâtel, Neuchâtel, 2022).

Die Disputatio von Zürich, die Reformation und die Kappeler Milchsuppe

Am 29. Januar 1523 fand in Zürich ein damals einzigartiges Ereignis über die Reformation statt. Im Rathaus diskutierten sechshundert Geistliche, Theologen, Ratsherren und andere weltliche Würdenträger über den wahren Glauben. Der Grosse Rat hatte diese Versammlung einberufen.

Religion und Staat, Kirchenordnung und Gesetzgebung waren noch nicht getrennt. Die kirchliche Obrigkeit in Zürich mit dem Bischof von Konstanz (und dem Papst) war die höchste Instanz, auch in weltlichen Angelegenheiten.

Der Reichstag im Jahr 1530. In der mehrheitlich katholischen Versammlung wird von den protestantischen Reichsständen das neue Glaubensverkenntnis verlesen und dem Kaiser Karl V. übergeben. Sammlung: Dreiländer Museum Lörrach

Und nur die höchste religiöse Obrigkeit – dazu zählte auch der Kaiser des Heiligen Römischen Reiches – konnte Versammlungen mit Untertanen veranstalten (z.B. Karl V. (1500-1558) auf dem Reichstag zu Worms im Jahr 1521 und zu Baden im Jahr 1530 mit dem einzigen Ziel, Martin Luther (1483-1546) zur Einkehr zu bringen, ein erfolgloser Versuch).

Anton von Werner (1843–1915). Martin Luther und Karl V. in Worms Bild: Wikipedia

Die religiöse Wende begann mit dem Verzehr von Würstchen am 9. März 1522, also während der Fastenzeit. Dies verstiess nicht nur gegen die religiösen Gebote, sondern auch gegen das Gesetz. Zu den Wurstessern gehörte auch Huldrych Zwingli (1484-1531), ein Pfarrer am Zürcher Grossmünster. Nach Studien in Wien und Basel war Zwingli Pfarrer in Glarus und im Kloster Einsiedeln, bevor er 1519 nach Zürich kam.

Die Täuferbibel, exemplar von Heinrich Bullinger

Die erste Rätoromanische Bibel (Scuol, 1679). Die Schriftensammlung im Grossmünster besitzt neben zahlreichen Bibeldrucken auch eine Sammlung von Zürcher Reformationsschriften. Diese Sammlung an Bibeln und Schriften aus der Reformationszeit zeigt die Dauerausstellung „Getruckt zů Zürich“ mit dem Schwerpunkt Disputationen-Reformation im Kreuzfeuer. 

Er war Humanist und wollte die Kirche im Geiste des Erasmus von Rotterdam reformieren. Erasmus hielt sich lange Zeit in Basel auf und Zwingli stand mit ihm und anderen Gelehrten darüber in Kontakt.

Zwingli war ein Gegner des Ablasshandels, der für die Kirche und Rom sehr lukrativ war, ebenso lehnte er das Zölibat ab, die Heiligenverehrung, die Kirchensteuern, die päpstlichen Bullen, die Konzilien und die kirchliche Gesetzgebung sowie den übermässigen Reichtum und andere Missstände in der Kirche.

Grossmünster, Huldrych Zwingli

Zudem wollte er den Handel mit Schweizer Söldnern verbieten. Als Feldprediger erlebte er die Schlacht und die Niederlage der Eidgenossen bei Marignano (1515) und erfuhr das Elend des Krieges aus erster Hand.

Das Wurstessen war eine bewusste Provokation und passte zum Zeitgeist und den Unruhen in anderen Regionen, auch in Deutschland, wo Martin Luther 1517 in Wittenberg seine 95 Thesen verkündet hatte.  Was nicht zum Zeitgeist passte, war die von Bürgern geführte und initiierte Diskussion, die Disputatio.

