Katharina Grosse. Studio Paintings 1988-2022


Katharina Grosse Ohne Titel, 2001 Acryl auf Leinwand 250 x 170 cm photo: Olaf Bergmann © 2023, ProLitteris, Zurich

Das Kunstmuseum Bern zeigt eine Ausstellung zu Katharina Grosse. An den grossformatigen und farbgewaltigen Gemälden von den späten 1980er-Jahren bis heute wird deutlich, welch wichtige Rolle die Arbeiten auf Leinwand im gesamten Schaffen der Künstlerin spielen.

Von zentraler Bedeutung ist die Farbe. Sie experimentiert mit ihrer physischen Präsenz, ihren sensorischen und politischen Potenzialen und ihrer Fähigkeit, Bewegung zu verkörpern. Die Auswahl der 42 Leinwandbilder reicht von ihren frühesten Arbeiten der späten 1980er- Jahre bis zu ihren neueren Werken.

Die Ausstellung wurde vom Mildred Lane Kemper Art Museum (Washington University in St. Louis, USA) in Zusammenarbeit mit dem Kunstmuseum Bern organisiert.

Biel und der Röstigraben


Biel trägt stolz das Banner als einzige konsequent zweisprachige Stadt der Schweiz. Die Lage auf der Sprachgrenze, mitten im «Röstigraben», verpflichtet: Hier mischen sich die frankofone und die deutsche Kultur. Sie gilt als die zweisprachige Stadt der Schweiz schlechthin.

Bild: Marco Zanoli, Wikipedia

Kelten, Römer und Alemannen

Doch der Weg zum Bilinguismus war lang: von der Romanisierung und der gallorömischen Kultur der ursprünglich keltischen Region und der wechselnden Vorherrschaft der einen oder anderen Sprache bis zum Jahr 1950.

Die Sprachlandschaft des Seelands und Biel ist geprägt durch die Eingliederung des heutigen Mittellandes ins Römische Reich um 15.-13. V. Chr. Als teil der neuen gallorömische Kultur sprechen die einheimischen bald auch (vulgair) Latein. Mit der Zeit entwickeln sich romanische Dialekte, woraus verschiedene Westschweizer Mundartformen oder Patois hervorgehen.

Die Ausbreitung der deutschen Sprache durch die Alemannen, die sich ab dem Ende des 6. Jahhunderts im Mittelland ansiedeln ist ebenfalls entscheidend. Das Romanische wird zurück gedrängt und das Alemannische erreicht zum Ende des 8. Jahrhunderts die Aare.

Zwischen dem 9. und 13. Jahrhundert wird zuerst die Region südlich des Bielersees und später auch jene am Nordufer mehrheitlich deutschsprachig. Eine klare Sprachgrenze gibt es nicht. Die heutige Sprachgrenze in der Drei-Seen-Region festigt sich schliesslich im 18. Jahhundert.

Johann Rudolf Weiss (1846-1939), Biel, 1919. Sammlung: Neues Museum Biel

Biel

Über 700 Jahre ist Deutsch die alleinige  Amtssprache in Biel, aber die Bieler Elite unterhält enge Beziehungen zu frankofonen Gegenden und bereits im Mittelalter hört man Französisch in Häusern, Handwerksateliers und im Rathaus. Biel wird schon früh zu einem Labor der Zweisprachigkeit.

Sammlung: Neues Museum Biel

Die Uhrenindustrie

Die Aufschwung der Uhrenindustrie führt im 19. Jahrhundert zu einer enormen Zuwanderung aus dem Jura. Das verändert die Spachlandschaft Biels Grundlegend. Arbeitsimmigration ist immer einer der Hauptgründe für Sprachwandel. Was Biel einzigartig macht, ist der politische Wille Französisch auf zu werten und 1950 wird Französisch gleichberechigte zweite Amtssprache und Biel offiziell bilingue.

Die heutige Spachlandschaft

Seither ist die Bieler Gesellschaft bestrebt, allfällige Differenzen zu überwinden. Durch Kultur, Sport, Vereine oder zweisprachige Schulen entstehen gemeinsame Bezugspunkte.

