Napoleon III., Vichy, Arenenberg und Schweizer Chalets
11 September 2026
Napoleon III. (1807–1873) verbrachte einen grossen Teil seiner Kindheit und Jugend auf Schloss Arenenberg im Kanton Thurgau. Offenbar diente ihm dies später als Inspiration für den Bau von Chalets in seiner Sommerresidenz in Vichy während seiner Kaiserzeit (1852–1870).

Vichy heute
Aqua Calidis
Die Römer hatten bereits einen passenden Namen für Vichy: Aqua Calidis (warmes Wasser). Nach dem Ende der Römerzeit geriet die Nutzung dieser Quellen in Vergessenheit. Der französische König erwarb die Stadt im Jahr 1527, und seit dem 17. Jahrhundert nahm die Entwicklung des Kurortes Fahrt auf. Mitglieder der königlichen Familie und des Adels besuchten den Ort regelmässig, um ihre Beschwerden behandeln zu lassen.



Le Parc des Sources
Ludwig XVI. (1754–1793) und Napoleon I. (1769–1821) bauten die Badeanlagen weiter aus. Napoleon liess zudem den Parc des Sources im Stadtzentrum anlegen, der bis heute das Herzstück des Kurkomplexes bildet.

Rue Alquié
Napoleon III. und Vichy
Es war jedoch Napoleon III., der den Grundstein für die heutige Pracht Vichys legte. Aus dieser Zeit stammt auch die Bezeichnung „La reine des villes d’eau“ („Die Königin der Kurstädte“). Ab 1863 wurden mehrere Chalets am Boulevard des États-Unis für ihn, seine kaiserliche Familie und seinen Hofstaat errichtet. Er besuchte die Stadt regelmässig, um sich in den Kurbädern behandeln zu lassen. Die Offiziere seiner kaiserlichen Garde brachte er in acht gleichen Villen in der nahegelegenen Rue Alquié unter.

Der Park und der Kaiser




Der Parc Napoléon III.
Der Parc Napoléon III. entlang des Flusses Allier sowie weitere Parkanlagen, ein Casino mit Ballsaal, Oper und anderen Freizeitmöglichkeiten, Kirchen, Villen, Hotels, eine Eisenbahnverbindung mit Bahnhof, immer umfangreichere Bade- und Kureinrichtungen, ein neues Rathaus und vor allem wohlhabende Gäste aus Paris machten Vichy zu einem mondänen Kurort, vergleichbar mit Bath, Karlsbad (Karlovy Vary), Baden-Baden oder Marienbad.

Das Casino

Die Opera

Die zweite Blütezeit Vichys
Die zweite Blütezeit Vichys fiel in die Jahre zwischen 1880 und 1914, also in die Belle Époque. Im Jahr 1903 verfügte Vichy über den grössten Bäderkomplex Europas. Zahlreiche Grandhotels, Villen und Stadtpaläste entstanden, neue Parkanlagen wurden angelegt.


Rund zwei Millionen Besucher kamen jährlich nach Vichy. Nach Nizza verfügte die Stadt über die zweitgrösste Hotelinfrastruktur Frankreichs. Um 1920 erschien Vichy wie ein Lehrbuch der Architekturgeschichte: römisch-byzantinische Stile, Klassizismus, Neugotik, Jugendstil, Art Déco, flämische, venezianische und englische Stilelemente, monumentale Dekorationen, Fenster- und Wandmalereien sowie Landschaftsparks und Gärten wechselten sich ab.

Die Mineralquellen und Bäder
Im Mittelpunkt stehen jedoch bis heute die Mineralquellen und Bäder. Besonders die Quelle Célestine, benannt nach dem Orden der Cölestiner, der zu Beginn des 15. Jahrhunderts gegründet und 1778 aufgehoben wurde, dient noch immer als Trinkhalle (Buvette) und ist die berühmteste Mineralquelle der Stadt.


La source des Célestins
Vichy ist vor allem eine grüne Stadt. Sie liegt am breiten Fluss Allier, und etwa ein Fünftel ihrer Fläche besteht aus Parks und Gärten. Daran konnte selbst die Kollaboration und Diktatur des Regimes von Philippe Pétain (1856–1951) zwischen 1940 und 1944 nichts ändern.
Weitere Eindrücke aus Vichy