Die Badener Disputation, 1526. Links der Theologe der katholischen Lehre Johannes Eck, rechts Johannes Oekolampad. Sammlung: Zentralbibliothek Zürich

Der Bischof von Konstanz und der Papst erklärten Zwingli und seine Anhänger zu Ketzern und hatten vor allem die Verbrennung auf dem Scheiterhaufen im Sinn, wie über hundert Jahre zuvor, 1415, Jan Hus noch erlebt hatte.

Der Grosse Rat von Zürich entschied jedoch anders, zum Teil aus Sympathie für Zwinglis Ideen und wegen der Aussicht, reiche Klöster und andere kirchliche Güter zu bekommen. Was auch immer die Beweggründe waren, am 29. Januar 1523 kamen alle Parteien zu Wort.

Es handelte sich zwar noch nicht um eine Demokratie im heutigen Sinne des Wortes, aber die Versammlung war typisch schweizerisch und einzigartig: An vielen Orten in der Schweiz herrschte die Überzeugung, dass das (männliche) Kollektiv über weltliche Staatsangelegenheiten entscheiden sollte und nicht eine einzelne Person (Papst, Bischof,  Fürst oder andere Adlige).

Zwingli gewann: Er durfte weiterhin seine Reform verkünden. Vom 26. bis 28. Oktober 1523 fand eine zweite Disputatio statt, bei der es um die Abschaffung von Statuen und anderer Heiligenverehrung ging. Auch hier gewann Zwingli. Zürich entschied sich für die Reformation.

Guillaume Farel (1489-1565), der Neuenburger Reformator

Die Disputatio in Zürich fand nachher in diesem Teil Mitteleuropas vielerorts Nachahmung. In den folgenden Jahren wechselten wichtige Schweizer Städte mit den dazugehörigen ländlichen (Untertan-)Gebieten zum anderen Glauben, darunter Bern, Basel, Baden, Schaffhausen, Chur, St. Gallen, Genf und Neuenburg.

Die alte Eidgenossenschaft von 13 Kantonen blieb bestehen, aber die Kantone waren untereinander in ein katholisches und ein protestantisches Lager geteilt, und auch innerhalb der Kantone, Städte und Dörfer gab es katholische und protestantische Gemeinden. Dies führte zu relativ kleinen Bürgerkriegen in den Jahren 1529 und 1531 (Kappelerkriege), 1656 und 1712 (Villmergerkriege) und schliesslich 1847 zum Sonderbundskrieg.

Albert Kaufmann, Aquarell über Bleisitft, 1843, Die Kappeler Milchsuppe. Sammlung: Dreiländer Museum Lörrach. 1529 kommt es in Kappel am Albis (Kanton Zürich) zum Krieg der Reformierten gegen die Katholiken. Während der Friedensverhandlungen treffen sich gegnerische Truppen einvernehmlich bei einer Milchsuppe. Im Frieden von 1532 wird festgelegt, dass jeder Ort über die Konfession selbst bestimmen darf. Das Ereignis der „Kappeler Milchsuppe“ ist bis heute ein Symbol der Schweizer Identität.

Doch trotz dieser Spannungen und (kleineren) Bürgerkriege herrschten Kompromisse und Toleranz. Das protestantische Bern und das katholische Freiburg blieben Verbündete. Das kleine katholische Dorf Arlesheim bei Basel war 1679 Sitz der Domherren des 1529 nach Porrentruy vertriebenen Basler Bischofs. Der (kritische) Katholik Erasmus wurde 1536 im protestantischen Münster begraben, nicht weit von der letzten Ruhestätte des Johannes Oekolampad (1482-1531), des Basler Reformators.

In Glarus und z.B. in Sta. Maria (Kanton Graubünden) teilten sich Protestanten und Katholiken die Kirche, die Appenzeller hatten eine andere Lösung, eine Trennung im Jahr 1597: Appenzell Innerrhoden (katholisch) und Appenzell Ausserrhoden (protestantisch).

