Der Juraweg Thal bei Gänsbrunnen

Gänsbrunnen ist die höchstgelegene Gemeinde des Kantons Solothurn. Die verschiedene Einzelhöfe im Tal und die Sennhöfe auf den Jurahöhen bilden eine idyllische Streusiedlung. Der Bergbau, der Kalksteinbruch und die Eisenindustrie haben den Ort vom 8. bis 19. Jahrhundert  geprägt.

Der Juraweg Thal ist ein markiertes Wanderwegenetz an und auf der zweiten Jurakette. Entlang des Weges vermitteln Informationstafeln über Geografie, Geologie, Geschichte, Natur, Jagd und Land- und Forstwirtschaft.

Der Weg führt durch den Naturpark Thal. Vom Bahnhof Gänsbrunnen erhebt sich die Brunner Bergkette, auf welcher man in rund sieben Stunden quer durch den Naturpark bis Balsthal wandern kann.

Eine andere Wanderung geht vom Welschenrohr zum Probstenberg mit einer Aussicht ins Delsberger Becken und auf die Vogesen. Entlang der Kantonsgrenze führt der Weg zum Malsenberg und durch den Wald zurück ins Tal nach Gänsbrunnen.

Der Wolfsschlucht-Weg beginnt mit einem Aufstieg durch die Schlucht und setzt sich auf den Höhen der zweiten Jurakette fort. Über Juraweiden geht es via Tannmatt zur Mieschegg und über den Hinter Brandberg zurück nach Welschenrohr.

(Quelle und weitere Informationen: www.naturparkthal.ch).

Korrektorin: Melinda Fechner

Historischer Atlas der Schweiz

Marco Zanoli begann vor Jahren, Artikel zur Schweizer Geschichte zu verfassen und diese mit Karten zu illustrieren. Zu diesen Karten verfasste der Westschweizer Historiker François Walter einschlägige Einführungen, und das daraus entstandene Werk erschien im Oktober 2020 auf Französisch.

Nun liegt das Buch auf Deutsch vor. Ein Standardwerk, das einen Überblick zur Schweizer Geschichte von der Urgeschichte bis zur Gegenwart bietet und den aktuellen Forschungsstand einbindet.

François Walter (Text), Marco Zanoli (Karten), Historischer Atlas der Schweiz, Zürich, 2021.

Der Planetenweg Weissenstein

Der Planetenweg auf dem Berg Weissenstein (Kanton Solothurn) beginnt nördlich des Kurhauses. Von hier lässt sich der Planetenweg bis zur Hasenmatt gut überblicken.

In Verbindung mit einer Wanderung über die Jurakette wird auf anschauliche Weise über die Sonne und die neun Planeten und  dreiunddreissig Monde informiert.

Der Planetenweg bildet das Sonnensystem massstabgetreu 1:1 Milliarde ab, das heisst, 1 m entspricht 1 Mio. km im Sonnensystem.

Die Sonne steht im Zentrum der Wanderung. Auf die Vielfalt der menschlichen Kulturen, die sich nur dank ihrer strahlenden Kraft entwickeln konnten, wird in den Namenstafeln in drei Dutzend Sprachen hingewiesen. Der symbolisch dargestellte Tierkreis versinnbildlicht den Jahreslauf mit der Reise der Erde um die Sonne.

Während man dem Weg entlang zunächst die fünf inneren Planeten Merkur (57 Mio. km), Venus (108 Mio. km), Erde (150 Mio. km) und Mars (228 Mio. km) und Planetioden begegnet, führt die Wanderung weiter über die prächtige Jurahöhe zu den grossen Planeten Jupiter (778 Mio. km), Saturn (1,43 Mrd. km), Uranus (2,8 Mrd. Km), Neptun (4,5 Mrd. Km) und zum Kleinplaneten Pluto (4,4 Mrd. erste Station-7,3 km, zweite Station).

(Quelle und weitere Informationen: www.planetenweg-weissenstein.ch).

