Le Mormont, au pied du Jura. Photo/Foto: W. Dusan (red.), Le Mormont. Un sanctuaire des Helvètes en terre vaudoise vers 100 avant J.-C., Lausanne 2009).

Die Kelten auf dem Hügel Mormont

Der Schweizer Zementhersteller Holcim tat im Frühjahr 2006 das, was er schon seit Jahrzehnten tut: Er stellt Zement aus Kalk her, den er durch den Abbau von Bergen und Hügeln gewinnt.

Auf dem Hügel Mormont, zwischen den Dörfern Éclépens und La Sarraz (Kanton Waadt), waren die Ausgrabungen 2006 in vollem Gange.  Dabei kam eine der grössten archäologischen Stätten der keltischen Stämme zum Vorschein.

Nach der Entdeckung von Pfahlbauten und keltischen Siedlungen (5. – 1. Jh. v. Chr.) in La Tène bei Neuchâtel in der Mitte des 19. Jahrhunderts ist Mormont, die zweite bedeutende Fundstelle keltischer Präsenz in der Schweiz. Darüber hinaus ist die keltische Präsenz an vielen anderen Orten durch kleinere Funde nachgewiesen worden.

Bei Mormont handelt es sich um ein Heiligtum, in dem menschliche Skelette und Knochen, zahlreiche Tierknochen und andere Gegenstände gefunden wurden.

Der Stamm der Helvetier bewohnte dieses Gebiet (und das Schweizer Mittelland). Weitere Stämme auf dem Gebiet der heutigen Schweiz sind die Rätier im Osten (Graubünden), die Lepontier, Uberes, Nantuaten, Sedunen und Veragres in der Alpen- und Südschweiz sowie die Rauracen in Teilen des Nordjuras und der Kantone Basel-Stadt und Basel-Landschaft.

Der Mormont wurde am Ende der Eisenzeit (450-100 v. Chr.) als Friedhof und Heiligtum genutzt. Aufgrund der industriellen Nutzung ist es nicht möglich, den gesamten Hügel genau zu vermessen, auch weil die Hälfte bereits ausgegraben wurde.

Bis zum Jahr 2006 wurden etwa 200 Gräber und Opferplätze kartiert. Darunter befinden sich Hunderte von Männern, Frauen und Kindern, Überreste von etwa 460 Tieren (Kühe, Pferde, Geflügel, Schweine, Wildschweine, Schafe, ein Wolf, ein Rothirsch, ein Bär, ein Esel) und viele weitere Gebrauchs-, Kampf- und religiöse Gegenstände, darunter Äxte, Schwerter, Ringe, Messer, römische und keltische Münzen, Keramik, Stein, Eisen, Knochen, Bronze, Glas, Mühlsteine und sogar Holz.

Die Forschung ist noch nicht abgeschlossen. Zu den Schwerpunkten gehören die Ursachen des menschlichen Todes (einige Skelette wurden enthauptet, ein keltischer Brauch beim besiegten Fei, andere verbrannt, einige waren unversehrt), Krankheiten und Ernährung. Die Forscher hoffen auch, die Götterwelt der Kelten besser zu verstehen.

Ein Hauptaugenmerk liegt dabei auf (Haus-)Tieren für den (Fleisch-)Verzehr, das Fell, Götteropfer oder andere Zwecke.

Wie ist der Anteil der (Haus-)Tiere und was sagt das zum Beispiel über die Ernährung aus? Bislang wurden unter anderem 211 Rinder, 51 Pferde, 87 Schweine, 31 Schafe, 8 Hunde und 17 Ziegen identifiziert. Woher kamen zum Beispiel die Pferde? Wofür wurden sie verwendet? Wie hoch war der Fleischanteil in der Ernährung

Was sagen die Gegenstände über das tägliche und religiöse Leben und die Bewaffnung aus? Woher stammen sie, was sagen sie zum Beispiel über den Handel mit anderen (keltischen) Stämmen, dem Mittelmeer und anderen Teilen Europas aus?

Auch die Bronze- und Silbermünzen haben eine Geschichte zu erzählen. Die keltischen Münzen waren im Gebiet der Drei-Seen-Region (Neuenburger-, Murten- und Bielersee) und im französischen Jura in Gebrauch, die römischen Münzen stammen hauptsächlich aus der Zeit ab dem zweiten Jahrhundert v. Chr., was mit der römischen Eroberung Südfrankreichs bis nach Genf (122-120 v. Chr.) und der Gründung der Provincia Gallia Narbonensis zusammenfällt.

Schlussfolgerung

Der Mormont-Hügel ist nicht nur eine industrielle Kalksteinmine, sondern auch eine archäologische Goldmine. Die Forschung ist noch relativ jung, aber erste Ergebnisse bestätigen frühere Untersuchungen aus der Halstattzeit (800-450 v. Chr., siehe auch das Welterbemuseum Halstatt) und Le Tène (450-100 v. Chr., siehe auch das Museum Laténium in Hauterive, Kanton Neuenburg).

Was diese keltische Stätte einzigartig macht, ist ihre religiöse Funktion mit rund 200 Gräbern, die bisher zu den grössten keltischen Stätten ihrer Art gehört.

(Quelle : C. Brunetti, G. Kaenel, P. Méniel, (ed.), « Les Helvètes au Mormont » in Archéothéma. Histoire et archéologie, hors série 7, avril 2014 ; W. Dusan (éd.), Le Mormont. Un sanctuaire des Helvètes en terre vaudoise vers 100 avant J.-C., Lausanne 2009).

Korrektorin: Carolina Bearth