Der neue Schweizer Nationalsport

Die Schweizer Strassen und öffentlichen Verkehrsmittel sind seit Beginn der Pandemie im Winter 2020 deutlich seltener überfüllt.

Das gilt nicht für die schneebedeckten Hänge des Juras in den Kantonen Neuenburg, Jura, Bern und Waadt. In diesen Kantonen liegt das älteste Gebirge der Schweiz, das vor 205 bis 135 Millionen Jahren entstand.

Obwohl die höchsten Gipfel nicht höher als 1750 m sind, ist das Gebiet aufgrund der geografischen und klimatischen Bedingungen relativ schneesicher.

La Chaux-de-Fonds (Kanton Neuenburg), die höchstgelegene Stadt des Landes, liegt auf einer Höhe von fast 1.000 Metern und ist praktisch den ganzen Winter über mit Schnee bedeckt. La Brévine (Kanton Neuenburg), ein Dorf auf 1.082 Metern, ist sogar der kälteste Ort unterhalb der Baumgrenze (- 41,8 gemessen).

Im Winter sind die Möglichkeiten zum Langlaufen und Schneeschuhlaufen dank der vielen Täler und Hunderten von Kilometern präparierter Langlauf- und Schneeschuhwanderwege praktisch unbegrenzt. Die Skimöglichkeiten sind natürlich begrenzter, aber dennoch vorhanden.

Für die jüngsten (schulpflichtigen) Kinder ist es sogar ein ausgezeichnetes Gebiet, um sich mit dem Skifahren vertraut zu machen, unter anderem in Les Bugnenets (Kanton Neuenburg), Les Genevez (Kanton Jura), Le Chasseral (Kanton Bern) oder La Vallée de Joux (Kanton Waadt).

Dank der Pandemie ist das Schneeschuhlaufen (raquette auf Französisch) die am schnellsten wachsende Wintersportart der Schweiz. Man findet immer ein verschneites Tal in kurzer Entfernung, und es gibt keine sanitären Einschränkungen. Die Schweiz ist schon lange ein Wanderland, jetzt eben auch ein Schneeschuhwanderland  (oder vielleicht ein Schneeschuhwunderland !).

Unterwegs treffen die Wanderer nicht nur auf Kollegen oder Langläufer, sondern zum Beispiel in den Freibergen (Kanton Jura) auch auf Husky- oder Pferdeschlitten, Reiter und viele Pferde vor den charakteristischen Bauernhäusern der Freiberge.

Der Schweizer Alpen-Club (SAC)

Der Schweizer Alpen-Club (SAC) organisiert regelmässig Wanderungen in diesem Gebiet (und anderswo im Land).

Obwohl der Name anderes vermuten lässt, organisiert der SAC nicht nur Skitouren, Bergsteigen und andere Sportarten im Hochgebirge und in den Alpen, sondern auch (Wander-)Aktivitäten in anderen Regionen.

(Quelle und weitere Informationen: www.sac-cas.ch).

Korrektorin: Melinda Fechner

Das Observatorium von Neuchâtel oder das Pavillon Hirsch

Adolph Hirsch (1830-1901), ein deutscher Astronom, leitete 42 Jahre lang das Observatorium von Neuchâtel.

Bei seinem Tod im Jahr 1901 vermachte er sein Vermögen dem Kanton Neuenburg mit der Auflage, ein astronomisches Teleskop und einen Turm mit Kuppel zu bauen.

Der Hirsch-Pavillon wurde 1912 gebaut und eingeweiht. Der Eingang des Pavillons wurde von dem Jugendstilkünstler Charles L’Eplattenier (1874-1946) und den Ateliers d’art réunis 1910-1911 gestaltet.

Stilisierte Elemente stellen den Style sapin dar. Dieser Stil ist eine regionalistische Variante des Jugendstils, die sich zu Beginn des 20. Jahrhunderts unter dem Einfluss von Charles L’Eplattenier an der Kunstgewerbeschule von La Chaux-de-Fonds entwickelte.

Die Deckendekoration stellt den Himmel mit Blitzen, Wolken und Vögeln dar. Der Boden in der Mitte ist mit einem Mosaik bedeckt. Die Orangerie des Botanischen Gartens zeigt lebensgrosse Nachbildungen ihrer 12 Türen.