Weissenstein, der Juragarten, der Planetenweg und die Bruder Klaus Kapelle

Auf  Initiative des Arztes Johann Baptist Carl Kottmann (1776-1851) wurde das Kurhaus auf dem Weissenstein 1827/1828 erbaut. Der Weissenstein erlangte in dieser Zeit auch einen hohen Bekanntheitsgrad bei Wanderern, Bergbegeisterten und Naturfreunden.

Der Hasenmatt

Um 1862 erfolgte ein Erweiterungsbau, bei dem die Westseite für Touristen umgebaut und der Osttrakt durch Gästezimmer und Räumlichkeiten für Gruppenübernachtungen ergänzt wurde. Das Hauptgebäude blieb aber weiterhin den Kurgästen vorbehalten.

Die Aare, der Murtensee, der Bielersee  und der Neuenburgersee

Zu Beginn des 20. Jahrhunderts hatte das Kurhaus mit zunehmender Konkurrenz in der restlichen Schweiz zu kämpfen. Dank der Inbetriebnahme des Sessellifts von Oberdorf auf den Weissenstein im Jahr 1951 erlebte das Gebiet einen erneuten Aufschwung.

Ende 1984 wurde das ehrwürdige Kurhaus während einer zweijährigen Umbauphase vollumfänglich renoviert. Der Sessellift wurde Ende 2014 durch eine neue Gondelbahn ersetzt.

Die Sanierung des denkmalgeschützten Gebäudes und die Errichtung eines Neubaus erfolgten im Jahr 2018 und 2019. Am 1. August 2019 konnte das Hotel Weissenstein wieder eröffnet werden.

Unterhalb der Terrasse des Hotels Weissenstein befindet sich ein Garten, der rund 150 Pflanzen des Solothurner Juras zeigt. Auf einem kurzen Spaziergang kann ein Ausschnitt der reichhaltigen Flora des Juras bewundert werden.

Zu jeder Jahreszeit bietet der Juragarten etwas. Die blütenreichste Zeit ist jedoch in den Monaten Juni und Juli. Hinweistafeln geben Auskunft über die im Jura beheimateten Pflanzen sowie die Markanten Landschaften es Gebiets.

Quelle und weitere Informationen: www.juragarten-weissenstein.ch; www.hotelweissenstein.ch).

Korrektorin: Melinda Fechner

Die Bruder Klaus Kapelle

 

Der Planetenweg

Eindrücke aus Weissenstein  

 

Die Landsgemeinde von Glarus

Die Ursprünge der Landsgemeinde liegen im dreizehnten und vierzehnten Jahrhundert. Die erste Landsgemeinde wurde 1294 urkundlich in Schwyz erwähnt. Die erste Erwähnung im Glarnerland stammt aus dem Jahr 1387.

Geschichte

Die Landsgemeinde hat ihren direkten Ursprung in der Beilegung von Streitigkeiten zwischen und innerhalb der Orte Schwyz, Unterwalden und Uri, sowie in Vereinbarungen über Weideland, Handel und andere wirtschaftliche Themen.

Die freien Bauern organisierten sich in so genannten Markgenossenschaften, um gemeinsames Weideland zu bewirtschaften.

Wichtig war auch die Eröffnung des Gotthardpasses in den Jahren 1220-30.  Der Handel mit Norditalien und seinen Stadtrepubliken nahm dramatisch zu.

Vielleicht waren diese souveränen Republiken eine Inspiration für die Orte, die direkt an diesem Handel teilnahmen und Zugang zu Norditalien hatten.

Darüber hinaus wurde den Orten im vierzehnten und frühen fünfzehnten Jahrhundert vom habsburgischen Kaiser der Status eines de facto unabhängigen Territoriums, der Reichsunmittelbarkeit, verliehen. Ausserdem erlitt der Kaiser gegen die widerspenstigen Orte eine militärische Niederlage nach der anderen, angefangen mit der Schlacht am Morgarten im Jahr 1315.

Die erste urkundliche Erwähnung der Landsgemeinde von Glarus im Jahre 1387 war auch die erste Verfassung von Glarus.

