Neun Künstlerinnen auf Korsika


Die Künstlerin Chantal Convertini (*1992)  mietete im Sommer 2021 ein Haus auf Korsika und lud acht Kolleginnen, die sie bis dahin nur auf Instagram kannte, zu einer Art Workshop ein.

Das Experiment wurde zu einem kleinen Wunder, denn die Gruppe harmonierte nicht nur auf fotografischer, sondern auch auf menschlicher Ebene. So entstanden in wenigen Tagen hunderte von Fotos: Selbstporträts, Akte, Gruppenaufnahmen, Details, Landschaften. Vieles entstand aus dem Moment, aus der Stimmung heraus und die Fotografien zeigen auch, wie das Vertrauen untereinander mit jedem Tag grösser wurde.

Der Titel der Ausstellung (Of Corse) ist kein gesuchtes Wortspiel. Er zielt auf den Ort hin, wo diese magischen fotografischen Momente ihren Ursprung haben, aber er meint auch die Natürlichkeit mit der diese Aufnahmen entstanden sind.

Die Künstlerinnen setzen sich vornehmlich mit ihrem Körper, ihrem Selbst, mit Geslecht und Identität auseinander. Das Kollektiv einigte sich auf das Projekt und so ist ein wirkliches Gemeinschaftswerk entstanden.

Bilder: Felicitas Schwenzer, Charlotte Grimm

Auch war ursprünglich nicht geplant, diese teilweise sehr intimen Fotos in einer Ausstellung zu zeigen. Aber nur in dieser Gruppe zusammen zu sein. Dies hat einen Raum geschaffen, in dem Nacktheit nicht nur schön war, sie war auch lustig und ganz ohne Scham, kraftvoll, vertrauensvoll und vollkommen angstfrei.

Nur Chantal wusste, dass es ein Angebot für eine Ausstellung in der Kulturstiftung Basel H. Geiger gab, und sie informierte den Anderen erst am letzten Abend.

Korsika war die Insel der Wahl für dieses Projekt, doch Zeit und Raum sind austauschbar, die Menschen sind viel wichtiger. Die Ausstellung zeigt die Fotos nicht als einzelne Kunstwerke, sondern als eine Reise und ein Zusammensein von neun Künstlerinnen.

Die Ausstellung zeigt Werke von: Chantal Convertini, Lena Aires (*1987), Charlotte Grimm (*1993), Dafni Planta (*1993), Monika Jia Rui Scherer (*1995), Felicitas Schwenzer (*1995), Mayara Scudeler (*1989), Catia Simões (*1989) und Shannon Tomasik (*1991).

Bilder: Lena Aires, Dafni Planta

Replika des Wohnzimmers auf Korsika

Bilder: Lena Aires

Eintritt frei und Katalog gratis

Ein moderner Impressionist aus Berlin


Die Ausstellung „Zwischen Pathos und Patos. Christophor Lehmpfuhl. Sammlung Würth“ zeigt rund 35 Werke aus der Sammlung Würth, ergänzt um einige Leihgaben des Künstlers Christopher Lehmpfuhl, vorwiegend grossformatige Ölgemälde, Aquarelle und  Exponate aus dem Zyklus «Neue Heimat» (2019) aus den letzten zwei Jahrzehnten.

Abtei Maria Laach, 2008 und Gotischer Kreuzgang (Magdeburg). Sammlung Würth Inv. 12558 en Sammlung Würth Inv. 14519

Wer in das Schaffen Christopher Lehmpfuhls eintaucht, begibt sich auf eine Reise durch die Geschichte der Malerei und auf eine Reise mit dem Maler. Im Alter von 12 Jahren unternahm er mit seinen Eltern seine erste Weltreise. Sein zweites Erlebnis war der Besuch einer Impressionisten-Ausstellung im Alter von acht Jahren.

”Ich male mit allen Sinnen. Dabei spielt das Licht – wie im Impressionismus – eine enstcheidende Rolle, um einen Ort weniger an seinen Wahrzeichen als an seinen Licht zu erkennen”. (Christopher Lehmpfuhl).