Diese relative Toleranz galt nicht für alle: Die Täufer oder Wiedertäufer, eine im Kanton Zürich entstehende Bewegung, wurden rücksichtslos verfolgt. Die Disputatio von Zürich war und ist jedoch einzigartig.

Quelle und weitere Informationen: Historisches Lexicon der Schweiz, Disputationen, I. Backus, 23.01.2006; Grossmünster Zürich;

Korrektorin: Petra Ehrismann

Das Grossmünster

Die Zwinglipforte

Basel Infinity Festival

Das Basel Infinity Festival lotet die Grenzen der klassischen Musik aus und schafft mit originellen, spartenübergreifenden Konzerten eine unvergleichliche Atmosphäre. Neben der Programmierung von hochkarätigen nationalen und internationalen Künstlern und Künstlerinnen bietet das Festival auch jungen Musikern und Musikerinnen Gelegenheit, sich dem Publikum zu präsentieren.

Die Verbindung von klassischer Musik mit Literatur, ethnischer Volksmusik und Tanz erreicht ein breites Publikum. Mit der Serie «Klassik für die Kleinen» wird zudem auch die junge Generation in die Welt der Klassik eingeführt. Das Konzept des Festivals zeigt, dass vermeintlich Unvereinbares durch Musik und Kunst miteinander in Verbindung gebracht werden kann.

Das Festival schöpft aus der Fülle der Musik und präsentiert eine Palette an musikalischen Stilrichtungen in der Unendlichkeit des Musik-Universums — von Barock, Klassik und derRomantik bis hin zur zeitgenössischen Musik.

Binningen, Schlosskeller, Katarina Leskovar (Cello), Nejc Grm (Akkordeon)

Die vierte Edition des Festivals hat im Februar 2023 bereits angefangen mit einer kleinen Tournee im Baselland.  Am 8. Februar war im renovierten und kürzlich eröffneten Schlosskeller in Binningen Musik von Ungarn bis Südamerika zu hören, eine Reise durch die Welten des Tangos und der Rhapsodien mit zwei der charmantesten Instrumente: dem Cello und dem Akkordeon.

In Dornach und Liestal gab es weitere Konzerte und Workshops. Am 18. und 22. März finden in Allschwil zwei andere Konzerte statt.

Wie der Name angibt, ist Basel der Hauptort des Festivals. Vom 7. März bis zum 5. April gibt es zahlreiche  spannende und innovative Konzerte: ob Quantenphysik, Musik und Visual Arts  im Tinguely Museum, Literatur & Musik mit Alain Claude Sulzer im Jazzcampus Club, Heinz Holliger im Gare du Nord, authentische Kasachische Volksmusik mit Apéro in der Safranzunft, elektronische Beats und kubanische Rhythmen im Unternehmen Mitte, die Männerstimmen Basel in der Pauluskirche, eine Gesprächsrunde in der Paul Sacher-Stiftung mit Alain Claude Sulzer und Heinz Holliger oder die «Gala Infinity» im Stadtcasino Basel mit Alexander Sitkovetsky – bei 30 Veranstaltungen gibt es für jeden Geschmack etwas.

Die Männerstimmen in der Pauluskirche. Foto: Basel Infinity Festival

Infinity Basel fängt in Basel an mit Johann Wolfgang von Goethes (1749-1832) berühmten Versen aus der «Walpurgisnacht», einer Szene in Goethes Faust. Sie inspirierten den 16-jährigen Felix Mendelssohn Bartholdy (1809-1847) 1825 zur Komposition seines luftigen und euphorischen Streichoktetts opus 20.

Dieses mitreissende Werk wird am 7. März das Festival mit viel Schwung eröffnen! Eine intensive Ergänzung bildet das Streichoktett des Rumänen George Enescu (1881-1955). Mit gerade 19 Jahren komponierte er Ende 1900 sein Oktett opus 7, das mit pulsierenden Rhythmen und dunklen Klängen fasziniert.