Der Begriff Landsgemeinde taucht übrigens erst im fünfzehnten Jahrhundert auf. Im Jahr 1387 ist die Rede von der „Gemeinde der Landleute“.

Das Stimmrecht wurde allen männlichen Bürgern zugestanden, die ihren Militärdienst abgeleistet hatten (über 14 oder 16 Jahre alt) und in Glarus wohnhaft waren.

Die Verfassung enthielt zwei wichtige Bestimmungen: das Prinzip, dass die meisten Stimmen zählten, und dass die Landsgemeinde immer das letzte Wort hatte, d.h. die einzelnen Bürger waren der Souverän und nicht einige wenige (mächtige) Familien oder Funktionen.

Obwohl die Landsgemeinde nach heutigen Massstäben schwerwiegende Mängel aufweist und die politische Realität, einschliesslich des Stimmenkaufs, oft weniger demokratisch war, war sie eine einzigartige Institution in Europa. Nirgendwo sonst hatte der einzelne Bürger das letzte Wort.

Die Landsgemeinde bestimmte die Ämter (u.a. Rat, Landammann, Richter, Steuereintreiber), war Gesetzgeber (Steuerhöhe, Erbrecht, Zivil- und Strafrecht), schloss (Staats-)Verträge mit anderen Orten und europäischen Mächten und entschied über Krieg und Frieden.

Reformation 1529

Die Landgemeinde hat sich während der Reformation als nützlich erwiesen. Während das übrige Europa in Flammen stand, beschlossen die Glarner Bürger in der Landsgemeinde 1529, dass beide Religionen (evangelisch und katholisch) erlaubt seien.

Die Bürger und ihre Kirchengemeinden entschlossen selbst über ihre Religion. Das Ergebnis war ein mehrheitlich katholischer Nordteil des Kantons und ein mehrheitlich protestantischer Südteil. Der Grundsatz der Religionsfreiheit wurde 1532 sogar in die Verfassung aufgenommen.

Auch dies war im Europa des sechzehnten Jahrhunderts einzigartig. Andere Kantone haben in ähnlicher Weise entschieden. In Zürich stimmte die Regierung (Grosser Rat) für die Einführung des protestantischen Glaubens, in Appenzell beschlossen die Bürger 1597 die Spaltung in ein katholisches Appenzell Innerrhoden und ein protestantisches Appenzell Ausserrhoden.

Die Eidgenossenschaft (die dreizehn Kantone von 1513) erlebte zwar 1529 und 1531 (Kappelerkriege) sowie 1656 und 1712 (Villmergerkriege) einige religiös motivierte militärische Kurzkonflikte, doch sie waren im Vergleich zu den (Bürger-)Kriegen im übrigen Europa nur eine Kleinigkeit.

Natürlich führte das Entstehen zweier Religionen zu grossen (persönlichen) Spannungen, ein katholischer und ein protestantischer Bäcker oder Metzger zum Beispiel. Die Versäulung war auch hier Realität. Das politische System war jedoch in der Lage, den Frieden zu bewahren, was der  einzigartige Verdienst der Landsgemeinde und ihrer Bürger ist.

1798-2021

Die Landsgemeinde funktionierte bis zur Gründung der Helvetischen Republik 1798 durch die französischen Besatzer. Sie wurde abgeschafft.

Dies führte in Glarus (und den anderen 12 Kantonen) zu so viel Widerstand, dass Napoleon 1803 mit der sogenannten Mediationsakte die Eidgenossenschaft (1803-1813) souveräner Kantone, darunter auch die Landsgemeinde von Glarus, wieder einführte.

Die Glarner Landsgemeinde besteht seit 1815 und der Gründung der heutigen Schweizerischen Eidgenossenschaft im Jahr 1848. Zusammen mit der Landsgemeinde von Appenzell Innerrhoden ist sie  das letzte „grösste Parlament“ der Welt.

