Die Basler Fasnacht 2022

Der Bundesrat und der Kanton Basel-Stadt beschlossen am 27. Februar 2020, die Fasnacht vom 2. bis 4. März aufgrund der Ausbreitung der Corona-Epidemie abzusagen. Im darauffolgenden Jahr war die Absage faktisch beschlossene Sache.

Schliesslich konnte man am 7. März 2022 um 4 Uhr morgens in der Basler Innenstadt den Vorwärts marsch wieder hören, wie immer!

Um 4 Uhr morgens gingen in der Innenstadt die Lichter aus und Tausende von Piccolos und Tamburinen ertönten in den Gassen, auf den Brücken und auf den grossen Plätzen.

Die Kleinbasler und Grossbasler Cliquen trafen sich an der Wettstein- und der Mittleren Brücke. Kleine Laternen auf den Köpfen und grosse leuchtende Laternen begleiten die ‘Prozessionen’ mit wunderschönen Kostümen in einer märchenhaften Kulisse.

Wie immer!, nein, nicht wie immer. Diesmal ist es nicht Corona, sondern die Aggression  in der Mitte Europas, die von sich reden macht. Dieses Verbrechen ist mindestens genauso surreal wie die Maskeraden der Fasnacht.

Dennoch ist es bittere Realität und eine weitere Niederlage für Europa nach den schon fast vergessenen Balkankriegen (1991-1999) und dem Massaker an 196 niederländischen Bürgern am 14. Juli 2014 durch dieselben Täter.

Die verzweifelten, traurigen und hilflosen Bewohner des europäischen Landes mit der blau-gelben Flagge waren am Vorabend der Fasnacht auf dem Marktplatz in Basel noch zu sehen.

Einige Stunden später ertönte wie üblich der Vorwärts marsch! mit der traditionellen Marschmusik von Piccolos und Tamburinen.

Die meisten europäischen Staats- und Regierungschefs verstecken sich noch immer hinter einer Maske aus harten Worten und symbolischen, ja sogar zynischen Erklärungen zur Unterstützung eines souveränen europäischen Landes.

Die Täter kommen damit durch, weil Kommerz, Feigheit und mangelnde Einsicht noch immer vorherrschen. Das Krokodil wird noch hungriger. Dafür ist keine Maskerade erforderlich. Das ist seit Jahrzehnten klar.

Editorin: Melinda Fechner

Liestal und das Törli

Liestal (kanton Basel-Landschaft) war eine römische und alemannische Siedlung. Lihstal wurde 1189 erstmals Urkundlich erwähnt. Hartman IV. von Froburg baute Liestal 1240 zu einer befestigten Ansiedlung aus und erhob die Siedlung zur Stadt. Liestal erhielt eine Befestigung, Tore und Türme, Wall und Graben, einen Markt und einen Zoll

Der Fürstbischof von Basel kaufte 1305 die Stadt und machte es mit der Verleihung von Burglehen an seine Getreuen zu einer Art Garnison. Nach den Zerstörungen durch das Erdbeben von 1356 und dem grossen Feuer von 1381 war die Stadt bis 1415 eine Baustelle.Die Baumassnahmen beinhalteten auch den Bau einer Zwingeranlage mit Fallbrücke.

Das Obere Tor, das Törli, aus dem 14. Jahrhundert liegt in der Achse Rathausstrasse, Marktgasse und Burgstrasse und folgt der römischen und mittelalterlichen Strasse.

Nach alten Zeugnissen war das Tor bereits 1499 mit heraldischen Motiven, Wappen und Wappenhaltern bemalt. Die heutige Fassadenmalerei stammt aus dem Jahr 1950. Der Künstler Otto Plattner (1886-1951) malte eine stilisiertere Fassung des in einen Harnisch gekleideten Kriegers mit dem Schweizerbanner. Er vereinfachte den Rütlischwur und den Georg auf der Innenseite. 1972 und 2019 erfolgten neue Restaurierungen der Fresken und wurden die vielen Bauphasen seit dem 14. Jahrhundert analysiert.

Noch heute wird das Stadtbild durch die historische Altstadt geprägt und innert kürzester Zeit kann man die Wälder erreichen oder das Dichter- und Stadtmuseum, MuseumBL oder das Harmonium-Museum, der Tierpark, das Theater oder Musikveranstaltungen besuchen.

Liestal ist der Sitz der Kantonalen Regierung seit 1832/1833.

(Quelle und weitere Informationen: www.liestal.ch).

