Sommerprogramm Origen

Origen widmet den Sommer dem Thema «Raum» Der Julierturm beherbergt eine ganze Reihe von neuen Tanzstücken, die von Künstlern aus aller Welt kreiert werden: Paris, Tiflis, Den Haag, München, Hamburg, Rio de Janeiro, Kiev, St. Petersburg, Amsterdam, Antwerpen und London.

In Riom widmet Origen sich den Bündner Barockarchitekten und erzählen von Henrico Zuccalli, dem frechen Baumeister am Hof des Blauen Kurfürsten zuSommer München.

Das Dorf Mulegns wird zur begehbaren Bauhütte. Wir öffnen die historischen Bauten und denken über das zukünftige Wohnen im Bauerndorf nach. Der Weisse Turm zeigt erste Konturen: Ein erstes Mustergeschoss des digitalen Bauwerks wird während des Sommers aufgebaut und lädt zur Auseinandersetzung mit neuen Bautechnologien.

Romantische Salonkonzerte und selten gehörte Bauernmessen ertönen in Hotelsälen und Dorfkirchen des Surses, des Albulatales, des Engadins und Bergells. Die Commedia tourt durch nahe und ferne Lande. Und endlich ertönen in der Kirche von Mistail wieder gregorianische Gesänge, frühmorgens, wenn die Sonne aufgeht.

Zeitraum: 16. Juni – 14. August 2022

Orte: Riom, Mulegns, Julierpass, St. Moritz, Pontresina, Alvaschein, Chur, Pratval, Zernez, Luzern, Herrliberg, Samedan, Winterthur, Alvaneu, Poschiavo, Bergün, Laax, Lenzerheide, Riom, Sils i.E., Silvaplana, Bondo, Malix , Verscio, Zuoz

(Quelle und weitere Informationen: Stiftung Origen, www.origen.ch).

Die St. Galluskirche in Ötlingen

Um 800 wurde auf einer weithin sichtbaren Stelle nahe Basel eine erste Kirche errichtet, die dem Heiligen St. Gallus geweiht wurde. Es war eine einfache alemannische Saalkirche.

Gallus war ein irischer Mönch, der mit seinen Gefährten um 600 n. Chr. den Rhein hinauf zog. Nach seinem Tod im Jahr 640  errichteten seine Nachfolger 719 die erste Kirche der späteren Abtei St. Gallen.

Diese Abtei hatte schon im 8. Jahrhundert Besitztümer im Markgräflerland (im späteren Grossherzogtum Baden, Deutschland) und war kulturell eine der bedeutendsten Abteien nördlich der Alpen.

So war es naheliegend, dass die erste Kirche dem Heiligen St. Gallus geweiht wurde. Die Fundamente dieser Kirche befinden sich heute noch unter dem Boden der jetzigen Kirche in Ötlingen (Baden Württemberg). 1275 wird die Galluskirche erstmals erwähnt.

Die Fresken aus dem 13. und 14. Jahrhundert zeigen Szenen aus dem Neuen Testament und den Märtyrertod des Apostels Paulus. Die obere Reihe zeigt Bilder aus dem Leben des Heiligen Gallus. Mit zwei Diakonen ist er auf Wanderschaft, den Bischofsstab in der Hand.  An der Wand des Kirchturms prangt eine grosse Abbildung des Apostels.

Die ganze Gegend wurde 1356 von einem schweren Erdbeben heimgesucht. Auch Ötlingen und die Kirche traf es. Der Chor wurde danach nach Osten hin erweitert und erhielt seine heutige, spätgotische Form. Die Kirche bekam auch ein grosses gotisches Tabernakel.

Die Kirche ist 1556 zum evangelischen Glauben übergetreten. Sie stand immer unter der Schirmherrschaft des Hauses und Grossherzogtums Baden. Im Schlussstein des Chorbogens befindet sich deshalb das gelb-rote Wappen dieses Hauses.

