Die Wanderer aus Neuenburg und anderswo

Die Schweiz ist ein Wanderland. Tausende von gut markierten Wanderwegen führen den Wanderer durch Weiler, Dörfer, Städte, Parks, Schluchten, Berge, Täler, Wälder, Wiesen, vorbei an Seen, Teichen, Bächen und Flüssen.

Rucksäcke, Wanderstöcke, Ersatzkleider, moderne Navigationshilfen (zum Beispiel Schweizmobil und Swisstopo) und Proviant gehören zur Standardausrüstung. Viele Naturliebhaber haben auch Apps für Pflanzen, Bäume, Vögel und andere Tiere zur Verfügung.

Die Beine bleiben jedoch die wichtigste Ausrüstung. Der französische Künstler Tjeerd Alkema (1942) ist, wie der Name schon sagt, ein gebürtiger Niederländer (Harlingen), der seit 1963 in Frankreich lebt und arbeitet.

In der Nähe des Hafens von Auvernier am Neuenburgersee hat er das Hauptwerkzeug des Wanderers wunderschön gestaltet.

Die Skulptur aus dem Jahr 2006 ist eine Hommage an die Wanderer aus Neuenburg und anderswo.

Das Herrenhaus von Ligerz

Das Herrenhaus „Le Fornel“ wurde 1550 von Rodolphe von Ligerz (de Gléresse, 1510-1564) auf dem Gelände des Fürstbischofs von Basel erbaut.

Das Gut blieb 250 Jahre im Besitz der Familie (bis zur französischen Invasion 1798) und zeugt von der damaligen Lebens- und Weinkultur.

Im Gebäude befindet sich heute das Rebbaumuseum (www.rebbaumuseum.ch).

Die Weinberge rund um den Bieler See umfassen etwa 220 Hektar. Ein Dokument aus dem Jahr 866 zeigt, dass der Weinbau bereits vor mehr als 1000 Jahren erfolgte.

Im Mittelalter waren Abteien und Klöster die wichtigsten Eigentümer, aber nach der Reformation 1530 vor allem Berner Familien.

Die mittelalterlichen Weindörfer und Städte haben nichts von ihrem Charme verloren und bewahren ihre Traditionen.

Die rund 80 Winzer haben fast alle noch ihren eigenen Weinberg.

(Quelle und weitere Informationen: www.vinsdulacdebienne.ch).

Die Abtei von Ottmarsheim

An der alten Römerstrasse von Strassburg (Argentoratum) nach Augst (Augusta Raurica) liegt die Abtei von Ottmarsheim im Elsass. Ottmarsheim wurde erstmals 881 als Besitz des Klosters Murbach erwähnt. Die Abtei ist nach dem heiligen Otmar benannt, der im 7. Jahrhundert Abt des Klosters Einsiedeln war.

Die Abtei hat auch eine direkte Verbindung zur Habsburger-Dynastie, woran ein Gedenkstein erinnert. Die Wurzeln der Habsburger liegen auch im Elsass und in Ottmarsheim.

Das Kloster Ottmarsheim wurde im Jahr 1030 von einem der Vorfahren der Habsburger, Rudolf von Altenburg, gegründet. Sein Bruder Radbot von Altenburg gründete im Jahr 1028 das Kloster Muri (im heutigen Kanton Luzern).

Die Abtei Ottmarsheim war  Schauplatz von Konflikten zwischen Habsburg und dem Bischof von Basel und später der Stadt Basel. Die Beziehungen zwischen Habsburg und Basel normalisierten sich erst nach dem Schwabenkrieg (1499) und dem Frieden von Basel. Basel wurde 1501 Mitglied der Europäischen Union.

Eine neue Bedrohung stellte 1517 die Reformation dar. Die Region blieb jedoch katholisch. Das Kloster wurde zu einem Stift für adlige Herren aus der Schweiz, dem Elsass und aus Österreich.

Die Nonnen flohen während des Dreissigjährigen Krieges zunächst ins protestantische und neutrale Basel. Als der französische König Ludwig XIV. (1638-1715) diesen Teil des Elsass eroberte, garantierte er die (finanzielle und physische) Sicherheit und Integrität.