Die Funktionsweise

Die Funktionsweise, die Symbolik, das Abstimmungsverfahren (Handerheben mit Stimmzetteln) und die Befugnisse des Parlaments haben sich nicht wesentlich geändert. Was sich geändert hat, ist die Zusammensetzung (mit Frauen ab 1971) und die Abstimmung über viel mehr Aufgaben.

Die Landsgemeinde tagt am ersten Sonntag im Mai (ausser in dieser Corona-Zeit am 5. September 2021) im sogenannten Ring auf dem Landsgemeindeplatz. Es nehmen zwischen 6.000 und 9.000 Wähler teil (Aus einer Bevölkerung von etwa 30 000 Stimmberechtigten).

Die Tagesordnung und die Themen werden im Voraus in so genannten Traktandenlisten verschickt, und die Stimmberechtigten können Redezeit beantragen, Änderungen vorschlagen oder Gesetzesvorlagen einbringen. (Siehe : www.landsgemeinde.gl.ch).

Die Regierung wird direkt von den Bürgern an der Urne gewählt. Das kantonale Parlament (Landrat) hat begrenzte Befugnisse und ist eher ein Exekutivorgan für die täglichen Angelegenheiten und kein Gesetzgeber. Er wird auch in direkter Wahl and er Urne gewählt.

Diskussion

Die Landsgemeinde stösst nicht nur auf grosses (internationales und wissenschaftliches) Interesse, sie steht auch im Zentrum der Diskussion über Vor- und Nachteile.

Wie so oft gibt es viele Argumente, die für beide Sichtweisen sprechen. Sicher ist, dass sich dieses Institut weiterhin an die gesellschaftlichen Veränderungen anpassen muss.

Die am häufigsten genannten Mängel sind die geringe Wahlbeteiligung am Wahltag selbst (etwa 30 % der Wahlberechtigten), das Fehlen geheimer Abstimmungen (öffentliches Handzeichen) und die nicht genaue Stimmenauszählung, die Komplexität der Themen, die Möglichkeit für „Populisten“ und die mangelnde Sachkenntnis der Bürger (dieselben Einwände werden übrigens häufig gegen das Referendum vorgebracht).

Zudem ist  die elektronische Stimmabgabe oder die Stimmabgabe an der Wahlurne effektiver und zugänglicher, und die repräsentative Demokratie ist eine gute Alternative.

Einige Argumente sind stichhaltig, andere (Populismus, mangelndes Fachwissen) sind es nicht.

Das am häufigsten gehörte Argument für die Landsgemeinde ist die öffentliche Diskussion und Kontrolle der Regierung und die volle (Mit-)Kontrolle der Bürgerinnen und Bürger über Verfassungsrecht, Haushalt und Politik. Einmal im Jahr werden die Politiker*innen von den Bürger*innen in einer öffentlichen Debatte zur Rechenschaft gezogen.

Die Bürgerinnen und Bürger sind die Gesetzgeber*innen und werden direkt in den politischen Prozess einbezogen. Eine Kaste der Politiker*innen und ihrer Beamt*innen gibt es in dieser politischen Konstellation nicht.

In den Niederlanden zum Beispiel sind nur 1 % der Bürger*innen Mitglied einer politischen Partei, aber sie treffen die Entscheidungen.

Ausserdem können die Bürger*innen nur auf sich selbst verweisen, denn sie treffen die Entscheidungen, sie sind die Politiker*innen. In der Praxis liefern die Bürgerinnen und Bürger sachliche Argumente und unterbreiten begründete Vorschläge.

Die Reden an der Landsgemeinde sind stets fundiert und der gefürchtete Populismus hat keinen Platz. Zudem geht es nicht nur um ein „Ja“ oder „Nein“ zur Landsgemeinde selbst, sondern auch und vor allem um eine direkte Beteiligung an den (vorangehenden) Verfahren. Der Bürger*innen ist nicht so dumm, wie oft behauptet wird, zumindest nicht im Glarnerland (und in der Schweiz).

