Die Römer, Alemannen und Italiener in Oensingen
16 November 2020
Das Schloss Neu-Bechburg aus dem 11. und 12. Jahrhundert prägt noch heute die Skyline von Oensingen und zeugt von der Bedeutung des alten Handelsweges.
Mehr als tausend Jahre zuvor war dieser Ort ein wichtiger römischer Verkehrsknotenpunkt. Von grosser Bedeutung war der Pass über den Grossen St. Bernhard. Kaiser Claudius (10 v. Chr. – 54 n. Chr.) machte diesen Pass 43 n. Chr. als Vorbereitung auf die Invasion in England zugänglich.
Diese Strasse führte von Martigny (Forum Claudii Vallensium) nach Avenches (Aventicum) über Oensingen (römischer Name unbekannt) nach Windisch (Vindonissa). Eine weitere Strasse führte von Oensingen über Langenbruck nach Kaiseraugst (Augusta Raurica).

Oensingen war nach Olten und Solothurn (Salodurum) die grösste römische Stadt im Gebiet des heutigen Kantons Solothurn. In der Nähe von Oensingen wurden die Überreste mehrerer römischer Villen und viele andere archäologische Objekte gefunden.
Der Name Oensingen hat einen alemannischen Ursprung. Nach dem Abzug der Römer um 410 n. Chr. drangen die Alemannen in das Gebiet der heutigen Schweiz ein.
Die Kirche St. Georg im Zentrum des Dorfes wurde wahrscheinlich auf römischen Fundamenten erbaut. Die erste Erwähnung dieser Kirche stammt aus dem Jahr 968.
Über diese mittelalterliche und wahrscheinlich römische und gotische Baugeschichte ist heute wenig bekannt. Solothurn blieb während der Reformation katholisch. Die heutige Kirche wurde in der Mitte des sechzehnten Jahrhunderts erbaut.
Von 1643 bis 1648 wurde sie umgebaut, und 1773 errichtete Paolo Antonio Pasoli (1738-1804) die heutige Architektur und (barocke) Dekoration. Paolo half seinem Onkel Gaetano Matteo Pisoni (1713-1782) von 1763 bis 1770 beim Bau der St. Ursenkathedrale in Solothurn.
Dies erklärt die Ähnlichkeit und die italienischen Einflüsse. Auch der Ortskern und die schönen Häuser aus dem 17. und 18. Jahrhundert zeigen den Wohlstand und die Bedeutung des Dorfes.