Diese Erfahrungen waren entscheidend: er wollte Maler werden, die Welt erfahren und sie ins Bild bringen mit der ihm eigenen Technik. Er malt in der Tradition der Impressionisten, bei Wind, Regen, Hitze, Kälte immer im Freien und mit der Überzeugung, dass Kunst ein Medium ist, um der Subjektivität des Künstlers Ausdruck zu verleihen. Seine Werke entstehen meist auf seinen vielen Reisen.

Christopher Lehmpfuhl auf Helgoland. Dockumentation von Sebastian Schrade

Er ist im Jahr 1972 in Berlin geboren, wo er auch heute noch lebt.. Zu Beginn seiner Laufbahn arbeitete Lehmpfuhl überwiegend mit kleinen Formaten, die mit den Transportmöglichkeiten wuchsen. Er schleppt immer noch seine Leingewände und Ölfarben eigenhändig mit.

Er hatte in den ersten Jahren nur sein Velo zur Verfügung und deshalb malte er im Freien nur kleine Bilder. Heute besitzt er einen Lieferwagen und malt seine Bilder meist in grossen Formaten.

Christopher Lehmpfuhl mit seinem Lieferwagen auf Island. Dockumentation von Sebastian Schrade

Er scheut weder hohe Berge, noch weite Reisen oder widrige Wetterbedingungen.Er klettert auf die Krater Islands und malt die dortigen Geysirlandschaften, er reist nach Helgoland und arbeitet vor Ort in der Stadt bei eisiger Kälte, Sturm und Regen, und er besucht regelmässig Asien und die USA. Seine “Orte des Geschehens” sind Berge, Meeresküsten, Lavaebenen, Städte oder Wüste. Was er in einer Landschaft erlebe, verwandelt er in Malerei. Eine wichtige Rolle spielen die Lichtstimmungen, Himmel, Wolken, Sonne.

„Der Zyklus Die Neue Mitte vom Rückbau des Palastes der Republik ist das umfangreichste, was ich bisher realisiert habe und mein künstlerischer Beitrag zur Wiedervereinigung“ (Christopher Lehmpfuhl).

Der Schlossplatz Berlijn, 2014. Sammlung Würth, Inv. 18192

Starke Lichtveränderungen, scharfe Farbkontraste, Naturphänomene wie Regenbögen und Stürme auf dem Meer sowie urbane Transformationsprozesse überträgt der Künstler dabei so, dass für den Betrachter erfahrbar wird, was er sieht.

Dabei entstehen plastische Stadt- und Naturlandschaften. Seine Arbeiten entfernen sich von Merkmalen der klassischen Landschaftsmalerei. Stattdessen trägt er Ölfarbe von Hand direkt auf die Leinwand auf.

Er tut dies mit einer solchen Präzision, dass Repräsentation und Interpretation auf der Leinwand koexistieren und eine Erzählkraft entsteht, die den Betrachter in die Stimmung versetzt, in der das Werk entstanden ist.

“Ich liebe Farbmassen. Wenn die gemalten Gegenstände ins Driedimensionale gehen, sich geradezu in Farbe auflösen, macht mich das glücklich” (Christopher Lehmpfuhl).

Er bringt die dicke Ölfarbe mit der Hand direkt auf die Leinwand und nicht mit einem Pinsel. Schliesslich ist ein Pinsel etwa 30 Zentimeter davon entfernt, während seine Hand in direktem Kontakt mit der Leinwand steht.

Christopher Lehmpfuhl auf Island und Helgoland. Dockumentation von Sebastian Schrade

Ergänzt wird die Ausstellung um einzelne Objekte, die den Arbeitsprozess des Künstlers erahnen lassen. In einem separaten Filmraum sind zudem drei Dokumentarfilme zu sehen, die unter der Regie von Sebastian Schrade 2010, 2014 und 2016 an sehr unterschiedlichen Orten entstanden sind und es ermöglichen, den Künstler in seinem kreativen Schaffen zu erleben.