Das Rathaus

Die Evangelisch-Reformierte Stadtkirche

 

Denkmal für den Dichter und Politiker Georg Herwegh (1817-1875)

Bach in Arlesheim

Das gesamte Orgelwerk von Johann Sebastian Bach (1685-1750) wird in den Jahren 2022 bis 2024 auf der Silbermann-Orgel im Dom von Arlesheim gespielt (Kanton Basel-Landschaft).

Das erste Jahr ist fast ausschliesslich seinem Frühwerk gewidmet, also jenen Orgelwerken, die aller Wahrscheinlichkeit nach in seines Jugendzeit und während seiner Tätigkeit als Organist in Arnstadt (1703-1708) und Mühlhausen (1707-1708) entstanden sind.

Diese Choralbearbeitungen, aber auch freie Orgelwerke, die selbst manchem Fachmann nicht bekannt sind und nur selten in Konzerten gespielt werden, erklingen. Die Mehrzahl der Choralvorspiele, die zu hören sein werden, entstammen der sogenannten Neumeister-Sammlung, die erst 1985 wiederentdeckt wurde.

Das zweite Jahr, 2023, steht im Zeichen der Weimarer Zeit (1708-1717), in der Bach als Hoforganist des Herzogs Wilhelm Ernst von Sachsen-Weimar (1662-1728) den Grossteil seines Orgelwerks geschaffen hat.

Es erklingen die grossen Präludien, Toccaten und Fantasien samt ihren zugehörigen Fugen. Daneben stehen die Choralvorspiele des «Orgelbüchleins» auf dem Programm.

Nachdem Bach sich zuvor vor allem an norddeutschen Vorbildern orientiert hatte, rückte in seiner Weimarer Periode eine Gestalt des italienischen Musiklebens ins Zentrum seiner Aufmerksamkeit.

Die Concerti grossi des Venezianers Antonio Vivaldi (1678–1741) erklingen in Bachs Bearbeitungen für die Orgel und auch seine eigene Orgelmusik atmet in dieser Zeit eine gehörige Portion Italianità.

Das dritte Jahr (2024) ist hauptsächlich den späten Orgelwerken gewidmet, unter anderem die kleine Liebhaber Kollektion der sechs Schübler-Choräle; die kanonischen Veränderungen über «Vom Himmel hoch»,  der «Dritte Theil der Clavier Übung», der Summa summarum seiner Orgelkunst, die Reihe der Triosonaten, die Sonaten und die Choralsammlung der «Leipziger Originalhandschrift» (obwohl die darin enthaltenen Stücke bereits dreissig Jahre zuvor entstanden).

(Quelle und weitere Informationen: www.bach-im-dom.ch).

Korrektorin: Melinda Fechner

Das Stockalperschloss

Kaspar Stockalper von Thurm (1609-1691) erbaute dieses Schloss in den Jahren 1658-1678 neben seinem Wohnsitz in Brig (Kanton Wallis).

Er war der reichste Bankier, Kaufmann und Unternehmer im Wallis und auch einer der einflussreichsten Politiker und Diplomaten. Er wird auch der Fugger der Alpen genannt.

Das Schloss ist eines der grössten Barockbauten der Schweiz. Bemerkenswert sind die Merkmale der Renaissance und die drei Türme des Komplexes. Er gab den drei Türmen die Namen Kaspar, Melchior und Balthasar, eine Anspielung auf die drei Könige, die den neugeborenen Jesus besuchten. Aus diesem Grund lautet der andere Spitzname „König der Alpen“.

Brig war katholisch und gründete 1673 das Ursulinenkloster neben dem Schloss. Dieses Kloster existiert noch immer. Das Kollegium Spiritus Sanctus, eine Jesuitenkirche und -schule, die 1662 auf dem gegenüberliegenden Hügel errichtet wurde, geht ebenfalls auf seine Initiative zurück.

Brig (und Naters auf der anderen Seite der Rhone) liegen am Fusse des Simplonpasses. Die Strasse dorthin verlief neben dem Schloss. Das war kein Zufall. Die Burg kontrollierte den Transitverkehr über den Simplon, der auch ein lukratives Geschäft war.

Seine Kontakte reichten bis zu den wichtigsten europäischen Höfen, Königen, Kaisern und dem Vatikan. Sein Handelsimperium erstreckte sich auf das Mittelmeer und die (protestantische) Republik der Sieben Vereinigten Provinzen. Er handelte aber auch mit den spanischen Habsburgern, die damals in den Achtzigjährigen Krieg mit der Republik verwickelt waren.