Schlussfolgerung

Die Landsgemeinde wird in Glarus wegen ihrer Nachteile unter die Lupe genommen. Die Vorteile überwiegen jedoch nach wie vor die Nachteile, und nur wenige denken an ihre Abschaffung.

Natürlich kann nur die Landsgemeinde die Landsgemeinde abschaffen. Ein Bürger hat 2009 einen entsprechenden Antrag gestellt. Niemand hat sich zu Wort gemeldet, nicht einmal der Petent, und der Vorschlag wurde einstimmig abgelehnt.

Die vernünftige Entscheidung während der Reformation 1529, die erste Soziale Gesetzgebung Europas 1848 und 1864, die Gemeindefusionen von 24 auf 3 Gemeinden 2006, das Wahlrecht für 16-Jährige 2007, die direktwahl der Kantonsregierung an der Wahlurne und am 5. September 2021 ein strenges CO2-Gesetz zeigen, dass es sich nicht um ein Relikt aus der Vergangenheit handelt, sondern um einen lebendigen Mechanismus, mit all seinen Vor- und Nachteilen.

Die Landsgemeinde ist kein folkloristisches l’art pour l’art, sondern eine seriöse, direktdemokratische Institution und ein Konzept, das sich bewährt hat.

Das Wort ist frei und die Debatte ist offen, jeden ersten Sonntag im Mai (5. September 2021).

(Quelle: L. Leuzinger, Ds Wort isch fri, Zürich 2018; www.landsgemeinde.gl.ch; Glarus, Museum zur Landsgemeinde).

Korrektur: Melinda Fechner

Das Emmental, der Käse und die Linde

Das Emmental im Kanton Bern ist vor allem für seinen Emmentaler Käse bekannt. Die Emmentaler Schaukäserei in Affoltern i. E. erzählt die Geschichte dieses Käses in all ihren Düften, Farben und Fakten.

Emmentaler Käse

Der Emmentaler Käse ist unter anderem für seine Löcher und sein manchmal grosses Gewicht von bis zu 130 kg bekannt. Er wird auch in Savoyen (Frankreich), im Jura und im Allgäu (Deutschland) hergestellt.

Rivalität mit Gruyère

Die Rivalität zwischen den Kantonen Bern und Freiburg sowie zwischen den Käsesorten Emmentaler und Gruyère ist so alt wie diese beiden alten Kantone. Diese Käsesorten entstanden aufgrund der Milchproduktion und der Überschüsse in den Sommermonaten. Käse war die beste Methode, um die Milch auf Dauer frisch und genusstauglich zu halten.

Der Unterschied im Geschmack, in der Farbe, in der Form und im Zubereitungsprozess der beiden Käsesorten ist offensichtlich, so wie Freiburg ein überwiegend katholischer und Bern ein überwiegend protestantischer Kanton ist.

Dieser Unterschied ist insofern von Bedeutung, als dass Freiburger Käsehersteller bis zur Französischen Revolution ihren Hauptabsatzmarkt in Frankreich hatten (in Verbindung mit der Lieferung von Söldnern für den französischen König). Die Französische Revolution setzte diesem Markt ein Ende. Bis dahin lieferte Bern hauptsächlich nach Russland, Deutschland, Österreich und in die deutschsprachige Schweiz.

Nach dem Sturz Napoleons investierte die Berner Elite grosse Summen, um den Emmentaler Käse in Frankreich zu verkaufen, mit Erfolg. Der mächtige Kanton Bern konnte sogar erreichen, dass die Eidgenossenschaft 1897 einen Vertrag mit Frankreich abschloss, der die Ausfuhr von Gruyère nach Frankreich verbot.

Die Gruyère-Produzenten gaben nicht auf und begannen auch mit der Herstellung von Emmentaler Käse, zum Beispiel in La Roche und Bulle. Der Tiefpunkt für Freiburg war jedoch das Jahr 1909, als die Société de Laiterie van Belfaux in der Schweizerischen Milchzeitung einen deutschsprachigen Käser zur Herstellung von Emmentaler Käse suchte und fand.

