Fürstbistum Basel, Bern und Saint-Ursanne
10 Dezember 2025
Saint-Ursanne, benannt nach dem heiligen Ursicinus (vom Lateinischen Ursus, Bär auf Deutsch), liegt am Doubs im Kanton Jura. Die Stadt feiert seit 1‘400 Jahren den Tod ihres Gründers St. Ursanne. Zu den wichtigsten und interessantesten Gebäuden gehören die Pfarr- und Stiftskirche aus dem 12. und 13. Jahrhundert.

Ursicinus war einer der irischen Mönche, die im 7. Jahrhundert in dieser Region Klöster gründeten. Der heilige Gallus zog zum Beispiel nach dem späteren St. Gallen, der heilige Kolumban nach Luxeuil und nach Bobbio.
Die Stadt und ihre romanische Benediktinerabtei haben ihren mittelalterlichen Charakter bewahrt. Die Abtei wird erstmals 830 in Dokumenten erwähnt. Die (mutmasslichen) sterblichen Überreste des heiligen St. Ursanne sind unter dem Altar der Stiftskirche begraben.



Die Stadt ist nur durch eines der drei historischen Tore zugänglich. Das Peterstor (Porte Saint-Pierre), das Johannestor (Porte Saint-Jean) und das Paulstor (Porte Saint-Paul) prägen das Städtchen. Verschiedene andere Gebäude und Objekte verdienen ebenfalls Aufmerksamkeit.
Die Brücke Saint-Jean Népomucène (St. Nepomuk) und die sogenannte Glocke La Berbatte sind nur einige Beispiele.
Die wunderschöne Lage im Jura und im Naturpark Doubs wird dem Denkmalstatus und der Einstufung als eine der schönsten Städte und Dörfer der Schweiz voll und ganz gerecht.




Das Fürstbistum Basel, Frankreich, Kanton Bern und Kanton Jura
Das Fürstbistum Basel erwarb 1146 die Benediktinerabtei Saint-Ursanne im heutigen Kanton Jura. Im 13. Jahrhundert war das Fürstbistum die stärkste weltliche Macht am Oberrhein.
Das Territorium des Fürstbischofs umfasste den heutigen Kanton Jura sowie das nördliche Gebiet des Kantons Bern, den Sundgau, das südliche Elsass, das Birseck, das Birstal und Besitztümer in Süddeutschland.

Die Äbte von 1119 bis 1793
Der Bischof war auch Fürst des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation, daher der Titel Fürstbischof. Wegen der Reformation in Basel liess sich der Fürstbischof 1529 in Pruntrut (Porrentruy), ebenfalls im heutigen Kanton Jura, nieder.
Der südliche Teil des Juras mit den Städten Biel und Moutier geriet unter den Einfluss des protestantischen Berns, der nördliche Teil mit den Städten Delémont, Porrentruy und St. Ursanne blieb katholisch.
Die Eidgenossenschaft kontrollierte den protestantischen Südteil des Juras faktisch (und militärisch). Formell blieb dieses Gebiet jedoch Teil des Fürstbistums Basel und damit des Heiligen Römischen Reiches.
Diese Situation änderte sich nach der französischen Annexion des katholischen Nordteils am 17. Dezember 1792. Dieser Teil des Jura wurde zur République rauracienne. Am 23. März 1793 wurde es mit dem französischen Département Mont-Terrible zusammengeführt.

Im Jahr 1797 annektierte Frankreich auch den südlichen Teil des (protestantischen) Juras. Dies bedeutete das Ende des Fürstentums. Der nördliche und der südliche Jura wurden am 17. Februar 1800 dem Departement Haut-Rhin angegliedert. Diese Situation bestand bis zur Niederlage Napoleons im Jahr 1813.

St. Ursanne und seine Bär
Im Jahr 1815 erwarb der Kanton Bern das Gebiet des heutigen Kantons Jura, darunter auch Saint-Ursanne. Am 1. Januar 1979 wurde schliesslich der neue Kanton Jura gegründet, in dem eines der ältesten Klöster der Schweiz und Europas steht.
(Quelle und weitere Informationen: Jean-Paul Prongué, Saint-Ursanne, DHS, 18.05.2020)