(Quelle: H. Saecker, Die St. Gallus. Kirche in Ötlingen, Ötlingen 2007).

Korrektur: Petra Ehrismann

Der Oudolf Garten und der Tsuyoshi Tane Garden House des Vitra Campus

Der Vitra Campus in Weil am Rhein (Deutschland) bei Basel ist ein Komplex zeitgenössischer Architektur, der die kulturellen und kommerziellen, Produktions-, Forschungs- und Designaspekte des Schweizer Möbelherstellers Vitra an einem Ort vereint.

Seit seiner Eröffnung im Jahr 1989 hat sich das Gelände durch den Bau mehrerer Gebäude von weltbekannten Architekten zu einem der weltweit führenden Zentren für Möbeldesign und -forschung mit einer einzigartigen Sammlung und Wechselausstellungen im Vitra Design Museum entwickelt.

Der Oudolf Garten auf dem Vitra Campus vervollständigt das Konzept. Der Garten schmückt nicht nur die Architektur, sondern ergänzt auch das Museum und die Anlage der übrigen  Gebäude.

Rund 30 000 Pflanzen mit unterschiedlichen Blütezeiten und Lebenszyklen bilden einen Garten, dessen Farben sich im Laufe des Jahres ständig verändern. Der niederländische Gartenarchitekt Piet Oudolf (*1944) nennt seine Pflanzenkombinationen eine „Gemeinschaft“, was gut zur „Möbeldesigngemeinschaft“ von Vitra passt.

Winter 2024

Andere Schweizer Unternehmen und Kulturinstitutionen nutzen das gleiche Konzept. Beispiele dafür sind der Novartis-Garten und sein kürzlich eröffneter Medizinpavillon sowie die Merian Gärten in Basel, das Paul Klee Zentrum in Bern, der Gletscher Garten in Luzern, das Kirchner Museum in Davos, das Attisholz-Areal in Solothurn, die Fondation Pierre Gianidda in Martigny, die Eremitage und der neue Museumskomplex 10 in Lausanne sowie verschiedene andere Projekte, die Natur, Kultur, Kunst, Industrie und Architektur miteinander verbinden und verflechten.

(Quelle und weitere Informationen: Vitra Design Museum, www.design-museum.de).

Korrektorin: Petra Ehrismann

Piet Oudolf, planting design. Vitra Design Museum

Tsuyoshi Tane, The Tane Garden House (2023)

Der Iglingerhof

Jedes Dorf und jede Landstrasse hat ihre Schönheit. In der Schweiz ist dies sicherlich der Fall. Häufig gibt es an unerwarteten Orten ein nationales Kulturerbe zu bewundern, das oft von privaten Organisationen mit oder ohne Unterstützung der lokalen, kantonalen oder eidgenössischen Behörden gepflegt und erhalten wird.

Der aus zwei Häusergruppen bestehende Iglingerhof nahe Magden (Kanton Aargau) war einst Besitz des Klosters Olsberg. Das Zisterzienserinnenkloster ist das nachweislich älteste Frauenkloster dieses Ordens in der Schweiz.

Die Gründung erfolgte vor 1234. Das Kloster kam durch Legate und günstige Kaufangebote zu immer grösserem Besitz von Ackern und Rebbergen im heutigen Baselbiet, im Elsass, im Aargau und im südbadischen Raum.

In den Städten Rheinfelden und Basel besass das Kloster ausserdem mehrere Liegenschaften. Der Iglingerhof war auch Eigentum des Klosters. Dieses verkaufte den Hof 1790 und 1803 wurde das Kloster aufgehoben.

Im Jahre 1918 erwarb die Christian Merian Stiftung (CMS) den Iglingerhof mit insgesamt fast 67 ha Land und Wald mit dem Ziel, den Hof für die Landwirtschaft zu erhalten. Dies ist gelungen.

