Jugendstil in der Schweiz

Die Schweiz gehört nicht zu den Top Ten der Jugendstilarchitektur. Der Stil wurde in den Jahren vor 1900 in den grösseren Städten und vor allem in den Grand Hotels der Belle Époque eingeführt.

Die Hotel- und Sanatoriumsarchitektur dieser Zeit war die erste, die den Jugendstil umsetzte. Das enorme Wachstum des (Kur-)Tourismus aus (Westeuropa und den USA fiel mit der Blütezeit dieses Stils im Vereinigten Königreich, Österreich, Spanien, Belgien, Frankreich und Deutschland zusammen. Der Jugendstil war eine Selbstverständlichkeit.

Ausserdem befanden sich diese Hotels und Sanatorien oft in der Natur oder waren nie weit von ihr entfernt, und der Jugendstil war eng mit der Natur und geometrischen Motiven verbunden.

In den grösseren Städten war der Jugendstil weitaus weniger stark vertreten. Vor allem Industrielle errichteten aufgrund ihres Netzwerks in diesen Ländern Gebäude und Dekorationen in diesem Stil.

Die Chachelihüser (Ofenhäuser), der Pfauen-Komplex, die Villa Tobler und das Gublerhaus sind die bekanntesten Beispiele in Zürich. In Basel sind die Pauluskirche und das umliegende Quartier sowie der Globus-Warenhauskomplex am Marktplatz gute Beispiele.

Das Krematorium (Crématoire) in La Chaux-de-Fonds und die prächtigen Fresken von Charles L’Eplattenier (1874-1946), der auch ein Lehrer von Le Corbusier war, können sich mit dem Jugendstil in Belgien oder Frankreich messen.

Auch L’Eplattenier hat dem Jugendstil seinen Stempel aufgedrückt und eine Variante, den Style Sapin, geschaffen.

Die Villa Waldbüel in Uzwil (Kanton St. Gallen) des Maschinenbauingenieurs Theodor Bühler (1877-1915) wurde vom  englischen Architekten MacKay Hugh Baillie Scott (1865-1945) entworfen und ist eine ganz andere Geschichte.

Nach einem Aufenthalt in England liess der Industrielle diese Villa zwischen 1907 und 1911 im Jugendstil errichten bzw. umbauen, den er jedoch mit der in England sehr populären Arts-and-Crafts-Bewegung verband.

Neben diesen Gebäuden gibt es in verschiedenen Teilen des Landes weitere Wohnhäuser, Fabriken, Kaufhäuser und andere Bauten mit Jugendstilelementen, insbesondere dort, wo Industrielle oder andere europäische Netzwerker ansässig waren.

(Quelle: T. Richter, ‚Jugendstilarchitektur in der Schweiz‘, in Kunst + Architektur, Nr. 2, 2021, GSK, Bern).

Korrektur: Melinda Fechner

Zentralkommission für die Rhein-Schifffahrt und Basel

Am 24. März 1815 wurde am Wiener Kongress (1814-1815) die Freiheit der Schifffahrt auf dem Rhein und seinen Nebenflüssen beschlossen. Ein Jahr später folgte die Gründung der Zentralkommission für die Rheinschifffahrt mit Sitz in Mainz.

Die Mainzer Akte vom 31. März 1831 bekräftigte den Grundsatz der Schifffahrtsfreiheit auf dem Rhein. 1860 wurde der Sitz nach Mannheim verlegt.

Im politischen Bereich erfüllte die Zentralkommission, bedingt durch das Ende derMitgliedschaft Frankreichs nach dem Frankfurter Frieden (1871), vor allem die Rolle eines deutsch-niederländischen bilateralen Organs.

Durch den Versailler Vertrag vom 28. Juni 1919 wurde die Zentralkommission grundlegend umstrukturiert und der Sitz nach Strassburg verlegt, wo er auch heute noch ist. Am 20. November 1945 nahm die Zentralkommission ihre Arbeit wieder auf. Mitgliedstaaten sind heute die Schweiz, Deutschland, Frankreich, Belgien und die Niederlanden. Beschlüsse müssen einstimmig gefasst und gleichzeitig in Kraft gesetzt werden.

Die Regelung der Schifffahrt basiert auf folgenden Grundsätzen: Der freie Zugang zum Meer für Anliegerstaaten, der freie Verkehr der zugelassenen Schiffe auf dem Rhein und den Nebenflüssen, die Gewährleistung der Schiffbarkeit und der Umschleussung von Hindernissen sowie gleiche Vorschriften bezüglich von Schifferpatenten, Zollformalitäten, Transporten gefährlicher Güter und weiteren verordnungsrechtlichen Bestimmungen der Rheinschifffahrt.