In Biel wird aber nicht nur Deutsch und Französisch gesprochen. Neben über 50 weiteren Sprachen schafft auch der Lebensraum Identität. Gebäude, Parks, Plätze und Treffpunkte sorgen bei den Menschen in Biel für Vertrautheit und heimatliche Gefühle.

Die Ausstellung «Biel und der Röstigraben» im Neuen Museum Biel geht der Frage nach, wie die vielfältigen Kulturen in der Stadt zusammenleben, wo sie sich treffen und wie sie sich verständigen. Sie zeigt auf, dass die Mehrsprachigkeit über die Jahrhunderte immer wieder Engagement erfordert, um zu einem gegenseitigen Verständnis zu finden.

(Quelle und weitere Informationen: Neues Museum Biel/Nouveau Musée Bienne).

Der Neuenburgersee und die Höhlen der Areuse-Schlucht


Noé Cotter, 2020. Foto: TES

Die Ausstellung Errances dans les méandres du temps leitet die Besucher an Orte, mit welchen der Fotograf Noé  Cotter (geboren 1993) seit seiner Kindheit vertraut ist.

Seine Erkundungen führen von den Tiefen des Neuenburgersees zu den Höhlen der Areuse-Schlucht im Kanton Neuenburg. Die 28 ausgestellten Fotografien stammen aus dem Jahr 2020. Heute laden diese Fotografien dazu ein, scheinbar vertraute doch unbekannte Landschaften zu entdecken.

Die Naturelemente Wasser, Fels und Vegetation spielen dabei eine zentrale Rolle, wohingegen der Mensch einen unklaren Platz einnimmt. Letzteres wird durch materielle Überreste angedeutet – Pfahlbauten von Pfahlbaudörfern und zeitgenössische Gegenstände, die ein langer Aufenthalt auf dem Seegrund in archäologische Relikte verwandelt hat.

Die Zukunft der Gärten


Piet Oudolf, Oudolf Garten Vitra Campus, Weil am Rhein, 2020 © Vitra, Foto: Dejan Jovanovic

Gärten sind Spiegel von Identitäten, Träumen und Visionen, sie haben tiefe kulturelle Wurzeln und sind Ausdruck unserer Beziehung zur Natur. Heute ist der Garten viel mehr als ein romantisches Idyll.

Gärten sind zu Orten der Avantgarde geworden, dienen als Experimentierfelder für soziale Gerechtigkeit, Biodiversität und eine nachhaltige Zukunft.

Mit »Garden Futures« präsentiert das Vitra Design Museum eine grosse Ausstellung zur Geschichte und Zukunft des modernen Gartens. Welche Ideen und Vorstellungen haben unser heutiges Gartenideal geprägt? Welchen Beitrag leisten Gärten zu einer Zukunft, die für alle lebenswert ist?

Diese Fragen untersucht die Ausstellung anhand von vielfältigen Beispielen aus Design, Alltagskultur und Landschaftsarchitektur – vom Liegestuhl bis zur vertikalen Stadtfarm, von zeitgenössischen Community-Gärten über begrünte Gebäude bis hin zu Gärten von GestalterInnen und KünstlerInnen. Gestaltet wird die Ausstellung durch das bekannte italienische Designduo Formafantasma.

Johann Heinrich Füssli


Johann Heinrich Füssli, La Débutante, 1807. Tate, presented by Lady Holroyd in accordance with the wishes of the late Sir Charles Holroyd, 1919, Foto © Tate

Vom 24. Februar bis 21. Mai 2023 zeigt das Kunsthaus Zürich den Schweizer Künstler Johann Heinrich Füssli (1741–1825) als intimen Zeichner. Füssli war einer der eigenwilligsten, originellsten und umstrittensten Künstler des achtzehnten Jahrhunderts in Europa.

Der betont individualistische und sensationslüsterne Charakter von Füsslis Kunst spaltete die öffentliche Meinung während seiner gesamten Karriere.

Wo man idealisierte Körper in den anmutigen Posen und Proportionen antiker Statuen erwarten würde, begegnen uns stattdessen Frauen, deren Körper durch steife Mieder, Taillenbänder, gerüschte Ärmel und spitze Schuhe definiert und deren Köpfe von Frisuren der komplexesten und bizarrsten Art gekrönt werden.