Er erhielt die höchsten Ehren- und Adelstitel von französischen, österreichischen und spanischen Fürsten und dem Vatikan. Schliesslich war er auch ein gläubiger Katholik in der Zeit der Religionskriege. (Einschliesslich des Dreißigjährigen Krieges (1618-1648) und der Aufhebung des Edikts von Nantes 1685.)

Er wurde so mächtig, dass ihn die Herrscher von Leuk, Visp, Sitten und Siders (vier der sieben Zenden oder Zehnden) 1679 aus dem Wallis vertrieben und einen grossen Teil seines Vermögens einbüssten. Im Jahr 1685 konnte er durch die Vermittlung seiner mächtigen europäischen Freunde zurückkehren.

Er war einfach eine Nummer zu gross für das Oberwallis. (Die anderen drei Zenden waren Brig, Raron und Goms.) Oberwallis regierte von 1512-1536 bis 1798 das französischsprachige Unterwallis als Untertanengebiet (territoire sujet).

Kaspar Stockalper von Thurm gab Brig jedenfalls für immer den Anschein einer (katholischen) Königsresidenz.

Heute beherbergt das Schloss ein Museum mit der Geschichte des Simplonpasses und des (Post-)Verkehrs sowie der Familie Stockalper.

Quelle: Bernhard Truffer, Historisches Lexikon der Schweiz, Wallis, https://hls-dhs-dss.ch/de/articles/007396/2018-01-11).

Korrektur: Melinda Fechner

Eine kurze Geschichte der Konstitution

1513

Die ehemalige Eidgenossenschaft von dreizehn Kantonen oder Orten verfügte 1513 noch nicht über eine für alle Kantone verbindliche Verfassung. Die Mitglieder waren Appenzell, Basel, Bern, Freiburg, Glarus, Luzern, Schaffhausen, Schwyz, Solothurn, Unterwalden, Uri, Zug und Zürich.

Die Eidgenossenschaft beruhte auf gegenseitigen Verträgen, die im Laufe der Jahrhunderte zwischen einem oder mehreren Kantonen abgeschlossen wurden. Die ersten Verträge zwischen Kantonen, die erst drei Jahrhunderte später als Kantone bezeichnet werden sollten, gehen auf das 13. Jahrhundert zurück, noch vor dem offiziellen Gründungsdatum 1291.

Die Eidgenossenschaft war von Anfang an ein bottom-up verlaufender Staatsbildungsprozess. Bis 1513 schlossen sich ihr immer mehr Städte oder Orte aufgrund gemeinsamer wirtschaftlicher, militärischer und politischer Interessen an.

Ein wichtiger Moment war die Eroberung des Aargaus im Jahre 1415. Die Kantone beschlossen, das eroberte Gebiet (Untertanengebiet) gemeinsam zu regieren (Gemeine Herrschaft). Zu diesem Zweck wurde die Tagsatzung, die Generalversammlung der Kantone, geschaffen.

Im Jahre 1460 wurde auch der Thurgau erobert, was ein anderes Untertanenland der Eidgenossenschaft bedeutete. Die Burgunderkriege (1474-1477), die Ausdehnung auf italienisches Gebiet (Tessin im Jahr 1512) und die Eroberung der Waadt (1536) führten  zur gemeinsamen Verwaltung von noch mehr Untertanenländern.

Der Schwäbische Krieg (oder Engadinerkrieg) von 1499 führte zur Erweiterung des Bundes um fünf neue Mitglieder bis 1513. Immer mehr Regionen und Städte schlossen sich als Verbündete oder als zugewandte Orte an. St. Gallen und die Republik der drei Bünde (später Graubünden), Wallis, Genf, Neuenburg, aber auch Städte in Deutschland und Frankreich (z.B. Rottweil, Besançon, Mulhouse, Strassburg, Colmar).

Bis 1515 (Schlacht von Marignano) war die Eidgenossenschaft in Mitteleuropa eine Supermacht ohne politische Einheit und ohne Verfassung.

Die Eidgenossenschaft überlebte jedoch sogar die Reformation. Dies ist ein Hinweis auf die starke Bindung, die trotz des Ausmasses und der Intensität religiöser Konflikte und anderer Unterschiede bestand. Der Bund ohne Verfassung überlebte vor allem dank der lokalen Verfassungen der Kantone und Orte, den gemeinsamen Interessen und der Weisheit der Eliten.