(Quelle und weitere Informationen: Basel Infinity Festival)

Mit Alain Claude Sulzer (Texte und Lesung), Anna Gagane (Klarinette), Sherniyaz Mussakhan (Violine) und Denis Linnik (Klavier), am 17. März, Jazzcampus Club

Der 24. Februar 2022

Die Schweizer Kirchen organisierten unter der Schirmherrschaft der Arbeitsgemeinschaft christlicher Kirchen in der Schweiz (AGCK) eine ökumenische Gebetsfeier am 24. Februar 2023, genau ein Jahr nach der russischen Invasion in der Ukraine. Die Feier fand im Berner Münster mit Vertreterinnen und Vertretern der ukrainischen Gemeinden in der Schweiz statt.

Das Treffen begann mit einem Friedenswunsch in den vier Sprachen der Schweiz und auf Ukrainisch. Nach einem Jahr voll unvorstellbaren Leids, voller Zerstörung und Zerrüttung von Millionen von Leben und nach einem Jahr, das bestimmt wurde durch diesen bis zum 24. Februar 2022 unvorstellbaren (neuen) Krieg auf dem europäischen Kontinent, herrschen Wut, Verzweiflung, Fassungslosigkeit und Ohnmacht, aber es leben auch Hoffnung, Vertrauen, Solidarität und Mitgefühl.

Martin Candinas, Präsident des Nationalrates

Der Präsident des Nationalrates, Martin Candinas, richtete das Grusswort aus.

«Unsere [der Schweiz] Geschichte ist eine Geschichte von Frieden und Wohlstand. Ich sage das nicht mit Stolz, sondern mit unendlicher Dankbarkeit und grosser Demut. Mit derselben Demut wende ich mich heute im Namen der Bundesversammlung an all jene, die unter den Folgen des Krieges leiden, an die Familien, die den Verlust von Angehörigen betrauern, an jene, die schlaflose Nächte in Sorge und Angst verbringen, an jene, die von der Gewalt gezeichnet sind.

Wir teilen Ihren Schmerz. Wir, die schon so lange von Kriegen verschont geblieben sind, können nur ahnen, wie gross Ihr Leid ist. Deshalb haben wir uns heute hier im Berner Münster versammelt. Wir wollen unsere Solidarität bekräftigen und Ihnen sagen: Sie sind nicht allein!»

Die Menschen brauchen in diesen Zeiten den Glauben an einen guten Ausgang und Frieden. Die Glaube und Versammlungen, die mit Symbolen und gesprochenen und gesungenen Worten inszeniert werden, bieten Nahrung für diese Hoffnung. Und viele dieser kleinen Ströme werden schliesslich zu einem grossen Strom auf dem Weg zum (langfristigen) Frieden.

Die Versammlung war ein Vorgreifen in die Zukunft mit einem realistischen Blick (ohne naive oder falsche pazifistisch geprägte Hoffnung) auf die Gegenwart. Das „Dona nobis pacem“, das Anzünden von Kerzen und der Olivenzweig waren Ausdruck dieser Zukunft.

(Quelle und weitere informationen: Arbeitsgemeinschaft christlicher Kirchen in der Schweiz)

Die Denkmäler von Serrières

Fast jedes Dorf in der Schweiz hat eine oder mehrere kulturhistorische Sehenswürdigkeiten oder Denkmäler und ist (fast) immer umgeben von einer wunderbaren Natur. Manchmal muss man ein wenig suchen, zum Beispiel dann, wenn eine alte gallo-römische Siedlung in eine städtische Agglomeration eingegliedert worden ist.

Der Name Serrières (heute ein Stadtteil von Neuenburg) leitet sich vom lateinischen Wort serra, Säge, ab, das in der Antike einen Ort bezeichnete, an dem es viele Sägemühlen gab. Die Stadt liegt am Neuenburgersee. Bereits in prähistorischer Zeit und in den Jahrhunderten vor der römischen Besetzung (15-13 v. Chr.) war diese Region besiedelt.