Noch älter als die Höfe ist die Niklauskapelle, die später in den westlichen Komplex integriert wurde. Sie brannte 1860 ab, aber die Erinnerung an sie lebt im noch erhaltenen und von der CMS restaurierten gotischen Chor weiter.

Quelle und weitere Informationen: Kloster Hortus-Dei (kloster-olsberg.ch).

Korrektorin: Petra Ehrismann

Welterbestätten in der Schweiz

Die Konvention zum Schutz des Kultur- und Naturerbes der Welt wurde 1972 von der UNESCO (United Nations Educational, Scientific and Cultural Organization) verabschiedet. Die Schweiz ratifizierte diese Konvention im Jahre 1975.

Die dreizehn UNESCO-Welterbestätten der Schweiz präsentieren prähistorische Pfahlbauten, frühmittelalterliche Handschriften in einer frühmittelalterlichen, heutzutage barocken Abtei, Hochgebirgslandschaften, Eisenbahnstrecken, ein karolingisches Kloster mit karolingischen und romanischen Wandmalereien, mittelalterliche Städte, Industriestädte und Weinbauterrassen.

Die Natur:

  • Mitten in der Schweiz bildet das vergletscherte Gebiet mit Eiger, Mönch und Jungfrau zusammen mit dem Aletschgletscher eine der spektakulärsten Hochgebirgslandschaften der Welt.
  • Östlich davon liegt die Gebirgslandschaft um den Piz Sardona, ein 300 km² grosses Gebiet: die Schweizer Tektonikarena Sardona. Das Gebiet beherbergt die Glarner Hauptüberschiebung: 250-300 Mio. Jahre alte Gesteine schoben sich über eine Distanz von 35-40 Kilometern auf viel jüngere, 35-50 Mio. Jahre alte Steine.
  • In der Region Mendrisio öffnet der Monte Giorgio das Fenster zur Urzeit mit Fossilen des Meereslebens, die 240 Millionen Jahre alt sind.
  • Die alten Buchenwälder und Buchenurwälder

Die Kultur

  • Die Altstadt von Bern zeugt weiter im  Westen vom grossartigen mittelalterlichen Städtebau. Die Stadt zeigt Arkaden, Türme, Brunnen undgeschlossene Häuserzeilen, dazu eine Dachlandschaft und eine mittelalterliche Stadtstruktur, die zu einem Grossteil in ihrer originalen Substanz erhalten geblieben sind.
  • Im Westen der Schweiz liegt die Weinbauregion Lavaux, welche sich über 40 Kilometer dem Genfersee entlang erstreckt. Bereits im 11.Jahrhundert kultivierten Mönche ihre Weinreben und nachher haben viele Generationen von Bauern die Terrassenlandschaft gestaltet.

Lavaux, Kanton Waadt. Foto: TES.

  • Die Städte La Chaux-de-Fonds und Le Locle zeigen eine Symbiose zwischen urbaner Struktur, Industrie und dem Streben nach sozialer Gerechtigkeit. Die Produktions- und Wohnstätten der Uhrenindustrie sind eng verbunden miteinander.
  • Auf der anderen Seite der Schweiz, im bündnerischen Val Müstair, bietet das Kloster St. Johann, gegründet um das Jahr 800, einen Einblick ins karolingische und romanische Mittelalter.
  • Das im Jahr 719 gegründete Kloster St. Gallen war während Jahrhunderten ein kulturelles Zentrum, wo wichtige Zeugen der (antiken) Kulturgeschichte erhalten geblieben sind. Der berühmte Klosterplan, der frühmittelalterliche Urkundenbestand und viele Manuskripte sind zu besichtigen.
  • Nicht weit davon entfernt ist die Rhätische Bahn in der Region Albula eine Meisterleistung. Die Strecke zwischen Thusis und dem italienischen Tirano bietet eine Eisenbahntechnische Erschliessung des Hochgebirges mit vielen Innovationen.
  • In Bellinzona, südlich der Alpen, treffen mehrere Passrouten auf engstem Raum zusammen. Die Burganlagen Castelgrande, Montebello, Sasso Corbaro und deren Festungsmauern sind die bedeutendsten Zeugen der mittelalterlichen Verteidigungsbaukunst im Alpenraum.