Die Französische Revolution war jedoch fatal. Das neue französische Regime beschlagnahmte  das Stift im Jahr 1790 ohne Entschädigung. Der Komplex wurde bis auf die Abteikirche abgerissen. Die Gemeinde Ottmarsheim hatte die Kirche gerade noch rechtzeitig gekauft. Sie ist bis heute im Besitz der Gemeinde.

Die romanische Architektur der Abteikirche und ihre Fresken aus dem 14. und 15. Jahrhundert sind bis heute weitgehend erhalten geblieben. Der Innenraum ähnelt stark dem Aachener Dom, der von Karl dem Grossen (747-814) in den Jahren 796-804 erbaut wurde.

(Bron: H. J. Wörmer, J. Ottilie, Abteikirche Ottmarsheim, Ottmarsheim 2019).

Korrektorin: Petra Ehrismann

Die schweizerische Uhrenindustrie

Die städte Le Locle und La Chaux-de-Fonds im Kanton Neuenburg sind  für Uhrmacher gebaut. Davon zeugt die Handwerks- und Industriegeschichte, die sich in ihren städtischen Bauten widerspiegelt.

Nirgendwo sonst auf der Welt hat die Uhrenindustrie so deutliche und gut erhaltene Spuren ihrer Entwicklung im städtischen Umfeld hinterlassen.

Die Stadt Le Locle is die älteste Gemeinde im Jura und gilt als Wiege der Uhrmacherindustrie. Die Anfänge gehen auf den Beginn des 18. Jahrhunderts zurück.

Die erste Werkstatt der Uhrenindustrie in der Region wurde in 1705 von Daniel JeanRichard (1665-1741) gegründet. Seitdem ist die Uhrenindustrie ‘Booming business’ in dieser Region (und in der Schweiz).

Bild: Espace de l’urbanisme horloger

Auch die Stadt La Chaux-de-Fonds wurde für die Uhrenindustrie er- und eingerichtet. Das Dorf brannte 1794 fast vollständig nieder, wurde aber wieder aufgebaut, um die Uhrenindustrie zu fördern.

In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts entwickelte sich die Stadt rasant. Eine der ersten Bahnlinien der Schweiz wurde hier 1857 errichtet.

Die Uhrenmetropolen La Chaux-de-Fonds und Le Locle haben  ein Uhrenmuseum mit einer beeindruckenden Sammlung der schönsten Uhren aus den letzten Jahrhunderten.

Die Uhrenindustrie is für den Jura noch immer wichtig. La Fin du Siècle, die Zeit um 1900, ist mit zahlreichen schönen, öffentlichen und privaten Gebäuden überall zu sehen.

(Quelle: musée d’horlogerie du Locle, www.mhl-monts.ch; Ville de La Chaux-de-Fonds). 

Das Zürioberland, Paul Burkhard und Tüfels Chilen

Nicht viele Amerikaner, Deutsche, Niederländer oder Engländer werden das Zürcher Oberland, regional auch als «Zürioberland» bekannt, mit einem der grössten Musical-Hits der 1950er-Jahre in Verbindung bringen.

Der Komponist Paul Burkhard (1911–1977) komponierte 1939 das Musical «Der schwarze Hecht» für das Schauspielhaus in Zürich. Eines der Lieder war das Lied «O mein Papa».

Jack Metzger (1918-1999), Paul Burkhard, 1950. Foto: Sammlung ETH Zürich

Einen Weltkrieg und elf Jahre später wählte die Schweizer Sängerin Lys Assias (1924–2018) dieses Lied für eine Aufführung mit dem Orchester von Radio Beromünster unter der Leitung desselben Paul Burkhard. Die Radiosendung war ein grosser Erfolg.

Der Song wurde anschliessend als Single veröffentlicht. (Heutzutage ist es fast in Vergessenheit geraten: Eine Single ist eine Platte mit einem Lied, eine LP enthält viele weitere Lieder desselben Künstlers oder derselben Gruppe.)

1954 war «O mein Papa» monatelang die Nummer eins in der deutschen Hitparade. Kurze Zeit später wurde eine Verfilmung des Musicals unter dem Namen «Feuerwerk» veröffentlicht, die dem Lied noch mehr Bekanntheit verschaffte. In der Folge wurde das Lied in diversen Versionen von verschiedenen Künstlern gesungen.