Der Fischreichtum des Sees und die Transportmöglichkeiten der drei Juraseen (Neuenburgersee, Bielersee und Murtensee) und der Aare erklären das Vorhandensein einer römischen Siedlung und einer Villa. Die römische Villa von Serrières wurde 1908 beim Bau der Häuser der Cité Suchard, des ersten multinationalen Schokoladenherstellers der Welt, entdeckt.

Die Thermen oder der Komplex der Badehäuser befanden sich damals am Ufer des Sees (der Seespiegel wurde im 19. Jahrhundert um einige Meter abgesenkt).

Die anderen römischen Gebäude befanden sich auf den Hügeln. Die Anordnung der Bäder wurde weitgehend durch die Höhe der Heizungssysteme (praefurnium/a) bestimmt, die dazu dienten, heisses Wasser zu erzeugen, das in den Bodenheizungen (Hypocauste) zirkulierte, allmählich abkühlte und dann durch die Mauer (tubili) in den See und den Fluss abgelassen wurde.

In der Merowingerzeit (6.-7. Jahrhundert) war dieser Ort noch immer bewohnt. Es gab eine kleine Kirche und einen Friedhof. Mehr als 200 Gräber aus dieser Zeit sind gefunden worden.

Die karolingische Johanneskirche (St. Jean) aus dem achten oder neunten Jahrhundert weist ebenfalls auf eine dauerhafte Besiedlung hin, Jahrhunderte vor der Gründung von Neuenburg und Peseux.

Cormondrèche und Corcelles, seit 2022 Teil der Gemeinde Neuchâtel, sind auch älter als Neuchâtel, Auvernier und Colombier haben eben eine gallo-römische Geschichte zu erzählen!

(Quelle und weitere Informationen: www.neuchatelville.ch)

Korrektorin: Petra Ehrismann

Der Planetenweg im Jura

Ein Spaziergang den Planeten entlang scheint ein ehrgeiziger Plan zu sein. Merkur ist der Erde am nächsten, aber immer noch 155 Millionen Kilometer entfernt. Neptun ist mehr als vier Milliarden Kilometer von der Erde entfernt. Die anderen fünf Planeten Venus, Mars, Jupiter, Saturn und Uranus umkreisen die Sonne in einem Abstand, der dazwischen liegt.

Konjunktion von Jupiter und Venus am 2. März 2023, nächstes Mal im Jahr 2039 

Der Planetenweg im Jura, zwischen Laufen und Bärschwil, führt jedoch an den acht Planeten und der Sonne vorbei. Der Zwergplanet Pluto wird dabei nicht vergessen. Dieser Planet ist am weitesten von der Erde entfernt und wurde erst 1930 entdeckt.

Am Anfang des Planetenweges steht natürlich die Sonne, um die sich buchstäblich alles dreht. Auf Informationstafeln werden kurz und bündig die wichtigsten Fakten zu unserem Sonnensystem vorgestellt, darunter auch zu seinen Anfängen vor etwa 4,5 Milliarden Jahren.

Das Universum, das mit dem sogenannten Urknall begann, ist viel älter, etwa 14 Milliarden Jahre. Die Wissenschaftler haben noch nicht ganz herausgefunden, wie und warum es entstanden ist. Der berühmte englische Physiker Stephen Hawking (1942-2018) hat es so ausgedrückt: “Irgendwann muss man aufhören zu denken.” In seinem Fall ging es um den Ursprung des „Stecknadelkopfes“ vor dem Urknall.

Der Planetenweg ist wesentlich kürzer als die Entfernung zu den Planeten, aber er gibt ein gutes Bild des Sonnensystems. Ausserdem ist der Jura mit seinen Wiesen, Wäldern, Dörfern, Bächen und Ausblicken immer einen Besuch wert. Und auch hier hat jedes Schweizer Dorf etwas Besonderes zu bieten.