  • Pfahlbauten sind in der Schweiz auf 56 Fundstellen zu finden. Diese prähistorischen Siedlungsreste in Seen und Mooren sind verteilt auf 15 Kantone. Sie gewähren Einsicht in die Entstehung und Entwicklung früher Agrargesellschaften um die Alpen.
  • Das architektonische Werk von Le Corbusier

Korrektorin: Petra Ehrismann

Art Basel 2022

Art Basel 2022 findet vom 16. bis 19. Juni statt. Die Veranstaltung präsentiert 289 Top-Galerien aus 33 Ländern.

Die Galerien präsentieren Werke von höchster Qualität, von seltenen und historischen Meisterwerken bis hin zu modernen Werken neuer Künstler.

Die Veranstaltung wird begleitet von Präsentationen, Installationen, die über die traditionellen Stände hinausgehen, Kunst vor Ort, Filmen, Vorträgen und Diskussionen.

(Weitere Informationen: www.artbasel.com).

Der Hebel-Wanderweg und Heimweh

Der Hebel-Wanderweg mit einer Länge von ca. 60 km zwischen Basel und dem Feldberg (Baden-Württemberg) orientiert sich an Hebels ale­mannischem Gedicht „Die Wiese“ und verläuft auf markierten Wanderwegen von der Quelle am Feldberg bis zur Schifflände in Basel. Zahlreiche Informa­tionstafeln informieren über Hebel und sein Werk.

Denkmal für Hermann Daur (1870-1925) und Johann Peter Hebel. Ötlingen, die St. Gallus-Kirche. 

Johann Peter Hebel (1760-1826) schrieb aus Sehnsucht nach der Heimat (Basel) die 1803 erstmals erschienenen „Alemannischen Gedichte“. Er gilt als Pionier der alemannischen Mundartliteratur. Heimweh galt lange Zeit als typisch schweizerische Krankheit, “Nostalgia‘, ‚denken an die Heimat‘. Sie befiel oft Schweizer Söldner, die ihren Dienst fern von der Heimat leisteten.

Neben seiner Tätigkeit als Schriftsteller wirkte er als Prediger und Lehrer in Lörrach und Karlsruhe. 1819 folgte die Ernennung zum ersten Prälaten der Evangelischen Landeskirche des Grossherzogtums Baden.

Das Wiesental gehört mit Ausnahme der beiden Schweizer Gemeinden Riehen und Basel (Kanton Basel-Landschaft)  an der Wiesemündung gänzlich zum Landkreis Lörrach. Es erstreckt sich entlang des fast 60 Kilometer langen Verlaufs der Wiese in südwestlicher Richtung vom Feldberg – wo die Wiese auf rund 1.200 Meter entspringt – bis nach Basel.

(Quelle und weitere Informationen: Die Stadt Lörrach; Die Basler Hebelstiftungwww.riehen-tourismus.ch).

Korrektorin: Petra Ehrismann

Die Sumatra-Schweizer

Introduktion

Die Schweiz gehört zu den am stärksten globalisierten und kosmopolitischsten Ländern der Welt. Das Bild einer Insel inmitten Europas oder der Europäischen Union stimmt einfach nicht, weder heute, noch gestern.

Die Schweiz und ihre Unternehmer vermitteln, exportieren, importieren und produzieren seit Jahrhunderten zwischen den globalen und europäischen Metropolen, indem sie Rohstoffe, Wissen, Dienstleistungen, Kapital und Arbeitskräfte zirkulieren lassen.