1904 traf das erste grosse Transportschiff in Basel ein, gezogen von einem Schleppboot. Die schweizerischen Rheinhäfen sind für die Schweiz das Tor zu den Weltmeeren.

In Basel, Birsfelden und Muttenz werden mehr als 10 Prozent aller Schweizer Importe umgeschlagen. Sie finden aus aller Welt den Weg via Seehäfen Rotterdam, Antwerpen und Amsterdam rheinaufwärts.

7 bis 8 Millionen Tonnen Güter und über 100.000 Containereinheiten werden jährlich über diese Rheinhäfen abgewickelt. Für die über 800 km lange Fahrt von Basel nach Rotterdam benötigen Rheinschiffe ungefähr zwei Tage, den Rückweg bewältigen sie innerhalb von vier Tagen.

(Quelle: Zentralkommission für die Rheinschifffahrt, www.ccr-zkr.org).

Korrektorin: Melinda Fechner

Reigoldswil und andere Baselbieter Wohnhäuser

Im 16. Jahrhundert erliess die Stadt Basel die Vorschrift, dass die Häuser schnurschlecht enanderen (schnurgerade aneinander) nach, das heisst in Reihen, zu errichten seien.

Dadurch wurde der Grundstein zum charakteristischen, städtisch anmutenden Ortsbild der Dörfer im Baselbiet gelegt.

Steile Giebeldächer mit dem Hauszugang gegen die Strasse sind prägend für die Wohnhäuser des Dorfkerns. Zwischen den Häusern steht noch manche Scheune mit Tenne und Stall, die in jüngster Zeit zu Wohnräumen umgebaut werden.

Die Grundrisse der Wohnhäuser lassen sich im wesentlichen auf das Zweiraumkonzept mit Küche und Stube zurückführen. Allenfalls war ein Gang, ein Keller oder eine zusätzliche Kammer vorhanden. Die Familie schlief in der Stube.

Die Scheune umfasste das Tenne, welches von zwei Stallteilen flankiert wurde.Seit dem 16. Jahrhundert vereint dieser Haustyp die Wohn- und Wirtschaftsräume untereinem Dach.

Wie die meisten Dörfer bestand auch Reigoldswil im 17. Jahrhundert aus einer Mischung von Holzbauten und einzelnen Steinbauten mit Ziegeldächern. Im 18. Jahrhundert sind die meisten Häuser Steinbauten.

(Quelle: www.reigoldswil.ch).

Die Berninabahn und die UNESCO

Die Verbindung zwischen dem Engadin (Kanton Graubünden) und Tirano in dem Veltlin (Italien) hat eine lange Tradition.

Für Jahrhunderte standen lediglich Saumpferde, Postkutschen und Zugsschlitten zur Überquerung der Bernina zur Verfügung.

Im Jahr 1864/65 wurde die Berninapassstrasse eröffnet. Die Reisenden konnten von St. Moritz/Samedan nach Tirano gelangen.

Die Idee, eine Eisenbahn über den Berninapass zu bauen,, sollte den Warentransport und Fremden- und Touristenverkehr fördern. Das Oberengadin (Sils (Maria), St. Moritz) sah in der Berninabahn auch einen positiven Effekt für seine Kurorte.

Die Bernina-Bahngesellschaft (BB) wurde am 15.September 1905 in Basel mit dem Ziel St. Moritz über den Berninapass mit Tirano zu verbinden gegründet.

Am 5. Juli 1910 konnte mit dem schwierigsten Abschnitt zwischen Ospizio Bernina und Poschiavo die Gesamtstrecke eröffnet werden.

Selbstverständlich wurde zuerst in den Gemeinden abgestimmt, denn die Bahngesellschaft musste privaten Landbesitzern Land wegnehmen. Die Bürger mussten damit einverstanden sein. Alle Gemeinden stimmten den Verträgen  mit grosser Mehrheit zu.

Die Bahnverbindung zwischen dem Engadin und dem Puschlav galt damals als technische Meisterleistung. Ursprünglich war die Berninabahn nur für den Sommerbetrieb vorgesehen. 1913/14 wurde jedoch der Winterbetrieb aufgenommen.

Die Rhätische Bahn hat ab Mitte der 1980er Jahre begonnen, die landschaftliche und bahnbauliche Attraktivität der Berninabahn gezielt touristisch zu vermarkten.

So ist der Streckenabschnitt Pontresina–Tirano Bestandteil des 1973 eingerichteten Bernina-Express. Eine weitere Attraktion im Sommer sind die offenen Aussichtswagen, die schon zu Zeiten der Berninabahn verkehrten.

Im Jahr 2010 wurde das Jubiläum des 100-jährigen Betriebs auf der Berninalinie zwischen St. Moritz und Tirano gefeiert. Die Berninalinie der Rhätischen Bahn zählt seit Juli 2008 zum UNESCO–Welterbe.

(www.berninabahn.ch).