Die Glashütte im neunzehnten Jahrhundert, links die Gips- und Kalkfabrik. Bild: 

Die Birs

Die Glasshütte

Das kleine Dorf Bärschwil (Kanton Solothurn), zum Beispiel, hat eine interessante Industriegeschichte. Das Dorf liegt an der Birs. Am Ufer des Flusses stand jahrhundertelang eine florierende Glasfabrik, heute ist die Glashütte ein Restaurant. Gegenüber befand sich die ‚Hydraulische Kalk- und Gipsfabrik Baerschwyl‘, seit 1988 die Firma Carlo Bernasconi.

Etwas weiter auf dem Weg befindet sich die monumentale Laufner Ziegelscheune. Die  Anfänge der Ziegelfabrik gehen auf das 16. Jahrhundert zurück, und sie war bis 1920 in Betrieb!

Die Laufner Ziegelscheune

Diese schöne Gegend hat natürlich auch Dichter und Schriftsteller hervorgebracht, darunter Vater Albin Fringeli (1899-1993) und seinen Sohn Dieter Fringeli (1942-1999): „Zeit ist’s ein Lied zu singen von allen Liedern die nicht gesungen wurden als es Zeit war ein Lied zu singen von jener Zeit“ (Dieter Fringeli).

Geburtshaus von Albin Fringeli bei Bärschwil

Die Grenze mit Frankreich im Ersten und Zweiten Weltkrieg war problematisch. Sie bedeutete buchstäblich den Unterschied zwischen Krieg und Frieden. Grellingen und Bärschwil hatten in dieser Zeit Militärgarnisonen und Verteidigungsanlagen.

Toblerones

Monument 1939-1945

Die Schweiz blieb jedoch neutral. Die Stadt Laufen ist also unbeschadet aus dieser Zeit hervorgegangen und hat viel authentische (Kultur-)Geschichte zu bieten: von der Keltenzeit, den Merowingern und Karolingern, zwei burgundischen Königreichen, dem Bistum Basel, von der (revolutionären) französischen Zeit und dem Anschluss an Frankreich (1793 bis 1813) und von der Zeit, als die Stadt dem Kanton Bern angehörte (1815 bis 1994). Die Einwohner des Laufentals entschieden sich 1989 in einer Volksabstimmung für den Anschluss an den Kanton Basel-Landschaft (seit 1994).

Aber was bedeutet das schon in einer Geschichte von 14 Milliarden Jahren Universum und 4,5 Milliarden Jahren Erde?

Bron en verdere informatie: www.baerschwil.ch

Korrektorin: Petra Ehrismann

Puschlav im Bündner Kontext

Val Poschiavo (Puschlav), Valle Mesolcina (Misox), Val Calanca und Val Bregaglia (Bergell) bilden zusammen mit dem Dorf Bivio (Beiva auf Romanisch) am Julierpass den Grigione Italiano, den italienischsprachigen Teil im dreisprachigen Kanton Graubünden.

Der Lago di Poschiavo (Puschlaversee) trennt das obere und das untere Tal Puschlav; im oberen Tal liegt der Hauptort Poschiavo, im unteren Tal die Gemeinde Brusio. Schon im 12. Jahrhundert waren die Gemeinden Poschiavo und Brusio territorial getrennt und verfügten über eigene Verwaltungsstrukturen.

Lago di Poschiavo

Poschiavo

Zusammen mit dem Veltlin wurde das Val Poschiavo von Karl dem Grossen (748-814) dem Kloster St, Denis bei Paris geschenkt.  Im 12. und 13. Jahrhundert hatten die Herren von Matsch-Venosta anstelle der Abtei Saint-Denis die Herrschaftsrechte über das Tal. Gleichzeitig dehnte auch die Stadt Como ihre Macht über das Tal aus. Als Mailand 1335 Como unterwarf, geriet auch das Puschlav 1350 unter die Herrschaft des Herzoges von Mailand, der Visconti.