In Zürich zum Beispiel wurde der Reformator Huldrych Zwingli (1484-1531) nicht sofort verbrannt, sondern vom Stadtrat angehört. Es gelang ihm sogar, sie zu überzeugen, und 1525 wurde Zürich eine protestantische Stadt.

Die beiden Appenzeller (katholisch und protestantisch) entstanden 1597 nach einer Volksabstimmung im Landsgemeinde (Appenzell Ausserrhoden (reformiert) und in der Kirchegemeinde (Appenzell Innerrhoden (katholisch). Die protestantische Stadt Bern blieb der Verbündete der katholischen Städte Solothurn und Freiburg.

1798

Bis 1798 arbeitete die Eidgenossenschaft ohne Verfassung. Von 1798 bis 1803 war die Helvetische Republik ein Einheitsstaat mit einer Verfassung nach französischem Vorbild und den Prinzipien der Einheit, Rechtsgleichheit und Brüderlichkeit.

Im Einheitsstaat hatten die Kantone jedoch keine Unabhängigkeit mehr, sondern waren lediglich Verwaltungseinheiten.

Die Schweizer Kantone hingegen passen nicht in die Zwangsjacke eines Einheitsstaates. Am 19. Februar 1803 schuf die neue Verfassung (Mediationsakte) eine neue Eidgenossenschaft mit neunzehn selbständigen Kantonen (darunter die neuen Kantone Waadt, Tessin, Thurgau, Aargau, St. Gallen und Graubünden, mit Verlust von den italienischen Gebieten Veltlin, Bormio und Chiavanna). Der Bund hatte praktisch keine Befugnisse.

Nach der Niederlage Napoleons wurden die Neue Eidgenossenschaft und die Verfassung der zweiundzwanzig Kantone (mit Genf, Neuenburg und Wallis als neue Kantone) am 7. August 1815 durch den Bundesvertrag geschaffen. Die Bundesebene hatte immer noch wenig Befugnisse. Die Kantone waren nach wie vor souveräne Staaten mit eigenen Verfassungen.

1815-1848

Die Jahre 1815-1848 waren eine wichtige Periode. In den meisten Kantonen kehrten die alten (oligarchischen) Strukturen an die Macht zurück. Die Ideale von Volkssouveränität, (direkter) Demokratie und Referenden waren jedoch populär und wurden von der liberalen Bourgeoisie unterstützt.

Dies führte zu Spannungen zwischen und innerhalb der Kantone, zwischen Föderalisten (Eidgenossenschaft) und Unionisten (Einheitsstaat), alten Strukturen  und radikal-liberalen Gruppen sowie zwischen katholischen und protestantischen Kantonen.

In dieser komplizierten Situation konnte die Verfassung von 1815 nicht reformiert werden, und es gab einen kurzen Bürgerkrieg (Sonderbundskrieg) im Jahr 1847.

1848-2000

Diese Eskalation führte jedoch zur Verfassung von 1848 (nach Annahme durch das obligatorische Referendum). Die Verfassung wurde bis 2000 einhundertvierzig Mal geändert. Jede Änderung musste dem Volk in einem obligatorischen Referendum unterbreitet werden, das es mit der Mehrheit der Stimmen zu genehmigen hatte.

Sei es die erste grosse Revision von 1874 (mit dem fakultativen Referendum), die Revision von 1891 (Volksinitiative), die Einführung des Proporzwahlsystems (1918), das Frauenwahlrecht (1971), der neue Kanton Jura (1979) und die grosse Revision von 1999, die nach dem Referendum am 1. Januar 2000 in Kraft trat.

Die meisten Anpassungen betreffen jedoch die Zuweisung neuer Zuständigkeiten auf Bundesebene aufgrund der zunehmenden Zahl von Regierungsaufgaben (z.B. in den Bereichen Umwelt, soziale Sicherheit, Einwanderung, Verkehr).

Schlussfolgerung

Die Grundlagen der Verfassung von 1848 haben sich jedoch nicht geändert. Die Schweiz ist ein stark dezentralisierter, konföderaler, demokratischer Rechtsstaat, in dem die Bürgerinnen und Bürger auf Bundes-, Kantons- und Gemeindeebene nach wie vor das letzte Wort haben und die politischen Parteien und ihre Netzwerke kontrollieren können.

Die Schweiz zeigt vielleicht das Maximum, das in einer Allianz von vier Sprachen und Kulturen erreicht werden kann. Die Demokratie und die Schweizer Verfassung können nie relativiert werden, auch nicht auf europäischer Ebene.

