Die Schweiz unterwegs, 1750-1920


Die Schweiz unterwegs, 1750-1920. 1750-1920. Château de Prangis.

Diese Dauerausstellung präsentiert die Geschichte der Schweiz von der Helvetischen Revolution bis zum Ersten Weltkrieg, illustriert durch Objekte aus dem Alltagsleben, aber auch durch Kunstwerke. Sie erstreckt sich über zwei Stockwerke und berührt Themen aus Politik, Wirtschaft, Gesellschaft und Kultur.

Die Besucherinnen und Besucher erfahren, wie sich die bäuerliche und arme Schweiz des Ancien Régime innerhalb von nur sechs Generationen in einen modernen Industriestaat gewandelt hat. Faszinierend ist auch die Entwicklung der Medizin seit dem 18. Jahrhundert: Bis zu Beginn des 20. Jahrhunderts wurden die Impfungen, die Zahnmedizin, die Narkose usw. entwickelt.

Andere gewichtige und interessante Themen erwarten sind Tourismus, Schule und Schulhygiene, Auswanderung, bürgerliches Leben, Arbeiterleben und Arbeiterbewegung, die neuen Apparate einer modernen Wirtschaft: Telefone, Diktaphone und Rechenmaschinen, die Eisenbahn und der Zugang zu Produkten aus fernen Ländern (19. Jahrhundert).

Posy Simmonds Close Up


Plakat Ausstellung Posy Simmonds Close Up. Cartoonmuseum Basel.

Die  Cartoonistin, Comiczeichnerin und Kinderbuchautorin Posy Simmonds (1945) fasziniert mit präzisen psychologischen Porträts, verspottet die Unzulänglichkeiten der Mittelschicht und der Kulturszene, karikiert Biederkeit und kritisiert gesellschaftliche Entwicklungen.

Längere Textpassagen wechseln mit klassischen Comicsequenzen ab, Bezüge zu Klassikern von Schriftstellern wie Gustave Flaubert und Charles Dickens fügen den Geschichten weitere Ebenen hinzu.

Ein eleganter, klarer und körperhafter Zeichenstil, die tiefgründig ausgearbeiteten Figuren, der treffsichere Humor und der wache Geist einer grossartigen Erzählerin zeichnen alle Arbeiten von Posy Simmonds aus. Ihre grafischen Romane wurden in mehrere Sprachen übersetzt, einige ihrer Bücher wurden verfilmt.

Die Ausstellung zeigt die bis anhin umfassendste Retrospektive dieser bedeutenden britischen Zeichnerin mit Originalzeichnungen aus allen Graphic Novels und den Kinderbüchern,

Illustrationen und Cartoons für Zeitungen und Magazine sowie unveröffentlichten Vorarbeiten.

Sie wird zudem zum ersten Mal überhaupt im deutschsprachigen Raum mit Originalen ausgestellt.

Die Unterschätzte Horizontale das Gesims in Kunst und Architektur


Meister GA mit der Fussangel (um 1538 tätig), Korinthischer Sims mit Akanthusblättern verzierte Konsole, 1530 – 1540, Kupferstich, Graphische Sammlung ETH Zürich.

Gesimse finden sich überall. Fenster, Türen, Decken, Spiegel und Wandverkleidungen aus allen Jahrhunderten weisen an ihren Rändern kunstvolle Profile auf.

Autos, Kleidung, Möbel und Haushaltsgegenstände weisen ihre eigenen gesimsartigen Elemente auf. Streifen, Bänder und Linien aus Farbe wirken wie Gesimse, wenn sie Artefakte unterschiedlichster Art einrahmen oder krönen. Und dennoch werden sie leicht übersehen.

Aus diesem Grund wird dieses unterschätzte architektonische Element in einer Ausstellung in der Graphischen Sammlung ETH Zürich einer Neubewertung unterzogen. Das Gesims erhält dort seinen längst überfälligen grossen Auftritt.

Das Gesims, einst ein wesentlicher Teil jeder klassischen Architekturkomposition, zog zu Beginn des 20. Jahrhunderts den Zorn der Modernisten auf sich. Es wurde verschiedentlich als der ausdrucksstärkste, aber auch als der problematischste Teil der Architektur bezeichnet. In Zeichnungen, Radierungen und Kunstwerken hat es immer wieder die Aufmerksamkeit auf sich gezogen.

Daher eröffnet die Geschichte des Gesimses in vielerlei Hinsicht eine neue Sichtweise auf die vielfältigen Geschichten der Architektur und ihrer Repräsentationen.

Um diese Geschichten freizulegen und die komplexe Rolle des Gesimses in Architektur, Städtebau und Kunst herauszuarbeiten, vereint die Ausstellung eine einzigartige Auswahl von über 150 Zeichnungen, Drucken, Büchern und Objekten vom 15. Jahrhundert bis heute.