Seine weiblichen Figuren nehmen eine betont herausfordernde Haltung ein. Selbstbewusst erwidern die Frauen die Blicke der Betrachterinnen und Betrachter oder ignorieren diese gänzlich. In der Regel präsentiert Füssli seine Frauen als Einzelfiguren, die geradezu unnahbar auftreten. In Gruppen versammelt, können ihre Aktivitäten geheimnisvoll wirken.

In Ausstellung (Füssli. Mode – Fetisch – Fantasie) und Katalog werden die Vielfalt der weiblichen Frisuren und das neue Bild der mächtigen weiblichen Figur untersucht sowie der Einfluss des libertären Umfelds auf die kreative Vorstellungskraft des Künstlers. Die Ausstellung entstand in Zusammenarbeit mit The Courtauld, London.

Picasso Célébration 1973–2023


Pablo Picasso Tête d’homme, 19.1.1972. Anthax Collection Marx, Dauerleihgabe Fondation Beyeler © Succession Picasso/2023, ProLitteris, Zurich

Im Rahmen der internationalen Events rund um das fünfzigste Todesjahr von Pablo Picasso (1881–1973) präsentiert die Fondation Beyeler zehn späten Gemälden Picassos, die sich mit dem Bild von Künstler und Modell befassen.

Rund fünfzig Ausstellungen und Anlässe in Kulturinstitutionen in Europa und Nordamerika ermöglichen eine Bestandsaufnahme des Wissensstandes zu und des Verständnisses von Picassos Werk vorzunehmen.

Diese Werke, die im letzten Jahrzehnt von Picassos Schaffen entstanden, führen die Produktivität des Künstlers am Ende seines Lebens vor Augen. Picasso setzt sich darin mit dem (Selbst-)Bild des Künstlers und dem künstlerischen Schöpfungsakt ebenso auseinander wie mit dem Bild des weiblichen Körpers. Dabei eröffnen sich für Betrachterinnen und Betrachter auch Fragen in Bezug auf die Darstellung der Frau in der Kunst im Kontext der heutigen Zeit.

Picasso Célébration 1973–2023 wurde initiiert vom Musée national Picasso-Paris und Bernard Picasso, Enkel des Künstlers und Präsident der FABA und des Picasso Museums in Málaga.

Joan Miró, Paul Klee und ein neues Beginn


Femme devant le soleil I, 1974, der Fundació Joan Miró, Barcelona. Foto: Jaume Blassi ©Successió Miró, 2022. ProLitteris 2022, Zürich

Joan Miró (1893-1983) ist bekannt für seine farbigen surrealistischen Traumwelten. Der katalanische Künstler erweiterte seinen Malereibegriff jedoch nach 1956. Dieser Moment des Neuanfangs bildet den Ausgangspunkt für die Ausstellung (Joan Miró: Neue Horizonte).

Die konventionelle Malerei an der Staffelei empfand der Künstler von da an als Einschränkung und er suchte nach neuen Ausdrucksformen. So «malte» er beispielsweise statt mit dem Pinsel mit Feuer und Schere, erweiterte seine Technik auf Textilien oder übermalte gekaufte klassische Gemälde. Entstanden sind dabei grossformatige und rohe Gemälde und Skulpturen von grosser künstlerischer Aktualität.

Die Ausstellung umfasst 74 Werke, vorwiegend aus den späten 1960er-, den 1970er- und den frühen 1980er-Jahren. Die Mehrheit davon stammt aus den Beständen der Fundació Joan Miró, Barcelona sowie der Fundació Pilar i Joan Miró a Mallorca und ist erstmals in der Schweiz zu sehen.

Obwohl Joan Miró  und Paul Klee (1879-1940) sich nie persönlich kennenlernten, hat die Begegnung mit Paul Klees Werk Joan Miró nachhaltig geprägt. Dank der Auseinandersetzung mit dem Schweizer Künstler sei es Miró zudem gelungen, eine Balance zwischen figurativem Surrealismus und Abstraktion zu finden.

Die Ausstellung entstand in Zusammenarbeit mit der Fundació Joan Miró, Barcelona.