Korrektorin: Petra Ehrismann

Koblenz-Panorama, 2014, Sammlung Würth Inv. 16716

Christopher Lehmpfuhl auf Island. Dockumentation von Sebastian Schrade

Junge Malerei aus Süddeutschland und der Deutschschweiz


Lin Olschowka (1995), Off the Boat, 2021. Foto/Photo: TES.

Mit einer grenzüberschreitenden Ausstellung befragen das Museum zu Allerheiligen Schaffhausen und das Kunstmuseum Singen gemeinsam den aktuellen Stand der Malerei in Süddeutschland und in der Deutschschweiz.

Der Titel der Ausstellung lautet ‘Ohne Titel’. Diese Bezeichnung wird von Kunstschaffenden häufig als Werktitel genutzt, um die Wahrnehmung der Betrachterinnen und Betrachter nicht vorab in eine Richtung zu lenken. Die Werken in der Ausstellung haben einen Titel.

Lin Olschowsa (1995), Scheinlingszwack, 2022; Marianna Tilly (1995), ‚Men Crying: Disco Locker Room, 2021, und ‚Hitting In The Material World 1/3‘, 2022.

Es geht um die Bandbreite und den Facettenreichtum der Malerei. Eine ideale Möglichkeit, um die Malerei der Gegenwart dieser Region näher kennenzulernen. Die Grenze zwischen den beiden Institutionen und Ländern zu überwinden ist auch ein Ziel dieses Projekt.

Kultur ist (fast) immer transnational. Das Kunstmuseum Singen ist der modernen und zeitgenössischen Kunst gewidmet. Die Kunstabteilung des zu Allerheiligen Museums in Schaffhausen beinhaltet die (religiöse) Kunst vom Mittelalter bis 1945 und moderne und zeitgenössische Kunst. Das Universalmuseum beherbergt drei weitere Abteilungen: Archäologie, (Kultur) Geschichte und Naturkunde.

Sophia Sadzakov (*1992)

Süddeutschland und die Deutschschweiz waren immer ein gemeinsamer (sprachlicher) Kulturraum. Die nationalen Grenzen haben seit Napoleon auch diese Region geprägt. Städte, wie Laufenburg, Kaiserstuhl und Rheinfelden wurden getrennt, neue Grenzen gezogen.

Die kulturellen Zentren waren immer mit einander verbunden in dieser Hochrhein- und Bodenseeregion. Das Bistum Konstanz, das ehemalige Kloster Allerheiligen in Schaffhausen und, zum Beispiel, das Kloster Sankt Georgen in Stein am Rhein (Kanton Schaffhausen)  sind die Zeugen. Kaiser Heinrich II. (973-1024) verlegte im 11. Jahrhundert dieses um 970 in Singen gegründete Kloster nach Stein am Rhein.

Die heutige Zusammenarbeit mit der Ausstellung ‘Ohne Titel’ ist ein ‘back to the roots’ Initiativ.

Museen sind aber auch Platformen für aufstrebende Künstler und Künstlerinnen. Die Ausstellung versteht sich auch als Platform, um das Potential der jungen Malerei in der Region sichtbar zu machen.

Ebenso grundlegend sind die Fragestellungen, mit denen die Ausstellung an die Malerei herantritt. Zentrale Leitgedanken sind die Abbildung malerischer Tendenzen, die aktuelle Kraft der Malerei, die neuen Einflüsse, die Fragen unserer Zeit für die Malerinnen und Maler und die alten und neuen kunsthistorischen Strömungen.

Die Auswahl von Werken von 57  teilnehmenden Malerinnen und Malern zeigt bis zum 16. April die neue Malerei: die Malerei ist zurück, lebendig, sinnlich, lustvoll, energiegeladen.