(Quelle: www.csem.ch).

Korrektorin: Melinda Fechner

Mellingen und seine Brücke

Das mittelalterliche Städtchen Mellingen (Kanton Aargau) liegt auf der linken Seite der Reuss.Das Dorf stammt aus alemannischer Zeit, lag jedoch Jahrhunderte am rechten Ufer.

Das Dorf gelangte im Hochmittelalter in den Besitz der Grafen von Lenzburg. Sie bauten im 11. Jahrhundert auf der linken Reuss-Seite im Bereich der Stadtkirche ein Gotteshaus.  Nach dem Aussterben der Lenzburger ging Mellingen im 12. Jahrhundert an die Kyburger über. Diese gründeten um 1230 das Städtchen am linken Ufer und liessen eine Ringmauer errichten.

Seit 1253 besteht eine Brücke über den Fluss und gab es mehrere Holzbrücke im Laufe der Jahrhunderte. Der bau der letzte Holzbrücke fand 1794 statt. Die heutige Eisenkonstruktion wurde 1928 errichtet.

Die Habsburger verliehen Mellingen 1296 das Stadtrecht. 1415 eroberten die Eidgenossen den Aargau. Mellingen wurde Teil der Grafschaft Baden, erhielt jedoch sein Marktrecht und seine gerichtliche und politische Autonomie.

Das katholische Mellingen war der wichtigste Brückenkopf zwischen den reformierten Städten Bern und Zürich und die katholische Orte und war deshalb Schauplatz zahlreicher religiös motivierter Kampfhandlungen.

Zwischen 1528 und 1712 war das Städtchen nicht weniger als zwölf Mal durch Truppen besetzt. Nach dem zweiten Villmergerkrieg von 1712 kam Mellingen unter die Herrschaft der reformierten Orte Zürich, Bern und Glarus. Seit 1803 gehört die Gemeinde zum Kanton Aargau.

(Quelle: www.mellingen.ch).

Die Reformation in Zürich und Ulrich Zwingli

Vor fünfhundert Jahre predigte Ulrich Zwingli (1484-1531) von der Grossmünsterkanzel in Zürich seine religiöse Idee.

Was er in Zürich, Martin Luther (1483-1546) in Deutschland, Calvin (1509-1564) in Frankreich und später in Genf, Guillaume Farel (1489-1565) in Neuenburg und andere Reformatoren in Europa ausgelöst haben, wird heute die Reformation genannt.

Die Reformation hat auch die Schweiz geprägt und verbindet die Schweiz auch mit Europa. Man kann eben behaupten das es ohne Reformation keine Schweiz gegeben hätte.

Die Reformation hat Kulturen, Sprachen und Kantone verbunden, zum Beispiel Genf, Freiburg, Bern, Basel, Neuenburg, Schaffhausen und Zürich. Die Reformation war mehrsprachig und multikulturell im heutigen Sinne.

Zum Bruch mit der katholischen Tradition kam es 1522, als mit einem öffentlichen Wurstessen das Fastengebot gebrochen wurde. Zwinglis Äusserungen erregten den Zorn Papst Hadrians VI (1459-1523), der ihm gar Kanzelverbot erteilte und den Rat der Stadt aufforderte, den Priester als Ketzer zu verbrennen oder mindestens zu verbannen.

Auf Einladung des Zürcher Rates kam es jedoch zur Ersten Disputation, bei der über die von Zwingli theologisch begründeten Reformen debattiert wurde.

Entgegen der Weisung Hadrians machte sich der Rat der Stadt die Haltung Zwinglis zu eigen und beschloss Zwinglis Thesen für schriftgemäss zu erklären. Der Rat übernahm damit die Funktion der Kirche und setzte die reformatorischen Neuerungen Zwinglis durch.

Nach einer neuen Disputation beschloss der Rat von Zürich die Abschaffung der katholischen Messe und der Entfernung der Bilder in den Kirchen. Innert zwei Jahren war das kirchliche Leben in Zürich komplett umgestaltet.

Die Durchführung der Reformation war zugleich der Beginn von Auseinandersetzungen mit der katholischen Opposition, mit dem deutschen Reformator Martin Luther und national mit der dem alten Glauben treuen Innerschweiz.

