Die erste Intervention des Roten Kreuzes

Am 1. Februar 1871, gegen 3.35 Uhr, unterzeichnete  in Les Verrières (Kanton Neuenburg), der französische General Justin Clinchant die drei Kopien der Bedingungen für den Grenzübertritt der besiegten französischen Armee.

Die Einreise von 80 000 erschöpften oder verwundeten Soldaten, Unteroffizieren und Offizieren mit ihren 11 800 Pferden, 285 Geschützen und 1158 Fahrzeugen begann sofort in Les Verrières, Sainte-Croix, Vallorbe, Ballaigues und Vallée de Joux.

Dieser Aufenthalt in der Schweiz endete am 26. Februar 1871 mit dem Frieden zwischen Preussen und Frankreich. Dies war auch die erste Intervention des Roten Kreuzes (1863 in Genf gegründet), wie man auf dem Bourbaki-Panorama in Luzern sehen kann.

Das Denkmal vor dem Basler Hauptbahnhof SBB erinnert an die Unterstützung Strassburgs. Die Stadt wurde im August und September 1870 im selben Krieg belagert.

(Quelle und weitere Informationen: www.bourbaki-verrieres.ch).

Der Carré savoyard

Waadt (pagus Waldensis in lateinischer Sprache, Pays de Vaud auf franzözisch) ist seit der Römerzeit ein strategisches Gebiet, das sich an der Kreuzung der Hauptverkehrsstrassen zwischen Nord- und Südeuropa befindet.

Waadt gehörte nach dem Fall des Römischen Reiches zum ‘ersten’ Königreich Burgund (443-543), dann fiel es unter die Herrschaft der Merowinger (561-751) und Karolinger (751-843).

Die Grafen von Savoyen kontrollierten Waadt seit 1286.  Der Carré savoyard ist eine  neue Art von Burg die noch heute im Waadt zu sehen ist.

(Welcher: O. Meuwly und andere, Histoire Vaudoise, Lausanne 2015).

Die St. Johann Kirche in Grandson

Die Kirche (Eglise Saint-Jean-Baptiste) gehört zum Nationalerbe. Die Architektur zeigt die verschiedenen Bau- und Transformationsphasen, die im Laufe von neun Jahrhunderten Geschichte aufeinander folgten. Die romanische Struktur, schöne Skulpturen und Fresken sind weitgehend erhalten.

1178 wurde das Benediktinerpriorat den Mönchen des Chaise-Dieu aus der Auvergne übergeben. Ein Glockenturm und eine Kuppel im romanischen Stil der Auvergne wurden errichtet.

Das Kloster wurde 1554 aufgelöst und die Kirche verlor ihre katholische Funktion. Im 18. und 19. Jahrhundert wurde die Westfassade komplett umgebaut.

(Quelle und weitere Informationen unter www.vd.ch).

Die Notre-Dame von Orbe

Orbe ist eine alte römische Stadt, die an der Strasse liegt, die Italien mit Gallien über den Grossen St. Bernhard-Pass verband.

Die grösste römische Villa, die nördlich der Alpen in Boscéaz/Orbe entdeckt wurde, zählt neun Mosaiken ausserordentlichen Qualität. Eine Ausstellung zeigt die gesammte Villa.

Nach der Römerzeit und dem ersten Königreich Burgund (443-534) wurde die Stadt von merowingischen Königen (534-751), dann von den Karolingern (751-888) und dann von den burgundischen Königen (888-1032) als Treffpunkt für wichtige Treffen und Aufenthalte gewählt.

Im 11. Jahrhundert wurde die Burg unter dem letzten König von Burgund, Rudolf III. (970-1032), stark erweitert, woraufhin die Herren von Montfaucon und Châlon den Bau mit Mauern, Toren und vier Türmen abschlossen, von denen zwei noch heute erhalten sind.

Die Burg wurde 1475 während der Burgunderkriege zerstört. Die Kirche aus dem 11. Jahrhundert war bereits zu Beginn des 15. Jahrhunderts durch einen Brand zerstört worden.

Der Wiederaufbau dauerte bis 1525, als Orbe unter der gemeinsamen Verwaltung von Bern und Freiburg stand.

Dies war kompliziert, weil Bern reformiert wurde und Freiburg katholisch blieb. Eine unruhige Zeit folgte, bis der Protestantismus 1554 zur formalen Religion wurde. Alle (sechs) Kirchen und Kapellen der Stadt, mit Ausnahme von Notre-Dame, wurden zerstört.