Der grösste Erfolg zeigte sich jedoch in Amerika und im Vereinigten Königreich. Im Jahr 1954 wurde die Komödie unter dem Namen «Oh! my Papa» im Londoner West End aufgeführt, zu einer Zeit, als das Stück «The Mousetrap» von Agatha Christie (1890–1976) seinen ersten Erfolg erlebte. In Amerika war der Song der erste europäische Hit. Er stand mit einer Million verkaufter Exemplare acht Wochen auf Platz eins der Hitparade.

Wer bei einer Wanderung am Dorf Rämismühle-Zell ZH vorbeikommt, sieht den Wanderweg Paul Burkhard. Dieses Dorf liegt in der Nähe des Schlosses (heute ein Museum) der Grafen von Kyburg im Tösstal. Diese Dynastie spielte bis zu ihrem Aussterben im Jahr 1264 eine bedeutende politische und militärische Rolle in der Zentralschweiz. Zusammen mit Savoyen und Habsburg waren sie die mächtigsten Herrscher in diesem Gebiet.

Der Paul-Burkhard-Weg führt den Wanderer durch diese schöne Gegend mit ihren Wäldern, Wiesen und Dörfern.

Eine Besonderheit entlang des Weges ist der «Obstgarten» in Oberlangenhard bei Rikon. Das Restaurant macht seinem Namen alle Ehre. Frisches Gemüse, frisches Obst und frische Eier inmitten von bunten Wiesen und blühenden Obstgärten. Übrigens ist dieses Restaurant bis nach Oslo bekannt. Am 4. Mai 1997 besuchte Königin Sonja von Norwegen das Restaurant zum Mittagessen.

Die vielen Obstbäume und Gemüsegärten überraschen in dieser wasserreichen Umgebung nicht. Unweit von Kollbrunn, im Rörlitobel, befinden sich die sogenannten Tüfels Chilen, eine Bezeichnung für verschiedene Wasserquellen.

Aus einer meterdicken Tuffschicht entspringen zwei grosse und zwei kleinere Quellen. Diese finden ihren Weg in den Bäntalbach und seine kleinen Seitenbäche. Die steilen Wände und das viele (Sonnen-)Licht, das durch die hohen Laub- und Nadelbäume einfällt, sind ein idealer Ort für Orchideen und andere lichtbedürftige Pflanzen, die sich im Frühjahr in ihrer ganzen Pracht zeigen.

Der Schweizer Alpen-Club (SAC)

Der Schweizer Alpen-Club (SAC, Sektion Basel) organisiert regelmässig Wanderungen in diesem Gebiet (und anderswo im Land).

Obwohl der Name anderes vermuten lässt, organisiert der SAC nicht nur (Ski) Touren in den Alpen, sondern auch Wanderungen und Aktivitäten in anderen Regionen.

(Quelle und weitere Informationen: www.sac-cas.ch).

 

 

Die schönsten Schweizer Dörfer

Der neue Reiseführer „Die schönsten Schweizer Dörfer“ stellt die schönsten Dörfer und Kleinstädte (45 Gemeinden unter 10 000 Einwohner) der Schweiz und Liechtensteins vor.

Jede Ortschaft wird mit seiner Geschichte und seinen Sehenswürdigkeiten vorgestellt. Das Buch ist auf Deutsch, Französisch und Italienisch verfügbar. In dieser zweiten Auflage gibt es drei neue Ortschaften: Dardagny im Kanton Genf, Bursins im Kanton Waadt und Grüningen im Kanton Zürich. Die neue Ausgabe besteht aus 224 Seiten mit 50 Karten und 200 Fotos.

Der Verein Die schönsten Schweizer Dörfer/Les plus beaux villages de Suisse (www.borghisvizzera.ch) ist Mitglied der internationalen Föderation „Les plus beaux Villages de la Terre“ (Die schönsten Dörfer der Welt). Heute gehören dem schweizerischen Verein 45 Dörfer und Kleinstädte in 16 Kantonen plus ein Dorf in Fürstentum Liechtenstein an.

Die App „Beaux Villages Suisse“ kann kostenlos für Apple iOS und Android heruntergeladen werden. Diese Inhalte sind auch auf Englisch verfügbar.

Das Amphitheater von Kaiseraugst

Im Dezember 2021 ist in Kaiseraugst, nahe der ehemaligen Römerstadt Augusta Raurica, bei einer Baubegleitung ein Amphitheater zum Vorschein gekommen.