Zu den ausgestellten Autoren und Künstlern gehören neben vielen anderen Francesco di Giorgio, Gottfried Semper, Frank Lloyd Wright und Le Corbusier.

 

 

Antigone und Chalk Fall


Tacita Dean, Chalk Falll 2018. Courtesy the artist, Marian Goodman Gallery New York/Paris, Frith Street Gallery London

Antigone wird im Kunstmuseum Basel | Gegenwart durch eine kleine Auswahl von Werken Tacita Deans (1965) ergänzt, die in engem Zusammenhang mit dem Film stehen.

Hinzu kommen die grossformatige Kreidezeichnung Chalk Fall (2018) und einige Schieferarbeiten, darunter auch die neuste Zeichnung, Cynthia Teemin (2021) – Cynthia ist ein Vollmond.

Als Fortsetzung der Ausstellung ist eine Gruppe von kurzen 16mm-Filmen zu sehen, die zum ersten Mal gemeinsam gezeigt werden. Ear on a Worm (2017), A Cloud Makes Itself (2020), Providence (2018) und LA Magic Hour (2019–2021).

Antigone von Tacita Dean


Fragment Antigone, Kunstmuseum/Gegenwart, Basel.

Das Museum zeigt die Schweizer Erstaufführung von Antigone (2018), der bisher komplexesten Arbeit von Tacita Dean (1965).

Die Präsentation des einstündigen, anamorphotischen 35mm-Films wird durch weitere Filme, Fotografien, Fotogravuren und Kreidezeichnungen der britisch-europäischen Künstlerin ergänzt.

In Antigone geht es um den Namen Antigone und alles, was in ihm anklingt, nicht nur in der griechischen Literatur der Antike, sondern auch im eigenen Leben der Künstlerin.

Antigone ist der Name von Deans älterer Schwester und gehört somit zu den ersten Wörtern, die die Künstlerin gelernt hat. Eben diesen Namen trägt bekanntlich auch die Heldin in der thebanischen Trilogie des griechischen Tragödiendichters Sophokles, was Dean darauf brachte, ihre eigene Geschichte mit dem mythologischen Kosmos der klassischen Antike zu verflechten.

Antigone wurde dank Deans Technik der Blendenmaskierung ausschliesslich mit und im Innern einer 35mm-Kamera auf Film gebannt.

Diese Technik ermöglicht es der Künstlerin, mehrere Bilder innerhalb eines einzelnen Filmbildes festzuhalten, wobei Schablonen und Mehrfachbelichtungen zum Einsatz kommen.

Zentrales Thema von Antigone ist die Blindheit: Die künstlerische Blindheit.

Antigone wird durch eine kleine Auswahl von Werken Deans ergänzt, die in engem Zusammenhang mit dem Film stehen. Hinzu kommen die grossformatige Kreidezeichnung Chalk Fall (2018) und einige Schieferarbeiten.

Als Fortsetzung der Ausstellung ist eine Gruppe von kurzen 16mm-Filmen zu sehen, die zum ersten Mal gemeinsam gezeigt werden.

Ear on a Worm (2017) etwa entstand in Anlehnung an Leonard Cohens Song Bird on a Wire. In A Cloud Makes Itself (2020) ist zu beobachten, wie sich eine Wolke im tiefen Blau des Himmels über L.A. bildet und wieder auflöst, und Providence (2018) ist ein stilles Duett zwischen dem Schauspieler David Warner und Kolibris. Erstmals zu sehen ist auch eine neue Serie handgezeichneter Lithografien mit dem Titel LA Magic Hour (2019–2021).

Idyllen zwischen Berg und See


Die schönsten kolorierten Lithografien, Gouachen und Darstellungen des grossen Naturraumes zwischen Säntis und Rheinfall zur Zeit seiner touristischen Entdeckung zu Beginn des 19. Jahrhunderts.

Ein Kooperationsprojekt des Rosgartenmuseums Konstanz mit den Schweizer Museen Turmhof Steckborn, Volkskundemuseum Stein, Museum Appenzell, Museum Rosenegg, Museum zu Allerheiligen Schaffhausen, Historisches und Völkerkundemuseum St. Gallen, Museum Herisau, vorarlbergmuseum Bregenz und namhaften Privatsammlern.

Biel 4.0


Foto: Patrick Weyeneth, NMB.

Digitalisierung, Clouds, Smart Factories und 3D-Drucker: Die Industrie 4.0 revolutioniert gegenwärtig unsere Arbeit. So tiefgreifend der Wandel uns erscheint, historisch betrachtet ist er nicht einzigartig.