Die Schweiz ohne Kolonien

Es ist kein Zufall, dass der holländische multinationale Konzern DSM (De Staats Mijnen) mit dem viel kleineren Schweizerischen Unternehmen Firmenich zur Schweizer Firma DSM- Firmenich fusioniert hat. Schon seit 1907 waren viele Schweizer Geologen, Geometer, Ingenieure und Chemiker im Dienste der grossen holländischen Petroleum Gesellschaft B.P.M. (Bataafse Petroleum Maatschappij), der späteren Gesellschaft Shell.

Die Schweiz hat sich also auch ohne Kolonien (mit einer Ausnahme in Algerien, siehe Swiss Spectator am 19. Oktober 2021, Die Schweizerische Kolonie in Algerien) an den Handelsbeziehungen und Geschäften währends des Kolonialismus beteiligt. Nicht nur in Asien, sondern auch in Afrika und Südamerika (in Surinam, zum Beispiel, ist die Familie PuPeyrou aus Neuchâtel nennenswert).

Seit dem 17. Jahrhundert zieht es Schweizer in die Kolonien als Söldner in Kolonialarmeen oder als Angestellte in internationalen Handelsfirmen, als Kaufleute, Missionare oder Berater.

Niederländisch-Indien

Als die Niederlande 1870 ein Gebiet in Sumatra (dem ehemaligen Niederländisch-Indien) für europäische Investoren öffneten, gehörten Schweizer zu den ersten, die diese Möglichkeit ergriffen.

In den folgenden 60-70 Jahren bis zum Zweiten Weltkrieg arbeiteten zwischen 500 und 700 Schweizer und ihre Familien auf den Plantagen in Sumatra, als Landgutbesitzer, Plantagenmanager oder Assistenten.

Die Plantagenbesitzer bauten Tabak, Kaffee und Tee an und, damals schon, Palmen zur Palmölgewinnung. Neben Niederländern sind es Deutsche, Briten, Franzosen, Belgier, Amerikaner  und Schweizer, die sich in Sumatra niederlassen.

Tausende von Kontraktarbeitern arbeiteten unter oft sehr prekären Bedingungen auf den Plantagen, für die Rodung des Waldes, im Strassenbau oder als Sicherheitskräfte. Die Sultane der Region waren absolute Herrscher in den vielen kleinen Sultanaten und bestimmten über die Bevölkerung, oft auf brutalere Weise als die Plantagenbesitzer.

Patumbah liegt auf Sumatra

Die Ausstellung ‘Patumbah liegt auf Sumatra’ im Schweizer Heimatschutzzentrum in Zürich widmet sich dieser Geschichte auf sachliche und objektive Weise an Hand der Geschichte verschiedener Familien.

Carl F. Grob und Hermann Näher arbeiteten 1869 zuerst auf der Plantage Helvetia von Albert Breker, einer der ersten Plantagen im Sultanat Deli auf Ostsumatra. 1871 pachteten sie Land vom Sultan von Serdang und eröffneten eine Plantage. In den folgenden Jahren bewirtschafteten sie sechs Plantagen, darunter auch Patumbah. Die Firma Näher & Grob gehört mit ihren 4000 Angestellten (oder Kulis) zu den wichtigsten auf Sumatra. Als reicher Mann kehrte Grob 1879 nach Zürich zurück und baute 1883-1885 die Villa Patumbah.

Villa Patumbah, Zürich. Foto: TES

Der Appenzeller Karl Krüsi reiste 1873 nach Sumatra und eröffnete 1881 seine Plantage. 1893 kehrte er in die Schweiz zurück, kaufte eine Villa in Zürich und nannte sie Villa Sumatra. Dank ihr hat Zürich heute eine Sumatrastrasse.

Diese ‘Expats’ waren oft auch tüchtige und talentierte Unternehmer und nicht nur (anachronistische) Ausbeuter. Krüsi schrieb in seinem Lebenslauf:

Von früh bis in die tiefe Nacht arbeitete ich nun wie ein Lastgaul, sah aber auch, wie sich die Ernte von Tag zu Tag prächtiger cultivierte”.

