Die Kirche von Kerzers

Das Dorf Kerzers (Kanton Bern) ist nicht bekannt für seine Monumente, hat jedoch eine bemerkenswerte Geschichte.

Das Dorf liegt an der seit vorrömischer Zeit benutzten Nord-Süd-Achse Aarberg-Murten, die vom Rhein zur Rhone und den Alpen führt. Königin Berta von Hochburgund (907-966) vergabte 962 dem Cluniazenser Priorat Payerne eine Kirche zu Kerzers.

Im Verlaufe des Laupenkrieges liess Peter, Graf von Aarberg (1300-1372) 1339 das Dorf und Kirche plündern und zerstören. Dieser Krieg war ein konflikt zwichen Bern und Westschweizer Adeligen und der habsburgischen Stadt Freiburg.

Bei den Streifzügen, die Karl der Kühne (1433-1477), Herzog von Burgund, zwischen dem 11. und 18. Juni 1476 in der Umgebung von Murten unternehmen liess, wurden das Dorf und die Kirche wieder zerstört.

Die Wiederaufbau der Kirche wurde 1477 in Angriff genommen. Der gewölbte romanische Chor wurde 1512 abgebrochen und durch den bestehenden Polygonchor ersetzt.

Das Kloster von Payerne blieb Eigentümer bis zur Einführung der Reformation 1530, worauf Bern die Nachfolge übernahm.

Die späteren Unterhalts- und Renovationsarbeiten sind nur vereinzelt dokumentiert. Die Innenrenovation im Jahr 1920 ersetzte den Barock des 17. Jahhunderts durch Neubarock. 1958-1960 folgte eine weitere Gesamtrenovation.

Die Kirche hat aber auch eine archäologische Geschichte zu erzählen. Der älteste Stein stammt aus der Zeit der Römer und wurde offensichtlich wieder genützt (Spolia).

Merovingische (6.und 7. Jahrhundert) und karolingische (8. und 9. Jahrhundert) Gräber liegen im Bereich eines römischen Siedlungsplatzes.

Auf dem Platz stand vielleicht eine merowingische, und sicher eine karolingische Kirche. Mauerwerk, Schiff und Fenster aus dem 12. Jahrhundert gehören dem romanischen 12. Jahrhundert an. Sie haben die Branschatzungen von 1339 und 1476 augenscheinlich überlebt.

Das romanische Schiff erhält heute eine barocke Prägung. Die spätgotische Wandmalerei im Chor und Schiff wurden kurz nach 1512 ausgemalt. Die Glasmalerei stammt auch aus den Jahren nach 1512.

Der Taufstein ist ein Werk aus zwei Epochen. Der achteckige Sockel aus Sandstein ist barock, das halbklugelige Becken aus Neuburgerstein stammt aus dem 13./14. Jahrhundert. Diese auf den ersten Blick unauffällende Kirche beherbergt weitere interessante Details.

(Quelle: H. Schöpfer, Kerzers, Kirche und Pfarrhaus, Gesellschaft für Kunstgeschichte, Bern, 1992).

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Mollis

Ligurer waren die ersten Bewohner in der Region. Sie wurden von den Rätern abgelöst, die im Jahr 15 v. Chr. von den Römern unterwurfen wurden, deren Herrschaft 400 Jahre dauerte.

Der Urspung des Names ist das Lateinische mollis, weich. Um 400 mussten die Römer das Gebiet den Alemannen überlassen.

Das Kloster Säckingen (Bad  Säckingen, Deutschland) erhielt im 9. Jahrhundert ausgedehnten Grundbesitz im Glarnerland. 1288 wurde Mollis erstmals erwähnt. Die Reformation wurde 1529 angenommen.

Zwischen 1714 und 1789 führte die Baumwollhandspinnerei und ab 1760 die Handweberei zu Wohlstand. Auf Grund seiner strategischen wichtigen Lage erlitt das Dorf von 1798 bis 1803 viele Kriegshandelungen fremder Truppen.