Zwingli und Luther waren sich nich einig und es kam zum Bruch und damit zur Trennung zwischen einer evangelisch-reformierten und einer lutherischen Kirche. Die Gegensätze verschärften sich zunehmend.

In der Eidgenossenschaft kam es zu einer Spaltung und verschiedenen Kriegen (1529 und 1531 (Kappellerkriege), 1656 und 1712 (Villmergerkriege). Die Bündner Wirren (1618-1638) waren auch teilweise religiös geprägt. Der letzte (Bürger-) Krieg auf schweizerischem Boden im Jahr 1847 war auch religiös geprägt.

Andere Kantone, zum Beispiel Glarus und Appenzell, hatten jedoch auch (aussergewöhnliche) friedliche Lösungen und die Eidgenossenschaft war niemals so polarisert wie andere Gebiete Europas.  

(Quelle und weitere Informationen: www.musee-reforme.ch; www.zhref500.ch; www.zwingli.ch).

Das schweizerische Wirtschaftswunder

Wenn es je ein Land gab, das slechtere Vorraussetzungen hatte, um reich zu werden, dann die Schweiz: Berge, Schutt, Geröll, keine Rohstoffen, nur Wasser und Gras.

Heute zählt das land zu den wohlhabendsten (und innovativsten, demokratischsten, kosmopolitischsten, mit den besten Universitäten und Wissenschaftlern Europas) der Welt. Wie was das möglich ? Es lag nicht am Bankgeheimnis, noch am Umstand, dass es von beiden Welkriegen verschont blieb und an schmutzigen Geschäften.

Diese Erfolgsgeschichte der Schweiz viel Jahrhunderte früher an, in den 14. und 15. Jahrhundert und mit den ersten demokratischen und republikanischen Strukturen. Die Ursachen des Erfolgs sind andere als jene, von denen man geheimhin so hört.

Die Schweiz wies schon im 17. und 18. Jahrhundert Gegenden mit einen sehr hohen wirtschaftichen und Exportorientierten Entwicklungsstand auf, wie ihn in Europa nur wenige erreichten.

Im Jahr 1835 schrieb ein Mitglied des Britischen Parkaments im Auftrag des Privy Council for Trade:

Die Schweizer Fabrikanten haben sich ihren Weg zu allen Märkten der Erde gebahnt. Offenbar war dies Resultat nicht Folge der geografischen Lage der Schweiz; denn nirgens produziert sie die rohen Stoffen für ihre Fabriken, noch besitzt sie einen Hafen für die Ausfuhr.

Es gab zahllose Produktionsstätten und Handelshäuser in den Appenzellern, in den Kantonen Glarus, Basel, Neuenburg, Genf, Bern, Luzern oder, zum Beispiel, Bern.

Die schweizerischen Unternehmern, Kaufleuten und Geschäften begegnete man auf allen Marktplätzen des Kontinents und der Welt, es wurden Rohstoffen aus aller Welt eingeführt, verarbeitet, veredelt und nach Europa und Übersee verkauft. Export, Innovation und Unternehmersgeist waren seit den späten Mittelalter König, der einzige Royal in der Schweiz.

Das wirkt umso bemerkenswerter, als die Schweiz bis 1848 politisch gesehen das vielleicht rückständigste Staatswesen des Kontinents darstellte: die alte Eidgenossenschaft war eine immer chaotische, (zu) oft handelsunfähige Ansammlung von dreizehn Kantone im Jahr 1798 und zweiundzwanzig Kantone im Jahr 1848, jeder für sich eine Souveräne Republik.

Hinzu kamen bis 1798 ein paar Verbündete (Genf, Graubünden, Bistum und Stadt St. Gallen, Neuenburg), die zugewandten Orte, sowie viele gemeinsam verwatltete Untertanengebiete (Aargau, Waadt, Tessin, Thurgau) und bis 1798 die heutigen Italienischen Gebiete im Veltlin, in Chiavenna und in Bormio. Die Eidgenossenschaft war bis 1848 kein moderner Staat, sondern ein Relikt aus dem Mittelalter.

