Duett zwischen dem Serpent und dem Saxophon in St. Imier
21 April 2026
In der Stiftskirche in St. Imier (Kanton Bern) fand am 19. April ein einzigartiges Konzert mit mehr als 15 Serpenten statt. Der Höhepunkt des Konzerts war das Duett zwischen dem Serpent und dem Saxophon.

Das Instrument ist im 16. Jahrhundert in Frankreich erfunden worden. Es wurde zur Begleitung gregorianischer Gesänge und anderer Kirchenlieder eingesetzt. Der Serpent wird aus Hartholz, meist aus Nussbaum, in zwei Hälften gefertigt.
Dann werden die Hälften zusammengeleimt und mit einer dünnen, pergamentartigen Lederschicht überzogen. Zum Schluss wird es mit einem speziellen Lack lackiert. Ursprünglich hatte der Serpent sechs Löcher. Im Laufe der Zeit sind noch mehrere hinzugekommen, die zum Teil mit Klappen bedient wurden.

Michel Godard
Weil der oberste Teil mit einem Metallmundstück versehen ist, gehört der Serpent zu den Blechinstrumenten, obwohl der überwiegende Teil aus Holz besteht.
Nach der französischen Revolution wird das Serpentspiel wieder aufgenommen. Es kommt jedoch vermehrt in der Militärmusik zum Einsatz. Bis zum 19. Jahrhundert verliert der Serpent zunehmend an Bedeutung. Die Ophikleide, ein Blechinstrument, welches ganz aus Blech besteht und auch mehrere Windungen hat, verdrängt den Serpent. Wahrscheinlich auch, weil sie lauter klingt.
Der Serpent geriet in Vergessenheit, bis der französische Musiker Michel Godard ihn in den 1970er Jahren wieder entdeckte. Michel Godard lernte klassische Trompete, fand dann über das Tubaspiel zum Jazz und ist heute auch der weltweit beste Serpentist.

Wie Stephan Berger zum Serpentbauer wurde
Stephan Berger, ursprünglich aus Läufelfingen (Kanton Basel-Landschaft) stammend, machte eine Lehre als Landmaschinenmechaniker. Später erlernte er die Lederverarbeitung und gründete eine eigene Werkstatt. Dort erfand er unter anderem eine spezielle Hundeleine für Blindenhunde. Diese Erfindung war ein grosser Erfolg.

Als Stephan 2005 ein Jazzkonzert von Michel Godard und seiner Band besuchte, war er total hingerissen vom warmen, sonoren Klang dieses Instruments. Stephan, ein Tüftler und sehr talentierter Handwerker, gelang es, den Serpent von Grund auf zu bauen. Bis heute baut er das Instrument für Musiker aus aller Welt und spielt es leidenschaftlich gern.
Korrektur: Giuanna Egger-Maissen, Korrektorin und Lektorat
Eindrücke aus dem Konzert







und aus der Stiftskirche in Saint-Imier



