Der Sonnenbergturm. Foto/Photo: TES

Grenzziehung zwischen Kantonen und Gemeinden in der Eidgenossenschaft.

Die Aussengrenzen der Schweizerischen Eidgenossenschaft sind seit 1815 nahezu unverändert geblieben. Durch Napoleons Eingreifen waren die Aussengrenzen tiefgreifend verändert worden, und der Wiener Kongress (1814/1815) bestätigte die Unabhängigkeit sowie die Grenzen der neuen Eidgenossenschaft.

Rhäzüns, das letzte österreichische Gebiet innerhalb der Eidgenossenschaft, wurde 1819 Teil des Kantons Graubünden. Der König von Preussen verzichtete 1857 formell auf das Fürstentum Neuenburg, seit 1815 ein Kanton der Eidgenossenschaft und seit 1848 formell eine Republik.

Dennoch gibt es in der Eidgenossenschaft weiterhin zwei ausländische Enklaven: Campione im Kanton Tessin und Büsingen im Kanton Schaffhausen. Die letzte Gebietserweiterung der Eidgenossenschaft betrifft Cavaione, ein kleines Dorf in Graubünden, das lange im Niemandsland lag.

Umso dynamischer sind hingegen die Verschiebungen innerhalb des Bundes, der Kantone und der Gemeinden. Der Flickenteppich aus Gemeinden verschiedener Kantone in der Region des Drei-Seen-Landes sowie innerhalb der Kantone Solothurn, Basel-Landschaft und Aargau weist auf einen dynamischen historischen Prozess hin. Die Entstehung des Kantons Jura im Jahr 1979 und jüngst (2026) der Wechsel von Moutier vom Kanton Bern zum Kanton Jura gehen ebenfalls auf diesen jahrhundertelangen Prozess zurück.

Magden, Buus, Wintersingen and Maisprach

Ein typisches Beispiel ist die Grenzbildung zwischen zwei kleinen, jahrhundertealten Dörfern am Fuss des Sonnenbergs. Nach der Eroberung des Aargaus durch die Eidgenossen im Jahr 1415 war das Fricktal bis 1803 habsburgisch-österreichischer Besitz. An verschiedenen Stellen sind noch Grenzsteine von Habsburg-Österreich vorhanden, ebenso solche von Bern, vom Prinz-Bistum Basel und von der Stadt Basel. Jahrhundertelang stritten die Stadt Basel und Österreich um den Besitz des Sonnenbergs (632 m).

Der Sonnenbergturm (1913 errichtet)

Am 13. Juli 1461 erwarb die Stadt Basel die Dörfer Buus, Wintersingen und Maisprach aus dem Amt Farnsburg von den Grafen von Falkenstein. Dieses Gebiet war eine Art Enklave innerhalb des Fricktals. Der Sonnenberg gehörte lange Zeit einem Bürger der Gemeinde Maisprach. Dieser verkaufte den Sonnenberg im 14. oder 15. Jahrhundert, jedenfalls vor 1461, an Österreich, das damit die Grenze des Fricktals festlegte.

Die Farnsburg

Basel focht diese Grenze an; zudem lagen Gebiete der Dörfer Buus und Wintersingen im Fricktal. Der Rechtsstreit zwischen Basel und Österreich dauerte viele Generationen, und erst 1689 wurde eine Einigung erzielt: Der Berg wurde nach Schweizer Art in zwei Hälften geteilt.

Der Sonnenberg und die Dörfer Buus, Maisprach und Wintersingen

Aufgrund dieser Geschichte folgten die Dörfer Buus, Maisprach und Wintersingen 1529 der Reformation in Basel; Magden blieb jedoch katholisch. Eine Anekdote erzählt, dass die Jugend aus Buus, Maisprach und Wintersingen danach lieber die fröhlichen katholischen Feste im Fricktal besuchte als die strengen protestantischen Veranstaltungen – zum Missfallen der Pfarrer und anderen Honoratioren.

Die Teilung des Sonnenbergs im Jahr 1684. Daran wird jedes Jahr in Maisprach am Banntag erinnert.

Der heutige Grenzstein von Basel-Landschaft auf dem Sonnenberg

Und doch bedeutete 1815 nicht das Ende der Geschichte für diese Dörfer. Magden gehörte seit 1815 zum Kanton Aargau, Buus, Maisprach und Wintersingen zum Kanton Basel. Sie erlebten noch eine grosse Veränderung: die Teilung des Kantons Basel im Jahr 1833. Buus, Maisprach und Wintersingen gehörten ab 1833 zum Kanton Basel-Landschaft (Maisprach unterstützte übrigens die Stadt Basel und nicht die Separatisten).

Kanton Basel bis 1833 (links), das österreichische Fricktal (rechts)

Und auch damit war die Situation noch nicht eindeutig: Teile des Gebiets der Gemeinden Buus und Wintersingen lagen nämlich im neuen Kanton Aargau. Erst 1893 wurde dieser letzte Konflikt gelöst: Buus und der Kanton Basel-Landschaft erwarben die Gebiete Neu und Eigenried, Wintersingen verlor hingegen Iglingen endgültig an den Kanton Aargau.

Fazit

Seither ist das österreichisch-habsburgische Erbe endgültig geregelt. Dieser Prozess hat fast fünf Jahrhunderte gedauert. Vielleicht ist dies auch ein Spiegel für Verständnis im Hinblick auf andere jahrhundertalte Konflikte in Europa und anderswo in der Welt.

 Korrektur: Giuanna Egger-Maissen, Korrektorin und Lektorat