Félix Vallotton (1865–1925), Le chapeau violet, 1907. Courtesy Hahnloser/Jaeggli Stiftung Winterthur

Félix Vallotton (1865–1925) gehört zu den bedeutenden Figuren der französischen Moderne an der Wende zum 20. Jahrhundert. 2025 gilt es ein doppeltes Jubiläum zu begehen: den 100. Todestag des Künstlers und gleichzeitig seinen 160. Geburtstag.

An zwei Standorten werden über 150 Arbeiten aus allen Schaffensphasen, Gattungen und Techniken gezeigt, darunter zahlreiche Hauptwerke wie das ikonische La blanche et la noire.

Der Ausstellungstitel Illusions perdues ist dem Titel eines der berühmtesten französischen Bücher des 19. Jahrhunderts entnommen – dem dreiteiligen Werk von Honoré de Balzac (1799-1850) , der dieses als Teil seiner Comédie humaine verstand. Auch Vallottons Kunst ist ein präzise beobachtetes und messerscharf kritisches Abbild der Gesellschaft.

Félix Vallotton (1865–1925) La blanche et la noire, 1913 Öl auf Leinwand Kunst Museum Winterthur, Hahnloser/Jaeggli Stiftung

Dies manifestiert sich zunächst in seinen Holzschnitten und zeigt sich später immer wieder auch in seiner Malerei. Darüber hinaus gehört Vallotton mit seinem Stil zu den Vertretern eines Verismus, der sich vom Malerischen des Impressionismus abhebt, ganz ähnlich wie Balzac mit seinem Realismus zur Überwindung der Romantik beigetragen hat.

Inhaltlich orientiert sich die Schau an den Verlorenen Illusionen. Denn mit der Illusion ist ein Grundthema der Malerei angesprochen, das seit jeher das Ziel eines Vortäuschens der Wirklichkeit verfolgt.

Dass dieses im Zeitalter der Moderne aber zusehends verloren ging, sprach Vallottons Nabis-Freund Maurice Denis (1870-1943) deutlicher als jeder andere aus, wenn er schrieb:

«Es sollte bedacht werden, dass ein Bild, bevor es ein Schlachtpferd, eine nackte Frau oder irgendeine Anekdote ist, im Wesentlichen eine gewöhnliche Fläche ist, überzogen mit in bestimmter Weise angeordneten Farben.»

Ende des 19. Jahrhunderts war dies ein ungeheuerlicher Ausspruch und er verdeutlicht: Mit dem Verlieren der Illusion sind wir definitiv in der Moderne angekommen.

Die Ausstellung ist an zwei Standorten des Kunst Museum Winterthur zu sehen. Im Reinhart am Stadtgarten ist der Hauptteil mit Gemälden und Zeichnungen ausgestellt, während in der Villa Flora die Holzdrucke sowie die Blumenstillleben zu sehen sind.