Das Buch erzählt dieses Wirtschafswunder avant la lettre.

Markus Somm, Warum die Schweiz reich geworden ist. Myhten und fakten eines Wirtschaftswunders (Bern, 2022).

Eine schweizerische Revolution

Vor 500 Jahren veränderte die Reformation Europa. Die katholische Kirche und der Papst sollten nachher die weltliche Macht langsam aber sicher verlieren,

In der Schweiz waren Basel, Genf und Zürich die Hauptstädte der Reformation. In der Schweiz wirkten vordemokratische  Strukturen schon auf die reformatorische Bewegung aus. Huldrych Zwingli (1484-1531) prägte die Reformation In Zürich. Er kritisierte die kirchlichen Missbräuche.

In Zürich entstand die erste vollständige Übersetzung der Bibel ins Deutsche, die sogenannte Froschauer Bibel von 1531 (mit Titelblatt „Die gantze Bibel der ursprünglichen Ebraischen und Griechischen waarheyt nach auffs aller treüwlichest verteütschet. Getruckt zuo Zürich bey Christoffel Froschouer im Jar als man zalt M.D. XXXI“).

Die Reformation in Zürich war demokratisch und politisch geprägt. Wichtige Entscheidungen fielen im Rathaus. Hier tagten der Kleine Rat, die Regierung, und der Grosse Rat.

Die Räte diskutierten in Anwesenheit von Zwingli und Bürgern. Die Reformation in der Schweiz war eine Revolution à la Suisse: Man suchte den Ausgleich, diskutierte und stimmte.

(Quelle und weitere Informationen: www.zhref500.ch).

Graubünden in 100 Geschichten

Die 65 Autorinnen und Autoren teilen ihr Wissen, ihre wissenschaftliche Erkenntnisse und ihre Liebe zum Kanton Graubünden. Sie schreiben über die Geschichte, den Tourismus, den Sport, die Natur, den Verkehr, die Bildung, die Kultur und den Lebensraum.

Das Spektrum reicht von kleinen Anekdoten bis zu mehrseitigen Interviews und Artikeln mit grossartiger Bebilderung.

Der kanton zeigt sich als Ferienkanton, attraktives Zuhause, als Standort für die Wirtschaft und das Gewerbe und als der einzige dreisprachige Kanton. Das Buch ist das neue Standardwerk über den grössten und vielfältigsten Kanton der Schweiz.

Peter Röthlisberger (Hrsg.), Graubünden in 100 Geschichten (Chur, 2021).

Der Winterspielplan in Riom

Im Zentrum des Spielplans steht Kaiserin Irene von Byzanz (752-803). Sie war eine der schillerndsten Herrscherfiguren des frühen Mittelalters.

Mit raffiniertem Ränkespiel, diplomatischem Geschick, Intrigen und einem Gespür für Macht hielt sie sich über Jahrzehnte auf dem byzantinischen Thron. Um diese Kaiserin ranken sich viele Legenden.

Origens Bühnenspiel aus der Hand von Giovanni Netzer sucht den Menschen hinter dem Mythos, hinterfragt die Systeme der Macht und erzählt die Geschichte einer bemerkenswerten Frau im Umbruch der Zeiten. Auf der Bühne steht ein interdisziplinärer Schauspieltrupp; Solist*innen des Hamburger Balletts und Sänger*innen des Origen Ensembles.

Die Aufführungsdaten sind am 8.,9., 18.,19., 25., 26. und 27. Februari im Julierturm.

Der Winterspielplan wird umrahmt von Liederabenden und Konzertreihen in der Clavadeira in Riom. Maximilian Vogler, Marian Dijkhuizen und Alena Sojer geben kammermusikalische Abende, die ihre individuelle Handschrift tragen und von musikalischer Faszination erzählen.

Die Aufführungsdaten sind am 4., 12., 13., 15., 22., und 23. Februar.

Falls das Virus es erlaubt, gelangt anfangs April, endlich, Brahms «Deutsches Requiem» auf die Bühne des Roten Turmes. Die Aufführung des Werkes wurde bereits zweimal verschoben.

Der Vorverkauf für die Aufführungen startet am Donnerstag, 13. Januar.

(Weitere Informationen: www.origen.ch).