Stille Nacht, heilige Nacht, die Basler Liedertafel und das Münster
15 Dezember 2025
Der Ausbruch des Vulkans Tambora in Indonesien im April 1815 führte zu einer erheblichen Abkühlung der Erde. Es war der grösste aufgezeichnete Ausbruch, der 90.000 Menschen tötete und etwa 150 Kubikkilometer Staub und Asche über 30 Kilometer in die Atmosphäre schickte.
Die Kraft entsprach der von 170.000 Hiroshima-Bomben.Die Abkühlung war auch in der Schweiz und in anderen Ländern Mitteleuropas zu spüren. In den Tälern schneite es und in den Sommermonaten regnete es ununterbrochen. Die Jahre 1815 und 1816 waren „Jahre ohne Sommer“ und die Zeiten um 1818 waren nach den napoleonischen Kriegen (1792-1815) ohnehin hart.
Überschwemmungen, Missernten und eine grosse Hungersnot waren die Folge. Diese Periode dauerte bis 1819. Dann kehrten die durchschnittlichen Temperaturen zurück. Diese Zeit war auch die letzte grosse Hungersnot in der Schweiz, insbesondere im nordöstlichen Teil der neuen Eidgenossenschaft von 1815.
Der Staub und die Asche in der Atmosphäre veränderten auch die Farben des Sonnenaufgangs und des Sonnenuntergangs. Das Sonnenlicht spiegelte sich, und man konnte wunderschöne Kombinationen von Violett, Orange, Rot, Blau und sogar Grün sehen (Siehe auch den Maler Caspar David Friedrich (1774–1840) in diesem Zusammenhang).

Der Hunger in der Schweiz und den umliegenden Gebieten wurde dadurch jedoch nicht gelindert. Der österreichische Pfarrer Joseph Mohr (1792-1848) und Franz Xaver Gruber (1787-1863) brachten jedoch geistige Linderung.
Joseph Mohr schrieb den Text, der Organist Franz Xaver Gruber komponierte die Melodie „Stille Nacht, heilige Nacht“ in und für das hungernde Dorf Oberndorf (bei Salzburg) zu Weihnachten 1818.
Sie waren auch die Ersten, die es am Heiligen Abend 1818 in der Kirche vortrugen. Die Stille-Nacht-Kapelle steht heute auf dem Platz der ehemaligen Kirche (die Anfang des 20. Jahrhunderts abgerissen wurde).
In Oberndorf signalisierte das Lied Solidarität, Zusammenhalt und Trost. Innerhalb weniger Jahre war es auch in der Schweiz bekannt – ohne soziale Medien –, aber wegen der Qualität der Komposition.
Heute ist `Stille Nacht, heilige Nacht‘ das erfolgreichste Weihnachtslied aller Zeiten, auch am 14. Dezember in Basel. Mehr als zwei Milliarden Menschen singen es in mehr als dreihundert Sprachen und Dialekten, wie es am 14. Dezember ebenfalls von der Basler Liedertafel und dem Publikum auf dem Münster vorgetragen wurde.
Joseph Mohr starb arm, Franz Xaver Gruber zog nach Hallein und fand dort Anerkennung, aber auch keine Rappen für seinen „Hit“.
(Quelle: Stille Nacht Museum Hallein; Akademie der Naturwissenschaften Schweiz)
Giuanna Egger-Maissen, Korrektorin und Lektorat

