Das Surses und seine Geschichten in Häusern, Fassaden, Grand Hotels und andere Gebäude Riom. Foto/Photo: TES

Ein Oscar für den Weissen Turm und Mulegns?

Das Surses (Kanton Graubünden) ist ein Tal, in dem sich Geschichten in Häusern, Fassaden und Räumen eingeschrieben haben. Das Tal liegt an einer uralten Passstrasse. Wer heute hier unterwegs ist, reist auf den Spuren der Räter und Römer. Daher wird auch in dieser Region Rätoromanisch (Surmiran) gesprochen. Und wie damals gehört zum Reisen auch das Einkehren: Die historischen Häuser entlang der Strasse laden dazu ein, Halt zu machen, gut zu essen und sich ein wenig Zeit zu nehmen.

Das Surses und seine Geschichten in Häusern, Fassaden, Grand Hotels und anderen Gebäuden

Von den Savogniner Hoteliers, die bis nach Venedig zogen, den Zuckerbäckern, die ihr süsses Glück in Paris und Bordeaux suchten, über die historischen Bauernhäuser von Mulegns bis zum visionären Weissen Turm. Verschiedene Führungen öffnen Türen zu einer Baukultur, die weit über das Tal hinausweist.

Der Sängersaal, Café Carisch und die Ustareia Taratsch in Riom

Die kreative Zusammenarbeit mit der ETH Zürich geht auch in Riom und Savognin weiter. Architekturstudierende des Studio Cifuentes beschäftigen sich mit dem Einsatz lokaler Materialien und präsentieren ihre Skizzen und Ideen im Sängersaal in Riom – jener grossen Scheune am Schulhausplatz. In Riom duftet es im Café Carisch nach Paris – bei Kuchen und Kaffee lässt sich wunderbar verweilen. Die Ustareia Taratsch serviert unkomplizierte, saisonale Küche mit Zutaten aus der Region.

Savognin

 Grand Hotel Venezia in Savognin

Aus einem einfachen Gasthaus in Savognin zog die Hoteliersfamilie Pianta hinaus in die grosse Welt. Während Anton Pianta elegante Hotels in Mailand und Triest führte, machte sein Bruder Alfonso das Grand Hotel Venezia am Canal Grande zum Treffpunkt der internationalen Gesellschaft. Im alten Stammhaus in Savognin lebt diese Geschichte weiter: Kristallspiegel, Murano-Leuchter und venezianische Salons erzählen von einer Zeit, in der Bündner Hoteliers die Grand Hotels Europas eroberten.

Eine Führung durch das Hotel Pianta ist die Geschichte einer kühnen Familie zwischen Bergheimat und Lagunenstadt. Im Café Venezia im Hotel Pianta in Savognin wird der Kaffee im venezianischen Salon zum kleinen Ausflug in die Lagunenstadt.

Mulegns

Mulegns mit seinem Ortsbild von nationaler Bedeutung (u.a. die Weisse Villa, Hotel Löwe) bewahrt auf engem Raum eine aussergewöhnliche Formenvielfalt alpiner Baukultur. Die Führung folgt den Spuren des Dorfes – von den traditionellen Bauernhäusern über die Zuckerbäckervillen bis hin zu den grossen Hotelbauten und den Geschichten jener Menschen, die Mulegns geprägt haben und es heute noch tun.

Im Restaurant des Hotel Löwe in Mulegns spannt sich das kulinarische Netz weiter: Die Küche verbindet mediterrane Einflüsse mit dem französischen Esprit der Belle Époque und erzählt damit von den internationalen Gästen, die einst über die Pässe kamen.

 Tor Alva oder der Weisse Turm in Mulegns

Noch bis Mitte Oktober kann die filigrane Architektur des Weissen Turmes in ihrer offenen Form erlebt werden, danach legt sich das Winterkleid wieder über den Turm. Die «Zuckerbäckerarchitektur» beginnt zu leuchten, sobald die Dämmerung hereinbricht. Aus dem Bauwerk wird eine Laterne an der historischen Passroute.

Ein Oscar für den Weissen Turm und Mulegns?

Kurz vor der winterlichen Verwandlung ist der Weisse Turm auch erneut Hauptdarsteller in einer neuen Fernsehproduktion, der Dokumentation «Der Weiße Turm von Mulegns. Wie Kultur ein Dorf rettet.»

Der ORF (Carina Jielg) begleitet die Entstehung des weltweit höchsten digital gedruckten Gebäudes, blickt auf die Geschichte des Dorfes und fragt nach der Kraft von Kultur, einen Ort neu zu beleben (Samstag, 10. Oktober 2026 um 16.20 Uhr auf ORF 2, «Unterwegs beim Nachbarn»).

(Quelle und weitere Informationen: Nova Fundaziun Origen)