Léon Spilliaert und die Nordsee


Nature morte aux coquillages, 1927, Aquarell und gouache auf Papier Canson Montgolfier, Private Sammlung. Foto Renaud Schrobiltgen, Brussel

Im ersten Halbjahr 2023 widmet die Fondation de l’Hermitage einem der wichtigsten belgischen Künstler zu Beginn des 20. Jahrhunderts eine Retrospektive: Léon Spilliaert (1881-1946).

Er vermischt die Zeichentechniken und knüpft Bande zum zeitgenössischen Symbolismus und Expressionismus. In seinen radikalsten, extrem vereinfachten Landschaften scheint er die geometrische Abstraktion und den Minimalismus anzukündigen.

Bis zum Ersten Weltkrieg (1914-1918) arbeitete er vor allem mit lavierter Tusche, Aquarell, Pastell sowie Buntstift und schafft nüchterne, an Abstraktion grenzende Landschafte. Die wenigen Figuren, die diese Küstenstriche bevölkern, sind meist Frauen.

Nach 1920 verwendete er Aquarell und Gouache, um Seestücke zu schaffen, von denen einige zur Abstraktion neigen. In den 1930er- und 1940er-Jahren kehrt er zu einem Jugendthema zurück: die Natur.

Vom Wert der Kunst


Pierre Keller (1945-2019), Kilo Kunst – art Kilo – Kilo art, 1971. © Succession Pierre Keller

Für moderne Werke werden oft Rekordsummen bezahlt und (junge) Künstlerinnen und Künstler steigen in kürzester Zeit zu Grossverdienern auf. Ohne eine Polemik über Kunst und Geld zu entfalten, sondern eher philosophisch geprägt, möchte die Ausstellung (Vom Wert der Kunst) anhand ausgewählter Positionen aus der Sammlung des Bündner Kunstmuseums der komplexen Beziehung zwischen Kunst und Wert auf die Spur kommen.

Werke von Künstlern und Künstlerinnen werden mit Themen in Beziehung gesetzt, über die man sich dem Mysterium des Wertes annähern könnte. Vergänglichkeit, Autorschaft, Ironie oder Deutungshoheit sind dabei nur einige Aspekte.

Was erzählt eine Arbeit die aus Lebensmitteln besteht und langsam zerfällt? Welche Einsichten gibt die Mystifizierung über die Rolle der Autorschaft? Was sagt die Ironie über künstlerische Aneignung? Welche Erkenntnisse gewinnt man über die Grenzen des Kunstkontextes?

Gegenwärtig wird vermehrt erwartet, dass nicht nur die Akteurinnen und Akteure des Kunstbetriebes über die Bedeutung von Kunst urteilen. Auch die Öffentlichkeit will in diese Prozesse eingebunden werden. Die Ausstellung soll diese Diskussion anregen und gleichzeitig Raum für persönliche Interpretationen schaffen.

Leporellos, Künstlerbücher und die Post


Die Basler Papiermühle, das schweizerische Museum für Papier, Schrift und Druck, präsentiert eine Wanderausstellung (Letters around the World) von 72 Künstler*innen aus 36 Ländern mit Leporellos und Künstlerbüchern, die 2020/2021 während der Pandemie entstanden sind, als das Kulturleben völlig daniederlag.

Das Leporello ist ein Druckerzeugnis aus einem langen, zusammengefalteten Papierstreifen in Abgrenzung zu Brief, Handzettet (Flyer), Broschüre oder Faltprospekt (Folder).

Jedes Exponat ist das Ergebnis eines Erfahrungsaustauschs zwischen zwei Kunstschaffenden aus verschiedenen Ländern rund um den Globus, die per Post (also nicht per App, E-mail oder Computer) in einen Dialog traten über ihre Werke.

Die Ausstellung zeigt die persönliche Dimension, die Kreativität und den speziellen Mehrwert der ‘altmodischen’ Post, d.h.des schriftlichen Austauschs und Wortes.

Die Arbeiten mit ganz unterschiedlichen Gestaltungskonzepten, Techniken und Inhalten, sind nun erstmals in Europa zu sehen, nach Ausstellungen in São Paulo, Buenos Aires und Quito.

Eine Impression des Museums