Doch Qualität ist die beste Garantie auf die lange Frist, und das gilt auch für Käse. Ab 1920 erlebte der Gruyère Käse ein Comeback und in der Deutschschweiz einen Siegeszug. In einem Bericht der Freiburger Molkerei in Pérolles ´la station laitière de Pérolles) aus dem Jahr 1920 heißt es, dass „die Nachfrage nach Gruyère-Käse vor allem in der Deutschschweiz stark zugenommen hat“.

Die Linde und der Emmentaler

Diese alte Rivalität zwischen Gruyère und Emmentaler Käse hat keinen Einfluss auf die Qualität der beiden Käsesorten. Auch der Wanderer im Emmental wird von dieser jahrhundertealten Geschichte nichts merken. Auffallend im Emmental ist jedoch die prominente Präsenz von Lindenbäumen.

Diese Bäume sind manchmal Jahrhunderte alt und oft schon von weitem auf den Gipfeln von Hügeln und niedrigen Bergen zu sehen. Im benachbarten Entlebuch, wo die Emme entspringt, gibt es dagegen viele katholische Kreuze an solchen Stellen. Das Emmental ist protestantisch und vielleicht ersetzen die Linden die Kreuze, wie manchmal behauptet wird.

Das Emmental ist eine Region mit ausgedehnten Wiesen und Wäldern mit schöner Aussicht auf die Alpen auf der einen Seite und den Jura und das Berner Mittelland auf der anderen Seite.

Das mittelalterliche Schloss und Museum in Burgdorf und das Regionalmuseum Chüechlihus in Langnau i. E. bieten Informationen, Dokumentationen und viel Wissenswertes über Natur, Kultur und Geschichte des Emmentals.

Wohin auch immer die (Wander-)Tour im Emmental führt, ein Glas Wasser aus der Quelle des Hotel-Restaurants Rudswilbad bei Ersigen ist immer eine willkommene Erfrischung.

Ersigen errichtete 2015 anlässlich seines 750-jährigen Bestehens übrigens eine 750 Meter lange Rodelbahn. Die Bahn führte von der Linde auf dem Lohberg bis ins Dorf, mit Blick auf die Alpen und den Jura.

Der Schweizer Alpen-Club (SAC)

Der Schweizer Alpen-Club (SAC, Sektion Basel) organisiert regelmässig Wanderungen in diesem Gebiet (und anderswo im Land).

Obwohl der Name anderes vermuten lässt, organisiert der SAC nicht nur Skitouren, Bergsteigen und andere Sportarten im Hochgebirge und in den Alpen, sondern auch (Wander-)Aktivitäten in anderen Regionen.

(Quelle und weitere Informationen: www.sac-cas.ch).

Korrektorin: Melinda Fechner

Napoleon, die Schweiz und die Niederlande

Napoleon Bonaparte (1769-1821) starb am 5. Mai 1821 auf der englischen Insel St. Helena im Südpazifik.

Die Eidgenossenschaft

Die Eidgenossenschaft von zweiundzwanzig Kantonen bestand zu diesem Zeitpunkt seit sechs Jahren und das Land war vom Wiener Kongress (1814-1815) als souveräne und neutrale Republik anerkannt worden, eine Ausnahme in Europa.

Nur wenige ahnten 1798, dem Jahr des französischen Einmarsches in die alte Eidgenossenschaft der dreizehn Kantone, von dieser Entwicklung, . Zudem hatte Frankreich bereits 1792 einen Teil des (Jura-)Gebiets des Fürstbistums Basel annektiert.

Die einzige offizielle Sprache der alten Eidgenossenschaft war Deutsch. Die französisch-, italienisch- und rätoromanischsprachigen oder zweisprachigen Gebiete/Kantone (ausser Freiburg/Fribourg) waren kein Mitglied der alten Eidgenossenschaft.

Die Republik Graubünden, die Republik Genf, die Republik der Sieben Zenden (Dizains) im Wallis und das Fürstentum Neuenburg (Teil des Königreichs Preussen) waren unabhängig.