Korrektorin: Melinda Fechner

Ein Gentleman in den Alpen

1893 lernt Sir Arthur Conan Doyle (1859-1930) in Davos eine noch ziemlich unbekannte Sportart: Skifahren. Zwei Skipioniere der ersten Stunde, Tobias und Johannes Branger, zeigen ihm, wie es geht.

Genau ein Jahr nachdem die Brangers am 23. März 1893 erstmals den Weg von Davos nach Arosa über die Maienfelder Furgga bezwungen hatten, wiederholen sie diese schwierige Tour 1894 mit Sir Arthur.

Seine Schilderung dieser legendären Skitour in der britischen Zeitschrift „Strand Magazine“ vom Dezember 1894 ist ein absoluter Renner.

Es war  der erste englische Bericht über eine Skitour, welcher in Grossbritannien ein riesiges Echo ausgelöst hat. Damit legt Sir Arthur Conan Doyle den Grundstein für den Skisport-Boom in Davos (und in der Schweiz).

Der Text auf dem Monument:

“In Tribute to Sir Arthur Conan Doyle (1859-1930). English author-creator of Sherlock Holmes and sportsman, who on March 23, 1894, crossed the Maienfelder Furka from Davos to Arosa, thereby bringing this new sport and the attractions of the Swiss Alps in Winter to the attention of the world. The perfect pattern of a gentleman”.

(Quelle: www.davos.ch)

Korrektorin: Melinda Fechner

Der Verein Regio Basiliensis

Der Verein gibt Impulse in den für die Region zentralen Themen, insbesondere in den Bereichen Wirtschaft, Verkehr, Bildung, Umwelt und den Beziehungen Schweiz-EU und leistet aktive Beiträge für die Prosperität und Lebensqualität im trinationalen Raum.

Wirkungsperimeter sind dabei in erster Linie die Region Oberrhein (6 Millionen Einwohner) in Frankreich, Deutschland und in der Schweiz und die Dreiländeragglomeration Basel (0.9 Million) Einwohner sowie die RegioTriRhena für den südlichen Oberrhein.

Partner sind politische Akteure, Wirtschaftsinstanzen, Bildungseinrichtungen und zivilgesellschaftliche Institutionen sowie die übrigen Grenzkantone und Bundesinstanzen und die Interessensorgane der europäischen Binnen- und Grenzregionen.

Die Kernaufgaben sind die Positionierung zu Regio-Themen, Public Relations, die Betreuung der Vereinsorgane, die Ko-Geschäftsführung, die Zusammenarbeit mit der EU und das Regionalmanagement für das Umsetzungsprogramm Region Basel-Jura im Rahmen der Neuen Regionalpolitik (NRP) des Bundes.

Mit der Interkantonalen Koordinationsstelle bei der Region Basiliensis (IKRB), 1969 gegründet, erfüllt die Regio Basiliensis im Auftrag der Nordwestschweizer Kantone Aargau, Basel-Landschaft, Basel-Stadt, Solothurn und Jura etwa vier Fünftel ihrer Aufgaben.

(Quelle und weitere Informationen: www.regbas.ch).

Das Kinderdorf Pestalozzi

Die Stiftung Kinderdorf Pestalozzi in Trogen (Kanton Appenzell Ausserrhoden) wurde 1946 gegründet und ist seit 1982 auch im Ausland aktiv. In 13 Ländern auf vier Kontinenten erreichen die Bildungsangebote jährlich über 150.000 Kinder und Jugendliche.

Den Hintergrund für die Idee, ein Kinderdorf aufzubauen, bildete das Flüchtlings- und Kinderelend während des Zweiten Weltkriegs. Ziel des Kinderdorfes war, kriegsgeschädigten Kindern aus ganz Europa ein Obdach und eine neue Heimat zu bieten.

Der Philosoph Walter Robert Corti (1910-1990), Redakteur der Kulturzeitschrift Du, lancierte in der Ausgabe vom August 1944 einen Aufruf zur Gründung eines Dorfes, in dem 8.000 elternlose Kinder ein Zuhause finden und im Geist ‘weltumspannender Freundschaft’ erzogen werden sollten.

Achtzehn Freunde schlossen sich zu einem Aktionskomitee mit dem Ziel zusammen, die Kinderdorf-Idee zu verwirklichen. Das Komitee entschloss sich für den Bau von Kinderhäusern und eines Kinderdorfes von 15 bis 30 Wohneinheiten.

Die Gemeindeversammlung von Trogen beschloss am 3. März 1946 einstimmig, der Vereinigung Kinderdorf Pestalozzi die Liegenschaft Grund mit den darauf stehenden Gebäuden als Bauland abzutreten. Das Gelände umfasst ca. 4.5 Hektar. Der Grundstein des Kinderdorfs Pestalozzi wurde am 18. April 1946 gelegt.