Die Industriestadt Biel erlebt bereits die vierte industrielle Revolution seit dem 19. Jahrhundert. Maschinen, Dampfkraft, Fliessband, Computersteuerung, Automatisierung und Industrieroboter sowie weitere technologische Entwicklungen veränderten in den vergangenen drei industriellen Revolutionen die Arbeit stets von neuem.

Wie stellten sich die ArbeiterInnen dem technologischen Wandel? Wie passte sich ihr Schaffen den vier Revolutionen an? Wie viele Stellen und Berufe verschwanden, wie viele kamen hinzu?

Welche Herausforderungen und Chancen wird die Industrie 4.0 mit sich bringen?

Die Kebes-Tafel im barocken Kontext


Joseph Plepp Die Berner Kebes-Tafel. um 1633.Kunstmuseum Bern, Geschenk Karl von Büren.

In der Ausstellung wird die berühmte Kebes-Tafel von 1633 von Joseph Plepp (1595–1642) erstmals in ihren kulturhistorischen Zusammenhang gesetzt.

Eingebettet in einen Kontext aus Grafiken, Zeichnungen und Gemälden gibt sie einen vertieften Einblick in die bürgerliche (barocke) Lebensrealität des 17. Jahrhunderts.

Die Kebes-Tafel, ein über drei Meter langes Gemälde, entstand 1633 und hing ab 1689 während mehr als zwei Jahrhunderten in der Berner Theologieschule.

Mit mehr als 200 Figuren zeigt das Werk die Irrungen und Wirrungen des Menschen auf seinem Weg hin zu einem glücklichen Leben. Dieser ist in drei Zonen geteilt: Einmal ins Leben eingetreten, sind alle Menschen den Launen des Schicksals, den personifizierten Begierden, falschen Meinungen und Lastern ausgesetzt. Nur durch Vernunft, Bildung und mithilfe von Tugenden vermögen einige schliesslich in die dritte Zone zu gelangen, zur Erkenntnis dessen, was wirklich wichtig ist.

Die Darstellung basiert auf einem Kupferstich des niederländischen Künstlers Hendrick Goltzius (1558–1617), dem wiederum ein antiker Text zugrunde liegt.

Die Ausstellung führt in das Zeitalter des Barock im 17. Jahrhundert mit seinen Idealen und Werten.

Animal Farm in Bern


August Gaul, Laufender Strauss, 1900 Bronze, Flügelspitzen vergoldet. Kunstmuseum Bern, Leihgabe der Zwillenberg-Stiftung.

Der Bildhauer August Gaul (1869 –1921) gilt als Wegbereiter der autonomen Tierskulptur und der modernen Abstraktion. Seine Plastiken zeigen Zoo-, Haus- und Nutztiere als Wesen mit individuellem Charakter und pulsierender Lebendigkeit.

Gaul lebte in Zeiten einschneidender Umbrüche: Die Industrialisierung und die zunehmende Verstädterung ab Ende des 19. Jahrhunderts führten zu einem umfassenden gesellschaftlichen Wandel, dem auch das Verhältnis Mensch–Tier unterlag.

Mit mehr als 250 Plastiken, Gemälden, Grafiken, Fotos und Büchern zeigt die Ausstellung Gauls Œuvre erstmals im Dialog mit Kunstwerken seiner Zeitgenossen und Zeugnissen aus Wissenschaft und Populärkultur. Die Kontextualisierung veranschaulicht die Auseinandersetzung mit der Neubestimmung des Verhältnisses Mensch–Tier, welche auch heute noch grösste Aktualität besitzt.

Der Prix Art Humanité


Plakat der Austellung 'Concernées', Musée international de la Croix-Rouge et du Croissant-Rouge, Genf.

Genf ist die Welthauptstadt der humanitären Hilfe. Wie setzen sich hier ausgebildete Künstler*innen mit diesem wesentlichen Aspekt der Stadt auseinander? Kann uns Kunst helfen, humanitäre Themen besser zu verstehen?

Seit 2015 gibt der jährlich verliehene Prix Art Humanité Antworten auf diese Fragen. Der Preis geht an Künstler*innen oder Designer*innen, deren Arbeit den wichtigsten Grundsatz der Internationalen Rotkreuz- und Rothalbmondbewegung reflektiert: Menschlichkeit.

Die hier vorgestellten Künstler*innen haben alle am Wettbewerb teilgenommen und die Menschlichkeit steht auf sehr unterschiedliche Weise im Mittelpunkt all ihrer Arbeiten.

Soziale Themen werden beleuchtet, Normen hinterfragt, die unsere Beziehung zu uns selbst und zu anderen regeln, und wir werden eingeladen, unsere Identitäten zu akzeptieren – und zu behaupten, egal wie komplex oder verletzlich sie sind.