Der Zürcher Ferdinand Tritschler lebte von 1881 bis 1892 auf Sumatra. 1889 heiratete er Lina Beck. Die Briefe im Nachlass des Ehepaars geben einen guten Einblick in das Leben der Europäer, insbesondere der Frauen, von denen es auf Sumatra bis 1900 nur wenige gab.

Auch die Brüder Fritz und Carl Alphons Meyer gehörten zu den Tabakpionieren auf Sumatra und kauften und bewohnten nach ihrer Heimkehr eine Villa in Zürich.

1886 gründeten die Schweizer in Ostsumatra den ‘Schweizer Verein Deli-Sumatra’. Der Verein bestand 50 Jahre und erreichte 1920 mit 150 Mitgliedern seinen Höhepunkt..

Die Briefe, Fotoalben, Tagebücher, Archive und dieser Verein sind wichtige Zeugnisse der kolonialen Vergangenheit. Die Ausstellung veranschaulicht diese Geschichte ohne Moralismus. Auch Schweizer gestalteten jedoch den kolonisierten Raum mit und profitierten davon. Diese Erkenntnis ist Teil des postkolonialen Diskurses in der Schweiz.

Quelle und weitere Informationen: www.heimatschutzzentrum.ch; Heimatschutzzentrum, Patumbah liegt auf Sumatra, Zürich,2022).

Korrektorin: Petra Ehrismann

Die Villa Patumbah und Sumatra

Carl Fürchtegott Grob-Zundel (1830-1890) errichtete 1883-1885 die Villa Patumbah in Zürich. 1890 ergänzte der Landschaftsarchitekt Evariste Mertens den Park im Stil eines englischen Landschaftsgartens.

Ein Springbrunnen, Blumenbeete, Skulpturen und ein Gartenpavillon schmücken den Bereich um die Villa. DieVilla war von 1911 bis 1976 ein Altersheim. Sie beherbergt heute das Schweizer Heimatschutzzentrum.

Die Dauerausstellung beleuchtet die Baukultur und die Veränderung der Landschaft, die Architektur und Denkmäler und das handwerkliche Detail.

Patumbah ist ein Ort auf der Insel Sumatra. Dort hat Grob mit Tabakplantagen sein Vermögen verdient. Er und viele andere Schweizer Bürger beteiligten sich nach 1860 an der Plantagenwirtschaft in dieser Region.

Die Sonderausstellung „Patumbah liegt auf Sumatra“ beschäftigt sich mit dieser Geschichte und thematisiert die kolonialen Verflechtungen in Südostasien.

(Quelle und weitere Informationen: www.heimatschutzzentrum.ch).

Korrektorin: Petra Ehrismann

Der grösste Kreuzgang der Schweiz

Als Gründungsdatum des Klosters zu Allerheiligen in Schaffhausen gilt das Jahr 1049. Es wurde dem Salvator, dem heiligen Kreuz, der Gottesmutter Maria und allen Heiligen geweiht.

Der grösste Kreuzgang seiner Art in der Schweiz wurde im 12. Jahrhundert erbaut. Ursprünglich war er allseitig romanisch. Die Südseite wurde im 15. Jahrhundert jedoch  im gotischen Stil umgebaut; ein ähnliches Aussehen hatte vermutlich auch die nicht mehr erhaltene Westseite.

1902 fanden dann eine umfassende Renovation des Kreuzganges sowie  die Wiederherstellung der romanischen Säulenstellungen statt.

Der Kreuzganggarten diente von 1582 bis 1874 als Begräbnisplatz der regimentsfähigen Geschlechter. Dazu gehören über fünfzig Epitaphien, die im Kreuzgang und in der Münstervorhalle angebracht sind.

(Quelle und weitere Informationen: Museum zu Allerheiligen Schaffhausen).

Korrektorin: Melinda Fechner