Die Ikone von Abt Ména (l) und Christus (r) in der ehemaligen Abteikirche Saint-Philibert in Tournus. Foto/Photo: TES

Das Ikonenmuseum in Lenzburg, eine koptische Ikone und die Aktualität

Das Ikonenmuseum in Lenzburg verfügt, wie bekannt, über eine wunderschöne Ikonensammlung. Die Sammlung umfasst Christus-Bildnisse, Lebens- und Passionsszenen, verschiedene Darstellungstypen der Gottesmutter sowie Ikonen von Heiligen und ein breites Themenspektrum.

Die Ikone von Abt Ména (l) und Christus (r) in der ehemaligen Abteikirche Saint-Philibert in Tournus (Frankreich)

Ikonen

In vier Räumen werden die Bedeutung und Inhalte dieser Kunst erläutert und zugänglich gemacht. Die traditionelle Technik der Bemalung und Vergoldung sowie die Verwendung von Naturpigmenten verleihen den Werken eine unvergleichliche Farbigkeit und Leuchtkraft.

Das Wort «Ikone» bedeutet «Bild» oder «Abbildung». Die Kunst der Ikonenmalerei hat ihren Ursprung im byzantinischen Reich des 6. und 7. Jahrhunderts. Den Ursprung der Ikonenmalerei begründet die byzantinische Formensprache und entwickelte im Laufe der Jahrhunderte durch die verschiedenen Schulen eigene Stile. Innerhalb des orthodoxen Glaubens haben Ikonen eine zentrale Bedeutung.

Die ehemalige Abteikirche Saint-Philibert in Tournus heute

Und damals

Die älteste koptische Ikone

Eine der ältesten koptischen Ikonen befindet sich im Louvre in Paris; eine Kopie davon ist in der ehemaligen Abteikirche Saint-Philibert in Tournus (Frankreich) zu sehen. Es handelt sich um eine Darstellung aus dem späten 6. oder frühen 7. Jahrhundert. Sie zeigt Christus mit dem Abt Ména vom Kloster Baouit in Ägypten. Es ist eine bildliche Umsetzung eines Textes des Evangelisten Johannes:

„Ich nenne euch nicht mehr Diener; denn der Knecht weiss nicht, was sein Herr tut. Vielmehr habe ich euch Freunde genannt; denn ich habe euch alles mitgeteilt, was ich von meinem Vater gehört habe“ (Johannes 15.15)

Dies erklärt vielleicht ein bemerkenswertes und einzigartiges Detail: Christus legt seinen Arm um die Schulter des Abtes. Er betrachtet den Abt als seinen Freund! Das Benediktinerkloster Saint-Philibert wurde 875 auf Veranlassung Karls des Kahlen (823-877), des Enkels Karls des Grossen (748-814), gegründet.

Die ehemalige Abteikirche von Cluny (Frankreich)

Und damals um 1700

Lenzburg und Napoleon

Die letzten Mönche verliessen das Kloster im Jahr 1785. Vielleicht war dies ihre Rettung im Jahr 1789 (Französische Revolution). Das mächtige Kloster von Cluny in derselben Region wurde 1789 aufgelöst und in den folgenden Jahren grösstenteils abgerissen. Vielleicht herrscht in Frankreich seit 1789 immer noch eine revolutionäre Stimmung.

Jedenfalls hielt sich der französische General André Masséna (1758-1817) während des Zweiten Koalitionskrieges 1799 in Lenzburg auf, und Napoleons Mediationsakte von 1803 führte zur Gründung des Kantons Aargau.

Schloss Lenzburg

Zudem beherbergte Lenzburg 1871 etwa 600 Soldaten der französischen Bourbaki-Armee. Das Museum Burghalde, zu dem auch das Ikonenmuseum gehört, befasst sich ausführlich mit dieser französischen Geschichte Lenzburg und des Aargaus.

Die Ikonen im Ikonenmuseum beziehen sich auf eine andere Geschichte, die dennoch auch heute wieder aktuell ist. Die koptische Kirche im überwiegend islamischen Ägypten existiert nach wie vor. Und das darf auch einmal gesagt werden, obwohl es diese religiöse Minderheit nicht leicht hat. Es ist also durchaus möglich!

(Quelle und weitere Informationen: Ikonenmuseum Lenzburg)