1408 erhoben die Einwohner sich gegen den Herzog und wurden in die Lega Caddea (den Gotteshausbund) aufgenommen. Von da an teilten Poschiavo und Brusio das Schicksal der Drei Bünde.

Seit dieser Zeit wurden Poschiavo und Brusio auch durch eine gemeinsame Verfassung regiert, die “Comungrande” oder grosses Gemeinwesen. Es war ein freies und unabhängiges Territorium. 1524 folgte die Aufnahme in den Freistaat der Drei Bünde und 1803 in den Kanton Graubünden. Die Trennung in zwei autonome Gemeinden, Poschiavo und Brusio, erfolgte erst 1851.

Bereits im 14. Jahrhundert und später während der Besetzung des Veltlins durch die Drei Bünde (1512-1797) spielte die Valposchiavo eine wichtige Rolle im transalpinen Handelsverkehr. Der Berninapass gehörte zu den Hauptverkehrsachsen. Die traditionellen Säumerpfade sind heute durch den Kulturwanderweg “Via Valtellina” erschlossen.

Tirano war der Startort der Weinsäumer: hier wuchs und wächst heute noch der beliebte „Veltliner“. Eine Degustation der Veltliner-Spezialitäten (Weine, Bresaola und Käse) und ein Besuch im Palazzo Salis sind noch immer möglich! Tirano ist zugleich der Startort der italienischen Fortsetzung der Via Valtellina, denn die Via Terrazzamenti nach Morbegno beginnt hier.

1797 vereinte Napoleon Bonaparte das Veltlin mit der Cisalpinischen Republik; das Puschlav entzog sich dieser Annexion. Die neue Grenze schnitt jedoch eine Gemeinschaft entzwei, die seit Jahrhunderten durch gemeinsame wirtschaftliche Interessen verbunden gewesen war. Diese Handelsblockade schwächte die lokale Wirtschaft erheblich.

Die schlechten wirtschaftlichen Perspektiven im 19. Jahrhundert zwangen viele Leute aus dem Tal zur Auswanderung.  Durch den Bau der Berninastrasse (1842-1865) und der Berninabahn sowie durch die Realisierung der hydroelektrischen Anlagen in den Kraftwerken von Brusio in den Jahren 1906-1910 veränderte sich die ökonomische Lage.

Am Lago di Poschiavo folgte die Eröffnung des Grand Hotels Bagni in Le Prese. Das Dorf Poschiavo wurde ein Städtchen. Eine ganze Serie herrschaftlicher Gebäude wurde errichtet, unter anderem das Museum (Museo Poschiavo) im Palazzo de Bassus-Mengotti und in der Casa Tomé.

Bis in die 70er Jahre des 20. Jahrhunderts bildete die Schmugglerei noch einen wichtigen Wirtschaftszweig. Einer der wichtigsten Umschlagplätze für Schmuggelware, die nach Italien geschmuggelt wurde, wie Zigaretten oder Kaffee, war der kleine Weiler Viano oberhalb von Brusio. Von hier aus führten die alten Schmugglerpfade über die Grenze nach Roncaiola und Baruffini im angrenzenden Veltlin. Die Schmugglerpfade sind noch heute begehbar.

Quelle: Historisches Lexicon der Schweiz, Arno Lanfranchi, Puschlav, Übersetzung Pia Todorovic Redaelli, 29.09.2011; www.valposchiavo.ch

Korrektorin: Petra Ehrismann

Der Poschiavo

Das schönste Dorf Hospental

Hospental (kanton Uri)  gehört seit Januar 2023 auch zu den schönsten Dörfern der Schweiz. Der Name selbst, Hospental, stammt aus dem lateinischen «hospitale» für Herberge.