In dieser Kirche verkündeten Guillaume Farel (1498-1565) und Pierre Viret (1511-1571) die Reformation. Die Kirche mit ihren schönen Skulpturen, Inschriften, Orgel- und Glasmalereien ist bis heute die protestantische Gemeinde der Stadt.

(Quelle und weitere Informationen: www.orbe-tourisme.ch).

Die Burg Champvent

Die Burg Champvent (Kanton Waadt) wurde erstmals 1011 in einem Dokument erwähnt. Die Burg is eine der am besten erhaltenen Burgen dieses Kantons.

Die Burg ist ein charakteristisches „Carré Savoyard“, viereckig mit hohen Mauern, flankiert von runden Türmen an jeder Ecke und erbaut Mitte des dreizehnten Jahrhunderts. Ähnliche Burgen gibt es in Yverdon-les-Bains, Grandson und Morges.

Eine lokale Familie war zur Zeit der burgundischen Kriege (1474-1477) der Besitzer und Verbündeter des Herzogs von Burgund Karl dem Kühnen.

Nach der Schlacht bei Grandson (1476) wurde die Burg von konföderalen Truppen zerstört, aber bald darauf wieder in ihren alten Glanz zurückgebracht. Die Burg ist ein Erbe von nationaler Bedeutung.

(Quelle: C. Dey, Champvent. L’histoire de ses 1 000 ans, Morges, 2011).

Tanz in den Alpen

Im Juli und August beherbergt der Julierturm in Riom (Graubünden) Welturaufführungen in zeitgenössischem Tanz. Auf der Bühne stehen grossartige Solisten der Staatsballette von Wien und München, vom Mariinsky Theater in St. Petersburg und der Opéra Garnier in Paris. Origens Tanzfestival ist in den vergangenen Jahren konstant gewachsen und hat sich zu einer wichtigen Plattform für zeitgenössisches Tanzschaffen entwickelt.

Die in Riom erarbeiteten neuen Kreationen wurden im letzten Winter verschiedentlich auf grossen europäischen Bühnen weitergespielt: Zeitraum von Eno Peci, Inferno von Luca-Andrea Tessarini und Thiago Bordin, Utopia von Sébastien Bertaud, Eden von Dustin Klein, Ex Horto Eden von Beate Vollack, House of Memories von Llia Jivoy.

(Weitere informationen und Tickets: www.origen.ch).

Die Briten in Château-d’Oex

Château-d’Oex (Kanton Waadt) war am Ende des 19. Jahrhunderts bei englischen Touristen sehr  beliebt. Die meisten kamen über den Col de Jaman aus Montreux oder mit der Kutsche aus Bulle.

Die Infrastruktur verbesserte sich bald und viele Hotels, Gasthöfe und Pensionen wurden eröffnet. Einige davon gibt es noch immer (z.B. Hôtel de l’ours, Hôtel de Ville, Résidence Rosat und der Clos des Abeilles bei Villa d’Oex).

Die Bahn Montreux-Berner Oberland aus dem Jahr 1904 eröffnete die Region Pays-d’Enhaut weiter für die Welt. Der Bahnhof aus dieser Zeit ist ein schönes Chalet im Schweizer Stil. Die neue Eisenbahn beschleunigte die Entwicklung und den Bau weiterer Hotels.

Die anglikanische Kirche (1899 errichtet) musste 1911 sogar erweitert werden, so beliebt war das Ziel, kurz vor dem Ausbruch des Ersten Weltkriegs.

Der Espace Ballon zeigt die Geschichte des Ballonfahrens in allen seinen Facetten und den Breitling Orbiter. Er schaffte die erste Weltumrundung ohne Zwischenlandung.

In Château-d’Œx, der Hauptstadt der Heissluftballons, starten seit über 40 Jahren Heissluftballons aus aller Welt beim Festival International de Ballons.

Nicht weniger als 60 alte Scherenschnitte grösster Qualität sind in den Räumen des Museums Vieux Pays-d’Enhaut ausgestellt.

(Quelle und weitere Informationen: www.chateau-doex.ch).

Die Höhlen der Schweiz

Die Hälfte der über 4.000 Gipfel der Alpen liegt in der Schweiz. Die unterirdische Welt der Alpen hingegen ist viel weniger bekannt.

Es gibt mehrere öffentlich zugängliche Orte. Zwölf von ihnen werden hier behandelt. Die meisten befinden sich im Westen (Jura, Waadt, Wallis) und drei in Schwyz, Zug und St. Gallen.

Die Höhlen von Réclère, in der Nähe von Porrentruy (Jura), zeigen  kilometerlange Stalagmiten und Stalaktiten.