Dana Greiner (*1988)

Robert Matthes (*1982)

Theo Huber (*1987)

Pracht des Glases. Meisterhafte Emailkunst


Unbekannter Artist, Ende des 19. Jahrhunderts. Sammlung Musée international de l'horlogerie, La Chaux-de-Fonds

Anlässlich des 150 jähriges Bestehens des Kunstgewerbeschule (l’École d’arts appliqués) in La Chaux-de-Fonds (Kanton Neuenburg) und im Rahmen des von den Vereinten Nationen ausgerufenen „Internationalen Jahres des Glases“ präsentiert die Ausstellung Pracht des Glases. Meisterhafte Emailkunst die altüberlieferten Emailtechniken, die zur Dekoration von Uhren verwendet werden.

Diese Ausstellung veranschaulicht die Emailkunst in ihrer höchsten Vollendung dank der Leihgaben zahlreicher renommierter Institutionen aus dem In- und Ausland.

Gleichzeitig zeigt sie die früheren und heutigen Herausforderungen in der Ausbildung von Emailleurinnen und Emailleuren anhand der Sammlung an industrieller Kunst der Kunstgewerbeschule auf.

Ob Zellenschmelz, Grubenschmelz, aufgemalt, opak, durchscheinend oder opalisierend, Email fasziniert seit Jahrhunderten.

Hinter der scheinbar einfachen Zusammensetzung von Glas und Metalloxiden verbirgt sich das ganze Talent der Emailleurinnen und Emailleure, die alle Arbeitsschritte von der Vorbereitung über das Auftragen bis hin zum Brennen im Ofen beherrschen müssen.

Die Schau ist eine Gegenüberstellung von Meisterwerken der Kunsthandwerker und ihren Auftraggebern, der Einfachheit des Materials und der hohen Komplexität seiner meisterlichen Beherrschung, der aktuellen Attraktivität emaillierter Uhren und dem Fehlen eines etablierten Lehrgangs.

Mit mehr als 150 Objekten und Dokumenten aus verschiedenen Referenzsammlungen bietet die Ausstellung dem Publikum die einzigartige Gelegenheit, Werke, die nur sehr selten der Öffentlichkeit gezeigt werden, unter einem Dach zu bewundern.

Das keltische Avenches


Das römische Avenches, Aventicum, die ehemalige Haupstadt der Helvetier, ist mit seinem Amphitheater, dem Theater, dem Römermuseum, der Stadtmauer und anderen römischen Monumenten nahezu jedem bekannt.

Da es keine Befunde aus der Zeit vor der römischen Eroberung gab, vertraten Historiker und Archäologen bislang die Meinung, Aventicum sei von den Römern auf unbewohntem Gebiet ex nihilo gegründet worden.

Nach den jüngsten Grabungen ist diese Ansicht vom Tisch. Man weiss nun, dass in Avenches spätestens ab dem letzten Viertel des 2. Jhs. v. Chr. eine bedeutende keltische Siedlung entstand.

Eine Grabung nach der anderen brachte Teile dieser lange Zeit unter der Erde verborgenen Geheimnisse ans Tageslicht. Die Ausstellung präsentiert diese Gesellschaft, Kultur und Siedlung der Helveten.

Die Comites Latentes in Basel


Die Comites Latentes umfassen 212 Handschriften, die einen Zeitraum vom 6. bis ins 20. Jahrhundert abdecken. In den 1960er Jahren begann Sion Segre Amar (1910–2003) Handschriften zu erwerben. Er nannte seine Sammlung Comites Latentes, also versteckte Begleiter, weil er gewisse Exemplare immer mit sich trug.

Seit 1977 wird die Sammlung in der Bibliothèque de Genève aufbewahrt, wo sie untersucht und publiziert wurde. Die Sammlung umfasst Gebetsbücher, religiöse, literarische, administrative und juristische Texte. Die Mehrheit stammt aus dem Mittelalter, darunter 98 religiöse Handschriften, 47 profane Literatur und 67 Fragmente mit Buchmalerei.

Viele Handschriften kommen aus Italien oder Frankreich und sind auf Lateinisch verfasst, es gibt aber auch hebräische und griechische Texte sowie kleine Tafeln mit Keilschrift. Nach seinem Tod 2003 erbten seine Kinder  die Sammlung und gründeten 2018 die Comites Latentes Società Semplice. Der historische Wert dieser Sammlung ist unermesslich.

