Musée jurassien d’art et d’histoire, exposition 'Le Bible de Moutier-Grandval'. Foto/Photo: TES

Die Gebrüder Van Lymborch, Maelwael und die Bibel von Moutier-Grandval

Am 21. März fand die Eröffnung des Jahres der Gebrüder Van Lymborch (Gebroeders Van Lymborch) und Johan Maelwael in der Stevenskerk in Nijmegen (Nimwegen) statt.

Herman (1385-1416), Paul (1386-1416), Johan (1388-1416) van Lymborch und ihr Onkel Johan Maelwael (1370-1415) werden als die Begründer der flämischen Primitiven (Vlaamse Primitieven) und des Goldenen Zeitalters der niederländischen und flämischen Malerei anerkannt. (Siehe unter anderem die Vereinigung der Gebrüder Van Lymborch, die Maelwael Van Lymborch Stiftung und das Museum Maelwael Van Lymborch Huis in Nijmegen).

Die Rembrandts des Mittelalters

Nijmegen war ihre Heimatstadt und sie arbeiteten für den mächtigen Herzog von Gelre (bis 1543 das letzte unabhängige Gebiet in den Niederlanden!). Sie waren jedoch so talentiert, innovativ und vielseitig, dass die Herzöge von Burgund und Mitglieder der französischen Königsfamilie (der Herzog von Berry) sie nach 1400 in Dienst nahmen.

Maelwael leitet sich vom deutschen Malen (Malen) und wael (gut) ab, also war er ein guter Maler und stammte ursprünglich aus der Region Xanten. Das „Maelwael en Gebroeders Van Lymborch Huis“ in der Burchtstraat in Nijmegen und das Jahr 2025 sind ihren atemberaubend schönen Künsten gewidmet. Inbesondere in Dijon, Saumur, Bourges, Paris und Chantilly haben diese „Rembrandts des späten Mittelalters“ ihre Spuren hinterlassen.

Die Belles Heures (links) des Duc de Berry, die Très Riches Heures (rechts) des Duc de Berry, Faksimiles, Maelwael Van Lymborch Huis

Zwischen 1375 und 1420 gaben also Künstler aus dem Herzogtum Gelre den Ton für die flämischen Primitiven und die Hochkultur am französischen und burgundischen Hof an. Die Très Riches Heures und die Belles Heures (Stundenbücher) des Duc de Berry (1340-1416) sind die bekanntesten Werke der Brüder. Seiten (Folios) aus den Belles Heures wurden 2005 im Valkhof in Nijmegen, im Getty Museum in Los Angeles und 2010 im Metropolitan Museum in New York ausgestellt. In New York marschierte sogar eine Prozession von Rittern, Damen und ihrem Gefolge aus dem Herzogtum Gelre durch die Strassen und den Grand Central!

Die Très Riches Heures werden bald teilweise (vom 7. Juni bis 5. Oktober) im Musée Condé im Château de Chantilly bei Paris ausgestellt. Auch hier wird das edle Gefolge aus Gelre erscheinen!

Wandgemälde im Maelwael Van Lymborch Huis , Très Riches Heures (Ms 65, fol. 2r), Original: Sammlung Musée Condé im Château de Chantilly

Maelwael Van Lymborch Huis, Johan van Maelwael, Piétas, um 1400, Originale im Louvre, Paris 

Maelwael Van Lymborch Huis , Johan van Maelwael, um 1400, Kopie, Original im Louvre. 

Die Bibel von Moutier-Grandval

 Vor mehr als 600 Jahren waren es jedoch ausschliesslich Mönche, die sich diesen Werken widmeten. Wer die Très Riches Heures im Musée Condé im Château de Chantilly in den Sommermonaten bewundern möchte (mit einem Besuch im Louvre und den einzigartigen Werken von Johan Maelwael), kann vorher nach Delsberg (Delémont, Kanton Jura) reisen, gefolgt von einer schönen und interessanten Route über Dijon, Chapmol, Bourges, Saumur nach Chantilly.