Im Zeitraum zwischen 1946 und 1947 sollten Kinderhäuser, Gemeinschaftseinrichtungen und ein Werkstattgebäude entstehen. Die Bauarbeiten begannen am 2. Mai 1946. Die ersten Häuser wurden von Freiwilligen aus ganz Europa errichtet und das Dorf entstand Schritt für Schritt.

Die Kinder wurden älter und Ende der 1950er Jahre bestand der Bedarf nach einem Oberstufenschulhaus für 13- bis 15-jährige Schüler*innen. Diese Schulanlage wurde 1960 fertiggestellt. Der Kultraum oder das Andachtshaus wurde 1967 errichtet. Das Andachtshaus, ein Geschenk des britischen Königshaus,  sollte für alle Religionen und Konfessionen offen stehen.

Das Kinderdorf und seine Appenzeller, konstruktive, moderne und Kirchenbauten- Architektur bilden heute eine in sich schlüssige Siedlungsform.

Der Denkmalwert des Kinderdorfes Pestalozzi besteht heute in seiner architekturhistorischen Bedeutung und in seiner Eigenschaft als Zeuge von Reformpädagogik und humanitärer Hilfe in der Schweiz nach dem Zweiten Weltkrieg.

(Quelle: U. Habegger, Das Kinderdorf Pestalozzi, GSK Bern, 2020; https://75jahre.pestalozzi.ch).

 Korrektorin: Melinda Fechner

Die Appenzeller Schaukäserei

Die Appenzeller Schaukäserei in Stein (Appenzell Innerrhoden) wurde im Jahr 1978 eröffnet. Seither haben über 8 Millionen Besucher aus aller Welt den Entstehungsort des Appenzeller Käses besucht.

Die Appenzeller Schaukäserei nimmt die Besucher mit auf eine Entdeckungsreise der besonderen Art: Von der Handwerkskunst des Käses bis in die Schönheiten des hügeligen und malerischen Appenzellerlands.

Hier spürt man, dass Tradition und Brauchtum noch gelebt werden. Genau diese Verbundenheit mit ihrer Heimat macht die Appenzeller Menschen so einzigartig.

Finde heraus, wieso der Appenzeller Käse der würzigste Käse überhaupt ist. Sein Rezept bleibt jedoch streng geheim.  Dennoch kann man den Schaubereich und den imposanten Käsekeller, wo bis zu 12‘500 Laibe lagern, bestaunen.

(Quelle und weitere Informationen: www.schweizerkaese.ch).

 Korrektorin: Melinda Fechner

Tiefencastel

Das Dorf Tiefencastel (Tüffenkasten im Mittelalter) liegt am Fuss des Albula- und Julierpasses. Auf dem Hügel war in der Römerzeit eine Burg. Das Dorf war Teil des Hochgerichts Oberhalbstein im Gotteshausbund.

1343 wurde die heutige Kirche St. Stefan erweitert und 1650 durch Kapuziner neu erbaut und mit bedeutenden Schnitzereien und Malereien ausgestattet.

Bis 1900 führte die Hauptverkehrsachse der sogenannten Oberen Strasse über den Julierund Septimerpass durch das Dorf. Nach dem Ausbau der Passwege machten die Errichtung der Pferdepost- (1835) und der Bahnstation (1900) Tiefencastel zum Verkehrsknotenpunkt. Eine Dorfumfahrung brachte 1999 Erleichterung für das ab den 1970er Jahren unter enormem Durchgangsverkehr leidende Dorf.

(Quelle: Historisches Lexicon der Schweiz, G. Thöni (12.02.2016), Tiefencastel (hls-dhs-dss.ch).

Korrektorin: Melinda Fechner

Meltingen und seine Wallfahrtskirche

Meltingen gehört als Teil der alten Herrschaft Gilgenberg seit Jahrhunderten zu Solothurn. Etwa 40 m über dem Dorf steht die Wallfahrtskirche „Maria im Hag“. Bereits im Jahr 1375 wurde die Kirche in Urkunden erwähnt.

Eine Kapelle dürfte sogar schon früher auf dem Hügel gestanden haben. Nach der Überlieferung soll die heutige Kirche 1519 zusammen mit den Glasgemälden von Hans Imer von Gilgenberg gestiftet worden sein.

Dort steht seit dieser Zeit auf dem rechten Seitenaltar die Madonna.Das Gnadenbild aus dem 14. Jh. die Glasgemälde des Ritters von Gilgenberg mit seiner Gattin und dasjenige der beiden heiligen Frauen Katharina und Agatha, das Steinkreuz  aus dem Jahre 1638, die kostbare Pietà aus dem Jahre 1540 und die Johannesstatue von 1440, sind sehenswert.

(Quelle: www.meltingen.ch).