1811 wurde das Herzstück der Korrektion, der ‘Molliser’ Eschner-Kanal vollendet.

(Quelle und weitere Informationen: www.glarusnord-tourimus.ch).

Bischofsschloss Leuk

Der Burgunderkönig Sigismund ( Geb. ? – 523) schenkte Leuk im Jahr 515 dem Kloster Saint-Maurice, was ebenfalls als erste urkundliche Erwähnung des Ortes gilt.

Der Fürstbischof von Sitten verlieh dem Ort zwischen 1254 und 1296 das Stadtrecht. Leuk erhielt damit weitgehende Selbstständigkeit in Verwaltung, Gerichtsbarkeit, Markt und Jagd.

Das romanische Bischofsschloss wurde im 11. Jahrhundert erbaut und prägt noch heute die Stadt. Im Jahr 1415 wurde das Schloss niedergebrannt und vor allem unter Bischof Supersaxo (1450-1529) restauriert und zur Sommerresidenz der Bischöfe umgestaltet.

Der Bischof von Sitten und der Herzog von Savoyen unterzeichneten 1507 im Schloss den Friedensvertrag zwischen dem Wallis und Savoyen. Das Bischofsschloss ist seit 1934 im Besitz der Gemeinde und steht unter Denkmalschutz.

(Quelle: www.leuk.ch).

Korrektorin: Melinda Fechner

Das Beinhaus von Leuk

Die Beinhauskapelle von Leuk (Kanton Wallis) gehört zu den beeindruckenden Sehenswürdigkeiten der Schweiz.

Die Kapelle unter der Stephanskirche beherbergt einen Raum mit einer über zwei Meter hohen und neunzehn Meter langen Schädel- Knochenwand. Diese Wand ist nicht nur eine Schicht, sondern weist eine Stärke von bis zu zwei Metern auf.

22 000 Schädel und Oberschenkel sind ab dem 15. Jahrhundert aufgetischt worden. Sie stammen aus dem alten Friedhof, der früher die Kirche umgab.

Gemalte Darstellung Ritter und  Landsknechte an der Westseite des Pfeilers, um 1520-1530

Der Pfeiler ist mit Szenen eines Totentanzes bemalt. An der Ostmauer und an der Nordmauer sind um 1520-1530 auch zwei Totenbilder gemalt worden. Sie geben den Eindruck des Unausweichlichen und Unabwendbaren. Beide Bilder sind auf einer länglich rechteckigen Fläche  komponiert.

Die Stiftung des Beinhauses geht auf die Periode 1506-1515 zurück. Ein genaues Datum kann nicht angegeben werden.

Das Beinhaus in Raron ist 1512-1513 errichtet worden, das Beinhaus von Naters um 1515 (am 22. Januar 1525 eingeweiht) und das Beinhaus an der Domkirche von Sitten um 1510.

(J. Sarbach, Beinhaus Leuk, Leuk).

Korrektorin: Melinda Fechner

Das Mazot oder Raccard

Wer kennt sie nicht, die Chalets in den Schweizer Alpen? Weit weniger bekannt hingegen ist das Mazot (le mazot); ein typisches Walliser Gebäude.

Dieses Holzgebäude auf vier etwa 50 Zentimeter hohen Steinpfeilern war für die Lagerung und Verarbeitung von Heu, Gras oder Getreide bestimmt. Die Erhöhung verhindert, dass Mäuse und Ratten in das Gebäude eindringen.

Das Mazot hatte immer nur eine Eingangstür und war nicht für Wohnzwecke gedacht. Manchmal war das Mazot in Fächer für mehrere Benutzer unterteilt. Heute haben sie oft einen touristischen, kulturellen oder sozialen Zweck.

Die Chalets hatten einen anderen Zweck. Sie befanden sich ausserhalb der Ortschaften und hoch oben auf den Almen und dienten den Viehzüchtern als Sommerhaus.

Im neunzehnten Jahrhundert begannen (englische) Touristen jedoch, jedes Holzgebäude als Chalet zu bezeichnen.