Waadt, Thurgau und Tessin waren besetzte Gebiete mit dem Status des  Untertanengebietes. Den Jura gab es zu diesem Zeitpunkt noch nicht. Der Kanton wurde erst 1979 geschaffen.

1798-1813

Nach 1798 blieb nichts mehr, wie es war. Napoleon führte den Einheitsstaat der Helvetischen Republik (1798-1803) ein und teilte das Land in Verwaltungseinheiten unter der zentralen Autorität eines fünfköpfigen Direktoriums nach französischem Vorbild.

Die ehemals besetzten Gebiete hatten die gleichen Rechte wie ihre früheren Herrscher. Auch die Sprachen Italienisch und Französisch erhielten den gleichen Status wie das Deutsche.

Die neue Konföderation wurde durch die (französische) Mediationsakte von 1803 geschaffen. Französisch, Italienisch und Deutsch wurden als Amtssprachen anerkannt. Die Kantone Graubünden (Les Grisons), Waadt (Vaud), Tessin (Ticino), St. Gallen (St. Gall), Thurgau (Thurgovie) und Aargau (Argovie) entstanden.

Die neuen Eidgenossenschaften von 1815 und 1848 bestätigten diese Situation. Das Rätoromanische wurde 1938 als vierte Landessprache anerkannt.

Schlussfolgerung

Napoleon spielte bei der Schaffung der heutigen Eidgenossenschaft eine wesentliche Rolle, ist jedoch nicht als ihr Gründer zu betrachten.

Die Eidgenossenschaft hat ihre Wurzeln in der Eidgenossenschaft des dreizehnten, vierzehnten und fünfzehnten Jahrhunderts, ohne dominierende Dynastie und Aristokratie und mit souveränen Kantonen und (direkter) Demokratie (nach den Massstäben der Zeit) in den Urkantonen.

Diese lockere Struktur souveräner Staaten schaffte es, die Wirren von Religionskriegen, multikulturellen Spannungen sowie mächtigen und aggressiven Nachbarn zu überstehen. Ohne diese Strukturen hätte der Lauf der Geschichte zu einer Monarchie und einem Einheitsstaat führen können.

Die niederländische Republik der Vereinten Sieben Provinzen wurde 1795 – 1815 zu einem solchen Staat, weil die Strukturen und die Geschichte sich von denen der Schweiz unterschieden und es nie eine (direkte) Demokratie gegeben hatte.

Schlussfolgerung

Die Schweizer und ihre Kantone fügten Napoleon 1802-1803 seine erste Niederlage zu, nicht militärisch, aber politisch.

Selbst sagte er dazu: ” Glückliche Ereignisse haben mich an die Spitze der französischen Regierung berufen, und doch bin ich unfähig die Schweiz zu regieren”.

Die Schweiz hat sich in den Jahren 1803, 1815 und 1848 selbst erfunden in einer Jahrhundertalten Entwicklung. Die Tessiner sagten es schon im Jahr 1797: Liberi e Svizzeri und Edward Gibbon im Jahr 1767 im Buch History of the Liberty of the Swiss (“Introduction à l’Histoire générale der la République des Suisses” (die erste deutsche Übersetzung lautet: Die Freiheit der Schweizer, Zürich 2015).

Dies ist keine Nostalgie, aber das Fundament für diese erfolgreiche demokratische, multikulturelle, innovative und dezentrale Gesellschaft ‘Bottom-Up’.

Wie sich die Geschichte in der Schweiz ohne die Französische Revolution, Napoleon und den Wiener Kongress entwickelt hätte, spielt trotz der enormen Einflussnahme heute keine Rolle. Eine Tatsache, an die man sich zweihundert Jahre nach dem Tod von Napoleon erinnern sollte.

Quelle: T. Kaestli (Hg.),  Nach Napoleon. Die Restauration,  der Wiener Kongress und die Zukunft der Schweiz 1813-1815, Baden, 2016).

Korrektorin: Melinda Fechner