Die Romandie oder La Romande suisse

An der Weltausstellung 1992 in Sevilla dachte der Schweizer Künstler Ben Vautier, er solle „La Suisse n’existe pas“ angeben.Diese Perspektive war nicht historisch begründet. 

Die Romandie

Eine berechtigte Frage ist jedoch, ob es die Romandie oder eine Romande Suisse, die französischsprachige Schweiz, gibt?

Die Romandie besteht aus sechs Kantonen: Jura, Wallis (Valais), Genf (Genève), Waadt (Vaud), Freiburg (Fribourg) und Neuenburg (Neuchâtel).

Die historischen, religiösen und wirtschaftlichen Unterschiede in der Romandie sind beträchtlich.

19. und 20. Jahrhundert

Sprachlich ist Romande suisse eine Schöpfung aus dem 19. Jahrhundert, die erstmals 1837 von der Societé d’histoire de la Suisse romande verwendet wurde.

Der Begriff Romandie stammt aus dem Interbellum (1918-1939) und wird hauptsächlich in der deutschsprachigen Schweiz verwendet.

Die Emotionen waren während des Ersten Weltkriegs sehr ausgeprägt. Die Romandie sympathisierte mit Frankreich, die deutschsprachige Schweiz mit Deutschland.

Diese Zeit stärkte aber die identität der Romandie. 1918 wurde das Orchestre de la Suisse Romande gegründet.

Der Aufstieg der Medien (Zeitungen, Radio, später Fernsehen) verstärkte diesen Prozess und die Romandie wurde immer mehr institutionalisiert und in ihrer Identität gestärkt.

Der Jura 

Dies zeigte sich zum Beispiel auch in den Bemühungen der (französischsprachigen) Jurabewohner, in den Jahren nach 1945 ein unabhängiger französischsprachiger Kanton zu werden, was in der Tat 1979 geschah.

Freiburg und Wallis

Die erste Komplikation ist die Zweisprachigkeit von Freiburg (die Stadt Freiburg war und ist auch deutschsprachig, aber wurde immer mehr Fribourg) und Wallis (Siehe Swiss Spectator 26.10.2020).

Obwohl die Religion heutzutage eine weniger wichtige Rolle spielt, kreuzen sich die katholischen und protestantischen Trennlinien manchmal durch die Kantone.

Zudem ist die wirtschaftliche Situation je nach Kanton unterschiedlich und historisch haben die Kantone nicht viel gemeinsam.

Genf

Im Mittelalter konzentrierte sich die Geschichte der Grafschaft Genf vor allem darauf, Savoyen fernzuhalten oder Chablais, Gex und Faucigny zu erobern und Meinungsverschiedenheiten zwischen dem Bischof von Genf und dem Stadtrat, insbesondere nach der Reformation zu schlichten.

Neuenburg

Neuenburg war eine Grafschaft, die später lange Zeit in den Händen einer deutschen und französischen Dynastie (1395-1707) lag  und nach 1707 dem preussischen König (formel sogar bis 1856-57) gehörte.

Waadt

Waadt war bis 1798 nie eine eigenständige Region oder ein Kanton, sondern wurde zuerst von Savoyen und dann von 1536 bis 1798 von Bern (evangelisch-reformiert) und Freiburg (katholisch) regiert, was das Flickwerk von Gebieten, Sprachen und Religionen darstellt.

Identität

Bis 1848 war die Romandie, abgesehen von der Sprache, keine kulturelle Einheit. 

Selbst rechtlich oder verfassungsrechtlich wurde nie von einer Romande suisse oder der Romandie gesprochen. Die Identität wurde, wie in der ganzen Schweiz, zuerst aus den Kantonen abgeleitet.

Heute gibt es jedoch eine Identität der Romandie. Es gibt sogar eine Tour de Romandie, aber mehr wegen der Rolle der (modernen) Medien als wegen der gemeinsamen historischen, religiösen, wirtschaftlichen oder sozialen Wurzeln.

(Source: C. Meuwly e.a. (Red.), Histoire vaudoise, Lausanne 2015), F. Walter, Une histoire suisse, Neuchâtel, 2016).

Korrektorin: Melinda Fechner

Die Schweizer Landeshymne

Die offizielle Schweizer Landeshymne gibt es erst seit 1961. Der Bundesrat erklärte in diesem Jahr „Trittst im Morgenrot daher…“ zur Nationalhymne.