Das Museum von Delémont (Musée jurassien d’art et d’histoire) zeigt ein ebenso aussergewöhnliches Werk, nämlich die Bibel von Moutier-Grandval. Die Abtei von Moutier-Grandval gehörte ab 999 zum Bistum Basel. Eines seiner Manuskripte war diese Bibel.

Eindruck aus der Ausstellung ‚Die Bibel von Moutier-Grandval. Auf den Spuren eines Meisterwerks‘, Musée jurassien d’art et d’histoire

Der Ursprung dieser Bibel liegt um 840 in der Abtei St. Martin in Tours (Frankreich). Diese schöne karolingische Bibel reiste dann zur Abtei von Moutier-Grandval. Die Karolinger waren die Schirmherren der Abtei, ihre Blütezeit war im 9. und 10. Jahrhundert.

Die Abtei wurde 1499 zerstört, die Klosterkirche während der Reformation im Jahr 1531. Die Bibel und andere Kunstschätze gingen nach Solothurn und Delémont. Die (adligen) Chorherren von Moutier-Grandval bauten Stadtpaläste und ein Schloss auf ihre bekannte Weise.

Die Stiftskirche von Moutier-Grandval. Sammlung: Musée jurassien d’art et d’histoire

 Jahrhundertelang ging alles gut, bis zur französischen Invasion und Besetzung von Delémont im Jahr 1792. Die Bibel von Moutier-Grandval entging erneut der Plünderung und tauchte 1822 in den Händen von Joseph Alexis Bennot (1753-1837), Bürgermeister von Delémont, wieder auf.

Er verkaufte die Bibel dann dank der Vermittlung von Baron Konrad Karl Friedrich von Andlau (1766-1839), dem ehemaligen Gouverneur (1814-1815) des ehemaligen Fürstbistums Basel in Arlesheim.

Der neue Besitzer war Johann Heinrich von Speyr-Passavant (1782-1852) aus Basel. Von Speyr-Passavant war ein Sammler von Manuskripten. Die Universitätsbibliothek Basel verwaltet heute seine grosse Sammlung.

Zu dieser Zeit stieg auch das Interesse an beleuchteten mittelalterlichen Manuskripten und Kunst. Von Speyr war nicht nur Sammler, sondern auch Kunsthändler. 1836 verkaufte er die Bibel an das British Museum.

Seitdem ist London ihr neues Zuhause, aber sie bleibt ein Kulturerbe der Welt. 1981 kehrte die Bibel von Moutier-Grandval zum ersten Mal nach Delémont zurück. Fast fünfzig Jahre später kommt die Bibel für kurze Zeit wieder nach Hause in die Nähe des Schlosses des Kapitels.

Eindruck aus der Ausstellung ‚Die Bibel von Moutier-Grandval. Auf den Spuren eines Meisterwerks‘, Musée jurassien d’art et d’histoire

 Schlussfolgerung

Was die Très Riches Heures und die Belles Heures des Duc de Berry von den Gebrüdern Van Lymborch und die Bibel von Moutier-Grandval gemeinsam haben, ist ihre aussergewöhnliche Schönheit, Handwerkskunst und Innovation. Wieso dunkles Mittelalter?

Wie würde ein mittelalterlicher Mensch auf das 20. und 21. Jahrhundert mit seinen Atombomben, Giftgas, Konzentrationslagern, Holocaust, Kommunismus, Nazismus und Umweltverschmutzung reagieren? Jede Ära hat ihre Sünden.

Die Kunst bringt jedoch Licht, auch in den dunkelsten Zeiten. Sowohl die Ausstellung (8. März bis 8. Juni) in Delémont als auch im Musée Condé im Château de Chantilly (7. Juni bis 5. Oktober) sind eine einzigartige Gelegenheit, mittelalterliche Kunst vor Ort zu bewundern. Vielleicht lässt sich ja ein Besuch chronologisch kombinieren.

(Literatur und weitere Informationen: L. Marti, Le Bible de Moutier-Grandval. Sur les traces d’un chef-d’œuvre, Delémont, 2025; A. Stufkens, Cl. Verhoeven, Johan Maelwael en de Gebroeders van Lymborch. Grondleggers van de Nederlandse schilderskunst, Nijmegen, 2025)

Korrektorin: Giuanna Egger-Maissen