Das Amphitheater ist nach demjenigen von Vindonissa (Windisch) das zweite Amphitheater im Kanton Aargau.

In Augusta Raurica (Augst, Kanton Basel-Landschaft) ist es bereits das dritte derartige Monument, obwohl die zwei Vorgänger schon im 4. Jahrhundert aufgegeben waren.

Neben Vindonissa und Augusta Raurica gibt es ein Amphitheater auf der Engelhalbinsel in Bern (Bernodurum), in Avenches (Aventicum), Martigny (Forum Claudii Vallensium) und Nyon (Colonia Iulia Equestris).

Das Amphitheater ist 50 Meter lang und 40 Meter breit. Das Amphitheater ist in die Spätantike zu datieren, ins 4. Jahrhundert. Die Lage ist direkt am Rhein und ausserhalb des Kastells gelegen.

Ein letzter Blick auf das Amphitheater

Es ist das bisher jüngste bekannte Amphitheater des Imperium Romanum. Das Amphitheater bleibt im Boden erhalten. Die archäologische Substanz wurde durch eine Aufschüttung geschützt. Darauf errichtete man den Neubau.

Jakob Baerlocher, ‘Das neuentdeckte Amphitheater von Kaiseraugst’ in Augusta Raurica, 2022/1, S.12-15.

Das Engadin, Eine kurze Geschichte

Das Buch beschränkt sich nicht auf das Dorf Celerina, vielmehr wird auch das historische Umfeld des Oberengadins in leicht lesbarer Weise dargestellt.

Von den Römern über deren Wege nach Rätien, der Fall des Römischen Reiches und die Auswirkungen auf die Provinz Rätia, die militärische Besetzung im Engadin von 1500 bis 1800, die Reformation, die Auswanderung vieler Engadiner und weitere Themen ergänzen den Band.

Tiziana Cavadini-Canonica, Adriano Cavadini, Das Engadin-Kurze Geschichte einer alpinen Welt, Sondrio, 2009. Das Buch ist 2008 in der italienischen Sprache erschienen, Piccola storia di un mondo alpino, Sondrio 2008.

Romanische Sprache und Kultur

Rund ein Drittel aller Romaninnen und Romanen lebt heute ausserhalb des Kantons Graubünden.

Die Wanderausstellung will einen Beitrag zur Sensibilisierung der Schweizer Bevölkerung für die Anliegen dieser Sprachgemeinschaft und zur Vernetzung von Romaninnen und Romanen leisten. Sie richtet sich an ein breites Publikum und thematisiert verschiedene Aspekte von Sprache und Kultur.

Eröffnet wurde «Rumantsch è…» (www.rumantsch-e.ch) im September 2021 im Haus der Kantone in Bern im Rahmen der Plenarversammlung der Konferenz der Kantonsregierungen (KdK).

Ab Mitte Dezember 2021 war die Ausstellung im Rathaus in Chur zu sehen. Nach dem Gastspiel in Luzern zieht die Ausstellung weiter ans Romanische Seminar der Universität Zürich. Die Wanderausstellung «Rumantsch è…», ist bis Ende Mai im Romanischen Seminar der Universität Zürich zu sehen.

Einige Rätoromaninnen und Rätoromanen sagen dazu in der Ausstellung:

“Rumauntsch nun es be üna lingua. Rumauntsch es ün’identited supplementera”(Annina Campell);”Rumantsch monta per me: mond, mitos, malancuneia, famiglia, cuntrada, semi, vischnanca, cant e cor”(Giovanni Netzer); “Da giuven al gimnasi da Losanna ha il romontsch levgiau a mi igl access al spazi da cultura franzos”(Reto Gurtner);”Il rumantsch è  per mai insatge total normal. Tuna da pauc ? Na! Tge datti pli impurtant per ina lingua che normalitad? ” (Ladina Heimgartner).

(Für die Übersetzungen: www.dicziunari.ch).

Ein wichtiges Ziel der Wanderausstellung ist es, auf die Rätoromaninnen und Rätoromanen aufmerksam zu machen, die ausserhalb der traditionellen Verbreitungsgebiete der Sprache leben. Im Kanton und in der Stadt Zürich ist eine besonders grosse rätoromanische Diaspora wohnhaft.

(Quelle und weitere Informationen: www.ub.uzh.ch).