Die Eigentümer wünschen sich, dass die Sammlung erforscht und einem breiteren Publikum zugänglich gemacht wird. Es ist geplant, die Sammlung Schritt für Schritt zu digitalisieren und im Internet zur Verfügung zu stellen. Erste Handschriften der Comites Latentes wurden bereits auf Initiative der Bibliothèque de Genève digitalisiert und auf dem Portal e-codices veröffentlicht.

Ausgewählte Kostbarkeiten werden zum ersten Mal bis zum 5. März 2023 in der Barfüsserkirche gezeigt. In der Präsentation wird mit rund 12 ausgewählten Objekten ein Querschnitt durch die Sammlung gezeigt.

Neben einem hebräischen Gebetbuch in Silbereinband, einer Pergamentrolle mit der biblischen Geschichte der Jüdin Esther sowie französischsprachigen Heiligenviten ist auch ein Fragment aus der sogenannten Burckhardt-Wildt Apokalypse zu bestaunen: einer Handschrift, die nach ihrem späteren Basler Besitzer Daniel Burckhardt-Wildt (1752–1819) benannt wurde.

Die Römer, Gallier und Germanen am Rhein


Blick in die Ausstellung. © Ruedi Habegger, Antikenmuseum Basel und Sammlung Ludwig

Die Ausstellung Ave Caesar! Römer, Gallier und Germanen am Rhein zeigt die Bedeutung des Rheins für die frühe Geschichte Basels und ganz Europas. Bereits in der Antike ist dieser Fluss eine wichtige Handelsroute und Verkehrsachse quer über den Kontinent. Die Ausstellung hebt zunächst die epochale Zäsur hervor, die durch Caesars Feldzüge (58–52 v. Chr.) entstand.

Thematisiert werden zudem die politischen, kulturellen und wirtschaftlichen Beziehungen zwischen dem Rheingebiet und den Hochkulturen des Mittelmeerraumes vor Caesars Zeit.

Der Fluss dient dabei als roter Faden, um Aspekte der Kontakte zwischen dem aufstrebenden Imperium Roms und den ansässigen Stämmen der Gallier und Germanen links und rechts des Ufers aufzuzeigen.

Die Ausstellung ist Teil des Projekts „Der Rhein/le Rhin. 3 Länder-38 Ausstellungen/ 3 Pays – 38 expositions„.

Kunst, Krieg und Schach


Selten wurde die Vorbereitung einer Ausstellung so sehr von den aktuellen Ereignissen überholt wie bei „Kunst und Krieg. Von Goya bis Richter“ im Kunstmuseum Winterthur/ Reinhart am Stadtgarten.

Nach jahrelangen Vorbereitungen wird sie bis zum 12. Januar 2023 der Öffentlichkeit präsentiert. Der ursprüngliche Titel war “Wargames”. Seit dem 24. Februar 2022 ist dieser Titel jedoch durch „Kunst und Krieg“ ersetzt worden.

Harun Farocki, Ernste Spiele I-IV, 2010. Sammlung Harun Farocki GbR

Die Ausstellung sollte die Darstellung des Krieges und des damit verbundenen menschlichen Leids durch Künstler und Künstlerinnen ab dem späten 15. und frühen 16. Jahrhundert wiedergeben.

Wargames” meint die Apotheose der digitalen Kriegsführung im 21. Jahrhundert. Vier Videos von Simulationen für US-Soldaten im Irak, die “Wargames”, schliessen die Ausstellung noch immer ab, allerdings hat sich der aktuelle Kontext geändert.

Die Qualität der Arbeiten hat sich jedoch nicht verändert. Die Schau präsentiert einzigartige Serien: Die Apokalypse von Albrecht Dürer (1471-1528), Jacques Callot (1592-1635): Misères de la Guerre, , Hans Ulrich Franck (1590-1675): Schrecken des Dreissigjährigen Krieges, Giovanni Battista Tiepolo (1696-1770): Vari Capricci und Francisco Goya (1746-1828: Desastres de la Guerra.