Bis Ende der 1950er Jahre wurden in der Schweiz bei offiziellen Anlässen „Rufst Du mein Vaterland“ (rund 1830) oder der Schweizer Psalm (1841) „Trittst im Morgenrot daher…“ gespielt.

Zuvor wurde für hunderte von Jahren nach einer passenden Hymne gesucht. Es wurden auch Wettbewerbe ausgeschrieben. Der Artikel ist weiter nur in der englischen und niederländischen Sprache publiziert.

(Quelle und weitere Informationen: www.nb.admin.ch)

Die Eroberung der Alpen

In der Antike war die Alpenkette von Norden nach Süden geteilt: die Alpen Poenines (Alpes Poeninae), die Alpen Graies (Alpes Graiae), die Alpen Cottiennes (Alpes Cottiae) und die Alpen Maritimes (Alpes Maritimes).

In der Römerzeit erstreckten sich die Graies und Poenischen Alpen über verschiedene keltische Regionen und Völker. Zu den Alpes Graies gehörten die Tarentaise, der Beaufortain und die Haut-Faucigny.

Zu den Alpen der Poenines gehörte auch das Wallis. Die Tarentaise und das Wallis waren wichtige Routen nach Italien, Gallien und Britannien.

Mehrere Pässe verbanden die verschiedenen Regionen. Der Cormet d’Arêches und Roselend verbindet die Tarentaise mit dem Beaufortain, die Pässe Bonhomme und Forclaz du Prarion verbinden den Beaufortain und Haut-Faucigny, die Pässe Balme und Forclaz de Trient verbinden das Val de Chamonix und Wallis.

Der kleine St. Bernhard (Le Petit Saint-Bernard) verbindet die Tarentaise mit dem Aostatal (Valle d’Aosta) und der grosse Bernhard (Grand-Saint-Bernard) das Wallis mit dem Aostatal (Valle d’Aosta). Die Tarentaise, das Wallis und das Aostatal waren wichtige Verkehrswege.

Die Graies Alpen wurden von den Ceutronen (Ceutrones) bewohnt. Ihre Hauptstadt war Aime (Axima) Die Poeninischen Alpen wurden von vier Stämmen bewohnt: den Nantuates, den Veragri, den Sedunas und den Uberi.

Die Nantuates lebten im Rhonetal vom Genfer See bis nach Saint-Maurice (Agaune) und hatten Massongex (Tarnaiae) als Hauptstadt, die Véragres bewohnten die Täler von Trient und um ihre Hauptstadt Martigny (Octodorus). Die Sedunas bewohnten die Gegend um Sion (Sedunum) und die Uberi in Wallis zwischen Sierre und Brig bis zur Quelle der Rhone am Gotthard (Adulasmons oder Columna Solis).

Die Eroberung der Alpen Graies und Poenines durch die Römer wurde durch die Kontrolle über die wichtigsten Alpenpässe und den direkten Kontakt mit Gallien und Deutschland motiviert.

Zwischen 25 und 15-13 v. Chr. eroberte Kaiser Augustus die Alpen, 25 v. Chr. durch den Sieg über die Salassa im Aostatal und 15 v. Chr. durch die Eroberung des Wallis.

Unter Kaiser Claudius wurde das Forum Claudii Augusti (Martigny) gegründet, die Zugangsstrasse zum Grossen St. Bernhard.

(Quelle: A. Puéjean, les Alpes Graies et Poenines à l’époque romaine, Nîmes, 2015).

Die Iglus der Landgasthof Hotel Kemmeriboden-Bad

Im 2008 baute der Landgasthof Hotel Kemmeriboden-Bad (Kanton Bern) im Innenhof das erste Iglu. Da die Nachfrage gross war, kamen von Jahr zu Jahr weitere Iglus hinzu, bis zu den heutigen fünf.

Das Iglu-Restaurant umfasst heute rund 50 Sitzplätze und einen Speisesaal für das Fondue. Im ersten Jahr wurde Naturschnee mit Lastwagen herangeführt. Dies was aufwändig und ineffizient und daher investierte man in eine eigene Beschneiungsanlage.

Ein Teil der Energie wird mit dem eigenen Wasserkraftwerk produziert und das Wasser stammt vollumfänglich aus den Quellen des Hotels.

Die Symbiose zwischen Landgasthof, Natur und Igludorf verwandelt den Innenhof zu einem Wintermärchen entlang der Emme. Mutter Natur bleibt jedoch der wichtigste Partner von Dezember bis März.

(Quelle und weitere Informationen: www.kemmeriboden.ch).

Korrektorin: Melinda Fechner