Die Ausstellung ist Lionel O‘ Radiguet (1857-1936) gewidmet. Heute ist er in seinem Heimatland Frankreich und in der Schweiz, dem Land seiner Wahl, kaum noch bekannt. Damals war er jedoch eine bekannte Persönlichkeit. Er wurde in der Bretagne geboren. O‘ Radiguet war ein grosser Reisender, in seinen frühen Jahren Offizier der französischen Marine, Mitglied des französischen Konsularkorps in China, Professor für chinesische Sprache und Literatur an der Universität Lausanne, ein Gelehrter, Schriftsteller, Unternehmer und Maler.

Seine Eltern kamen aus Irland, und er hat sich schon immer für die keltische und irische Kultur und Geschichte interessiert.  Dieses Interesse führte ihn 1894 nach St. Ursanne (heute Kanton Jura, damals Kanton Bern). Diese Stadt war am Anfang des siebten Jahrhunderts der Sitz des irischen Mönchs St. Ursanne. Die romanische Kirche (Collégiale) aus dem elften und zwölften Jahrhundert ist diesem Heiligen gewidmet. Ab 1904 liess er sich dauerhaft in Saint-Ursanne nieder. Er vergass jedoch die Bretagne nicht und er veröffentlichte 1904 eine Verfassung für die Republik Bretagne (Constitution nationale pour une République bretonne). Er publizierte auch über die Geschichte des Jura und der Schweiz und entwarf/ initiierte zahlreiche Projekte, darunter einen Kanal von Basel nach Nantes (über St. Ursanne), ein Heilbad mit dem Mineralwasser der Bel-Oiseau-Quelle und sogar einen Golfplatz bei St. Ursanne. Er organisierte einen internationalen Wettbewerb für Pfeifenraucher und setzte sich für die Entwicklung der Eisenbahn ein.

Die Ausstellung beleuchtet das Leben dieses vergessenen Schweizer Bürgers (er erhielt das Schweizer Bürgerrecht) und einige seiner Gemälde aus der Zeit von 1906-1916. Ebenfalls zu sehen sind Kunstwerke aus der Kirche und die Geschichte dieser mittelalterlichen Stadt.