Der Prähistorische Park ist ein 2 km langer Pfad, der die gesamte Entwicklung der Tiere von den ersten Fischen, Dinosauriern und Säugern verfolgt (Weitere Informationen: www.prehisto.ch).

Die unterirdischen Mühlen von Col-des-Roches in Le Locle (Neuenburg) präsentieren eine einzigartige hydraulische Maschine in einer Höhle.

Dieser Ort, der von vier Jahrhunderten Geschichte geprägt ist, gibt einen Einblick in die unterirdische Nutzung von Wasserkraft und Energie. (Weitere Informationen: www.lesmoulins.ch).

Die Asphaltminen von La Presta à Travers (Neuenburg) erzählen die Geschichte von fast drei Jahrhunderten (1712-1986) Naturasphalt. Entstanden ist ein gewaltiges Labyrinth von Stollen und Gängen von über 100 km. Im Restaurant hat man die Möglichkeit den in heissem Asphalt gekochten Schinken zu essen. (Weitere Informationen: www.mines-asphalte.ch).

Die Orbe fliesst in den Höhlen von Vallorbe (Waadt), an der Stelle an der sie die Seen von Joux und Brenet verlässt. An einem felsigen Ort, an dem die Orbe wieder auftaucht, betreten die Besucher den Cairn-Saal mit unzähligen Deckenzapfen, Stalagmiten, Stalaktiten, Tropfsteinen und Säulen von grosser Schönheit. (Weitere Informationen: www.grottesdevallorbe.ch).

Die Grotte aux Fées im Wallis liegt mehr als 1000 Meter im Fels und führt der zu einem See führt, der von einem 77 Meter hohen Wasserfall gespeist wird. (Weitere Informationen: www.grotteauxfees.ch).

Der unterirdische See Saint-Léonard, zwischen Sitten und Siders im Wallis gelegen, ist der grösste unterirdische See Europas. Eine Bootsfahrt ermöglicht es, das geologische Ensemble vom reichen Gestein und glasklarem Gletscherwasser zu erkunden. (Weitere Informationen unter: www.lac-souterrain.com).

Das Museum für Höhlenkunde (Musée suisse de Spéléologie) in Chamoson, Wallis, enthüllt die Facette des Siebten Kontinents. (Weitere Informationen: www.museespeleo.ch).

Die Kupfermine La Lée in Zinal (Wallis) verfügt über 500 Meter Stollen und Schächten, die durch menschliche Aktivitäten ausgehoben wurden. (Für weitere Informationen: www.valdanniviers.ch).

Das Salzbergwerk von Bex (Waadt) besteht aus einem ausgedehnten, über 50 km langen Labyrinth von Stollen, Schächten, Treppen und Hallen. Das Museum präsentiert die verschiedenen spektakulären Salzbautechniken, die von 1684 bis heute eingesetzt wurden (Weitere Informationen: www.seldesalpes.ch).

Die Höllgrotten in der Nähe von Baar, im Kanton Zug, zeigen die Vielfalt der Formen und Farben von Felsen und Steinen. Kleine Seen, Stalagmiten und Stalaktiten geben jeder Höhle ihren eigenen Charakter. (weitere Informationen: www.hoellgrotten.ch).

Die Höllochhöhle im Kanton Schwyz ist mit ca. 200 km die grösste Höhle Europas. Die gewaltigen Hohlräume geben in ihrer Vielfalt einen ausgezeichneten Einblick in die Arbeit der unterirdischen Wasser, während nahezu einer halben Million Jahre. (Weitere Informationen unter: www.trekking.ch).

Die Kristallhöhle Kobelwald, im St. Galler Rheintal, zeigt eine faszinierende Welt von Calcitkristallen, Tropfsteinen, Stalaktiten und Stalagmiten. (Weitere Informationen: www.kristalle.ch).

Die Uhrenindustrie, Stadtentwicklung, Le Locle und La Chaux-de-Fonds

Die Städte Le Locle und La Chaux-de-Fonds wurden von Grossbränden heimgesucht (1794 La Chaux-de-Fonds, 1833 und 1844 Le Locle) und wieder aufgebaut.

Le Locle und La Chaux-de-Fonds sind einzigartige Beispiele für die Symbiose von Industrie und Städtebau durch und für die Uhrenindustrie.

Der Eintrag in die UNESCO Welterbeliste folgte am 27. Juni 2009.

(Weitere Informationen: http://urbanisme-horloger.ch)

Impressionen von La Chaux-de-Fonds