Albrecht Dürer. Die apokalyptische Reiter. 1511. Sammlung: Kunstmuseum St. Gallen

Diese Künstler schilderten das wahre Wesen des Krieges auf originelle und schonungslose Weise.  Sie stellten nicht im Auftrag Herrscher und Kriegshelden in den Mittelpunkt grosser Ölgemälde, sondern schufen auf eigenes Risiko und ohne Auftrag kleine grafische Werke, die leicht vervielfältigt und verbreitet werden konnten. Dürer war der erste, der die neu erfundene Druckerpresse zu diesem Zweck einsetzte.

Jacques Callot, L’estrapade, nr. 11. 1633. Sammlung: Kunst Museum Winterthur/Stiftung Oskar Reinhart

Félix Vallotton (1865-1925), Käthe Kollwitz (1867-1945), Eduard Rüdisühli (1875-1938), Otto Dix (1891-1969), Frans Masereel (1889-1972), Walter Kurt Wiemken (1907-1941), Alberto Giacometti (1901-1966), Gerhard Richter (1932) und schliesslich Harun Farocki (1944-2014) und seine Serie ‚Ernste Spiele‘, die vier Simulationsvideos für US-Soldaten, spannen den Bogen vom 19.  zum 21.  Jahrhundert.

Francisco Goya, Tampoco, 1810-1814, blad 34. Sammlung: Kunst Museum Winterthur/Stiftung Oskar Reinhart

Eine grosse Überraschung ist Frans Masereels Werk juin 1940-1942. Der belgische Künstler floh im Juni 1940 von Paris nach Südfrankreich. Ähnlich dem „Wandteppich von Bayeux“ zeichnete er 1942 ein kleines Panorama, ein Makimono, das die Kriegsereignisse auf sechs Metern Papier darstellt. Das Werk war 40 Jahre lang nicht öffentlich zu sehen.

Giacomettis La main von 1947 basiert auf seinen persönlichen Erfahrungen. Als er im Juni 1940 aus Paris floh, sah er nach einem deutschen Angriff einen abgetrennten Arm auf der Strasse liegen. Damit stellt er auf seiner Weise das Leid des Krieges dar.

Diese beeindruckende Schau hat auch eine ergänzung in der Ausstellung mit dem Titel „Schachmatt − Spiel der Könige. Herrscherminiaturen des Frühbarock- eine Darstellung von Herrscherfiguren in Miniaturen des Frühbarock.

Friedrich V., Pfalzgraf und König von Böhmen (1596-1632), 1621. Sammlung: Emil S. Kern

Diese Zeit war (auch) äusserst gewalttätig (u. a. der Dreissigjährige Krieg), und die Herrscher führten Kriege wie auf einem „Schachbrett“. Die Herrscher mussten ihre Macht legitimieren, und Miniaturen waren ein wirksames Mittel der Selbstdarstellung. Zu sehen sind wunderschöne Miniaturen aus Frankreich, den Niederlanden und England.

Schach war seit dem Jahr 1000 eine beliebte und besonders prestigeträchtige Freizeitbeschäftigung von Monarchen, Generälen und anderen (militärischen) Führern.

Die Lewis Chessmen, 11. Jahrhundert, der König , die Königin, der Bischof (der Laufer) und der Bauer. British National Museum, London.  Foto: TES.

Die “Lewis Chessmen” sind die ersten in Europa (Isle of Lewis, Nordschottland) gefundenen Schachfiguren aus Elfenbein, die wahrscheinlich in Trondheim in Norwegen hergestellt wurden.

Diese Wikinger lebten damals in Schottland und Irland und hatten das Schachspiel wahrscheinlich in Byzanz oder in der Stadt Kiew kennen gelernt, Jahrhunderte vor der Gründung des Grossfürstentums Moskau und seiner Zaren.

Damit schliesst sich der Kreis dieser Ausstellungen und nimmt Bezug auf aktuelle Ereignisse.