Zölle wurden erhoben und die Einheimischen trotzten Unwettern und überstanden Kriegszüge, die über den Gotthard nach Norden gingen. Wie beispielsweise im Jahre 1799, als der russische General Suworow gegen Napoleons Truppen antrat.

Der Dorfkern von Hospental ist einen Besuch wert, denn die Häuser stammen noch aus den blühenden Zeiten und ergeben ein harmonisches Dorfbild. Prägend für das Landschaftsbild ist auch der Wehrturm, der aus dem 13. Jahrhundert stammt.

Zur Gemeinde Hospental gehört auch Zumdorf. Es ist nicht nur das kleinste Dorf der Ferienregion Andermatt, sondern der ganzen Schweiz. Nur vier Personen wohnen das ganze Jahr über in Zumdorf. Hospental selbst zählt 190 Einwohnerinnen und Einwohner.

(Quelle und weitere Informationen: Die schönsten Schweizer Dörfer; Gemeinde Hospental).

Frau Fasnacht ist wieder erwünscht

Die ersten Zuschauer haben sich bereits in der Basler Innenstadt installiert und fiebern dem Fasnachts-Cortège entgegen. Nach drei Jahren Abwesenheit aufgrund der Coronapandemie findet der Cortège dieses Jahr wieder statt. Dies verlief jedoch nicht ohne Probleme zwischen Frau Fasnacht und Herrn Kanton Basel-Stadt.

Frau Fasnacht wollte sich sogar von Herrn Basel trennen, weil sie drei Jahre lang nicht oder nur eingeschränkt erwünscht war. Das Häbsetheater hat diesem Thema sogar ein Stück gewidmet. Aber Ende gut, alles gut. Frau Fasnacht hat sich mit Herrn Basel versöhnt und ist ab Montag, 27. Februar um 04.00 Uhr wieder mit ihrem Geliebten vereint!

Impressionen von Mimösli 2023

Kurzum, die Vorfasnacht hat begonnen. Aus Fenstern, Kellern und anderen Proberäumen sind Tamburine, Piccoloflöten und andere Blasinstrumente von den Cliquen und Fasnächtler*innen zu hören. In Theatern, Cafés, Restaurants und an diversen anderen Orten finden Veranstaltungen zu Ehren von Frau Fasnacht statt.

Schauspiel, Musik von Geige, Klavier und Cello, Tanz, phantastische Visualisierungen, Bühnenbilder und Choreographien, Satire und natürlich Auftritte von Cliquen finden ihren Platz in dieser Stadt der Kultur.

Das Theater Kulturhaus Häbse (Mimösli-Ensemble), das Theater Fauteuil (Pfyfferli-Ensemble),  das Volkshaus (Charivari), die Veranstaltungshalle der Messe (Drümmeli), das Theater Arlecchino (Schyssdräggziigli), das Marionettentheater (der Källerstraich) sind nur einige der vielen Veranstaltungsorte mit Aufführungen zur Vorfasnacht.

Affiche Pfyfferli 2023

Impressionen von Drümmeli 2023

Es ist (Klein)Kunst und Kultur mit einem grossen K, nach Schweizer Art, kreativ, innovativ, gut vorbereitet, hohes Niveau, angenehm diszipliniert, milde Satire, immer respektvoll gegenüber dem Subjekt, und vor allem mit grossem Engagement veranstaltet

Die Fasnacht, die zum UNESCO-Welterbe gehört, findet vom 27. Februar bis zum 2. März, 04.00 Uhr, statt. Nicht nur Basel kennt die Fasnacht, sondern auch zahlreiche andere Orte des Landes, meist findet sie aber eine Woche früher statt. Dies hat seine Gründe, bestätigt aber das Fundament der Confoederatio Helvetica: Einheit in grosser Vielfalt.

Korrektorin: Petra Ehrismann

Weitere Informationen: Fasnachts-Comité Basel

Impressionen von Charivari 2023

Kindervorfasnacht in den Basler Strassen