Korrektorin: Eva Maria Fahrni

 

 

 

Barockes Silber aus einer Basler Sammlung


Die Ausstellung Schöner Trinken. Barockes Silber aus einer Basler Sammlung stellt eine der bedeutendsten Privatsammlungen barocker Silberobjekte in der Schweiz vor. Sie gibt Einblicke in die Vielfalt von Trinkgefässen sowie deren Herstellung und Verwendung. Die Tafelsitten vor 300 Jahren zeigen bei aller Unterschiedlichkeit auch Parallelen zur heutigen Trinkkultur.

Mit Wein gefüllte, über den Tisch fahrende Segelschiffe, Sturzbecher mit Windmühle und Blasröhrchen, Weinwunderpokale sowie bis zu 2,5 l fassende Deckelhumpen für warmes Bier führen die Gepflogenheiten des Trinkens auf unterhaltsame Weise vor Augen.

Darüber hinaus geben die kunstvoll gestalteten Silbergefässe einen Einblick in deren Funktion und Bedeutung als Repräsentationsstücke. Auch der Herstellung dieser kunsthandwerklichen Erzeugnisse kommt mit einer Werkstattinstallation ein besonderer Stellenwert zu

Jakob Scheuchzer und das Klima


Seit Jahrzehnten ist eine deutliche Erwärmung auf der Erde feststellbar. Sie geht im Unterschied zu früheren Zeiten schnell und global vor sich. Die interdisziplinäre Forschung beschäftigt sich mit den Ursachen für diesen Prozess und möglichen Szenarien, wie er gebremst werden könnte.

Die Situation ist auch Anlass in die Vergangenheit zu blicken, um die Abläufe der Gegenwart in einen historischen Kontext setzen zu können. Die gesammelten Daten reichen bis in die Vorgeschichte zurück. Anhand von archäologischen Funden und zahlreichen historischen Dokumenten wird in der Ausstellung die Klimageschichte Zürichs beleuchtet, und zwar vom Neolithikum bis heute.

Ein besonderer Fokus liegt auf den Arbeiten des Zürcher Universalgelehrten Johann Jakob Scheuchzer (1672-1733). Er nahm nicht nur als erster Schweizer barometrische Höhenmessungen vor, sondern er erhob auch instrumentelle meteorologische Daten und arbeitete an einem europäischen Netzwerk zur Wetterbeobachtung und Wettervorhersage.

Jakob Scheuchzer, Schabblatt aus der Physica Sacra (Band I 1731). Foto: Wikipedia

Er studierte Naturphilosophie, promovierte in Medizin, beschäftigte sich mit Botanik und Geologie und wurde schliesslich Stadtarzt. Er korrespondierte über Jahrzehnte zudem mit der europäischen Gelehrtenwelt.

Die Schweizer Naturgeschichte hob er auf eine neues Niveau: Luftdruck,Temperatur, Niederschlagsmenge. So entstanden die ersten Datenreihen, die er austauschte mit Kollegen im Ausland.

Rund um Scheuchzer beschäftigt die Ausstellung sich mit dem (Zürcher) Klima von der Steinzeit bis zur heutigen Erderwärmung. Einen Schwerpunkt ist die kleine Eiszeit, die ab 1350 für eine Abkühlung sorgte und Flora und Fauna veränderte .Schon damals gab es Dürren, kein oder zu viel Regen und der Rhein und Limmat trockneten aus.

Die Ausstellung relativiert die Erderwärmung durch Emissionen und Industrialisierung nicht, sondern versucht zu zeigen wie die Gesellschaften damals reagierten und sich anpassten, oft mit irrationalen massnahmen und Reaktionen, zum Biespiel die Hexenverbrennungen.

Die Diskussion findet heute ohne diese phänomene statt, sondern ist von Komplottheorien geprägt. Eine interessante und gut dokumentierte Ausstellung und der Gletschergarten in Luzern ist möglicherweise eine gute und sinnvolle Kontinuierung.